Freitag, 31. Dezember 2010

Eindrücke von Mumbai

Als wir am Flughafen von Dubai ankamen, wurde uns gesagt, dass Emirates in letzter Zeit sehr streng mit Übergepäck umgehen, so dass man für jedes Kilo bezahlen muss. Es ist frustrierend, dass die meisten Fluggesellschaften es erlauben, Golfschläger umsonst mitzunehmen, während es für Fahrräder keine solchen Ausnahmen gibt. Da unsere Gepäckserlaubnis 30 kg war und unsere Fahrradkartons alleine schon je 21 kg wogen, war klar, dass wir Übergepäck haben würden. Wir hatten 10 kg zu viel, und die freundlichen Emirates-Mitarbeiter schlugen uns vor, im Duty Free Shop eine extra Handtasche zu kaufen, um so viel wie möglich in unser Handgepäck zu stopfen, da es unwahrscheinlich war, dass wir es wiegen müssten. Am Ende mussten wir noch für 4 kg Übergepäck zahlen, und waren froh, dass unsere riesigen Fahrradkartons ohne weitere Probleme akzeptiert wurden.

Ein paar Stunden später kamen wir in Mumbai an und warteten nervös darauf, dass unsere Fahrräder auf dem Laufband ankamen, da es keinen Schalter für Sperrgepäck gab. Am Ende brachten die Gepäckträger die Fahrräder stolz heraus, wobei sie sie falsch herum hielten, trotz der ganzen Pfeile und “oben” Zeichen, die wir auf die Kartons gemalt hatten. Trotzdem wurde natürlich erwartet, dass wir ein Trinkgeld für ihre “Hilfe” bezahlten.

Beim Zoll wurden wir allerdings bevorzugt behandelt: Während wir in einer langen Schlange mit allen anderen darauf warteten, dass unser Gepäck geröngt wurde, fragte ein Zollbeamter, was in unseren Kartons war. “Seid ihr auf einer Expedition oder sowas?”, fragte er. “Ja, so könnte man das wohl nennen”, sagten wir, woraufhin er uns durchwinkte, so dass wir an allen anderen vorbei direkt zum Ausgang gehen durften. Dort trafen wir einen jungen Mann aus Pune, der auch Radfahrer war und sehr an unserer Tour interessiert war. Es war eine schöne erste Begegnung in Indien.

Wir hatten über unser Hotel arrangiert, dass wir vom Flughafen abgeholt wurden, da wir uns etwas darum Sorgen machten, wie wir die Fahrräder zum Hotel transportieren könnten. Das wäre am Ende allerdings nicht nötig gewesen, denn die meisten Taxis hatten Dachgepäckträger, auf die wir die Fahrradkartons hätten laden können.

Als wir durch Mumbai (eine Stadt mit einer Bevölkerungsdichte von 29.000 pro Quadratkilometer) fuhren, prasselten die Eindrücke auf uns ein: Massen von schwarz-gelben Taxis aus den 50ger Jahren, die die Straße mit modernen Autos, Kühen und Radfahrern teilten, von deren Gepäckträgern große Metallkübel baumelten. Gruppen von Männer, die an kleinen Ständen milchigen Tee tranken. Neben ihnen halbnackte Kinder, die auf der staubigen Straße spielten. Ein kleiner Stand, der frischen Zuckerrohrsaft verkaufte, wobei der Rauch von Sandelholz die Fliegen fernhielt. Wellblechhütten, die drei Etagen hoch aufeinander gebaut und an eine Bahnbrücke gelehnt waren. Hinter der Bahnlinie der Rand des Dharavi Slums, in dem über eine Million Leute wohnen. Ein schuhloser Junge, der das matschige Wasser am Straßenrand durchsiebte. Handy-Werbung und Kinos, die Bollywoods neueste Hits anpreisten. Endlich die relative Ruhe unseres Hotels.

Mumbai Taxifahrer Straße in der Nähe des Hotels

Wir verbrachten den Tag damit, zu schlafen, das Essen in den nahegelegenen Restaurants auszuprobieren, und einen Markt zu erkunden. Das Essen war fantastisch, und obwohl wir in London viel indisch gegessen hatten, wurden unseren Geschmacksnerven hier ganz neue Horizonte eröffnet. Bei einem Thali-Restaurant wurden uns 7 verschiedene vegetarische Curries und Dhals serviert, mit Reis, verschiedenen Brotarten und Soßen. Die Kombination des Essens war eine Kunst, wie uns die Kellner erklärten: Die dickeren Curries wurden mit Brot gegessen, der wässrige Dhal mit Reis, der feste Dhal mit einer Yoghurtsoße, das knusprige Brot mit einem Mangodip, usw. Man konnte ihnen den Horror ansehen, als Guy wild experimentierte, indem er alles Mögliche kombinierte und überhaupt keinen Regeln folgte. 

Das Essen ist sehr günstig, und für ca €4 können wir uns beide satt essen. Wir hatten erwartet, dass das Essen in Indien zu scharf für uns sein würde, aber bisher ist es gut. Wie uns einige Inder erzählten, ist das Essen nur in bestimmten Regionen sehr scharf (sogar zu scharf für sie!).

Obwohl in der Gegend um unser Hotel sehr viele Leute unterwegs waren, gab es dort nicht viele Touristen, und daher gab es auch keine Schlepper. Wir müssen zugeben, dass wir etwas Bammel vor Indien hatten. Guy war vor 8 Jahren in Nordindien unterwegs gewesen und hatte Frederike mit Horrorgeschichten von aggressiven Schleppern und unfreundlichen Leuten unterhalten. Zu unserer Freude fanden wir die Leute hier aber bisher recht freundlich und hilfsbereit. Als ein paar neugierige Männer, die Blumengirlanden für einen Tempel flochten, Frederike eine Blume schenkten, und ein Mann, der Druckmesser verkaufte, uns in seinen Laden einlud, um mit uns über Philosophie zu reden, warf Frederike Guy einen ungläubigen Blick zu. “Ich schwöre, es war wirklich nicht so,” sagte er, “sowas ist mir letztes Mal nie passiert!” Wir schließen daraus, dass sich entweder Indien verändert hat, Guy sich verändert hat, oder dass die Leute in Mumbai einfach freundlicher sind, als ihre Cousins im Norden des Landes. 

Das Erbe der Kolonialzeit ist noch sehr präsent in Mumbai, und viele Gebäude sehen aus, als ob sie in London oder Oxford sein könnten, wären da nicht die ganzen Palmen und Bananenbäume. Das Klima ist momentan fast perfekt – trocken und sonnig, aber nicht zu heiß. Wir genossen es, in der Stadt herumzuspazieren und den Gateway of India zu besuchen, dessen Umgebung voller Touristen, Schlepper und Polizisten war, da es gerade eine Terrorwarnung gegeben hatte. Wir besuchten auch den Ort, an dem Mahatma Gandhi gelebt und gearbeitet hatte, ein luftiges Haus in einer ruhigen Straße, in dem eine beeindruckende Sammlung von Fotos, Ausstellungsstücken und Briefen gezeigt wurde. 

Gandhi auf dem Fahrrad Gandhis Haus

Wie erwartet sind die Inder verrückt nach Cricket, und wir haben schon viele improvisierte Cricket-Spiele gesehen, sei es in den Seitenstraßen eines Slums, in einer Gasse hinter unserem Hotel, oder auf dem schönen Cricket-Platz bei der Universität. Die Spieler sind so verschieden wie die Orte und reichen von Straßenkindern bis zu Bankangestellten.

