Dienstag, 13. Juli 2010

Bettwanzen in Bratislava

Aus Guy’s Perspektive:

Als wir abends in Bratislava auf dem Bett lagen und Fussball schauten, sah ich auf einmal einen Schatten über die Wand huschen. Er verschwand hinter dem Fernseher, er war klein aber auf jeden Fall da. Und da waren noch mehr… Auf den Wänden eines Hostels bedeutet das nur eines: Bettwanzen! Irritierende, blutsaugende Insekten, die gerne in Deiner Kleidung und Bettwäsche nisten und Dich dann attackieren.

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Ich informierte einen netten jungen Mann an der Rezeption, dass unser Zimmer mit Bettwanzen uebersäht war. „Wir haben kein Spray, und alle Zimmer sind ausgebucht. Wir haben nur ein Spray, das man benutzen kann, um Hunde davon abzuhalten, in unseren Garten zu pinkeln“, sagte er und zeigte mir eine Spray-Flasche mit einem durchgestrichenen Bild von einem pinkelnden Hund. Ich schaute in seinen Augen nach einem Anflug von Humor, doch da war keiner vorhanden.

Zurück im Zimmer hatte Frederike ihren “lass-uns-bitte-praktisch-sein” Hut auf. Ok, also schlafen wir in unseren Seidenschlafsäcken, so dass unsere Körper bedeckt sind und sie nur unsere Gesichter und Arme beißen können. Gute Nacht, Liebling! Und damit ging das Licht aus.

Wie bitte?! Dachte ich, obwohl ich nicht zeigte, dass mir diese Idee nicht gefiel. Innerhalb von Sekunden schlief Frederike ein. Ich lag da, stocksteif und mit weit aufgerissenen Augen, meine Haut prickelte schon bei dem Gedanken an die Bettwanzen. Sie waren sicher schon auf dem Weg von der Wand in Richtung Bett, und dann würden sie sich in meinen Achseln und anderen unangenehmen Regionen verkriechen. Beruhige Dich, sei ein Mann, denk mal an den Abenteurer Bear Grylls, der würde sich ja auch nicht vor ein paar Bettwanzen fürchten.

Was ist denn mit Boris? Genau – wir könnten ja unser Zelt aufstellen, es ist zwar ein kleines Zimmer, aber wenn man alle Möbel auf eine Seite schiebt und die Betten hochkant stellt, dann könnte es funktionieren.

"Freddie, Freddie, sollen wir Boris aufstellen?" versuchte ich Frederike von meiner guten Idee zu überzeugen.

"Geh endlich schlafen", kam die Antwort.

Ich schloss meine Augen und versuchte mich zu entspannen. Ich stellte mir sonnige Weiden vor, aber bald wurden auch diese beruhigenden Bilder von Wanzen-Schwärmen überfallen. So geht das nicht, ich kann sie schon fühlen. Ich schaltete meine Taschenlampe an und sah ein halbes Dutzend Bettwanzen auf dem Weg in Richtung Bett. Ich sah, dass das Licht sie stoppte wie Hasen im Autoscheinwerfer. Sobald das Licht aus war, würden sie weiter laufen. Vorsichtig, und ohne die Taschenlampe zu bewegen, griff ich mit meiner anderen Hand nach einer Bratislava Broschüre. BUMM BUMM BUMM. Die Wanzen waren tot, die erste Invasion wurde erfolgreich gestoppt.

Als ich die Wand beobachtete, konnte ich immer noch kleine Köpfe sehen, die unter den Bilderrahmen und in Rissen in der Wand herausschauten. Ich wusste, dass die nächste Invasion schon vorbereitet wurde. Ich machte das Licht aus, wartete ein paar Minuten, und dann BUMM BUMM BUMM, die zweite Invasion wurde eliminiert. Jetzt war ich voller Energie, sicher konnten sie das nicht lange aushalten? Ich schätzte noch 50, höchstens 100 Wanzen. 10-20 weitere Attacken über die nächste Stunde würden das Problem lösen, und ich würde endlich Ruhe haben.

Zweieinhalb Stunden später war die Bedrohung immer noch genauso groß wie vorher. Ich konnte nicht mehr. Meine Arme waren so müde, meine Augen konnten nicht mehr fokussieren, und immer mehr Wanzen kamen aus den Rissen an der Wand. Ich lag da wie ein verwundeter Soldat, mein Kampfgeist zwar immer noch da, aber geschwächt und müde. Ich zog den Seidenschlafsack hoch bis zum Kinn, schaltete das Licht zum letzten Mal aus und ließ die Natur ihren Lauf nehmen.

Am nächsten Morgen war ich sehr irritiert, weil wir für diese schlaflose Nacht auch noch viel Geld bezahlt hatten. Freundlicherweise organisierte die Dame an der Rezeption sofort einen Kammerjäger und gab uns unser Geld zurück. Wir durften dann alleine für die nächste Nacht ein Gruppenzimmer mit 10 Betten besetzen, während in unserem Zimmer alles auf den Kopf gestellt und besprüht wurde.

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1 comments:

Hannah hat gesagt…

Oh, ich kann mir das richtig gut vorstellen. Guck mal unter www.bettwanzen-frei.de - da verkaufen wir eine innovative Lösung - ein Laken, bei dem 2 % Permethrin bereits bei der Herstellung des Materials in der Faser verankert wird.
Traurig ist, dass das Hotel durch das Bekämpfen der Bettwanzen in nur einem Zimmer wenig ausrichten wird ... dadurch, dass ihr eine ganze Nacht in dem Zimmer wart, mit Euren Gepäck, habt Ihr sie ziemlich sicher in das alternative Zimmer mitverschleppt.
Und ab der 12. Generation entwickeln Bettwanzen Resistenzen.
Selbst wenn das Laken Dich nicht reizt, findest Du auf der oben genannten Seite wenigstens ein paar Tipps, wie Du Euch in Zukunft wenigstens einigermaßen gegen derlei "Überraschungen" wehren kannst bzw. was zu tun ist, wenn man bereits "Kontakt" hatte.
Wenigstens übertragen Bettwanzen keine Krankheiten.
:-)

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