Sonntag, 24. April 2011

Malaysien: ein Schmelztiegel der Kulturen und Küchen

Malaysische Grenze – Penang - Kuala Lumpur

Nach ein paar langen Tagen in den Hochwassergebieten von Südthailand waren wir bereit, nach Malaysien weiterzufahren, wo uns hoffentlich besseres Wetter erwartete. Wir hatten einen abgelegenen Grenzübergang in einem hügeligen Dschungel-Gebiet gewählt. Die 30km Fahrt von Chalung bis zur Grenze war sehr ruhig, so dass wir bezweifelten, dass der Grenzübergang überhaupt offiziell war, aber plötzlich waren wir in einem belebten Grenzmarkt, der anscheinend jeden Sonntagmorgen stattfand.

Nachdem wir unsere Fahrräder durch den Markt geschoben und unsere thailändischen Baht für einen letzten gebratenen Reis ausgegeben hatten, bekamen wir die notwendigen Immigrationsstempel und fuhren in unser 17. Land, Malaysien. Ein plötzlicher steiler Anstieg erwartete uns auf der anderen Seite, und wie immer hatten wir unser Timing perfektioniert, so dass wir den Pass auf der Höhe der Mittagshitze in Angriff nahmen. Von oben auf dem Pass konnten wir weit nach Malaysien hineinsehen, um das dschungelige Inland und die flache Küstenregion zu bewundern, auf die wir nun zufuhren.

Als wir an einem Restaurant anhielten, wurde uns auf einmal klar, dass wir kein einziges Wort Malaysisch konnten. Zu unserer Erleichterung sprachen die Frauen im Restaurant aber gut Englisch. Dies haben wir in Malaysien später fast überall erfahren, was die Kommunikation sehr vereinfachte. Dazu kommt die Tatsache, dass in Malaysien die lateinische Schrift verwendet wird, so dass wir endlich wieder Straßenschilder lesen können. Das Essen war auch abwechslungsreicher als in Thailand (dafür allerdings nicht ganz so frisch), und sogar kleine ländliche Restaurants hatten oft ein Mittagsbuffet mit einer guten Auswahl an Gerichten.

Als wir in der Stadt Kangar ankamen, wurde uns klar, dass der Norden von Malaysien auch schwer unter den Fluten gelitten hatte, obwohl es mangels Touristen nicht in den internationalen Nachrichten gewesen war. Der halbe Ort stand immer noch unter Wasser, und wir sahen zu, wie Leute in Gummibooten zu ihren Häusern fuhren, um ihre Wertsachen zu holen. Manche der Hotels waren auch überflutet und daher geschlossen.

Überflutetes Haus   Im Gummiboot

Als wir vor einem Supermarkt anhielten, um unsere Optionen zu besprechen, kamen mehrere Leute und fragten, ob wir Hilfe brauchten. Einer war ein Radfahrer, Sam, der nach Kangar gekommen war, um zu helfen, die Flutschäden zu reparieren. Er war Mitglied in einem Moutain Bike Club und lud uns ein, ihn in seiner Heimatstadt Ipoh zu besuchen, die aber leider nicht auf unserem Weg lag.

Mithilfe der Einheimischen fanden wir ein offenes Hotel. Wir hatten erwartet, dass wir in Malaysien mehr für Hotelzimmer bezahlen müssten als in Thailand, aber zum Glück war dies nicht der Fall. Meist fanden wir chinesische Hotels, die immer sehr sauber und günstig waren, ca €8-11 mit Klimaanlage und heißem Wasser (so einen Luxus hatten wir schon lange nicht mehr!). Ein lustiges Merkmal der vielen chinesischen Gegenden in Malaysien ist, dass überall Vogelzwitschern zu hören ist. Das ist allerdings meist nur vom Band und soll Schwalben anlocken, ihre Nester auf den Gebäuden zu bauen. Diese werden dann geerntet und für einen großen Profit nach China verkauft, wo sie zu Vogelnestsuppe verarbeitet werden.