Cricket-Platz Büromann beim Cricketspielen

Nachdem wir aus einem Garten geworfen worden waren, der anscheinend nur Senioren vorbehalten war, spazierten wir am Chowpatti Strand im Zentrum von Mumbai entlang, wo viele Familien Eis aßen und sich den Sonnenuntergang anschauten. Eine Familie hielt eine Hochzeit und hatte ein ganzes Sportsstadium dafür gemietet – anscheinend ist es recht üblich, dass Hochzeiten über €100.000 Euro kosten. Hunderte Gäste über mehrere Tage hinweg zu unterhalten ist nicht billig!

Chowpatty Beach Chowpatty Beach 2

Indien ist momentan ein Ort der großen Erwartungen: Die Welt kommt nach Indien, um den Kampf über den riesigen Markt von über einer Billion Leuten zu beginnen. Wegen der starken Wirtschaft und Zugang zu guter Bildung gibt es eine wachsende Mittelschicht, die genau wie die meisten Leute im Westen einkauft, isst und reist. Wir bekamen einen kleinen Einblick in diese Welt, als wir Abhishek und seine Frau Priya trafen. Frederike war mit Abhishek vor 10 Jahren an der Universität befreundet, und er zog dann in die USA um seinen MBA zu machen, bevor er heiratete und nach Dubai zog. Jetzt ist er zurück in Mumbai, um im Textilgeschäft seines Vaters zu arbeiten. Sie holten uns eines Abends ab und entführten uns in ein Einkaufszentrum. Wir fühlten uns, als ob wir wieder in Dubai wären; alle Designer-Marken waren da, zusammen mit den üblichen Cafes und schicken Restaurants. Dort sahen wir sogar unseren ersten Bollywood Star! (Fragt uns aber bitte nicht nach seinem Namen).

Ein paar Tage später trafen wir auch Amol, einen Kollegen von Frederike’s Vater, der in Pune wohnt und extra die vierstündige Reise nach Mumbai gemacht hatte, um uns zu treffen. Er ist sehr an Reisen interessiert und wandert und fährt auch gern Fahrrad. Er und sein extrem süßer vierjähriger Sohn kamen im Partnerlook mit roten T-Shirts und Baseball-Kappen und luden uns zu einem langen Mittagessen ein. Amol arbeitet als IT-Projektmanager und reist viel für seine Arbeit. Er teilte einige sehr interessante Einblicke in die indische Kultur mit uns und gab uns nützliche Tips für unsere Reise in den Süden des Landes.

Amol und Sohn David Sassoon Library

Wir fanden, dass Mumbai ein Ort der Extreme war, und brauchten manchmal starke Nerven. Während die Mittel- und Oberschicht einen modernen und angenehmen Lebensstil haben, lebt 55% der Bevölkerung Mumbai’s in Slums oder anderen improvisierten Unterkünften. Nachts schlafen viele Leute auf dem Fußweg vor unserem Hotel. Tagsüber verkaufen sie irgendetwas auf der Straße oder transportieren Güter mithilfe ihrer hölzernen zweirädrigen Karren. Manchmal sehen wir Frauen mit kleinen Kindern, die auf Pappstücken schlafen, und einmal konnten wir uns das Starren nicht verkneifen, als wir eine junge Frau sahen, die ein neugeborenes Baby mit noch intakter Nabelschnur auf dem Fußweg vor einem Bahnhof wusch. Oft sehen wir auch Leute, denen ein Arm oder Bein fehlt, oder die sonst irgendwie behindert sind und auf der Straße leben.

An unserem letzten Tag machten wir eine sehr interessante Tour zu Fuß durch den Dharavi Slum. Wir denken, dass diese Erfahrung ihren eigenen Blog Eintrag verdient – mehr darüber demnächst!

Wir planten, mit dem Zug nach Goa zu fahren, von wo aus wir per Fahrrad weiterfahren würden. Der historische Bahnhof, ein weiteres Relikt der Kolonialzeit, war voller Reisender, Bettler und riesiger Ratten. Unsere Zugfahrkarten konnten wir an einem speziellen Schalter für ausländische Reisende kaufen. Zum Glück hält die indische Zuggesellschaft oft eine Anzahl Fahrkarten für Fremde zurück; Inder müssen dagegen im Voraus planen, da die Züge oft mehrere Monate im Voraus ausgebucht sind. Nun mussten wir herausfinden, wie wir die Fahrräder mit dem Zug transportieren könnten. Wir bekamen verschiedene Antworten von verschiedenen Angestellten, die von “kommt einfach eine Stunde vor der Abfahrt und ihr könnt die Fahrräder umsonst mitnehmen” bis zu “ihr müsst sie einen Tag im Voraus einchecken und dafür eine Gebühr bezahlen” reichten.

Da unser Zug früh am Morgen war, brachten wir die Fahrräder am vorigen Nachmittag zur Gepäckannahmestelle. Wir hatten sie auf dem Dachgepäckträger eines Taxis transportiert, und sobald wir am Bahnhof ankamen, kamen einige Typen an, die ihre Hilfe anboten. Anscheinend war die Gepäckannahmestelle geschlossen, da es Sonntag war, und so riefen sie jemanden für uns an, um die Fahrräder entgegenzunehmen. Das erschien uns etwas verdächtig, und als Frederike in Richtung Gepäckannahmestelle ging, um die Situation zu klären, änderte sich ihre Geschichte plötzlich: “Euer Gepäck wird dort stundenlang herumliegen, gebt es besser uns.” Natürlich war die Gepäckannahmestelle offen, und die Typen verschlichen sich enttäuscht.

Unsere Kartons wurden gewogen, und uns wurde gesagt, dass sie nicht gut genug verpackt waren, und dass wir sie professionell verpacken lassen müssten. Der Verpackungs-Wallah war allerdings anderer Meinung und sagte, dass die Verpackung gut genug war. Wir verursachten noch mehr Verwirrung als wir den Gepäckbeamten fragten, ob es möglich wäre, die Fahrräder zu versichern. Das müssten wir mit seinem Chef diskutieren, sagte er.

Als wir eine halbe Stunde später wiederkamen, um mit dem Chef zu sprechen, wurde uns gesagt, dass wir jeder 700 Rupien bezahlen müssten. “Ist das für die Versicherung?”, fragte Frederike, worauf der Gepäckbeamte mit einem der legendären indischen Kopfwackeln antwortete. Das Kopfwackeln bedeutet weder Ja noch Nein, es ist total vage und sehr frustrierend für den Reisenden. Nachdem er wortlos seinen Kopf eine volle Minute lang gewackelt hatte, verschwand er. Nach einer Weile kam er wieder und zog direkt vor uns sein Hemd aus – seine Schicht war wohl zu Ende. Für eine Weile ignorierte uns der Chef, aber dann füllte er unsere Formulare aus und berechnete uns eine Gebühr von 400 Rupien. Wir hatten immer noch keine Informationen über die Versicherung bekommen und interpretierten ihr Benehmen als “naja, vielleicht gibt es da schon eine Art Versicherung, aber wir wissen nicht so recht darüber Bescheid, und es ist sowieso viel zu kompliziert.”

Am nächsten Morgen, als der Zug schon am Bahnhof bereitstand, waren unsere Kartons nirgends zu sehen. Guy ging zur Gepäckannahmestelle und fand sie dort, noch unberührt. Es war zwar ein gutes Zeichen, dass die Fahrräder noch da waren, aber leider machten die Gepäckträger keine Anstalten, sie in den Zug zu laden. Ein Schmiergeld wurde offensichtlich erwartet, und nachdem wir 150 Rupien bezahlt hatten, wurden die Fahrräder endlich geladen. Nun waren wir endlich auf unserem Weg!

Sonntag, 26. Dezember 2010

Abu Dhabi und die Westliche Region

Drei Wochen lang in Dubai herumzuhängen ist ein teures Unterfangen, vor allem für unser niedriges Radtourer-Budget. Wir hatten erfolglos versucht, eine kostenlose Unterkunft über Couchsurfing oder Warmshowers zu finden, und wohnten daher in einem Hotel. Daher waren wir sehr erfreut, als Chris aus Südafrika uns via Twitter kontaktierte und vorschlug, dass wir bei seiner Tochter Melanie übernachten könnten, die in Abu Dhabi wohnt. 

