Samstag, 26. Juni 2010

Via Danubia

Ingolstadt – Linz

In der letzten Woche sind wir dem schönen Donauradweg durch Süddeutschland und nach Österreich gefolgt. Es ist ein sehr beliebter Radweg, der von der Donauquelle in Donaueschingen im Schwarzwald, bis nach Wien, und dann weiter zum Schwarzen Meer führt, wobei die Radfahrer nach Wien die Straße mit den Autos teilen müssen. Deutschland ist ein richtiger Luxus in dieser Hinsicht gewesen, da wir die letzten 700km unserer Tour fast nur auf Radwegen gefahren sind.

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In Deutschland verläuft der Donauradweg hauptsächlich durch Felder und kleine Dörfer, unterbrochen von sehenswerten Städten wie Ingolstadt, Regensburg und Passau. Wir machten eine kleine Tour mit einer Fähre bei Weltenburg, der ältesten Bierbrauerei der Welt, die schon seit fast 1000 Jahren existiert. Entlang des Radwegs gibt es überall Biergärten und Cafes, die die Radfahrer locken, sowie viele Unterkunftsmöglichkeiten und Campingplätze. In Passau legten wir einen Pausentag ein – es ist die letzte deutsche Stadt vor der Grenze mit Österreich. Der Passauer Dom ist wunderschön, und die ganze Stadt ist sehr entspannt, mit vielen Fähren, die auf dem Fluss vorbeifahren. Hier könnt Ihr unsere Fotos von Deutschland ansehen.

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Sobald wir die Grenze nach Österreich überquerten, änderte sich die Landschaft. Es wurde auf einmal sehr hügelig. Hier verläuft der Radweg direkt neben der Donau und windet sich durch die dicht bewaldeten Hügel, während der Radweg selber flach ist. Statt Brücken gibt es viele Radfahrer-Fähren, die die Radler über den Fluss transportieren. In Linz genossen wir den Internet-Hotspot, der in der ganzen Innenstadt kostenlosen Internetzugang gewährleistet, und wir tranken österreichischen Kaffee in einem hübschen Cafe. Heute werden wir wohl das Ars Electronica Center besuchen, ein Technologie-Museum.

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Der Donauradweg war eine gesellige Zeit für uns, da wir viele andere Radfahrer getroffen haben. Die meisten gehören der älteren Generation an und machen eine kürzere Tour zwischen Ulm oder Passau und Wien, aber einige waren auf einer größeren Tour. Wir trafen ein französisches Paar in ihren späten Sechzigern, Gabriel und Colette, die auf dem Heimweg waren, nachdem sie nach Rumänien geradelt waren. Sie gaben uns viele Tips, zum Beispiel dass wir uns in Rumänien an einem Samstag in ein Haus einladen lassen sollten, da das „Sauna-Tag“ ist, und anscheinend sehr unterhaltsam sein kann!

Eine interessante Begegnung war mit Paul, den wir auf einem Campingplatz in Regensburg trafen. Er ist auch Ende sechzig, und tourt schon seit ungefähr 50 Jahren mit dem Fahrrad um die Welt, während er als Lehrer in Schulen in verschiedenen Ländern arbeitete. Er war wirklich schon überall, zum Beispiel ist er durch ganz Afrika gefahren, und war auch viel im Australischen Outback mit dem Fahrrad unterwegs. Auf dem gleichen Campingplatz trafen wir auch David, der gerade das Ende seiner einjährigen Fahrradtour durch Europa genießt, und auf dem Rückweg nach London ist.

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Insgesamt war unsere Zeit an der Donau bisher recht einfach und entspannt (es gibt sogar Fahrradschlauch-Automaten auf dem Weg!), und wir sind nur 250km von Wien entfernt. Wir freuen uns schon sehr auf Wien, da Frederike’s Familie uns dort besuchen wird. Nach Wien werden wir bereit für die nächste, abendteuerliche Strecke durch die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien und die Türkei sein.