Chinesischer Tempel in Penang   Räucherstab vor einem Tempel

Obwohl wir erst seit ein paar Stunden im Land waren, fühlte sich Malaysien ziemlich entwickelt an, im Vergleich zu unserem Aufenthalt im ländlichen Thailand. Es gab Einkaufszentren, KFC’s, neue Häuser mit Garagen und sogar Supermärkte. Wogegen wir all unsere Einkäufe in winzigen Lädchen in der Türkei, Iran, Indien und Thailand gemacht hatten, fanden wir uns nun in einem Supermarkt wieder, der groß genug war, um einander darin zwischen den hohen Regalen zu verlieren.

Wir hatten von anderen Radfahrern gehört, dass die Ostküste von Malaysien besser zum Radfahren wäre, da sie ruhiger als die Westküste ist, aber wegen unserer Flüge hatten wir nicht genug Zeit, dort hinüberzufahren. So mussten wir auf den verkehrsreichen Straßen der Westküste bleiben, worauf wir uns nicht wirklich freuten. An unserem ersten Tag in Malaysien fuhren wir etwas über 100km in 41°C Hitze – gutes Training für unsere baldige Fahrt durch das australische Outback.

Gerade als wir uns damit abfanden, dass Malaysien uns nicht viele Überraschungen zu bieten hatte, sahen wir eine Bewegung auf der Straße vor uns. Es sah aus wie ein kleiner Drache, ungefähr 1,5m lang. Es war ein Waran! Sobald wir unsere Kamera herausgeholt hatten, schlängelte er sich in einen Kanal am Straßenrand und verschwand.

Nord-Malaysien   1,5m langer Waran

Als der Tag sich dem Ende zuneigte, begannen wir eine Unterkunft zu suchen. Wir spielten mit dem Gedanken, im “Harvard Gold and Country Club” außerhalb der Stadt zu übernachten, aber letztendlich kamen wir ins Stadtzentrum von Sungai Petani und fanden etwas, naja, billigeres. Unter unserem Hotel war ein vegetarisches chinesisches Restaurant mit einer sehr lebendigen Inhaberin. Malaysien ist ein sehr diverses Land mit großen chinesischen und indischen Minderheiten, deren Einfluss man auch am Essen merkt. Anscheinend waren wir die ersten Ausländer, die dieses beliebte kleine Restaurant besuchten, und die Besitzer machen daher gleich ein Foto von uns.

Ein paar Stunden Radfahrt am Morgen brachten uns nach Butterworth, von wo wir eine Fähre nach Georgetown auf der Penang-Insel nahmen. Wir waren schonmal in Georgetown gewesen und hatten daran gute Erinnerungen, so dass wir dort ein paar Tage freinehmen wollten.

Georgetown wird abends erst so richtig lebendig. Wo tagsüber unsere Straße von Schlüsselmachern und Elektrik-Läden dominiert wurde, erschienen nachts die Straßenhändler, die dort ihre kleinen fahrbaren Küchen aufstellten, komplett mit Tischen und Stühlen. Die Luft füllt sich mit gaumen-anregenden Aromen während sie ihr Essen zubereiten, von Curry Laksa mit Meeresfrüchten bis Malay Kofta.

Essen auf dem Nachtmarkt   Leckereien in Penang

Ein älteres Paar vor unserem Hostel bot knusprige Kokosnusspfannkuchen an, die in kleinen bedeckelten Pfännchen zubereitet wurden. Es war fast hypnotisierend, ihnen zuzusehen als ihre Hände von einem Pfännchen zum nächsten flitzten, die goldenen Pfannkuchen herausholten und mit einer Riesengeschwindigkeit wieder neuen Teig eingossen.

