Dienstag, 9. November 2010

Kashan: Historische Häuser und schöne Bärte

Wir fuhren per Bus nach Kashan, eine kleine Stadt nördlich von Esfahan am Rande der Dasht-e Kavir Wüste, die für ihre restaurierten traditionellen Häuser und eine entspannte Atmosphäre bekannt ist. Die Fahrräder ließen wir in unserem Hotel in Esfahan, in der Hoffnung, dass sie bei unserer Rückkehr noch intakt sein würden.

Es fühlte sich seltsam an, mit einem Bus (namens “Super Classic Saloon”) zu fahren. Die Reise dauerte drei Stunden und hätte uns per Fahrrad drei Tage gekostet. Als wir am Rande der Stadt abgesetzt wurden, wurden wir gleich von Männern umringt, die uns anboten, uns ins Stadtzentrum zu bringen. Schnell wurde uns klar, warum wir unsere Unabhängigkeit per Fahrrad so schätzen. Wir verhandelten einen Preis und wurden zu unserem Hotel gebracht. Leider existierte es allerdings nicht mehr, und das Hotel nebenan hatte gerade wegen Renovierung keine Duschen.

Da wir nicht viel Auswahl hatten, fragten wir in einem teureren Hotel nach (ein restaurierten Haus aus der Qajar Ära) mit einem Innenhof voller Granatapfelbäume. Es war zwar etwas mehr als wir normalerweise bezahlen wollten, aber dafür ging ein Teil des Preises an eine wohltätige Organisation – theoretisch unterstützten wir also die iranische Kunstszene – und außerdem gab es auch WiFi Internetzugang.

This restored house was converted to a lovely hotel, our base in Kashan  IMG_7573

Nachdem wir uns im Hotel niedergelassen hatten, erkundeten wir die Stadt. Es schien ein Feiertag zu sein, da fast alle Läden geschlossen hatten, aber dann informierte uns ein Einheimischer dass es zu kalt wäre um die Läden zu öffnen. Es waren schließlich nicht mal 15°C. Haben wir schon erwähnt, dass die Iraner leicht frösteln?

Die Agha Bozorg Moschee war eine schöne Überraschung. Wir waren die einzigen Besucher, und niemand schenkte uns viel Beachtung als wir herumwanderten. Es war eine angenehme Abwechslung von der Hektik Esfahans.

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Zurück im Hotel trafen wir Ali, einen amerikanischen Iraner, der nach 40 Jahren in den USA wieder nach Iran gezogen war. Obwohl ihm Amerika gefallen hatte, hatte er doch Sehnsucht nach seinem Heimatland, und jetzt da seine Kinder erwachsen waren wollte er sich in Teheran niederlassen. Wir fragten ihn, was er ihn Amerika vermisst hatte. Er vermisste die Wärme der Iraner, die starken Traditionen, und – interessanterweise – die geistige Freiheit.

Am folgenden Tag besuchten wir einige kunstvoll restaurierte Häuser, die im 19. Jahrhundert großartige Bauten der iranischen Elite gewesen waren. Das älteste und wahrscheinlich beeindruckendste Haus ist Khan-e Ameriha, das von Agha Ameri gebaut wurde, der fand, dass das Haus seines Vaters einen kleinen Anbau benötigte. Er wandelte es in das größte Haus in Persien um, mit ganzen 9000 m² – gerade eben genug für einen Mann und seine Familie.

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Nun war es aber Zeit für einen Chai, und so gingen wir in Richtung Basar. Auf dem Weg fanden wir ein iranisches Badehaus, das vor über 450 Jahren gebaut wurde und liebevoll restauriert worden war. Die Wandbeschichtung war aus Milch, Eiweiß, Sojamehl und Limonensaft hergestellt worden, und war angeblich stärker als Zement. Genialerweise war das Gebäude in ein Teehaus umgewandelt worden, aber leider hatte es inzwischen zugemacht, und so gingen wir weiter in Richtung Basar.

Verglichen mit den meisten Basaren in Iran war dieser recht klein, mit nur einer Hauptstraße, was es einfacher machte, zu navigieren. Auf der anderen Seite macht es ja auch Spaß, sich in kleinen Gassen zu verirren.

Als wir im Teehaus des Basars unseren Chai tranken, bemerkten wir, dass die einzigen anderen Gäste ein junges Paar war, das die gleiche Kamera wie wir hatte. Guy musste immer wieder hinüber spähen, da er ernsthaft neidisch auf den Bart des Mannes war. Am Ende stellten wir uns gegenseitig vor und tranken unseren Tee gemeinsam. Ali und seine Freundin waren Architekten aus Teheran, die für einen Tag nach Kashan gekommen waren, um die historischen Häuser zu bewundern. Sie waren so nett und lustig, dass wir den Rest des Nachmittags mit ihnen verbrachten. Ali hatte einen guten Sinn für Humor, denn er sagte uns, wir könnten unseren Freunden erzählen, dass wir jetzt ein Foto von Osama Bin Laden gemacht hätten. Bevor er sich verabschiedete, um zurück nach Teheran zu fahren, zog Ali eine Bürste aus seiner Tasche und bürstete liebevoll seinen Bart, was Guy ernste Minderwertigkeitskomplexe einbrachte. Sie boten uns an, sie in Teheran zu besuchen, was wir sehr gerne gemacht hätten, aber leider müssen wir weiter in Richtung Süden – hoffentlich sehen wir die beiden eines Tages wieder.

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Am nächsten Morgen fuhren wir zurück nach Esfahan. Die Fahrräder waren fast intakt. Leider hatte jemand unsere kleinen Glasanhänger geklaut, die an unseren Lenkern hingen. Sie waren ein Geschenk von Di gewesen, mit der wir gemeinsam durch Osteuropa gefahren waren. Ärgerlich, da sie recht sentimental waren.

P.S. Dieser Eintrag wurde zurückdatiert, da wir inzwischen schon in Shiraz sind.

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