Sonntag, 6. Juni 2010

In die Wildnis

Le Cateau-Cambrésis nach Metz

Nachdem wir Le Cateau-Cambrésis verlassen hatten, fuhren wir für ein paar Tage weiter in Richtung Süd-Osten durch einen schönen hügeligen Wald, wobei wir über die Grenze nach Belgien kamen, und dann wieder zurück nach Frankreich. Wir hatten im Voraus einige Campingplätze ausfindig gemacht und fühlten uns auf den Rädern so gut, dass wir unsere 60-75km pro Tag recht einfach fuhren und normalerweise am frühen Nachmittag auf dem Campingplatz ankamen.

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Eines Tages kamen wir in Mouzon an und folgten den Schildern zum Campingplatz, bis wir in einer Sackgasse landeten. Wir fragten nach und wurden informiert, dass der Campingplatz letztens in ein Schwimmbad umgewandelt wurde. Es war zu spät, um den nächsten Campingplatz zu erreichen, so dass wir in Richtung des nächsten Waldes fuhren, um das erste Mal wild zu zelten.

Als wir einen alten Weg fanden, der wohl nicht mehr viel benutzt wurde und in den Wald führte, liefen wir schnell hinein, als gerade keine Autos vorbeikamen. Wir hofften, dass uns keiner sah, damit wir nachts nicht gestört wurden.

Wir gingen höher auf einen Berg hinauf, wo wir einen Platz für unser Zelt fanden, der eine fantastische Aussicht auf das darunterliegende Tal hatte.

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Wir hatten noch ca. 3 Stunden bis zum Sonnenuntergang, also kochten wir erstmal unser Essen und sahen den Sonnenuntergang an. Sobald es dunkel wurde, bauten wir schnell das Zelt auf und wuschen uns mit Babytüchern und sprangen ins Zelt. Nach kurzer Zeit wurde uns klar, dass der Zeltplatz doch nicht so ganz flach war, sondern nach unten abfiel. Daher verbrachten wir die Nacht damit, ans Fußende des Zeltes zu rutschen und uns dann wieder hochzuziehen. Zumindest hat uns das aber von den ganzen seltsamen Geräuschen im Wald abgelenkt!

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Um 5 Uhr morgens standen wir auf, genossen die Aussicht zum letzten Mal und waren froh, dass wir unsere erste Erfahrung mit dem wilden Zelten überlebt hatten.

Wir fuhren durch die französische Landschaft und sahen für die nächsten zwei Tagen nicht einen einzigen Supermarkt oder Laden. Zum Glück fanden wir eine Bäckerei, die uns vor dem Verhungern bewahrte. Wir kauften fast alles, was sie im Laden hatten – die Ladenbesitzerin hat sich sehr gefreut.

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Diese Gegend in Frankreich hat viele Kriege erlebt, und es gibt viele Kriegsdenkmäler und Bunker, vom ersten und zweiten Weltkrieg, sowie vom Hundertjährigen Krieg und einigen anderen. Jedes Dorf hat ein Denkmal für seine gefallenen Soldaten, und es gibt viele Kriegsfriedhöfe für die verschiedenen Nationalitäten, die hier schon gekämpft haben. Für eine Weile radelten wir durch die dunklen Wälder in der Nähe von Verdun, an Schlachtfeldern vorbei, und Dörfern, die im ersten Weltkrieg zerstört worden waren.

Am Freitag kamen wir in Metz an, einer schönen Stadt, die unsere Erwartungen in jeder Weise übertroffen hat. Nach 8 Tagen Radfahren brauchten wir einen freien Tag, und Metz war dafür perfekt. Durch die Warmshowers Webseite kamen wir bei Cathérine und Mathieu unter, und fühlten uns gleich wohl bei ihnen. Cathérine liebt Radtouren, und das scheint bei ihr in der Familie zu liegen. Ihre Brüder und Schwestern, Kinder, Neffen und Nichten scheinen alle daran Interesse zu haben, an der alljährlichen Radtour teilzunehmen, die die Familie jedes Jahr in einem anderen Land unternimmt. Cathérine zeigte uns das neue Centre Pompidou, das gerade erst in Metz eröffnet wurde, und kochte uns dann ein leckeres Essen, das wir im Garten genossen.

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Am nächsten morgen mussten Cathérine und Mathieu früh los, um ihre Eltern zu besuchen, und wir verabschiedeten uns und zogen in eine Jugendherberge um, im Zentrum von Metz. Hier sind wir jetzt seit 2 Tagen und waschen unsere Klamotten, planen unsere weitere Route, beantworten unsere Emails und genießen die Cafes und Parks in Metz. Morgen früh ziehen wir weiter in Richtung Strasbourg, und in ein paar Tagen sind wir dann schon in Deutschland.

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