Pfannkuchen-Stand

Wir besuchten auch die blaue Cheong Fatt Tze Villa, die 1898 von einem chinesischen Geschäftsmann gebaut wurde. Die Villa wurde nach Feng Shui Prinzipien gebaut und war eine ungewöhnliche Mischung von traditioneller chinesischer Architektur und europäischen Einflüssen, sowie Lampen aus Glasgow und Bodenfliesen aus Staffordshire, England. Der chinesische Geschäftsmann begann als Wasserträger und wurde später zum reichsten Mann in Asien mit dem Spitznamen “Rockefeller des Ostens”. Er verbrachte seine Zeit damit, zwischen seinen 6 Häusern und 7 Frauen hin- und herzureisen, bis zu seinem Tod in den 1920gern. Viele Filme waren in dieser Villa gedreht worden, z.B. der fanzösische Film “Indochine” mit Catherine Deneuve.

Cheong Fatt Tze Mansion, Penang   Richscha der Cheong Fatt Tze Mansion

Nach zwei angenehmen Tagen in Penang ging es wieder los in Richtung Kuala Lumpur. Das Radfahren auf der vielbefahrenen Hauptstraße war nicht besonders ereignisreich. An unserem ersten Tag übernachteten wir in der schönen Stadt Taiping, am Rande einer Hügelgegend. Zwar fühlten wir uns etwas schuldig, den Nachtmarkt zu umgehen, aber wir brauchten mal eine Abwechslung von Reis und Nudeln, so dass wir uns stattdessen eine teure Mahlzeit bei Pizza Hut gönnten.

Oft scheint unsere Anwesenheit andere Verkehrsteilnehmer zu überraschen und sie drehen sich häufig um, um sich uns genauer anzusehen. Diesmal, am folgenden Morgen, (wie wir schon länger mal erwartet hatten), war ein Motorradfahrer so von uns abgelenkt, dass er von der Straße abkam und direkt in einen Graben fuhr! Sehr zur Belustigung seines Freundes, der neben ihm fuhr.

Die Küstenstraße bot uns leider keinen Ausblick auf die Küste, und wir genossen das Radfahren nicht besonders, vor allem da wir auf einer vierspurigen Straße ohne Seitenstreifen fuhren. Dazu waren unsere Köpfe in den Wolken. Unser baldiger Ausflug nach Deutschland ging uns im Kopf herum, und auch die Herausforderung, durch das australische Outback zu fahren. Wir dachten über alles mögliche nach, außer das Hier und Jetzt. Die uninspirierende Landschaft von endlosen Palmenplantagen half auch nicht. Später wurde uns klar, dass wir die Gelegenheit verpasst hatten, einen malaysischen Radfahrer in der Nähe von Penang zu besuchen, ein Kontakt durch Sam aus Ipoh, den wir in Kangar getroffen hatten. Aus Geistesabwesendheit hatten wir nie nachgesehen, wo genau er wohnte, und jetzt war es zu spät. Wir waren selber schuld. Es war an der Zeit, unsere Apathie zu überwinden und Malaysien eine Chance zu geben.

Die Gelegenheit dazu kam sehr bald. Kuala Selangor, in dem wir übernachteten, ist berühmt für seine Glühwürmchen. Wir baten den Hotelmanager, uns ein Taxi für den Abend zu bestellen. Als wir am Glühwürmchenpark außerhalb der Stadt ankamen, hatten wir keine großen Erwartungen, vor allem da es nach Regen aussah, was normalerweise kein gutes Wetter für Glühwürmchen ist. Als wir zwei weitere Touristen gefunden hatten, kauften wir gemeinsam Karten für ein hölzernes Ruderboot und wurden auf den Fluss hinausgefahren, zum Soundtrack einer nahen Moschee. Als wir am anderen Ufer ankamen, bemerkten wir etwas, das wie Lichterketten in den Mangroven aussah. Auf Armeslänge von uns konnten wir die kleinen Glühwürmchen sehen, die überall auf den Zweigen saßen und dort blinkten und glitzerten, so dass die Mangroven aussahen wie beleuchtete Weihnachtsbäume. Kuala Selangor ist einer von nur zwei Orten in der Welt, wo es so eine große Anzahl von Glühwürmchen gibt. Was für ein fantastischer Anblick!