Dienstag, 22. Juni 2010

Hochwasser

Ulm – Ingolstadt

Da war es wieder, dieses Gefühl auf dem Wasser zu sein. Guy’s Herz schlug schneller, er wusste dass es ernst war und dass wir schnell handeln mussten: „Freddie, wir müssen sofort aufstehen, das Wasser kommt rein, wir müssen hier raus!“ Frederike schrak hoch und setzte sich im Zelt auf, während Guy’s Taschenlampe ihr ins verwirrte Gesicht schien.

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Es war unser achter Tag nacheinander, an dem es regnete. Als wir nach Donauwörth kamen, wollten wir so schnell wie möglich einen Zeltplatz finden und uns in Boris, unserem Zelt, niederlassen, in der Hoffnung dass der nächste Tag besser würde. Insbesondere, da wir den Nachmittag damit verbracht hatten, bei verschiedenen Polizeistationen und Rathäusern nachzufragen, ob jemand unseren Geldbeutel mit €300 abgegeben hatte, den wir verloren hatten (wir hatten es irgendwie geschafft, nach einem Supermarkt-Einkauf weiterzufahren, während der Geldbeutel noch hinten auf einer der Fahrradtaschen lag). Wir kamen bei dem „offiziellen Campingplatz“ der Stadt an, welches ein kleiner Rasen vor dem Kanu-Verein direkt neben der Donau war.

Frederike ging in das Clubhaus, um sich nach dem Campingplatz zu erkundigen. Es lief gerade eine Party, und alle der älteren Teilnehmer sahen schon recht mitgenommen aus. Es schien, dass sie sich damit abwechselten, sich um den Campingplatz zu kümmern, und heute war ein rotgesichtiger Mann dran, der etwas betrunken schien und nicht gerade ein professioneller Campingplatz-Manager war.

Der Mann schlug uns ein trockenes Plätzchen vor, so dass unser Zelt garantiert trocken sein würde. Er zeigte uns eine Art offenen Keller, der etwas tiefer lag als der Rasen, und der überdacht war. Unsere Alarmglocken schlugen an, da der Keller nur etwa einen Meter über dem Wasserpegel der Donau war. Wir fragten den Mann, da es ja schon länger regnete, und der Fluss etwas angeschwollen war, aber er lachte nur: „Überflutung, nein... Euch wird heute Nacht nichts passieren.“

Wir gerechtfertigten die Entscheidung, zu bleiben, da wir müde, hungrig und nass waren. Dies war immerhin ein trockener Platz, zu gut um abzulehnen. Mit einigen Zweifeln bauten wir das Zelt auf und beruhigten uns gegenseitig. „Die würden uns ja hier nicht campen lassen, wenn da ein Risiko wäre“, und „die kennen die Gegend ja besser als wir.“

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Am Abend wurde das Gurgeln des Flusses etwas stärker. Aber jetzt hatten wir das Zelt schon aufgebaut und es regnete nicht, so dass wir recht zuversichtlich waren, dass alles in Ordnung sein würde. Auch wenn das Wasser langsam weiter anstieg, würde es noch bis zum nächsten Tag dauern, bis es unseren Zeltplatz erreichte. Wir krabbelten in unser Zelt und versuchten, etwas Schlaf zu finden. Die Kanu-Club Leute waren nach Hause gegangen, und so waren wir alleine, da wir die einzigen Gäste des Campingplatzes waren.

Guy stand einige Stunden später auf um sich nochmal das Wasser anzusehen. Der Fluss war immer noch angeschwollen, aber nicht viel mehr als vorher, und sah nicht bedrohlich aus. Beruhigt ging er zurück ins Bett.

Irgendwann drehte sich Frederike um. Guy hatte das undeutliche Gefühl, dass seine Schlafmatte sich etwas anhob. Im Halbschlaf war er verwirrt, da er das noch nie vorher bemerkt hatte, aber dachte sich dann, es wäre wohl nur eine Halluzination.

Das nächste Mal, als Frederike sich bewegte, war das Gefühl viel stärker, es fühlte sich an wie ein Wasserbett. Als ob unter dem Zelt Wasser war. Guy schlug mit der Hand auf den Zeltboden. Wieviel Wasser war unter uns? Warum waren wir nicht nass? Trieben wir etwa schon auf der Donau?