Einige Tage später packten wir unsere Sachen und ließen die eingepackten Fahrräder in unserem Hotel in Dubai zurück. Es gibt einen guten Bus zwischen Dubai und Abu Dhabi, und wir kamen am späten Nachmittag in Abu Dhabi an. Irgendwie hatten wir allerdings keine genaue Zeit mit Melanie ausgemacht, und als wir sie anriefen, fanden wir heraus, dass sie gerade in Dubai war. Wir mussten ein paar Stunden warten, bis sie zurückkam, aber mit 25kg Gepäck pro Person in zwei Plastik-Strandtaschen waren wir nicht sehr mobil. Es gab in der Nähe ein Einkaufszentrum, und am Ende lösten wir unser Dilemma indem wir alle unsere Siebensachen in einen Einkaufswagen luden. Der Obdachlosen-Look war perfekt, und wir schoben unseren Einkaufswagen vorbei an den Designer-Läden und Cafes ins Einkaufszentrum, um dort zu warten.

Endlich rette Melanie uns und holte uns in ihrem Pajero ab. Ihre Wohnung war etwas außerhalb, da es eine bessere Lage für ihre beiden kleinen Hunde Daisy und Jackie war. Wir fühlten uns sofort wohl bei der lebhaften Melanie, die im Gesundheitswesen an einem IT Projekt arbeitet. Sie wohnt schon seit 9 Jahren in Saudi Arabien und den VAE, so dass sie uns einen faszinierenden Einblick in die arabische Kultur geben konnte.

Melanie arbeitete während der Woche, und wir verbrachten ein paar Tage damit, mit Daisy und Jackie spazierenzugehen, in Cafe’s herumzuhängen, und wegen unseres indischen Visums zwischen Abu Dhabi und Dubai hin- und herzufahren.

Obwohl Melanie den ganzen Tag arbeitete, zeigte sie uns die Highlights von Abu Dhabi. Das beeindruckendste Gebäude, das wir sahen, war der Emirates Palace. Dies ist ein luxuriöses Hotel, das vor kurzer Zeit gebaut wurde und dessen Design dem des Palastes des Scheichs gleicht. Im Hotelfoyer gibt es einen 13m hohen Weihnachtsbaum, der mit glitzernden Juwelen dekoriert ist. Der Weihnachtsbaum hat den Guiness Weltrekord für den teuersten Weihnachtsbaumschmuck gebrochen, denn die Juwelen, mit denen er behangen ist, sind über 11 US$ Millionen wert! Wir amüsierten uns auch mit dem Goldautomaten, der wie ein Getränkeautomat aussieht und goldene Ketten und Souvenirs ausspeit, die bis zu 3000 US$ wert sind. Leider hatten wir aber nur 2$ Kleingeld übrig. Der interessanteste Teil des Hotels ist eine Ausstellung über die Zukunft Abu Dhabi’s und die Pläne, einige tolle Museen zu bauen. Die Architektur des geplanten Guggenheim Museums, des Ablegers des Louvres und des Maritim-Museums sind atemberaubend futuristisch.

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Am Wochenende lud Melanie uns ein, zur Liwa Oase in der Westlichen Region der VAE zu fahren, in der Nähe der Grenze zu Saudi Arabien. Auf dem Weg besuchten wir das Emirates National Auto Museum. Offiziell war es geschlossen, doch mit etwas Trinkgeld überzeugten wir den Wachmann, es für uns zu öffnen. Das Museum ist die private Autosammlung des “Regenbogen-Scheichs”, der so genannt wird, weil er einen andersfarbigen Mercedes 500 SEL für jeden Wochentag hat. Diese sind im Museum ausgestellt, zusammen mit ca 250 anderen Oldtimern und modernen Autos. Das beeindruckendste Stück ist ein riesiger Dodge Power Wagon, der auf einer Skala von 64:1 gebaut wurde. Andere Autos passen leicht darunter, und die Räder sind ca 3m hoch. Dieser wird dazu benutzt, einen riesigen Wohnwagen zu ziehen, der 8 Schlafzimmer mit Balkons enthält, und in dem der Scheich Campingausflüge in die Wüste machte. Ein ziemlicher Kontrast zu unserem kleinen Boris.

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Später am Tag sahen wir einige andere reiche Emiratis auf einem Campingausflug in der Wüste. Wir machten gerade ein Picknick auf einer Sanddüne und genossen die Stille, als ein knallroter Hummer vorbeiröhrte. Der Fahrer und die Passagiere waren traditionell gekleidet, mit einem weißen bodenlangen Gewand, Araberschal auf dem Kopf und den obligatorischen Designer-Sonnenbrillen. Sie winkten uns alle fröhlich zu, und kurz darauf kamen zwei Lieferwagen, die ihre Campingausrüstung trugen – Teppiche, Tische, Stühle usw.! Melanie sagte, dass dies üblich war, und dass sie einmal zum Campen eingeladen war, wobei alle lachten, als sie mit ihrem kleinen Zelt ankam, da das luxuriöse Camp bereits von Dienern für alle Gäste vorbereitet worden war.

Obwohl sie in den Städten wohnen und oft hochrangige Positionen in Unternehmen oder beim Staat halten, haben viele reiche Emiratis immer noch eine Kamel- oder Dattelfarm in der Wüste, wo sie ihre Wochenenden verbringen. Das betrifft auch die königlichen Familien von Abu Dhabi und Dubai, die ursprünglich aus der Liwa Gegend kommen. Im Herzen sind sie immer noch Nomaden und fühlen sich in der Weite der Wüste zu Hause.

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Wir verbrachten den Tag damit, die wellige goldene Dünenlandschaft zu bewundern und hier und da mal von der Teerstraße abzuweichen. Am Abend fanden wir uns zufällig beim Dhafra Festival wieder, was eines der Highlights im Kulturkalender der VAE ist. Das Dhafra Festival feiert die Traditionen des Wüstenlebens, und Leute kommen von überall in den VAE, Saudi Arabien und Oman. Als erstes besuchten wir die Kamelrennbahn, wo wir zusahen, wie Kamele trainiert wurden. Die Rennen finden normalerweise morgens statt, und ein großer Preis von einer halben Million US$ winkt dem Gewinner! Wir besuchten dann den traditionellen Souk mit vielen Marktständen, die emiratisches Essen, Camping-Ausrüstung, Kamelsättel und vor allem viele glitzernde Kamel-Accessoires verkauften, mit denen die Kamele für einen Schönheitswettbewerb dekoriert wurden! Statt sich die Marktstände zu Fuß anzusehen, verließen viele der Emiratis nie ihre weißen Landcruiser. Sie fuhren darin an den Ständen vorbei und ließen nur manchmal die Fenster herunter, um etwas zu kaufen. 

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Melanie spricht Arabisch und konnte mit vielen der Frauen an den Marktständen kommunizieren. An einem Stand bestellten wir Milchtee und wurden sofort von einem lebhaften 10-jährigen Mädchen eingeladen, uns drinnen hinzusetzen. Ihre Mutter war in eine bodenlange schwarze Abbeya gehüllt und trug ein Kopftuch mit einem kleinen Augenschlitz. Sie lehnte unser Geld ab und gab uns eine Schachtel Datteln von ihrer Farm. Die Familie besaß eine Dattel- und Kamelfarm und lud uns ein, sie zu besuchen, wenn wir wieder in der Gegend sein sollten.

Das farbenfrohe Festival bot uns einen fantastischen Einblick in das traditionelle emiratische Leben und die Kultur. Die VAE haben wirklich mehr zu bieten als nur die modernen Hochhäuser und Einkaufszentren in Dubai und Abu Dhabi.