Nach einem recht kurzen Tag kamen wir in Klang an, einer industriellen Stadt 25km westlich von Kuala Lumpur. Unsere Nachforschungen über eine Radroute nach Kuala Lumpur hatten ergeben, dass es eine der schwierigeren Städte in der Welt zum Radfahren war. Es gab keine kleinen Straßen, die ins Stadtzentrum führten, und manche Strecken mussten auf einer Autobahn gefahren werden. Am Ende befolgten wir den Rat anderer Radfahrer und fuhren stattdessen um die Stadt herum.

Durch Zufall war einer von Guy’s Freunden aus England, Beng, in Klang für ein Geschäftsmeeting. Er war letztes Jahr zurück nach Malaysien gezogen, und wir trafen uns zum Mittagessen. Es war schön, Beng zu sehen und auch einen besseren Einblick in die malaysische Kultur zu bekommen. Nach einem leckeren indischen Mittagessen probierten wir die regionale Spezialität Cendol, eine süße Kokosnusssuppe mit grünen Nudeln, Kidney-Bohnen und Eiswürfeln.

Kein Platz für Radler   Beng und Guy

Da wir von Kuala Lumpur für 10 Tage nach Deutschland fliegen, um Frederike’s Familie und unseren brandneuen kleinen Neffen Felix zu sehen, werden wir unsere Fahrräder und Gepäck in einem Hotel in Klang lassen. Ende April kommen wir zurück, um unsere Fahrt nach Singapur fortzusetzen, dem letzten Land vor Australien, wo uns das gewaltige Outback erwartet.

Mittwoch, 13. April 2011

Sturmflut und eine Nacht im Bordell

Ao Nang (Krabi) – Chalung (Malaysische Grenze)

Trotz der Fluten und des anhaltenden Regens hatten wir keine Wahl. Wir mussten weiterfahren, damit wir unseren Flug aus Kuala Lumpur nicht verpassten. Also zogen wir wieder unsere Regensachen an und überzeugten einander, dass es gut für die Charakterbildung wäre, jeden Tag den ganzen Tag im Regen Fahrrad zu fahren. Zum Glück war der Regen aber schwächer, als wir den Ort verließen, und die Fluten schienen sich langsam zurückzuziehen. Sicher war dies das Ende des Regens. Damit lagen wir leider falsch!

Anfangs war uns der Ernst der Situation gar nicht klar, aber langsam wurden uns die Auswirkungen der Fluten bewusst, vor allem als wir mit den Thailändern sprachen und in den Zeitungen lasen, dass Dutzende Menschen in den Fluten ums Leben gekommen waren. Normalerweise ist das Wetter im März ganz trocken, aber dieses Jahr gab es mehr Regen als während des Monsuns. Viele Flüsse hatten sich in reißende Ströme verwandelt, die Straßen, Plantagen und Häuser schluckten.

Thailändische Frau im Regen   Überflutete Straßen bei Trang

Wir hatten vorgehabt, nach 90km in einem Hotel zu übernachten, das wir auf Google Maps gesehen hatten, aber es schien nicht zu existieren und wir wurden an den nächsten Ort, Sikao, verwiesen, der 20km entfernt war. Die “Drei-verschiedene-Leute-fragen-Regel” funktioniert eigentlich immer, und so waren wir überrascht als wir in Sikao ankommen und es dort auch kein Hotel gab. Wir mussten noch 10km weiter bis zu einem Strand fahren, wo es Bungalows geben würde. Es wurde dunkel und regnete wieder stärker, aber zum Glück sahen wir ein Bungalow-Resort, als wir am Strand ankamen. An der Rezeption mussten wir uns sehr laut räuspern, denn der Manager war gerade dabei, Karaoke zu üben. Offensichtlich gab es nicht viele Gäste.

