Mittwoch, 10. November 2010

Yazd: Eine Stadt an der Seidenstraße

Zwischen unseren Besichtigungen und Andenkenkäufen mussten wir eine wichtige Sache in Esfahan erledigen: Unser iranisches Visum zu verlängern. Dies war einfacher als erwartet, und unser neues Visum wurde sofort ausgestellt. Als wir auf unsere Pässe warteten, wurden wir plötzlich in Raum Nummer 3 bestellt. Nachdem wir etwas nervös eingetreten waren, wurde schnell klar, warum die Polizisten uns sehen wollten: Sie wollten, dass wir mindestens fünf australische Ausdrücke aufschrieben, denn einer der Polizisten sammelte diese. Leider hatten die Polizisten aber so viel Spaß dabei, die neuen Sprichwörter zu üben, dass sie vergaßen, unsere Pässe abzustempeln! Als wir zurück in unser Hotel kamen, wurde uns gesagt dass die Polizei angerufen hätte und wir am nächsten Morgen noch einmal zurückkommen mussten, um den Stempel abzuholen.

Da unser Visum nun noch für weitere 30 Tage gültig war, hatten wir Zeit, für ein paar Tage in die Wüste zu fahren, um Yazd zu besuchen. Wir ließen die Fahrräder in unserem Hotel in Esfahan und nahmen einen Bus nach Yazd, was vier Stunden entfernt liegt. Wir ließen die Berge hinter uns und fuhren am Rande einer großen Wüste entlang, die fast die ganze östliche Hälfte Irans bedeckt. Dabei fuhren wir an vielen Kamel-Warnschildern vorbei, sowie einem Lastwagen voller Kamele, deren Ziel hoffentlich nicht die Kamelschlachterei war, die wir in Yazd sahen und die stolz einen abgetrennten Kamelkopf am Eingang ausstellte.

Bereits seit 7000 Jahren ist Yazd bewohnt, und somit ist es eine der ältesten Städte der Welt. Yazd war schon für seine Seide bekannt, bevor Marco Polo es im 13. Jahrhundert besuchte. Die Altstadt fühlt sich sehr entspannt an. Sie ist aus Lehmziegeln gebaut, und viele Gebäude haben traditionelle Windtürme (Badgirs).

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Wir übernachteten im Silk Road Hotel, einem traditionellen Hotel mit gemütlichem Innenhof und sehr gutem Essen. Endlich brauchten wir keine Kebabs mehr essen, denn es gab leckere Auberginen-Eintöpfe und Hühner-Curries (wir widerstanden dem Kamelburger, der auch im Angebot war). Das Silk Road Hotel ist ein beliebter Treffpunkt für Reisende, und wir trafen viele andere Leute – Rucksackreisende, ein paar Fahrradfahrer, und mehrere Leute, die mit Autos oder Motorrädern von Europa nach Indien fuhren und in Yazd Teams formten, für den schwierigen Abschnitt durch Pakistan, der vor ihnen lag.

Da es in einer Wüstenregion liegt, haben die Einwohner von Yazd einige schlaue Erfindungen gemacht, um ihr Leben zu vereinfachen. Lehmziegel insulieren sehr gut, und zwar so sehr, dass die Perser daraus sogar runde Eishäuser bauten, in denen sie den ganzen Sommer über Eis lagern konnten.

Die Temperaturen können im Sommer 50°C erreichen, und eine Klimaanlage ist daher notwendig: Dafür wurden die Windtürme oder Badgirs erfunden. Diese sehen aus wie große Schornsteine und sind so gebaut, dass sie auch die leichteste Brise einfangen und nach unten ins Haus leiten. Oft gibt es ein kleines Wasserbecken dort, wo die Luft ins Haus eintritt, was diese noch weiter kühlt. Gleichzeitig wird warme Luft nach oben geleitet und tritt aus dem Windturm aus. Der Bagh-e Dolat Abad Pavillion in Yazd hat den höchsten Windturm in Iran, der über 33m hoch ist. Das Zimmer darunter ist merklich kühler als der Rest des Gebäudes.

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Die andere beeindruckende Erfindung, die schon seit über 2000 Jahren benutzt wird, ist das Qanat System. Die Qanats sind Tunnel, die Wasser von einer unterirdischen Quelle zu einer Stadt, einem Dorf oder einem Landwirtschaftsgebiet leiten. Es wird geschätzt, dass es in Iran immer noch mehr als 50000 Qanats gibt, und manche Städte wie Kashan und Bam benutzen sie immer noch für ihre Wasserversorgung. Im Wassermuseum in Yazd fanden wir mehr über den Bau der Qanats heraus. Dies kann ziemlich gefährlich sein und wird von spezialisierten Arbeitern gemacht, die dabei ein weißes Gewand tragen, das auch als Totengewand dient, falls es Untertage einen Unfall gibt…

Unser Hotel war auch beliebt bei Iranern, die dorthin kamen, um mit den Touristen ihr Englisch zu verbessern. Eines abends trafen wir einen jungen Mann, der sehr gut Englisch sprach. Er erzählte uns, dass er zwar in Iran geboren ist, aber die afghanische Nationalität hat, da seine Eltern Flüchtlinge aus Afghanistan sind, die in den Siebzigern nach Yazd gekommen waren.

Wir verbrachten den nächsten Morgen mit ihm, um Yazd zu erkunden, Tee zu trinken und zu reden. Er war sehr nett und bestand sogar darauf, unsere Buskarten zu bezahlen. Er zeigte uns einige Highlights von Yazd, wie einen historischen Hammam, eine Moschee voller verspiegelter Kacheln, und das zentrale Amir Chakhmagh Zentrum.

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Wir hatten schon mehrere Leute in einer ähnlichen Situation getroffen – Leute die in Iran geboren waren, aber die afghanische oder irakische Nationalität hatten. Anscheinend gibt es für sie keine Möglichkeit, die iranische Nationalität zu bekommen. Das bedeutet, dass sie nur wenige Rechte haben, zum Beispiel dürfen sie nicht arbeiten, Autos fahren, bestimmte Universitätsfächer belegen, oder ihre Heimatstadt verlassen – obwohl sie in Iran geboren wurden! Natürlich brauchen sie trotzdem Geld zum Leben und müssen daher arbeiten, aber das ist natürlich illegal und sie haben daher Angst, entdeckt und “zurückgeschickt” zu werden (in ein Land, in dem sie noch nie gewesen sind). Natürlich träumen die meisten jungen Leute in dieser Situation davon, zu emigrieren.

Wir genossen den Garten des vornehmen Hotels, in dem wir zu Mittag aßen, und fanden heraus, dass dort gerade eine UNICEF Konferenz stattfand, als wir zusahen wie die Delegierten in ihren riesigen weißen Landcruisern ankamen. Das Thema: Die Situation der afghanischen Flüchtlinge in Yazd.

Während unserer Ausflüge war unser Freund ein wenig besorgt über die Polizei und sagte, dass er Ärger bekommen würde, wenn er mit uns gesehen wurde. Wie schon andere Bekannte zuvor, bat auch er uns, so zu tun als ob er uns nur den Weg zeigte, falls jemand uns fragte. Daher haben wir auch beschlossen, nicht seinen Namen zu erwähnen und sein Foto nicht in diesen Tagebucheintrag zu stellen.

Nach drei Tagen verließen wir Yazd, zutiefst berührt von unseren Begegnungen. Wir fuhren zurück nach Esfahan, um unsere Fahrräder abzustauben und nach Shiraz weiterzufahren.

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