Am nächsten Morgen hatten wir eine weitere interessante Erfahrung. Melanie hatte angeboten, uns via die Oasenstadt Al Ain nach Dubai zurückzufahren. Auf dem Weg kamen wir an einer Kamelrennbahn vorbei, wo gerade ein Rennen begann. Das Rennen wurde live ins Fernsehen übertragen, und den stolzen Kamelbesitzern machte es nichts aus, dass wir uns die Kamele genauer ansahen, während sie auf das nächste Rennen vorbereitet wurden.

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Die Rennbahn ist 10km lang, und die Kamelbesitzer fahren in ihren Autos neben den Kamelen her, um sie anzufeuern. Die Außenseite der Rennbahn ist für Zuschauer reserviert. Der Eintritt ist kostenlos, und wir fuhren einfach auf den Sandweg und folgten den Kamelen. Die Kamele rennen mit 35-40 km/h. Es gibt keine Jockeys, sondern jedes Kamel hat eine kleine elektronische Peitsche am Höcker befestigt, die von der Stimme des Besitzers aktiviert wird. Je mehr er in sein Mikrophon schreit, desto schneller schlägt die Peitsche das Kamel. Es klingt furchtbar, aber in der Realität sehen die Peitschen ziemlich schwach aus, und die meisten funktionieren nicht besonders gut.

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Al Ain war eine schöne grüne Wüstenoase. Melanie musste einem Kollegen einen Schlüssel bringen, und der junge Palästinenser zeigte uns ein Restaurant, wo wir etwas zu essen für ein Picknick kaufen konnten. Mit typischer arabischer Gastfreundschaft bestand er darauf, dafür zu bezahlen. Außerhalb von Al Ain fanden wir einen schönen Picknickplatz in der Nähe von heißen Quellen, und fuhren danach auf den höchsten Berg der VAE, von dem aus wir bis nach Oman hinübersehen konnten.

Nach einer tollen Woche mit Melanie war es Zeit für uns, nach Dubai zurückzufahren, um noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, bevor wir uns auf den Weg nach Indien machten. Wir sind froh, dass wir die Gelegenheit hatten, eine andere Seite der VAE zu sehen, statt uns nur auf Dubai’s glitzernde Einkaufszentren und Hochhäuser zu beschränken.

Freitag, 24. Dezember 2010

Frohe Weihnachten

Frohe Weihnachten aus dem sonnigen Mumbai! Mögen Frieden, Gesundheit und Glück mit Euch sein.

Heute wurden wir von einer Frau zu einer Messe in einer Kathedrale in Mumbai eingeladen, aber da die meisten Leute in Mumbai Hindus oder Muslime sind, sehen wir nicht viele Weihnachts-Aktivitäten auf den Straßen.

Wie immer werden wir zweimal feiern: Erst kommt das deutsche Weihnachten am 24., und dann das australische Weihnachten am 25. Frederike’s Familie in Hamburg genießt zum ersten Mal seit langer Zeit eine weiße Weihnacht mit viel Schnee, während Guy’s Familie ein hoffentlich warmes und sonniges Weihnachtsessen in Melbourne plant. Währenddessen feiern wir im indischen Stil in unserem Lieblingsrestaurant in Mumbai!

Nächstes Mal wenn Ihr Euch Sorgen über die Kosten Eurer Weihnachtsdekoration macht, denkt an den Scheich von Abu Dhabi, der 11 Millionen US$ ausgegeben hat, um seinen Baum zum teuersten der Welt zu machen (siehe Foto)…

Merry Christmas

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Dubai: Klimatisierte Perfektion

Als wir ins Hotel eintraten, fühlten wir uns als ob wir in eine andere Welt eingetaucht wären. Gewienerte Böden, glitzernde Kristallüster, eine angenehme Atmosphäre. Alle Leute sahen so gut gefüttert und herausgeputzt aus. Als wir im Aufzug unser Spiegelbild sahen, mussten wir lachen: Unsere Kleidung war ausgeblichen und mit einigen Schmierflecken versetzt, die Haare mussten geschnitten werden, und uns wurde klar, dass wir uns ein bisschen mehr anstrengen mussten, wenn wir in dieser Stadt akzeptiert werden wollten.

Frisch geschrubbt gingen wir kurz darauf hinaus, um ein paar Nahrungsmittel zu kaufen. Als wir uns umsahen, wurde klar, dass in Dubai alle Läden in riesige Einkaufszentren eingeschlossen waren, und es fast keine kleineren Läden gab. 8- und 10-spurige Autobahnen schlängelten sich um die gewaltigen Hochhäuser, und als Fußgänger fühlten wir uns verletzlich und unwichtig. Die Straßen sind wie Formel 1 Rennbahnen gebaut, und die meist frisch lackierten Autos behandeln sie auch so.

Für diejenigen, die uns nicht kennen – wir sind eher Bäume-Umarmer als Stadtmenschen, und so verbringen wir meist nicht viel Zeit in Einkaufszentren, aber als wir in das Deira City Center eintraten und die angenehme Kühle der Klimaanlage spürten, fühlten wir uns als ob wir gerade das Tor zum Himmel durchschritten hätten. Wir hatten die ganzen kleinen Annehmlichkeiten vergessen, die wir in den letzten paar Monaten entbehrt hatten. Poster in jedem Ladenfenster animierten uns zum Kaufen, Kaufen, Kaufen. Alles was wir wollten und brauchten war da, unter einem Dach. Wir gingen in ein Cafe, setzten uns hin, sahen uns die Preise an, standen wieder auf und machten uns stattdessen auf den Weg zu einem Supermarkt. Es war klar, dass wir in den nächsten paar Wochen hauptsächlich Fensterbummel machen würden (wir verbrachten am Ende 3 Wochen in Dubai, während wir auf unser indisches Visum warteten). Unser Lieblings-Einkaufszentrum wurde die Dubai Mall, nicht nur wegen des kostenlosen Internets, sondern auch wegen des riesigen Aquariums. In der Mitte des Einkaufszentrums gibt es ein großes Plexiglasfenster, das sich über zwei Etagen erstreckt, und es ist sehr unterhaltsam, sich dort die vielen verschiedenen Haie, Stechrochen und Dutzende andere Fische anzusehen. Dabei befinden sich auch noch bis zu sechs Taucher im Aquarium.

Am folgenden Morgen kam Frederike’s Vater an, nachdem er von Hamburg aus nach Dubai geflogen war, um uns zu besuchen. Nach einem riesigen Frühstück trafen wir uns mit Jörg, einem Kollegen von Frederike’s Vater, der seit mehreren Jahren in Dubai lebt und arbeitet. In seinem klimatisierten Jeep fuhren wir duch den Stadt-Dschungel von Dubai, um uns die Highlights anzusehen. Viele Gebäude in Dubai sind beeindruckende Exemplare moderner Architektur, aber der riesige Burj Khalifa ist wirklich atemberaubend. Der Burj Khalifa war zuvor als Burj Dubai bekannt, bevor Abu Dhabi’s Scheich Khalifa bin Zayed al-Nahyan Dubai’s taumelnde Wirtschaft nach der Finanzkrise in 2008 rettete und im Gegenzug eine Namensänderung des Gebäudes verlangte. Mit 828 Metern Höhe ist es momentan das höchste Gebäude der Welt und eine tolle Ansicht mit seinen scharfen Ecken und seiner schimmernden Metallhaut. Bei Sonnenuntergang speit eine Wasserorgel tanzende Fontänen bis zu 150m in die Höhe, wobei perfekt synchonisierte arabische Musik spielt und Lichter am Burj Khalifa dazu im Hintergrund funkeln.