Als wir unsere Köpfe am Abend auf das Kopfkissen legten, konnten wir noch den Regen auf das Wellblechdach prasseln hören, aber morgens wachten wir zu strahlendem Sonnenschein auf. Zurück auf den Fahrrädern kamen wir bald an eine Polizei-Blockade. Die Straße vor uns war geschlossen, da sie hüfthoch überflutet war. Wir bogen nach rechts ab, aber die nächste Straße war auch geschlossen, so dass wir einen Umweg machen mussten, um den Fluss zu überqueren, der weit über seine Ufer getreten war und sich über Hunderte von Metern ausbreitete. Nur die Wipfel der Bäume waren sichtbar, und viele Häuser waren überflutet, einige bis zum Dach. An einigen Orten kamen wir an Notunterkünften vorbei, die auf der Straße errichtet worden waren, so dass die Leute dort die Flut abwarten konnten, bis sie wieder in ihre Häuser zurückkehren würden.

Kurz nachdem wir die Brücke überquert hatten gab es einen weiteren Wolkenbruch. Wir nahmen an, es wäre nur ein Schauer, und stellten uns in einer Bushaltestelle unter, um zu warten. Nach einer Stunde bemerkten wir aber, dass der Fluss langsam die Straße überflutete. Wir sahen zu, als Angestellte der Stadtverwaltung kamen und die verstopften Abflussrohre mit bloßen Händen ausräumten, wobei sie in immer tieferem Wasser auf der anderen Straßenseite saßen. Als wir Barrieren in ihrem Lastwagen sahen, mit denen sie die Straße sperren konnten, wurde uns klar, dass wir so schnell wie möglich weiterfahren mussten. 

Warten in der Bushaltestelle Wolkenbruch

Es regnete so stark, dass wir kaum einen Meter vor uns sehen konnten. Das Wasser stieg schnell an und wir mussten oft in der Mitte der Straße fahren, nur um durchzukommen. Manchmal fuhren wir im Zeitlupentempo durch Wasser, das uns bis zu den Knien reichte. An der nächsten Kreuzung sahen wir, dass die Straße vor uns geschlossen war, da sie völlig unter Wasser stand. Zum Glück konnten wir aber stattdessen ins hügelige Inland abbiegen und den Fluss und die Flut hinter uns lassen. Später am Nachmittag lichteten sich die Wolken und die Sonne schien wieder. Wir waren erleichtert, es geschafft zu haben, fühlten aber auch viel Mitleid für die Leute, die ihre Häuser verloren hatten.

Müde von den Abenteuern des Tages hatten wir wieder Probleme, eine Unterkunft zu finden. Zum Glück half uns eine Frau, die gut Englisch sprach, und brachte uns zur einzigen Unterkunft im Ort Yan Ta Khao. Als wir an der Rezeption ankamen, fragte sie eine Gruppe von Frauen, die auf einem Sofa herumsaßen, für uns nach einem Zimmer. Eine von ihnen stand auf und obwohl wir die Unterhaltung nicht verstehen konnte, sagte sie wohl in etwa:

“Hmmm, hmmm, hmmm, was haben wir denn hier? Die sehen ja aus wie Ferkel!” Worauf alle Frauen gemeinsam kicherten.

Das war etwas seltsam, dachten wir, aber dann sahen wir uns um und bemerkten, wie zwielichtig das Etablissement aussah, die diskreten Parkplätze, die Kleidung der “Angestellten”. Aha, es war ein Bordell! Das letzte Mal, dass wir in einem Bodell übernachtet hatten (wir schwören, dass wir das bisher nur einmal gemacht haben!) war auf einer Motorradtour in Ost-Kambodscha in 2003. Es war keine schöne Erfahrung gewesen und wir hatten damals beschlossen, dies in Zukunft zu vermeiden. Daher waren wir etwas nervös, hier die Nacht zu verbringen. Allerdings waren die Frauen hier recht freundlich, wenn man von ihrem anfangs unwirschen Gebahren absah, außer der Madame, die uns immer finster anstarrte, als sie durch den Hof stöckelte. Im Gegensatz zu unserer letzten Erfahrung in Kambodscha war diesmal das Zimmer auch sehr sauber.

