Dienstag, 15. Juni 2010

Fremde und Freunde

Metz – Ulm

“Ein Fremder ist nur ein Freund, den ich noch nicht kennengelernt habe.” – Will Rogers

Die letzte Woche war eine sehr gesellige. Letzten Montag verließen wir Metz, um in Richtung Strasbourg zu fahren. Als wir in einem kleinen Dorf ankamen und uns gerade auf einer Bank niederlassen wollten, um eine kleine Pause einzulegen, hielt ein vorbeifahrendes Auto an, und ein älteres Paar ludt uns ein, bei ihnen etwas zu trinken.

Wir folgten ihnen zu ihrem Haus, und sie baten uns hinein. Die Getränke wurden durch selbstgebackenes Brot, Salami und Käse ergänzt. Als ein Bäckereiauto vorbeikam, wurde noch mehr Essen gekauft, inklusive eines leckeren Brioche, das wir mit einem Kaffee als Nachtisch aßen. Die beiden, deren Namen wir nie herausfanden, waren pensionierte Bauern in ihren Siebzigern, die in dem Dorf 50 Jahre lang einen Bauernhof hatten. Sie waren sehr nett und wir lachten und redeten die ganze Zeit, so dass wir total voller Energie waren, als wir weiterfuhren.

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Etwas später hielten wir in einem anderen Dorf an, diesmal saßen wir in einer Bushaltestelle, da dies ein schattiges Plätzchen mit einer Bank war. Wir aßen gerade einen Yoghurt als ein Mann mit einem Fahrrad vorbeikam. Er stellte sich vor als der Bürgermeister und hieß uns in seinem Dorf willkommen. Wir redeten ein Weilchen auf Französisch und Deutsch bevor wir weiterfuhren.

In der Nacht übernachteten wir auf einem Campingplatz, wo wir die einzigen Gäste waren. Es scheint wirklich noch die Niedrigsaison in Frankreich zu sein.

Nach ein paar Tagen in einer ländlichen Gegend erreichten wir Strasbourg am Mittwoch. Am Nachmittag trafen wir uns mit Claire-Marie, die wir durch die Warmshowers Webseite kennengelernt hatten. Sie und ihr Freund sind letztes Jahr von Frankreich in die Mongolei mit dem Fahrrad gefahren. Wir gingen in ein Café, und dann zeigte Claire-Marie uns die Stadt. Strasbourg hat eine sehr schöne Altstadt, mit vielen gut erhaltenen Gebäuden und Cafés und Restaurants.

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Cathérine, bei der wir in Metz übernachtet hatten, hatte uns erzählt, dass ihre Tocher in Strasbourg wohnt. Sie rief ihre Tochter an und arrangierte, dass wir bei ihr übernachten konnten. Charlotte beendete gerade ihr Studium, um danach nach Deutschland zu ziehen. Wir besuchten zusammen ein Konzert von Gotan Project, das auf dem Marktplatz von Strasbourg stattfand. Gotan Project ist eine Gruppe von Tango DJs, die in Paris basiert ist. Danach luden Charlotte und ihr Mitbewohner noch ein paar andere Freunde und Nachbarn ein, und wir aßen selbstgemachte Lasagne und verbrachten einen geselligen Abend.

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Wir verließen Strasbourg früh am Donnerstag, um die Grenze nach Deutschland zu überqueren. Wir wussten, dass wir eine große Steigung bewältigen mussten, um in den Schwarzwald hochzufahren. Allerding hatten wir nicht mit 35°C Hitze gerechnet! Es war ein ziemlich steiler Anstieg, und es ging 800m in die Höhe. Es war so heiß, dass wir wirklich jedes der 45kg Fahrräder und Gepäck gefühlt haben, das wir jeder den Berg hochbekommen mussten. Wir tauchten unsere T-Shirts in einen Bach, um uns etwas abzukühlen, und Guy erfand das „Ice Cap“, was eine Kappe voller kaltem Wasser ist, die dann auf Frederike’s Kopf gestülpt wird.

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Wir übernachteten in Herrenwies, hoch oben im Schwarzwald. Am nächsten Tag hatten wir eine schöne Fahrt durch den dichten Wald, wobei es meist bergab ging, abgesehen von einem 400m Anstieg. Die Temperatur war viel kühler, mit einigen Schauern. Wir campten in Nagold am östlichen Rande des Schwarzwalds. Am nächsten Morgen brauchten wir über eine halbe Stunde, um aus der kleinen Stadt herauszufinden. Der einzige Weg in unsere Richtung ging durch einen Tunnel, der für Radfahrer und Fußgänger gesperrt war. Letztendlich halfen uns einige Leute den Weg zu finden, was bedeutete, dass wir auf einen Hügel hoch über die Stadt radeln mussten, um über den Tunnel hinwegzukommen.