Burj Khalifa, 828m Burj al Arab Hotel

Als wir durch die Stadt fuhren, bekamen wir schnell ein Verständnis für das recht rigide Klassensystem in den VAE. Emiratis, die der königlichen Familie angehören, fahren die tollsten Luxus-Vehikel und tragen immer ein traditionelles weißes Gewand und dazu Ray Ban Sonnenbrillen. Strotzend vor Selbstsicherheit rasen sie durch die Stadt und hupen jeden an, der ihnen in den Weg gerät. Als nächstes kommen alle anderen Emiratis, die zwar nicht Teil der königlichen Familie sind, aber immerhin von ihr mit lukrativen Subventionen unterstützt werden. Alle ausländischen Firmen müssen mit einem Emirati partnern, um sich in den VAE niederlassen zu dürfen, und viele Emiratis sind dadurch reich geworden. Ihr Lieblingsauto ist der weiße Landcruiser. Emiratis stellen nur 20% der Bevölkerung von Dubai dar, haben aber klar die Kontrolle. (Interessanterweise wurde uns später in Mumbai erzählt, dass die Emiratis vor der Entdeckung von Öl ziemlich arm waren und oft als Lastenträger in Indien arbeiteten!). Die dritte Gruppe formen die Ausländer aus dem Westen, die zwar keine Landcruiser fahren, aber dennoch Autos mit Allradantrieb haben, und kurz dahinter folgen gut ausgebildete Angestellte aus Indien, dem Mittleren Osten und Asien.

Als letztes in der Hierarchie kommen die Arbeiter aus Indien, Pakistan, China, Afrika und Südostasien, die einen ziemlich anderen Lebensstil haben. Die meisten sind ungelernte Arbeiter, die schlecht bezahlt werden, hauptsächlich auf dem Bau arbeiten und oft in kläglichen Container-Siedlungen wohnen. Sie sind hier, um ihre Familien zu Hause zu unterstützen oder, in manchen Fällen, Verfolgung zu entfliehen. Ihre Transportmittel sind Lieferwagen, Busse und ächzende alte Fahrräder.

Jörg zeigte uns seinen Lieblingsstrand, mit klaren Wasser und der Silhouette von Dubai im Hintergrund. Typischerweise war der Strand allerdings inzwischen in eine Baustelle verwandelt worden, wo sich ein weiteres Luxushotel aus dem Sand erhob.

Fahrt durch Dubai Guy mit Frederike's Vater und Jörg

In der Türkei und Iran hatte es fast keinen Alkohol gegeben, und so machten wir uns auf den Weg, um ein Bier zu finden. Obwohl es in Dubai meist auch keinen Alkohol gibt, kann man dennoch an bestimmten Orten Alkohol trinken. Zum Glück kannte Jörg so einen Ort, und so fanden wir uns in einem irischen Pub wieder, wo wir ein Guinness und einen herzhaften Hühnchen-Pie konsumierten. Das diverse Angebot an Essen, und die Qualität sind in Dubai fantastisch; allerdings ist dieser Eindruck vielleicht auch von unserer dreimonatigen Kebab-Diät beeinflusst.

Am folgenden Tag besuchten wir das sehr kompakte “historische Quartier” in Dubai, das in der Nähe des Creeks liegt – einem Fluss, der jahrhundertelang als Handelsplatz für Perlentaucher und Gewürzhändler benutzt wurde. Es ist immer noch ein aktiver Handelsplatz, wo Dhows mit Gütern beladen werden bevor sie ihre lange Reise nach Indien oder Ostafrika antreten. Das Dubai Museum (eingequetscht zwischen Hochhäusern) ist so ziemlich der einzige Ort, an dem man einen Eindruck von Dubai’s Vergangenheit bekommen kann. Es war sehr informativ, und seltsam zu sehen wie so eine schläfrige Wüstenkleinstadt sich in nur 50 Jahren in das verwandelt hatte, was man heute sieht. Interessanterweise erinnerten uns die Darstellungen traditioneller Berufe sehr an das, was man in Iran noch heutzutage sieht. 

Dhow auf dem Creek "Traditionelles" Hotel

Obwohl beide Länder viel Öl haben, ist der Unterschied im Lebensstandard zwischen Iran und den VAE extrem. In Iran scheinen die meisten Leute der unteren Mittelklasse anzugehören, während es den Einwohnern der VAE sehr gut geht. Während die VAE Waldprojekte haben, um Teile der Wüste wieder zu bepflanzen, hat Iran einen Großteil seiner Natur innerhalb von nur 10 Jahren zerstört. In Iran wird Kunst immer weniger unterstützt, während die VAE viel investieren, wobei sie sogar einen Ableger des Louvre, ein Opernhaus und ein Guggenheim Museum bauen.

Die VAE konzentrieren sich sehr darauf, von ihrer Ölabhängigkeit hinwegzukommen, die in den frühen 80gern noch 75% des Einkommens darstellte, und sich inzwischen nur noch auf 25% beschränkt. Obwohl die VAE immer noch große Ölreserven haben, arbeiten sie auch an einem US $22 Billionen teuren Projekt, die erste CO2-neutrale Stadt der Welt zu bauen. Es ist schwer, nicht von ihrer Vision und Entschlossenheit zum Fortschritt beeindruckt zu sein, wo Träume wirklich Realität werden.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Frederike’s Vater und beluden ihn mit einem Teil unserer Ausrüstung, den wir für Indien und Südostasien nicht brauchen, vor allem unser Zelt Boris. Wir überzeugten Boris, dass ein europäischer Winter besser für ihn sein würde als in Indien zu zelten, wo er wahrscheinlich von Affen zerpflückt werden würde. Es war eine schwierige Entscheidung, da wir damit einen Teil unserer Unabhängigkeit verlieren, aber wir wissen auch von anderen Reisenden, dass es in Indien so ziemlich unmöglich ist, ungestört zu zelten.

Unsere Zeit im IBIS Hotel war ein großzügiges Geschenk von Frederike’s Vater, aber jetzt mussten wir in ein günstigeres Hotel umziehen, idealerweise mit Küche und genug Platz, um an den Fahrrädern zu arbeiten. Also beluden wir unsere Fahrräder und fuhren etwas zögerlich durch die Stadt zu unserer neuen Unterkunft, wo der lebhafte phillipinische Hotelmanager uns in Mr. und Mrs. Bike umbenannte.

Der nächste Tag wurde damit verbracht, die Fahrräder zu säubern und in Kartons einzupacken, so dass wir sie per Flugzeug transportieren konnten. Es dauerte den ganzen Tag, da es für uns beide das erste Mal war, dass wir Fahrräder in einen (recht kleinen) Karton packen mussten. Wir schafften es auch, endlich Jet und Jen zu treffen, ein englisches Paar, das auch per Fahrrad unterwegs war und seit Istanbul kurz hinter uns gewesen war. In Esfahan hatten wir sie um einen halben Tag verpasst, und so waren wir froh, dass wir sie endlich in Person trafen. Vielleicht werden wir sie in Indien nochmal wiedersehen.

Frederike arbeitet am Fahrrad Guy packt die Fahrräder ein

Unser Ziel für die nächsten paar Tage war, einen Flug nach Goa zu buchen, von wo aus wir planen, um den südlichen Zipfel von Indien nach Chennai zu fahren – eine Reise von ca 2100 km. Wir gingen zu verschiedenen Fluggesellschaften, um sie über ihre Fahrrad-Transportregeln zu befragen, und fanden dass Emirates und Jet Air die beste Wahl wahren. Die Preise stiegen allerdings jeden Tag, da es fast Weihnachten war, und alle Direktflüge nach Goa waren entweder ausgebucht oder akzeptierten keine Fahrräder. Das bedeutete, dass wir via Mumbai oder Bengaluru fliegen und dann einen weiteren Flug nach Goa nehmen mussten. Für viele der Inlandsflüge wurden kleine ATR Maschinen benutzt, die keine Fahrräder akzeptierten, und wir durften dann auch nur 20kg Gepäck mitnehmen, anstatt der 30kg, die wir für das internationale Segment transportieren durften. Dennoch fanden wir einen günstigen Flug nach Goa vie Bengaluru und versuchten, ihn im Internet zu buchen. Allerdings crashte die Webseite immer wieder, wenn wir bezahlen wollten, und als wir Emirates anriefen, konnten sie den Flug nicht mal in ihrem System finden.