Als die Luft rein war und die Madame anderweitig beschäftig war, gingen wir zurück in den Ort, um etwas zu essen. Wir fanden einen interessanten Markt und einen schönes kleines Cafe, das einem Burmesen gehörte. Außerhalb von touristischen Orten sitzt man meistens auf kleinen Plastikstühlen auf dem Gehweg vor dem Haus einer Familie, um zu essen, aber dieses Cafe hatte ein paar schöne Tische und sogar einige atmosphärische Lampen. Der Tee wurde in hübschen Tassen serviert, und traditionelle thailändische Pfannkuchen waren auf dem Menü.

Zurück “zu Hause” wurde uns klar, dass es nicht besonders schlau von uns war, an einem Freitag in einem thailändischen Bordell zu übernachten. Natürlich bekamen wir in dieser Nacht nicht viel Schlaf.

Die Wolken rollen heran

Am nächsten Tag hatten wir vor, um die 100km auf einer recht ruhigen und landschaftlich schönen Route zu fahren. Als wir in unserem Zielort ankamen, gab es dort allerdings mal wieder kein Hotel (oder Bordell), so dass wir noch weitere 20km bis zum nächsten Ort, Chalung, fahren mussten. Es war wie ein Deja Vu. Normalerweise mögen wir nicht so gerne so große Distanzen fahren, aber 120km pro Tag scheint eine neue Gewohnheit zu werden, da wir oft Probleme haben, in Thailand eine Unterkunft zu finden.

In Chalung gab es am Ortseingang einige Bungalows, die aber leider voll waren. Wir verbrachten dann eine Stunde damit, die Hauptstraße im Ort hoch- und runterzufahren und nach den Hinweisen der Stadtbewohner in allen möglichen Himmelsrichtungen ein Hotel zu suchen. Nachdem ein Apotheker uns gesagt hatte, dass das nächste Hotel noch 13km entfernt wäre, fuhren wir wieder zurück zum Ortseingang, wo wir ein Werbeschild mit dem Foto eines Betts gesehen hatten (alle Schilder sind in thailändischer Schrift, so dass wir sie nicht lesen können). Wir zeigten auf das Schild und fragten ein paar Leute in einem Restaurant, ob sie uns erklären könnten wo dieser Ort wäre. Nach viel Gekicher erbarmte sich ein junges Mädchen und brachte uns mit ihrem Motorrad zu dem Hotel. Es war ein sehr gutes Hotel, sehr günstig, sauber, und, am besten von allem, keine Madame in Sichtweite!

Montag, 11. April 2011

12.000 km Foto

Hier stehen wir vor dem Toilettenblock einer Tankstelle in Thailand. Edel, oder?

Die Angestellten waren ziemlich verwirrt, warum jemand an diesem erhabenen Ort Fotos von sich machen würde… Wir wissen’s auch nicht so genau, aber da waren wir nunmal an unserem 12,000. Kilometer.

IMG_0977edit

Dienstag, 5. April 2011

Eine ziemlich nasse “Trockenzeit”

Chumphon - Krabi

An unserem ersten Tag ohne Nick fuhren wir von Saphli Beach nach Arunothai. Als wir da so an einem Fluß entlang aus einem Fischerdorf fuhren, merkten wir dass sich die Luft recht feucht anfühlte und die Wolken am Horizont etwas bedrohlicher aussahen. Da wussten wir allerdings noch nicht, was Mutter Natur für die folgenden Wochen geplant hatte.