Panik ergriff Guy. Er versuchte ruhig zu bleiben uns weckte Frederike auf. Sie starrte in für einige Sekunden an, bis sie den Ernst der Situation erkannte.

Als wir das Zelt öffneten, sahen wir unsere Habseligkeiten um uns herum im Wasser treiben, wie eine heilige Prozession auf dem Ganges Fluss. Mist... unser Laptop, die Kamera, die Pässe! Wir rannten herum und griffen alles was wir mit dem Licht unserer Taschenlampen finden konnten, und schmissen alles auf einen höhergelegenen Boden. In unserer besten Unterwäsche und barfuß planschten wir durch das Wasser, dass uns bereits bis zu den Waden stand.

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Zum Glück rettete uns unsere Entscheidung, Ortlieb’s wasserfeste Satteltaschen zu kaufen, so dass unsere wertvollen Dinge noch trocken waren. Nur etwas Kleidung, Schuhe und natürlich das Zelt waren richtig nass. Als wir alle unsere Besitztümer aufs Trockene gebracht hatten, schauten wir uns erstmal richtig um. Obwohl der Wasserstand der Donau viel höher war als vorher, hatte er noch nicht unseren Zeltplatz erreicht. Wir entdeckten, dass das Wasser durch einen Abfluss unter dem Keller hereinkam.

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Es war 3 Uhr morgens. Wir packten unsere Sachen, während das Wasser um uns weiter anstieg und der Keller sich mit Wasser füllte, und radelten die 70km bis zu unserem nächsten Ziel, Ingolstadt. Wir lachten erleichtert über unser Erlebnis, da wir alles gut überstanden hatten, aber wir müssen wohl auch lernen, uns bessere Campingplätze auszusuchen.

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Dienstag, 15. Juni 2010

Fremde und Freunde

Metz – Ulm

“Ein Fremder ist nur ein Freund, den ich noch nicht kennengelernt habe.” – Will Rogers

Die letzte Woche war eine sehr gesellige. Letzten Montag verließen wir Metz, um in Richtung Strasbourg zu fahren. Als wir in einem kleinen Dorf ankamen und uns gerade auf einer Bank niederlassen wollten, um eine kleine Pause einzulegen, hielt ein vorbeifahrendes Auto an, und ein älteres Paar ludt uns ein, bei ihnen etwas zu trinken.

Wir folgten ihnen zu ihrem Haus, und sie baten uns hinein. Die Getränke wurden durch selbstgebackenes Brot, Salami und Käse ergänzt. Als ein Bäckereiauto vorbeikam, wurde noch mehr Essen gekauft, inklusive eines leckeren Brioche, das wir mit einem Kaffee als Nachtisch aßen. Die beiden, deren Namen wir nie herausfanden, waren pensionierte Bauern in ihren Siebzigern, die in dem Dorf 50 Jahre lang einen Bauernhof hatten. Sie waren sehr nett und wir lachten und redeten die ganze Zeit, so dass wir total voller Energie waren, als wir weiterfuhren.

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Etwas später hielten wir in einem anderen Dorf an, diesmal saßen wir in einer Bushaltestelle, da dies ein schattiges Plätzchen mit einer Bank war. Wir aßen gerade einen Yoghurt als ein Mann mit einem Fahrrad vorbeikam. Er stellte sich vor als der Bürgermeister und hieß uns in seinem Dorf willkommen. Wir redeten ein Weilchen auf Französisch und Deutsch bevor wir weiterfuhren.

In der Nacht übernachteten wir auf einem Campingplatz, wo wir die einzigen Gäste waren. Es scheint wirklich noch die Niedrigsaison in Frankreich zu sein.

Nach ein paar Tagen in einer ländlichen Gegend erreichten wir Strasbourg am Mittwoch. Am Nachmittag trafen wir uns mit Claire-Marie, die wir durch die Warmshowers Webseite kennengelernt hatten. Sie und ihr Freund sind letztes Jahr von Frankreich in die Mongolei mit dem Fahrrad gefahren. Wir gingen in ein Café, und dann zeigte Claire-Marie uns die Stadt. Strasbourg hat eine sehr schöne Altstadt, mit vielen gut erhaltenen Gebäuden und Cafés und Restaurants.