Inzwischen war es fast Mitternacht, und in letzter Minute hatten wir genug und gaben den Plan auf, nach Goa zu fliegen. Es war einfach zu kompliziert. Schnell fanden wir einen günstigen Flug nach Mumbai, buchten ihn und gingen schlafen. Wir würden uns später darum kümmern, wie wir nach Goa kommen würden. Vielleicht war es keine so gute Entscheidung, da die indischen Züge recht chaotisch sein können. Allerdings hat unser Ausflug nach Mumbai auch einen großen Vorteil: Wir können uns dort mit ein paar Freunden treffen. Abhishek, Frederike’s Freund aus Studentenzeiten, und Amol, mit dem wir in Email Kontakt sind und der von Pune aus nach Mumbai kommen möchte, um uns dort zu treffen.

Erst mussten wir aber noch einige Zeit in den VAE totschlagen, während wir auf unser Visum warteten.

Montag, 20. Dezember 2010

Wie man in Dubai ein Visum für Indien bekommt

Dieser Post ist als Information für andere Reisende gedacht, die ebenfalls planen, in Dubai ein Visum für Indien zu beantragen. Wir haben mehrere Leute in dieser Situation getroffen, und da es im Internet nicht allzu viele Informationen zu diesem Thema gibt, haben wir unsere Erfahrungen hier zusammengefasst. Diese Informationen sind aktuell im Dezember 2010 und reflektieren natürlich nur unsere eigenen Erfahrungen.

Als wir unsere Radtour von London nach Melbourne planten, hatten wir gehofft, unser indisches Visum bereits in der Türkei zu beantragen, aber das war nicht möglich. Seit Sommer 2010 gibt es neue Regeln für die Visumsvergabe, und seitdem vergibt Indien nur noch dreimonatige Visen an Leute, die ihren Antrag außerhalb ihres Heimatlandes stellen. Die Zeit läuft, sobald man das Visum erhält, und daher war es für uns keine gute Option, da wir ja erst noch durch die Türkei und Iran fahren wollten, bevor wir Indien erreichten. 

Für uns war die beste Möglichkeit, das Visum in Dubai zu beantragen, da es auf unserer Route lag und es ein indisches Konsulat gibt. Wir planten, von Dubai nach Indien zu fliegen, so dass wir das meiste aus unserem dreimonatigen Visum machen konnten. Unseren Antrag gaben wir beim Central Post Office im Karama Stadtteil in Dubai ab. Das Büro ist Samstag – Donnerstag von 8-20 Uhr geöffnet. Wir mussten das Folgende einreichen:

- Antragsformular, heruntergeladen von der Webseite des Konsulats

- Zwei neue Passfotos

- Original und Kopie des Reisepasses

- Kopie des Visums oder Einreisestempels der Vereinigten Arabischen Emirate

- Referenz-Formular mit Adresse im Heimatland, auch von der Webseite des Konsulats heruntergeladen.  Dies wird benutzt, um ein Fax an die indische Vertretung im Heimatland des Antragstellers zu schicken, um zu bestätigen, dass es von der Seite keine Gründe gegen eine Reise nach Indien gibt. Wenn das Konsulat nach 3 Tagen noch keine Antwort bekommen hat, nehmen sie an, dass das bedeutet, dass es keine Einwände gibt.

- Hotelbuchung in Indien (wir haben einfach ein Hotel für eine Nacht gebucht und es später gecancelt).

Wir mussten bei der Antragstellung 140 AED pro Person bezahlen. Unsere Pässe bekamen wir gleich wieder. Uns wurde gesagt, dass die Bearbeitungszeit 6-7 Werktage in Anspruch nehmen würde, und dann zusätzlich 2 weitere Tage, um das Visum in den Pass zu kleben. Das Problem ist, dass alle Wochenend- und Feiertage in den Vereinigten Arabischen Emiraten und auch im Heimatland des Antragstellers nicht zählen. Für uns bedeutete dies, dass Freitag, Samstag und Sonntag nicht als Werktage galten (unsere Nationalitäten sind Deutsch und Australisch), so dass der ganze Prozess um die zwei Wochen dauern würde.

Uns wurde eine Referenznummer gegeben, die wir in einer Webseite eingeben konnten, um den Fortschritt unseres Antrags zu sehen. Nach 5 Werktagen war unser Visum bewilligt worden und wir mussten zurück ins Visumsbüro gehen, um unsere Pässe abzugeben und nochmals 150 AED pro Person zu bezahlen. Die Pässe wurden dann ans Konsulat geschickt, um die Visumssticker einzukleben.

Normalerweise werden die Pässe dann per Kurier an uns zurückgeschickt, aber da wir keine permanente Adresse oder verlässliche Handynummer in Dubai hatten, wurde uns gesagt, dass wir sie selber nach 2 Tagen abholen könnten. Das passte uns sowieso besser, da wir unsere Pässe nicht der Post anvertrauen wollten. Um unsere Pässe abzuholen, mussten wir zu einem anderen Postamt in der Nähe des Flughafens gehen.

Als wir dort ankamen, gab es erstmal einen Schock: Guy’s Pass wurde nicht im System gefunden, und uns wurde gesagt, dass er vielleicht am nächsten Abend ankommen würde. Frederike’s Pass war an einen Typ namens Rudy geliefert worden, Adresse unbekannt! Letztendlich riefen sie den Kurier an und er erklärte, dass er den Pass an ein Hotel geliefert hatte, in dem wir zuvor einige Male übernachtet hatten, und so fuhren wir dann zum Hotel, um den Pass abzuholen.

Am nächsten Abend riefen wir das Postamt an, aber Guy’s Pass war immer noch nicht da. Wir sollten das Konsulat direkt am nächsten Morgen anrufen, um herauszufinden, was der Grund für die Verspätung war. Als wir das Konsulat endlich erreichten, wurde uns gesagt, dass sie den Visumsantrag verloren hatten! Zum Glück hatten sie wenigstens noch Guy’s Pass, und wir mussten sofort zum Konsulat kommen, um einen weiteren Antrag auszufüllen.

Als wir beim Konsulat ankamen, sollte Guy ein Passfoto, das Antragsformular, und ... seinen Pass einreichen! Nach einem Moment der Panik schnappte Guy fast über, als er zu dem Beamten sagte: “SIE haben doch meinen Pass!” Während wir das Formular ausfüllten, fand der Beamte den Pass wieder, und endlich wurde der Visumssticker eingeklebt. Wir hatten beide ein dreimonatiges Visum für Indien bekommen, nach 15 Tagen Wartezeit.

Moral der Geschichte: Gebt bei der Antragstellung eine zuverlässige Adresse an, da Adressänderungen Verwirrung verursachen können. Es hilft auch, eine zuverlässige Handynummer zu haben. Der Rest ist Glückssache!

Natürlich können sich diese Informationen ändern. Aktuelle Informationen sind auf der Webseite des Indischen Konsulats nachzulesen. Einfach auf Services – Visa klicken und herunterscrollen, um den Abschnitt über Touristenvisen für Nicht-Einwohner der VAE zu sehen. 

Sonntag, 19. Dezember 2010

10 Tipps für eine Radtour in Iran

Wir verbrachten fast zwei Monate in Iran und fuhren 2.300km per Fahrrad durch das Land. Von der Türkei kamen wir über die Grenze nach Maku, und dann durch Tabriz, Esfahan und Shiraz, bis wir mit der Fähre von Bandar Abbas nach Dubai fuhren. Hier sind unsere Top 10 Tipps für eine Radtour in Iran.

