Samstag, 28. August 2010

Und wohin jetzt?

Als wir England verließen, wussten wir noch nicht so recht, wie wir mit unserer Fahrradtour zurecht kommen würden. Wir hatten schon länger davon geträumt, nach Australien zu fahren, aber dann hatte Frederike eine Gelenkentzündung in ihrem Rücken. Nach vielen Monaten fruchtloser Physiotherapie bekam sie letztendlich eine Kortisoninjektion, kurz bevor wir auf unsere Reise aufbrachen. Zu der Zeit wusste niemand, ob es helfen würde. Wir fuhren trotzdem in Richtung Dover los, obwohl wir nicht sicher waren, ob wir es durch Frankreich schaffen würden. Zum Glück wirkte die Injektion sehr gut und die Schmerzen kamen nicht wieder.

Zu der Zeit konzentrierten wir uns nur auf die erste Etappe nach Istanbul, um unser Ziel erreichbarer zu machen. Der Gedanke, nach Australien zu fahren, als Frederike noch nicht mal 10km ohne Schmerzen fahren konnte, war einfach zu entmutigend.

Nach den ersten paar Wochen fühlten wir uns fitter und gesünder, und waren zuversichtlicher in Bezug auf unsere Pläne. Wir genossen die Fahrt durch Frankreich, Deutschland und Österreich. Oft war das Radfahren flach und einfach, mit keinen großen Herausforderungen und einer vorhersehbaren täglichen Routine.

Unsere Beziehung ging allerdings anfangs durch eine kleine Krise, so dass die Ehefrau sich sogar zu der folgenden Aussage hinreißen ließ: “Wenn das so weitergeht, sind wir bis Istanbul geschieden!” Zum Glück beruhigte sich die Situation bald wieder, und wir fanden einen Weg, mit unserem ständigen Zusammensein umzugehen: Ein zweites Laptop! Das extra Gewicht ist es wirklich wert.

Als wir Wien erreichten, waren wir bereit für anspruchsvolleres Terrain, aber auch ein wenig unsicher, ob uns Osteuropa gefallen würde. Am Ende hatten wir eine tolle Fahrt, wobei wir kurz in die Slowakei fuhren, dann durch Ungarn, wo wir zufällig Di trafen. Di ist aus Neuseeland, und wir sind letztendlich mit ihr zusammen von Budapest bis nach Istanbul gefahren. Die vom Krieg zerstörten Grenzorte im Osten von Kroatien waren ernüchternd, Serbien war eine angenehme Überraschung, und Rumänien hat uns sehr viel Spaß gemacht. Die Donau nach so vielen gemeinsamen Kilometern zu verlassen, fiel uns etwas schwer, aber die abwechslungsreiche Fahrt durch Bulgarien entschädigte uns dafür. Wir hatten uns etwas Sorgen um die Fahrt ins Zentrum von Istanbul gemacht, aber wählten am Ende eine gute Route, auf der wir viel türkische Gastfreundlichkeit erlebten. Natürlich gab es auch schwerere Zeiten, da wir für die letzten zwei Monate fast jeden Tag in extremer Hitze fuhren, manchmal mit Gegenwind und schlechten Straßen zu kämpfen hatten, sowie einige unangenehme Lebensmittelvergiftungen.

Morgen verlassen wir Istanbul und fahren in Richtung Kappadokien, und dann weiter durch die Türkei in Richtung Ost-Anatolien. Von nun an wird alles noch etwas aufregender: Größere Berge, abgeschiedenere Landschaften, schnellere Hunde…

Wir haben in Istanbul unser Visum für Iran organisiert und möchten gerne den Iran besuchen, da wir viele tolle Geschichten über die Gastfreundschaft der Leute und die Schönheit von Orten wie Esfahan und Shiraz gehört haben. Natürlich verfolgen wir die Nachrichten ständig, und falls die Situation zu unsicher wird, können wir stattdessen Richtung Norden nach Georgien und Aserbaidschan fahren.

Von Iran aus gibt es ein paar Möglichkeiten zur Weiterreise. Die erste Option ist, durch Zentralasien und China nach Südostasien zu fahren. Dies ist so ziemlich der einzige Weg, die ganze Fahrt nach Singapur überland zu bewältigen. Allerdings wird es Winter sein, wenn wir dort ankommen, und Winter im Himalaya ist nicht die ideale Zeit zum Radfahren… Die meisten Länder in Zentralasien machen es einem auch ziemlich schwer durch ihre Visumsbestimmungen, wobei man für jedes Land genaue Ein- und Ausreisedaten angeben muss, und im Fall von Turkmenistan bekommt man nur eine Woche Zeit, das Land zu durchqueren.

Die andere Möglichkeit ist, durch Pakistan nach Indien zu fahren. Allerdings ist die Grenzregion zwischen Iran und Pakistan ziemlich unsicher, mit einem Entführungsrisiko, so dass man zwangsweise eine Polizeieskorte in Anspruch nehmen muss. Offensichtlich gab es in letzter Zeit auch einige Terroranschläge und die furchtbaren Überflutungen. Bei der jetzigen Situation ist Pakistan nichts für uns, und so planen wir, stattdessen eine Fähre vom Süden Irans nach Dubai zu nehmen. In Dubai können wir hoffentlich ein Visum für Indien arrangieren und einen Flug nach Mumbai nehmen (Indien hat vor kurzem seine Visumsvorschriften geändert, so dass wir unser Visum nicht vor Dubai organisieren können).

Wir werden Indien durchqueren und wahrscheinlich von Chennai nach Bangkok fliegen. Man kann nicht über die Landesgrenzen nach Myanmar reisen, so dass wir darüber hinweg fliegen müssen. Wir werden durch Thailand, Malaysien und Singapur fahren, und dann einen letzten Flug nach Nordaustralien nehmen, wo wir unsere Route nach Melbourne festlegen werden.

Eines der Ziele unserer Reise ist, Spenden für SOS Kinderdorf zu sammeln. SOS Kinderdorf hilft verwaisten und verlassenen Kindern rund um die Welt, ein stabiles Familienleben mit einer neuen Familie wiederzuerlangen. SOS Kinderdorf arbeitet auch in Pakistan, um Essen und Notunterkünfte für Familien bereitzustellen, die von den Überflutungen betroffen sind. Wenn Ihr uns sponsern möchtet, könnt ihr dies hier tun. Auch der kleinste Betrag hilft. Ihr braucht dazu allerdings eine Kreditkarte, denn die Spenden werden über die englische Virginmoneygiving.com Webseite gesammelt und an SOS Kinderdorf weitergeleitet.

Wir hören immer gerne von Euch, und wenn ihr uns einige Gedanken mitteilen oder etwas fragen möchtet, könnt Ihr uns hier eine Nachricht schicken.

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