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Cathérine, bei der wir in Metz übernachtet hatten, hatte uns erzählt, dass ihre Tocher in Strasbourg wohnt. Sie rief ihre Tochter an und arrangierte, dass wir bei ihr übernachten konnten. Charlotte beendete gerade ihr Studium, um danach nach Deutschland zu ziehen. Wir besuchten zusammen ein Konzert von Gotan Project, das auf dem Marktplatz von Strasbourg stattfand. Gotan Project ist eine Gruppe von Tango DJs, die in Paris basiert ist. Danach luden Charlotte und ihr Mitbewohner noch ein paar andere Freunde und Nachbarn ein, und wir aßen selbstgemachte Lasagne und verbrachten einen geselligen Abend.

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Wir verließen Strasbourg früh am Donnerstag, um die Grenze nach Deutschland zu überqueren. Wir wussten, dass wir eine große Steigung bewältigen mussten, um in den Schwarzwald hochzufahren. Allerding hatten wir nicht mit 35°C Hitze gerechnet! Es war ein ziemlich steiler Anstieg, und es ging 800m in die Höhe. Es war so heiß, dass wir wirklich jedes der 45kg Fahrräder und Gepäck gefühlt haben, das wir jeder den Berg hochbekommen mussten. Wir tauchten unsere T-Shirts in einen Bach, um uns etwas abzukühlen, und Guy erfand das „Ice Cap“, was eine Kappe voller kaltem Wasser ist, die dann auf Frederike’s Kopf gestülpt wird.

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Wir übernachteten in Herrenwies, hoch oben im Schwarzwald. Am nächsten Tag hatten wir eine schöne Fahrt durch den dichten Wald, wobei es meist bergab ging, abgesehen von einem 400m Anstieg. Die Temperatur war viel kühler, mit einigen Schauern. Wir campten in Nagold am östlichen Rande des Schwarzwalds. Am nächsten Morgen brauchten wir über eine halbe Stunde, um aus der kleinen Stadt herauszufinden. Der einzige Weg in unsere Richtung ging durch einen Tunnel, der für Radfahrer und Fußgänger gesperrt war. Letztendlich halfen uns einige Leute den Weg zu finden, was bedeutete, dass wir auf einen Hügel hoch über die Stadt radeln mussten, um über den Tunnel hinwegzukommen.

Wir hatten dann einen kurzen Tag von 30km und kamen am Vormittag in Ehningen bei Stuttgart an. Dort wohnen unsere guten Freunde Sandra und Alex mit ihren Kindern Laura und Phillip. Laura ist anderthalb Jahre alt, und Phillip ist erst 7 Wochen alt. Wir verbrachten den Nachmittag gemeinsam und gingen mit den Kindern Eis essen. Sandra und Alex fütterten uns hungrige Radfahrer mit leckerem gegrillten Fisch und brachten uns sogar in einem schicken Hotel unter. Natürlich haben wir gut geschlafen, und nach einem gemeinsamen Frühstück verabschiedeten wir uns und fuhren weiter.

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In England und Frankreich sind wir es gewohnt, auf der Straße Fahrrad zu fahren, aber in Deutschland gibt es viele Radwege. Wenn man auf der Straße fährt und die Autos hupen, bedeutet das normalerweise, dass es irgendwo in der Nähe einen Radweg gibt, der parallel verläuft, aber den man nicht unbedingt von der Straße aus sehen kann. Man sollte aber versuchen, ihn zu finden, denn die Autofahrer erwarten keine Radfahrer auf „ihrer“ Straße, wenn es auch einen Radweg gibt. Manchmal sind diese Radwege echt toll, aber oft sind sie eher für kurze Fahrten ausgelegt und man muss oft anhalten, um das nächste Streckenstück zu finden, dass oft nicht beschildert ist.