Ohne Nick war die Kommunikation etwas schwieriger, und obwohl wir die Worte für “gebratenen Reis mit Hühnchen” inzwischen kannten, erhielten wir stattdessen oft einen Teller mit allem möglichen außer Hühnchen – Garnelen, Tintenfische, Schwein, Kuhzungen oder Leber… Mit ein bisschen Chilli-Soße und Vorstellungskraft schmeckte es aber dann sowieso alles wie Hühnchen. Generell war das thailändische Essen viel einfacher als wir erwartet hatten. Im ländlichen Thailand gibt es kein Grünes Curry, Pad Thai oder klebrigen Reis mit Mango. Stattdessen aßen wir zu jeder Mahlzeit gebratenen Reis, gebratene Nudeln oder Suppe von kleinen Ständen ohne Menü.

Arunothai war ein kleiner Strandort, der sich wohl an Wochenenden mit Lokaltouristen füllte. Da wir aber während der Woche da waren, war es sehr ruhig und wir waren die einzigen Gästen in unserem Bungalow-Resort. Wir legten dort einen Ruhetag ein, bevor wir hinüber an die Westküste und nach Krabi fuhren. Es war sehr entspannend. Guy putzte unsere Fahrräder und machte einen Ölwechsel für die Rohloff-Naben während Frederike an unserem Blog arbeitete.

Thai Bungalow   Motorrad-Grill

Inzwischen hatten wir uns angewöhnt, von einem Strand zum nächsten zu fahren, und so waren wir am nächsten Abend in einem weiteren Strandbungalow. Wieder waren wir die einzigen Gäste. Kurz nach unserer Ankunft gab es einen Wolkenbruch. Wir glaubten erst, dass es nur ein kurzes Schauer wäre, aber am nächsten Morgen regnete es immer noch stark.

Es gibt nur eine Sache, die das Radfahren in starkem Regen noch verschlimmert: Bauarbeiten. Wir fuhren durch mehrere Gegenden mit Bauarbeiten, wo die rote Erde zu klebrigem Schlamm geworden war. Dazu waren wir noch nichtmal sicher, wohin wir eigentlich fahren sollten, da wir schon länger keinen Internetzugang mehr gehabt hatten, um unsere Route zu planen. Unsere Landkarte war nicht detailliert genug, aber mit Hilfe einiger Thailänder wurde uns klar, dass wir 10km in die falsche Richtung fahren mussten, um ein Hotel zu finden.

Roter Matsch   Pause in einer Bushaltestelle

Am nächsten Morgen goss es immer noch, aber wir fühlten uns gut und wir fuhren los, um Thailand zu durchqueren und an die Westküste zu gelangen. Das Radfahren fanden wir heute leicht und folgten einer guten, aber ruhigen Straße in Richtung Westen. Nach 90km übernachteten wir in einem kleinen Bungalow-Resort. Wie viele Thailänder war auch die junge Frau, die das Resort führte, sehr schüchtern – vor allem uns Ausländern gegenüber. Obwohl alle uns zuwinken und Hallo rufen, wenn wir vorbeifahren, werden die Thailänder generell sehr schüchtern, wenn wir anhalten um nach dem Weg zu fragen oder Essen zu bestellen. Manchmal leeren sich die Läden mysteriöserweise bei unserer Ankunft, so dass niemand sich der anstrengenden Kommunikation mit uns aussetzen muss.

Als es weiter durch endlose Gummi- und Palmöl-Plantagen ging, hatten wir richtig Probleme, in einen Rhythmus zu kommen. Eigentlich hatten wir einen relativ kurzen Tag von nur 75km vor uns, so dass wir hofften, am frühen Nachmittag anzukommen und uns auszuruhen. Leider fehlte uns aber komplett der Rhythmus und die Disziplin. Alle paar Kilometer hielten wir an, um eine Klopause einzulegen, unsere Regenjacken anzuziehen, unsere Regenjacken auszuziehen, etwas zu essen, etwas zu trinken, eine Foto zu machen oder diese komischen gebratenen Dinger zu probieren, usw.