1. Beantragt Euer Visum im Voraus. Momentan ist es nicht möglich, bei Ankunft im Land ein Visum zu erhalten. Man kann sein Visum aber im Voraus über www.iranianvisa.com oder www.stantours.com beantragen und es dann in einer iranischen Botschaft abholen. Falls Ihr durch die Türkei kommt, ist Istanbul ein guter Ort, um das Visum abzuholen, wenn man seinen Antrag durch eine der oben genannten Agenturen gestellt hat. Das Enddatum auf dem Visum ist der letzte Tag, an dem man ins Land einreisen kann, nicht das Datum in dem man das Land verlassen muss. Normalerweise bekommt man ein Visum für 30 Tage, das man aber im Land verlängern kann. Esfahan und Shiraz sind momentan recht einfache Orte für eine Visumsverlängerung, während Tabriz, Yazd und Teheran anscheinend nicht so hilfreich sind.

2. Nehmt genug Bargeld mit ins Land. In Iran gibt es keine Geldautomaten, da das Land nicht an das internationale Geldsystem angeschlossen ist. Man muss also genug Bargeld für seinen gesamten Aufenthalt mitnehmen. US Dollar, Euros und Britisches Pfund sind wohl die besten Währungen. Es kann einen zwar nervös machen, so viel Bargeld mitzunehmen, aber Iran ist generell ein sehr sicheres Reiseland.

3. Nehmt sichtbare Kleidung, Helm und Rückspiegel mit. Die Hauptstraßen in Iran können sehr gefährlich sein, mit vielen Lastwagen, vor allem im Nordwesten des Landes zwischen der türkischen Grenze (Maku) und Teheran / Esfahan, und es gibt nicht immer einen Seitenstreifen. Der Süden und Osten des Landes ist generell ruhiger und besser zum Radfahren geeignet, und auch in den Bergen lassen sich ruhige Straßen finden.

4. Plant genügend Kapazität für extra Nahrungsmittel und Wasser. Zugang zu fließend Wasser findet man in Iran nicht so einfach wie in der Türkei, und die Städte sind oft weit voneinander entfernt. Im Sommer kann es extrem heiß werden, so dass man mehr Wasser braucht, und auch zum Campen muss man Wasser dabei haben – man sollte also genug Kapazität haben, z.B. durch eine Ortlieb Wasserblase. Die Läden im Iran sind ziemlich einfach und haben nicht immer das, was man gerade braucht, so dass man bestimmte Dinge in größeren Städten kaufen und mitnehmen sollte. 

5. Genießt das Wüstencamping. Die iranische Wüste kann ein toller Ort zum Campen sein, und wir haben dort einige fantastische Nächte verbracht, in denen wir Sternschnuppen bewunderten und die Ruhe genossen. Manchmal werdet Ihr wahrscheinlich in sehr flachen Gegenden zelten müssen, in denen man sein Zelt nicht verstecken kann, aber wenn man bis zum Sonnenuntergang wartet und dann ein paar Hundert Meter in die Wüste hinausgeht, ist man von der Straße aus fast unsichtbar. Hirten sind allerdings überall unterwegs und werden Euch möglicherweise entdecken, aber wir fanden, dass sie meistens nur neugierig waren und uns dann in Ruhe ließen.

6. Zeltet umsonst in Stadtparks. Ihr könnt auch in den meisten Stadtparks umsonst zelten. Manchmal gibt es sogar einen Nachtwärter. Iraner lieben es zu zelten: In den heißen Sommermonaten machen sie oft Picknicks und übernachten dann im Park. Seid aber bereit, die Hauptattraktion zu sein.

7. Beachtet die strengen Kleidungsregeln. In Iran gibt es strenge Kleidungs-Gesetze, vor allem für Frauen, die man auch beim Radfahren beachten muss. Das kann schwierig sein, vor allem im Sommer. Ein Kopftuch muss jederzeit getragen werden. Statt eines normalen Kopftuchs trug Frederike einen Buff (getragen wie eine Balaclava) unter ihrem Fahrradhelm, was viel praktischer war, da er nicht verrutschte. Als Frau muss man auch lange Hosen oder Leggings tragen, und ein langes Hemd oder einen Mantel, der bis zur Mitte des Oberschenkels geht, so dass der Hintern bedeckt ist. Für Männer sind kurze Hosen akzeptabel, außer in Moscheen.

8. Bringt kleine Geschenke mit und seid bereit zu unterhalten. Die iranische Gastfreundschaft ist berühmt, und Ihr werdet sicher ab und zu von Familien eingeladen werden. Bringt ein kleines Geschenk mit - Datteln oder Halva sind ein guter Anfang, oder kleine Souvenirs von Eurem Heimatland. Für Einladungen bei Familien, die Eure Sprache nicht sprechen, bringt ein paar Unterhaltungsmaterialien mit, denn Iraner sind sehr neugierig. Wir brachten dazu ein Point-It Buch, eine Weltkarte, Sprachführer und Familienfotos mit. Seid bereit, ausgefragt zu werden oder sogar zum Singen aufgefordert zu werden!

9. Bleibt gelassen, wenn Ihr von der Touristen-Polizei befragt werdet. Während Eurer Reise kann es passieren, dass Ihr angehalten und befragt werdet. Bleibt ruhig und höflich, beantwortet die Fragen und sie werden Euch wahrscheinlich in Ruhe lassen. Seid aber vorsichtig, was Ihr in Blogs schreibt und wovon Ihr Fotos macht, vor allem in der Nähe von Militäranlagen und Kraftwerken. Wir haben einige unserer Blogs erst veröffentlicht, nachdem wir das Land verlassen hatten, und unser Blog kann seitdem in Iran nicht mehr aufgerufen werden.

10. Lasst Eure Vorurteile zu Hause. Macht Euch nicht zu viele Sorgen darüber, was Ihr in den Nachrichten hört. Von Protesten und Menschenansammlungen hält man sich natürlich besser fern, aber die meisten Leute sind extrem freundlich und hilfsbereit gegenüber Ausländern und sagen offen ihre Meinung über die Regierung. Prüft die Ratschläge des Außenamts für aktuelle Informationen über die Situation.

Karte unserer Route durch Iran

Fahrradroute Iran

Hier gibt’s alle unsere Iran Blog-Einträge

Samstag, 18. Dezember 2010

Von Bandar Abbas nach Dubai mit der Fähre

Von Bandar Abbas planten wir, eine Fähre nach Dubai zu nehmen. Zusätzlich zur Geschichte unserer Überfahrt enthält dieser Eintrag auch Informationen für andere Reisende, die diese Route ebenfalls planen.

Wir besuchten ein Reisebüro in Bandar Abbas, um unsere Tickets zu kaufen. Es gibt ein paar Reisebüros auf der Hauptstraße, die diese Tickets verkaufen – wir gingen zu Bala Parvaz, schräg gegenüber von Ghods Hotel.

Unsere Tickets kosteten jeweils US $100. Wir mussten unsere Pässe vorzeigen und in iranischen Rials bezahlen.

Die Fähren fahren momentan jeden Montag und Mittwoch abend um 20 Uhr (Stand Dezember 2010). Der Fahrplan ändert sich allerdings oft. Wir hatten den Leuten von www.irantravelingcenter.com zuvor geemailt, um den neuesten Fahrplan zu bekommen, und fanden sie recht hilfreich.

Am Tag der Abfahrt radelten wir am Nachmittag zum Hafen. Es ist der Bahona Hafen, der ca 7km westlich des Stadtzentrums liegt, in der Nähe des großen Kreisverkehrs wo die Hauptstraße sich in Richtung Norden biegt. Bitte keine Fotos vom Hafen machen! Das sehen die Beamten dort nicht gerne, da es ein Grenzgebiet ist. 