Als wir über die Schwäbische Alb in Richtung Ulm fuhren, fanden wir leider heraus, dass manche Wege, die so aussehen wie Radwege, gar keine Radwege sind. Wir hatten einen 300m Anstieg vor uns, und als wir aus Bad Urach kamen, nahmen wir den „Radweg“, der rechts von der Straße verlief. Wir begannen, bergauf zu fahren, an vielen Häusern vorbei, aber nach einer Weile sah die Straße eher nach einer Sackgasse aus. Einige der Bewohner sagten uns, dass es einen Weg durch den Wald zum nächsten Ort gab, aber sie würden das nicht empfehlen, da es sehr matschig sei. Es gab aber auch einen steilen Pfad, der zurück zur Hauptstraße führte. Irgendwie verpassten wir diesen Pfad und fuhren in den Wald hinein, wo wir die falsche Abzweigung nahmen. Wir wussten zwar, dass das wohl nicht der richtige Weg war, aber waren zu stur um umzukehren, da wir schon so einige Kilometer bergauf gefahren waren und nicht wieder herunter fahren wollten.

Am Anfang waren wir auf einem alten Traktorweg, der zwar etwas matschig war, aber ansonsten befahrbar. Dann endete der Weg und wurde ein kleiner Wanderpfad. Das war noch ok, bis der Pfad total überwachsen war. Er war offensichtlich schon seit Jahren nicht benutzt worden. Wir konnten immer noch die Hauptstraße hören, die höher oben auf der linken Seite war, also schoben wir die Fahrräder weiter, in der Hoffnung dass es einen Weg zurück auf die Straße gab. Wir mussten dann das Gepäck von den Rädern nehmen und es einzeln den Berg hochtragen, und die Fahrräder durch das Gestrüpp schieben. Nach zwei Stunden, in denen wir nur 2 km weiter gekommen waren, mit einem 300m vertikalen Anstieg, fanden wir endlich die Hauptstraße. Wir waren noch nie so froh, eine Teerstraße zu sehen!

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Am nächsten Morgen spendete uns eine Frau auf unserem Campingplatz eine Packung Schokoladenkekse, und wir fuhren den ganzen Weg bergab nach Ulm, wo wir unsere gute Freundin Gudrun um 14 Uhr vor dem Ulmer Münster trafen. Das Münster war sehr beeindruckend, denn es hat den höchsten Kirchturm der Welt und der Bau dauerte 500 Jahre. Gudrun war extra von Bregenz in Österreich nach Ulm gefahren, da wir einander schon seit 7 Jahren nicht mehr gesehen hatten, während sie in Kalifornien lebte. Sie flog am nächsten Morgen wieder in die USA, und wir verbrachten den Nachmittag in einem Café in der Innenstadt.

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Der andere Grund, weshalb wir uns freuten, in Ulm anzukommen, ist dass wir hier auf den Donauradweg treffen. Der Donauradweg führt von der Quelle in Donaueschingen bis zum Schwarzen Meer über 2.800km. Wir werden der Donau durch Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien folgen. Aber erstmal nehmen wir ein oder zwei Tage in Ulm frei, um Guy’s Geburtstag zu feiern.

Sonntag, 13. Juni 2010

1000km Foto

Wir haben ein Foto gemacht, als wir unsere ersten 1000km erreicht haben. Wir waren auf einem Radweg im Schwarzwald.

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Sonntag, 6. Juni 2010

In die Wildnis

Le Cateau-Cambrésis nach Metz

Nachdem wir Le Cateau-Cambrésis verlassen hatten, fuhren wir für ein paar Tage weiter in Richtung Süd-Osten durch einen schönen hügeligen Wald, wobei wir über die Grenze nach Belgien kamen, und dann wieder zurück nach Frankreich. Wir hatten im Voraus einige Campingplätze ausfindig gemacht und fühlten uns auf den Rädern so gut, dass wir unsere 60-75km pro Tag recht einfach fuhren und normalerweise am frühen Nachmittag auf dem Campingplatz ankamen.

