Mittwoch, 22. September 2010

Kappadokien

Göreme - Sivas

Wir verbrachten eine Woche in Kappadokien und entdeckten die Gegend gemeinsam mit anderen Radfahrern: Justin und Emma, und Roger und Catherine, einem kanadischem Paar aus Quebec, das wir auf unserem Campingplatz trafen.

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Wir gingen in den Tälern spazieren und bewunderten die Felsformationen und Höhlen, und wir mieteten ein Auto und sahen uns die unterirdische Stadt Kaymakli an. Dies ist eine von 200 unterirdischen Städten in der Gegend, die von Christen zwischen dem 4. und 9. Jahrhundert benutzt wurden. Die Stadt hat 7 Stockwerke mit vielen Räumen, Küchen und Ställen, wo Familien sich bis zu 3 Monate am Stück vor Verfolgern verstecken konnten.

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Von unserem Campingplatz aus (Kaya Camping) hatten wir einen tollen Ausblick auf die Täler, und jeden Morgen sahen wir zu, wie 40-50 Heißluftballons über die Felsformationen flogen. Am Ende gaben wir uns geschlagen und gaben jeder 120 Euro für eine Ballonfahrt aus. Gemeinsam mit Justin und Emma wurden wir morgens um 5 Uhr abgeholt und zum Abflugsort gebracht, der je nach Windrichtung jeden Tag anders ist. Unser Ballon wurde langsam aufgeblasen, bis er vom Boden abhob und sich senkrecht stellte. In den Korb passten 16 Leute, mit dem Piloten in der Mitte. Plötzlich hoben wir ab und schwebten über dem Tal. Die Sonne ging über Erciyes Dagi auf, einem 3,916 Meter hohen Vulkan – der höchste Berg in Zentralanatolien.

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Es war beeindruckend, die Gegend von oben zu sehen, und es fühlte sich sehr sicher an, da wir so langsam schwebten. Genauso beeindruckend war die Aussicht auf die vielen anderen Ballons um uns herum, die tief in die Täler eintauchten oder hoch über uns hinweg flogen. Der Flug dauerte eine Stunde, und als wir landeten, waren wir so nah an den Felsen, dass wir sie fast anfassen konnten. Der Pilot landete direkt auf dem Anhänger eines Landrovers und servierte uns dann Champagner.

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Es war schwer, Kappadokien und unsere neuen Freunde zu verlassen, die alle zurück nach Istanbul fuhren. Der erste Tag auf dem Fahrrad war hart, da es viel Verkehr auf den Straßen gab und wir für ca 50km durch die Vororte von Kayseri fuhren, eine der größten Städte in der Türkei. Auf einmal blockierte ein Verkehrspolizist unseren Weg und hielt uns an. Mit strengem Blick zeigte er auf eine kleine Polizeistation. Irgendwas hatten wir wohl falsch gemacht, also gingen wir besorgt zur Polizeistation. Dort wurde uns Tee serviert, und die Polizisten schenkten uns frische Brötchen, bevor sie uns weiterfahren ließen! Es wurde langsam spät und wir waren auf einer Umgehungsstraße um Kayseri. Wir hatten nur wenig Wasser und wollten einen Platz zum zelten finden. Roger und Catherine hatten uns erzählt, dass sie oft an Tankstellen campten, wo es zwar manchmal etwas laut ist, aber immerhin ist es ein sicherer Platz und es gibt Wasser und Toiletten. Wir fragten also auch an einer Tankstelle. Hinter der Tankstelle gab es einen kleinen Garten, und dort durften wir unser Zelt aufstellen.

Anfangs war es etwas schwierig zu kommunizieren, aber dann kam der Besitzer und sprach perfekt Englisch. Er ludt uns zum Teetrinken ein und warnte uns vor Schlangen und Skorpionen. Er bot uns sogar an, drinnen zu schlafen, aber wir hatten schon das Zelt aufgestellt und lehnten ab. Die Tankstelle lief nicht besonders gut, was kein Wunder war, da es in der Türkei viel zu viele Tankstellen gibt. Das Restaurant war zu einem Schlafplatz für Bauarbeiter umfunktioniert worden. Einige der Bauarbeiter sahen etwas wild aus, aber einer war sehr freundlich. Erol sprach etwas französisch, und gerade als wir unser Abendessen kochen wollten, kam er mit einem Tablett an: Hühnchen, Reis, Salat und Brot, und dazu Tee. In der Nacht schliefen wir nicht so gut, da es sehr laut war vom Verkehr. Am nächsten Morgen wollten wir gerade frühstücken als Erol mit einem Korb Brot ankam, und dazu Marmelade, Oliven und Tee.