Uns wurde gesagt, dass wir um 17 Uhr da sein sollten, aber wir kamen etwas früher an. Die Fahrräder lehnten wir an einen nicht genutzten Schalter und warteten dann in der Sitzgegend. Gegen 17 Uhr stellten sich alle an einem kleinen Tisch an, um die Bordkarten zu bekommen. Dafür muss man als Ausländer eine Kopie des Reisepasses abgeben. Wenn man keine Kopie hat, muss man ein Taxi zurück in die Stadt nehmen, da man am Fährterminal keine Fotokopien machen kann.

Nachdem wir unsere Bordkarten abgeholt hatten, warteten wir noch ein paar Stunden. Viele Leute begannen, ihr Gepäck abzugeben, uns wurde aber gesagt, dass wir bis zuletzt warten sollten. Inzwischen wurden wir von einem anderen “Reisenden” angefreundet, der gut Englisch sprach. Kurz darauf kam er mit einigen Grenzpolizisten zurück, die agressive Fragen auf uns losfeuerten, während er übersetzte. Er schien gut mit ihnen befreundet zu sein, und wir bemerkten auch ein paar andere “Reisende”, die in der Halle herumhangen und sich später in Luft auflösten. Die Fragen der Beamten sollten uns provozieren, aber wir blieben ruhig, bis sie mit unseren Pässen für eine Weile verschwanden. Als wir die Pässe wiederbekamen, gingen sie zum Glück weiter, um stattdessen andere Reisende zu belästigen.

Der französische Vater einer Familie, die auch auf der Fähre überfahren wollte, wurde für eine Befragung in ein Büro gerufen, und war fast eine Stunde lang dort. Die Beamten befragten ihn über seine Reiseziele in Iran, seine Ansichten über Politik und Religion, worüber er mit den Leuten in Iran gesprochen hatte usw. Sie durchsuchten auch die Fotos auf seinem Laptop, um seine Aussagen zu belegen.

Endlich durften wir durchgehen. Die Männer, die das Gepäck entgegennahmen, wussten nicht so recht, was sie mit uns und unseren Fahrrädern anfangen sollten. Nachdem sie eine Weile diskutiert hatten, winkten sie uns durch, so dass wir die Fahrräder selber auf die Fähre rollen konnten. Das passte uns gut. Mehrere andere Radfahrer hatten uns erzählt, dass sie in letzter Minute eine extra Gebühr bezahlen sollten, um die Fahrräder auf die Fähre zu laden. Eine Gruppe sollte $50 pro Fahrrad zahlen, und eine andere $25. Falls das passiert, am besten strikt ablehnen und ein bisschen Theater machen, denn so sind die anderen Radfahrer auch ohne zu zahlen davongekommen. Wir waren gut vorbereitet: Als wir unsere Tickets kauften, rief das Reisebüro für uns den Chef des Fährterminals an, um zu bestätigen, dass die Fahrräder im Preis einbegriffen waren. Das Reisebüro gab uns auch seinen Namen und seine Handynummer, falls wir Schwierigkeiten hätten. Natürlich passiert nie etwas, wenn man so gut vorbereitet ist!

Nach der Passkontrolle mussten wir uns trennen und separat durch einen kleinen Raum gehen, in dem unser Gepäck kontrolliert wurde. Als Frederike in den Raum für Frauen ging, waren dort zwei Beamtinnen, die ziemlich überrascht aussahen und nicht so recht wussten, was sie mit dem Fahrrad anfangen sollten. Eine der Frauen stocherte ein bisschen mit ihrem Finger an Frederike’s Lenkertasche herum und winkte sie dann unbesehen durch.

Guy hatte kein solches Glück. In dem Raum für Männer wurden alle seine Satteltaschen gründlich durchsucht. Jedes Teil wurde beguckt, und sie durchsuchten sogar seinen Beutel mit dreckiger Wäsche, worüber sich Guy sehr amüsierte. Während alle anderen Passagiere schon auf die Fähre gingen, wurde Guy’s Fahrrad immer noch durchsucht, bis er endlich auch weitergehen durfte. Wir rollten die Fahrräder auf die Fähre und machten es uns gemütlich. Die Fähre war recht leer, so dass die meisten Leute eine ganze Bank für sich hatten.

Wir hatten Glück, da die Fähre nur 2 Stunden Verspätung hatte, während wir von anderen gehört hatten, dass wir 4-5 Stunden Verspätung erwarten müssten. Ein Abendessen wurde serviert, und das Frühstück am nächsten Morgen war auch im Preis eingeschlossen. Die ganze Reise dauerte ca. 11 Stunden. Die Fähre gilt noch als iranisches Gebiet, so dass Frederike ihr Kopftuch anbehalten musste, bis wir die Vereinigten Arabischen Emirate betraten.

Als wir im Hafen ankamen, wurde unser Gepäck nochmal durchsucht, und uns wurde ein 30 Tage Visum ausgestellt. Der Hafen ist in Sharjah, nicht in Dubai. Es gibt eine Autobahn von Sharjah nach Dubai, die allerdings sehr gefährlich für Radfahrer ist. Der Verkehr ist extrem schnell, es gibt meist keinen Seitenstreifen, die Autofahrer erwarten keine Fahrräder, und manchmal muss man bei Auffahrten bis zu 4 Spuren überqueren. Daher hatten wir entschieden, nicht mit dem Fahrrad zu fahren. Da die Taxis zu klein für unsere Fahrräder waren, verließen wir das Hafengebiet und hielten ein paar Lieferwagen an, um zu sehen, ob uns jemand nach Dubai fahren würde. Es dauerte eine Weile, aber letztendlich fanden wir jemanden, der uns für einen fairen Preis nach Dubai fuhr (120 AED).

Als wir nach den ganzen Anstrengungen der iranischen Grenzformalitäten endlich in Dubai ankamen, fühlten wir uns erleichtert, und Frederike konnte nach 7 Wochen in Iran endlich ihr Kopftuch abnehmen. Hurrah!

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Iran: Jetzt ohne Lücken

Obwohl wir während unserer Zeit in Iran ein paar Blogs gepostet haben, haben wir auch einige geschrieben, die die Regierung vielleicht nicht so gern gesehen hätte. Nach ein paar Begegnungen mit der Geheimpolizei am Anfang unserer Reise hatten wir entschieden, diese Blogs nicht zu veröffentlichen, während wir noch im Land waren.

Über die letzte Woche verteilt haben wir nun all diese fehlenden Posts rückdatiert und veröffentlicht. Unten sind sie noch einmal aufgelistet.

Wir hoffen, dass Ihr dabei Spaß habt, über unsere Abenteuer zu lesen, vom Erkunden von Wüstenstädten und den Ruinen von Persepolis, bis zum Schlafen unter Autobahnbrücken, Begegnungen mit Kamelen und, immer wieder, der extremen iranischen Gastfreundschaft.

Über die Grenze
Maku – Marand

Suleyman der Schreckliche 
Marand - Tabriz

Tabriz: Ein Einblick ins Leben der Iraner
Tabriz

Berauscht von Abgasen
Tabriz - Zanjan

From Perserteppichen zu Autobahnbrücken
Zanjan - Saveh

Express nach Esfahan
Saveh - Esfahan

Yazd: Eine Stadt an der Seidenstraße
Yazd

Extreme Gastfreundschaft, Wüstencamping und Ruinenstädte 
Esfahan - Shiraz

Bergab zum Persischen Golf
Shiraz – Bandar Abbas

Inzwischen sind auch unsere Fotogallerien von Iran live. “Iran North” deckt die Strecke von der türkischen Grenze bis nach Esfahan ab. Für Esfahan gibt es eine separate Gallerie, und die “Iran South” Gallerie zeigt alles südlich von Esfahan, einschließlich Yazd. Alle Fotogallerien sind auf dieser hier zu sehen.