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Eines Tages kamen wir in Mouzon an und folgten den Schildern zum Campingplatz, bis wir in einer Sackgasse landeten. Wir fragten nach und wurden informiert, dass der Campingplatz letztens in ein Schwimmbad umgewandelt wurde. Es war zu spät, um den nächsten Campingplatz zu erreichen, so dass wir in Richtung des nächsten Waldes fuhren, um das erste Mal wild zu zelten.

Als wir einen alten Weg fanden, der wohl nicht mehr viel benutzt wurde und in den Wald führte, liefen wir schnell hinein, als gerade keine Autos vorbeikamen. Wir hofften, dass uns keiner sah, damit wir nachts nicht gestört wurden.

Wir gingen höher auf einen Berg hinauf, wo wir einen Platz für unser Zelt fanden, der eine fantastische Aussicht auf das darunterliegende Tal hatte.

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Wir hatten noch ca. 3 Stunden bis zum Sonnenuntergang, also kochten wir erstmal unser Essen und sahen den Sonnenuntergang an. Sobald es dunkel wurde, bauten wir schnell das Zelt auf und wuschen uns mit Babytüchern und sprangen ins Zelt. Nach kurzer Zeit wurde uns klar, dass der Zeltplatz doch nicht so ganz flach war, sondern nach unten abfiel. Daher verbrachten wir die Nacht damit, ans Fußende des Zeltes zu rutschen und uns dann wieder hochzuziehen. Zumindest hat uns das aber von den ganzen seltsamen Geräuschen im Wald abgelenkt!

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Um 5 Uhr morgens standen wir auf, genossen die Aussicht zum letzten Mal und waren froh, dass wir unsere erste Erfahrung mit dem wilden Zelten überlebt hatten.

Wir fuhren durch die französische Landschaft und sahen für die nächsten zwei Tagen nicht einen einzigen Supermarkt oder Laden. Zum Glück fanden wir eine Bäckerei, die uns vor dem Verhungern bewahrte. Wir kauften fast alles, was sie im Laden hatten – die Ladenbesitzerin hat sich sehr gefreut.

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Diese Gegend in Frankreich hat viele Kriege erlebt, und es gibt viele Kriegsdenkmäler und Bunker, vom ersten und zweiten Weltkrieg, sowie vom Hundertjährigen Krieg und einigen anderen. Jedes Dorf hat ein Denkmal für seine gefallenen Soldaten, und es gibt viele Kriegsfriedhöfe für die verschiedenen Nationalitäten, die hier schon gekämpft haben. Für eine Weile radelten wir durch die dunklen Wälder in der Nähe von Verdun, an Schlachtfeldern vorbei, und Dörfern, die im ersten Weltkrieg zerstört worden waren.

Am Freitag kamen wir in Metz an, einer schönen Stadt, die unsere Erwartungen in jeder Weise übertroffen hat. Nach 8 Tagen Radfahren brauchten wir einen freien Tag, und Metz war dafür perfekt. Durch die Warmshowers Webseite kamen wir bei Cathérine und Mathieu unter, und fühlten uns gleich wohl bei ihnen. Cathérine liebt Radtouren, und das scheint bei ihr in der Familie zu liegen. Ihre Brüder und Schwestern, Kinder, Neffen und Nichten scheinen alle daran Interesse zu haben, an der alljährlichen Radtour teilzunehmen, die die Familie jedes Jahr in einem anderen Land unternimmt. Cathérine zeigte uns das neue Centre Pompidou, das gerade erst in Metz eröffnet wurde, und kochte uns dann ein leckeres Essen, das wir im Garten genossen.

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Am nächsten morgen mussten Cathérine und Mathieu früh los, um ihre Eltern zu besuchen, und wir verabschiedeten uns und zogen in eine Jugendherberge um, im Zentrum von Metz. Hier sind wir jetzt seit 2 Tagen und waschen unsere Klamotten, planen unsere weitere Route, beantworten unsere Emails und genießen die Cafes und Parks in Metz. Morgen früh ziehen wir weiter in Richtung Strasbourg, und in ein paar Tagen sind wir dann schon in Deutschland.

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