Zum Glück wurde die Straße etwas ruhiger und wir verbrachten einen recht ereignislosen Tag, wobei wir öfters an Tankstellen anhielten, wo wir uns unterhielten und umsonst Tee bekamen. In dieser Gegend der Türkei gibt es nicht viele Städte und Dörfer, und die meisten sind nicht direkt an der Hauptstraße, so dass die Tankstellen oft die beste Möglichkeit zum Anhalten sind. Dort gibt es Schatten, Toiletten, und meistens bekommen wir auch Tee serviert. Jemand spendete uns eine türkische Pizza zum Mittagessen, und am Nachmittag hielten wir an einer weiteren Tankstelle an, um Wasser zu holen, bevor wir einen Platz zum Zelten suchten. Zufällig sahen wir, dass es an der Tankstelle auch ein Hotel gab, und wir fanden heraus, dass ein schönes Zimmer mit Balkon und Bad nur 10 Euro kostete! Natürlich blieben wir gleich da.

Seit Kappadokien sind uns ein paar Sachen kaputtgegangen. Erst verlor Frederike eine Klemme von ihrer Satteltasche, so dass diese nicht mehr so stabil auf dem Fahrrad sitzt wie vorher. Das ist allerdings nur auf holprigen Straßen wichtig, so dass es momentan kein Problem ist. Etwas ernster ist der Zustand von Guy’s Schlafmatte. Es ist eine aufblasbare Matte, und sie hat irgendwie auf einmal eine große Blase entwickelt. Momentan ist es nur etwas unbequem, aber wir müssen wohl einen Ersatz besorgen bevor es schlimmer wird. Dann, gerade als wir an einem kleinen Ort namens Sarkisla ankamen, ging Guy’s rechte Pedale kaputt. Auf einmal wurde sie ganz wackelig, und wir hielten an der nächsten Tankstelle an, um sie zu reparieren. Sofort kamen Leute herüber um uns zu helfen, und ein Mann, der sehr gut Englisch sprach, bot seine Hilfe an. Während Frederike an der Tankstelle wartete und Tee trank, fuhren Guy und Ilhan zu einem Fahrradladen. Dort ersetzte der Mechaniker das Kugellager in der Pedale, aber er hatte nicht die richtigen Geräte, so dass es nicht so richtig funktionierte. Am Ende entschied Guy, ein paar neue Pedalen zu kaufen. Als er zahlen wollte, bestand Ilhan fest darauf, für den Mechaniker UND die neuen Pedalen zu zahlen! Guy konnte ihn nicht umstimmen, obwohl Ilhan schon eine Stunde damit verbracht hatte, ihn herumzufahren und zu übersetzen. “Du bist ein Fremder in unserem Ort, und das ist das Mindeste, was ich für Dich tun kann – es tut mir leid, dass ich nicht noch mehr helfen konnte”, sagte er, als er Guy zurück zur Tankstelle brachte.

Wir ersetzten die kaputte Pedale und fuhren weiter, wobei wir noch kurz an einem Supermarkt anhalten wollten. Allerdings verfuhren wir uns dabei etwas, bis uns eine Frau auf Englisch ansprach. Sie erklärte uns den Weg zum Supermarkt und ludt uns ein, auf dem Rückweg auf einen Tee vorbeizukommen. Kaya wohnte in Dänemark aber war für eine Woche zurück nach Hause gekommen. Wir fanden den Supermarkt und sprachen dort mit ein paar Teenagern, die uns auf eine Cola einluden. In der Türkei haben wir hauptsächlich mit Männern zu tun, wobei die Frauen sehr im Hintergrund blieben, und wir hatten bisher noch keine gemischte Gruppe von jungen Leuten getroffen. Wir waren neugierig und gingen mit ihnen in eine Art Clubhaus. Sie waren alle verschiedenen Alters, manche in Schuluniformen und andere waren Universitäts-Studenten. Wir fanden nie genau heraus, was das für ein Club war, aber eins war sicher: Sie waren alle glühende Atatürk-Fans. Die Zimmer waren voll von Bildern und Statuen von Atatürk, dem Vater der modernen Türkei, der in der ersten Hälfte der 20. Jahrhunderts viele weitsichtige Reformen eingeführt hatte. Einer der Schüler sprach ein wenig Englisch, aber ansonsten versuchten wir, durch unseren Sprachführer zu kommunizieren. Am Ende bekamen wir ein Atatürk Bild geschenkt, sowie eine kleine Atatürk Brosche, die an Guy’s T-Shirt geheftet wurde.