Wir hatten dann einen kurzen Tag von 30km und kamen am Vormittag in Ehningen bei Stuttgart an. Dort wohnen unsere guten Freunde Sandra und Alex mit ihren Kindern Laura und Phillip. Laura ist anderthalb Jahre alt, und Phillip ist erst 7 Wochen alt. Wir verbrachten den Nachmittag gemeinsam und gingen mit den Kindern Eis essen. Sandra und Alex fütterten uns hungrige Radfahrer mit leckerem gegrillten Fisch und brachten uns sogar in einem schicken Hotel unter. Natürlich haben wir gut geschlafen, und nach einem gemeinsamen Frühstück verabschiedeten wir uns und fuhren weiter.

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In England und Frankreich sind wir es gewohnt, auf der Straße Fahrrad zu fahren, aber in Deutschland gibt es viele Radwege. Wenn man auf der Straße fährt und die Autos hupen, bedeutet das normalerweise, dass es irgendwo in der Nähe einen Radweg gibt, der parallel verläuft, aber den man nicht unbedingt von der Straße aus sehen kann. Man sollte aber versuchen, ihn zu finden, denn die Autofahrer erwarten keine Radfahrer auf „ihrer“ Straße, wenn es auch einen Radweg gibt. Manchmal sind diese Radwege echt toll, aber oft sind sie eher für kurze Fahrten ausgelegt und man muss oft anhalten, um das nächste Streckenstück zu finden, dass oft nicht beschildert ist.

Als wir über die Schwäbische Alb in Richtung Ulm fuhren, fanden wir leider heraus, dass manche Wege, die so aussehen wie Radwege, gar keine Radwege sind. Wir hatten einen 300m Anstieg vor uns, und als wir aus Bad Urach kamen, nahmen wir den „Radweg“, der rechts von der Straße verlief. Wir begannen, bergauf zu fahren, an vielen Häusern vorbei, aber nach einer Weile sah die Straße eher nach einer Sackgasse aus. Einige der Bewohner sagten uns, dass es einen Weg durch den Wald zum nächsten Ort gab, aber sie würden das nicht empfehlen, da es sehr matschig sei. Es gab aber auch einen steilen Pfad, der zurück zur Hauptstraße führte. Irgendwie verpassten wir diesen Pfad und fuhren in den Wald hinein, wo wir die falsche Abzweigung nahmen. Wir wussten zwar, dass das wohl nicht der richtige Weg war, aber waren zu stur um umzukehren, da wir schon so einige Kilometer bergauf gefahren waren und nicht wieder herunter fahren wollten.

Am Anfang waren wir auf einem alten Traktorweg, der zwar etwas matschig war, aber ansonsten befahrbar. Dann endete der Weg und wurde ein kleiner Wanderpfad. Das war noch ok, bis der Pfad total überwachsen war. Er war offensichtlich schon seit Jahren nicht benutzt worden. Wir konnten immer noch die Hauptstraße hören, die höher oben auf der linken Seite war, also schoben wir die Fahrräder weiter, in der Hoffnung dass es einen Weg zurück auf die Straße gab. Wir mussten dann das Gepäck von den Rädern nehmen und es einzeln den Berg hochtragen, und die Fahrräder durch das Gestrüpp schieben. Nach zwei Stunden, in denen wir nur 2 km weiter gekommen waren, mit einem 300m vertikalen Anstieg, fanden wir endlich die Hauptstraße. Wir waren noch nie so froh, eine Teerstraße zu sehen!

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Am nächsten Morgen spendete uns eine Frau auf unserem Campingplatz eine Packung Schokoladenkekse, und wir fuhren den ganzen Weg bergab nach Ulm, wo wir unsere gute Freundin Gudrun um 14 Uhr vor dem Ulmer Münster trafen. Das Münster war sehr beeindruckend, denn es hat den höchsten Kirchturm der Welt und der Bau dauerte 500 Jahre. Gudrun war extra von Bregenz in Österreich nach Ulm gefahren, da wir einander schon seit 7 Jahren nicht mehr gesehen hatten, während sie in Kalifornien lebte. Sie flog am nächsten Morgen wieder in die USA, und wir verbrachten den Nachmittag in einem Café in der Innenstadt.

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Der andere Grund, weshalb wir uns freuten, in Ulm anzukommen, ist dass wir hier auf den Donauradweg treffen. Der Donauradweg führt von der Quelle in Donaueschingen bis zum Schwarzen Meer über 2.800km. Wir werden der Donau durch Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien folgen. Aber erstmal nehmen wir ein oder zwei Tage in Ulm frei, um Guy’s Geburtstag zu feiern.

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