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Auf dem Weg aus der Stadt hielten wir bei Kaya’s Haus an, um Tee zu trinken. Das Haus war sehr schön, es war von oben bis unten mit kleinen weißen und blauen Mosaik-Kacheln besetzt. Es gab mehrere Balkone und einen großen Garten. Die ganze Familie war da, sowie einige Nachbarn, so dass wir ca 15 Leute im Wohnzimmer waren. Kaya lebt schon seit langem in Dänemark und hat sehr moderne Ansichten, aber sie meinte, dass ihre Eltern das ganze nächste Jahr allen davon erzählen würden, dass sie zwei Radfahrer zum Tee eingeladen hatten. Beladen mit einer Tüte voller Äpfel von Garten verließen wir dann die Stadt, 5 Stunden nachdem wir angekommen waren.

Kaya, und auch eine der Schülerinnen, hatten uns einen Schlafplatz in ihrem Haus angeboten, aber wir meinten, dass wir doch noch etwas weiterfahren sollten. So zelteten wir in einem Feld 20 km weiter. Es war ein guter Platz, und obwohl es in einer flachen, offenen Gegend war, war niemand da, der uns stören konnte. Nach der flachen Landschaft in Zentralanatolien wurde es langsam wieder bergiger und interessanter. Nachts wachten wir auf, als etwas im Zelt raschelte. Im Mondlicht sahen wir einen Schatten am Zelt hochklettern und dann wieder herunterrutschen. Wir hatten keine Ahnung, was es war, aber dann machten wir die Taschenlampe an und sahen eine Maus auf unseren Satteltaschen herumlaufen. Daran konnten wir nichts ausrichten, und da unser Essen gut verpackt war, gingen wir einfach wieder schlafen. Am morgen sahen wir die Maus (oder eine ihrer Verwandten) aus einem Loch herausgucken, als wir gerade frühstückten. Wir versuchten, sie mit Käse zu füttern, aber da es eine Feldmaus war, ignorierte sie den Käse und aß stattdessen gesundes Gras.

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Gestern Nachmittag kamen wir in Sivas an, einem modernen Ort mit 300,000 Einwohnern. Es gibt einen schönen Park, einige interessante Moscheen und eine moderne Einkaufsstraße. In unserem Reiseführer sahen die Hotelpreise extrem teuer aus, und so waren wir froh, eine kleine Pansyon zu finden, die uns ein Doppelzimmer für 20 Euro vermietete. Nachdem wir eingezogen waren, wurde uns klar dass es ein Studentenwohnheim für junge Männer ist. Manchmal übernachten wir schon an seltsamen Orten, aber meistens lohnt es sich, da wir so einen kleinen Einblick in das Leben anderer Leute bekommen. Das wäre so nicht möglich, wenn wir mit dem Bus unterwegs wären und immer in schönen Hotels übernachten würden. Wir werden einen Tag hierbleiben, bevor wir in Richtung Erzincan und Erzurum weiterfahren.

1 comments:

rici hat gesagt…

Kappadokien- Das traumhafte Urlaubsziel

Vor mehreren Mio. von Jahren gab es eine Erosion, die eine umwerfende Stadt hat hervortreten lassen. Kappadokien wird ebendiese gegenwärtig benannt und hat verschiedenartige Provinzen zu bieten. Die Provinzen heißen Nevsehir, Aksaray, Kirsehir, Nigde plus Kayseri. Den Touristen bekannt ist vor allem der Ort Göreme, denn hier gibt es Felsformationen, die einfach phantastisch anzusehen sind. Die aus Tuffsteinfelsen gehauenen Höhlen- und Felsenkirchen muss man einfach gesehen haben. Diese wurden sogar im Jahre 1985 zum Weltkulturerbe ernannt, logischerweise von der UNESCO. Es ist nicht verwunderlich, dass Göreme das Herzstück von Kappadokien ist.

Kappadokien wird auch gern als Stadt der Pferde benannt, weil die Touristen auf dem Rücken der Pferde Göreme auskundschaften können. Hinwieder auch, weil Kappadokien übersetzt in der Tat Land der schönen Pferde heißt. Da gibt es eine Menge zu erblicken, so die unterirdischen Städte Derinkuyu und Kaymakli, die bis zu 10 Etagen in die Tiefe reichen. Jene wurden in den 60er Jahren von Archäologen entdeckt.

Wer Naturwunder mag, muss Kappadokien besuchen. Die bizarren Felsformen werden begeistern können, ebenso wie die eingehauenen Höhlen und Wohnungen oder Kirchen wie noch Klöster. Die Töpferstadt Avanos wird die Reisenden auch begeistern wie auch die Stadt Ürgüp.

Ehe man den Urlaub bucht, kann man sich gerne über zusätzliche türkische Urlaubsziele auf www.nevsehir-kappadokien.de informieren. Auf diese Weise weiß man, wo exakt der Urlaub unvergesslich werden wird.

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