Mittags sahen wir zwei kleine Hunde am Straßenrand. Sie waren ca ein Jahr als und sehr dünn und kränklich. Wir nahmen an, dass sie ihre Mutter verloren hatten, und so gaben wir ihnen etwas Bananenkuchen, um sie zu stärken. Unsicher, was wir als nächstes machen sollten, riefen wir Aom an und fragten, ob es einen Tierschutzverein in Thailand gab, aber das war nicht der Fall. Dann dachten wir, wir könnten vielleicht im nächsten Ort einen Tierarzt finden. Leider war die Sprachbarriere aber undurchdringlich. Wir zeigten unzähligen Leuten Bilder von Ärzten und Tieren in unserem Point It Buch, versuchten erfolglos das thailändische Wort für “Tierarzt” auszusprechen und schafften es nicht mal, unsere Suche jemandem zu erklären, der etwas Englisch sprach. Niemand verstand uns, aber ein Mann schlug vor, dass wir zur Polizeistation gehen könnten, wo sie Englisch sprechen. So stapften wir dann durch den Regen um die Polizeistation zu finden, aber das war ebenso unmöglich. Ein Mann rannte sogar weg, als wir auf das Bild eines Polizisten in unserem Büchlein zeigten! Nach einer frustrierenden Stunde gaben wir auf. Die Hündchen taten uns zwar sehr leid, aber wir waren einfach nicht in der Lage, ihnen zu helfen.

Der Tag wurde nicht viel besser. Kurz danach fiel Guy das erste Mal auf unserer Reise von seinem Rad (Frederike hatte schon einen Fall in Ungarn gehabt, unter sehr ähnlichen Umständen). Wir fuhren auf einer kleinen Teerstraße mit einem engen Seitenstreifen, der etwas tiefer als die Straße lag. Da es so nass war, war die Straße ziemlich schlüpfrig, und als Guy wieder auf die Straße fahren wollte, rutschte sein Fahrrad unter ihm weg. Zum Glück bremste das Fahrrad seinen Fall, so dass Guy keine ernsteren Verletzungen davonzog – nur einen verletzten Stolz, da diese unterhaltsame Episode direkt neben einem Obststand stattfand.

Obwohl es stark regnete, war die Landschaft sehr schön, mit schroffen Kalkfelsen, die überall um uns herum aus dem Dschungel hochschossen. Die Wolken und der Nebel aus dem Tal gaben der Landschaft ein mystisches Aussehen.

Krabi Landschaft   Krabi Kalkfelsen

Wir kamen in Ao Nang (Krabi) in einem regelrechten Wolkenbruch an. Touristen liefen mit Regenschirmen herum und sahen sehr verärgert aus, da ihre Woche Urlaub ins Wasser gefallen war. Wir hatten ein paar Bungalows und einen ruhigen Strand erwartet, ähnlich der anderen Strände, die wir auf dem Weg von Bangkok besucht hatten. Stattdessen kamen wir in einem Städtchen an, dass voller Touristen und der dazugehörigen Einrichtungen wie Burger King und Starbucks war.

Wir fanden ein recht günstiges Hotel und beschlossen, dass unsere armen Muskeln nach 10 Monaten Radfahren eine schöne entspannende Massage verdienten. Die kleinen thailändischen Frauen mögen zwar harmlos aussehen, sind aber stark wie 10 Wasserbüffel! In der nächsten Stunde behandelten sie uns wie zwei Fimo-Klumpen, als sie unsere Körper drückten und zogen und drehten und in alle möglichen Positionen bogen. Manchmal war es ganz entspannend und wir schliefen fast ein, aber Momente später saßen sie schon wieder auf unseren Rücken und schleuderten unsere Beine hoch, als ob wir einen todesmutigen Doppelakt des Cirque Du Soleil durchführten.

Die Gegend um Krabi ist berühmt für ihre wunderschönen Strände und Inseln, so wie Ko Phi Phi, Ko Lanta und Railay Beach. Wir hatten uns eigenlich darauf gefreut, die Inseln in der Nähe zu besuchen, aber das sollte wohl nicht sein. Die ganzen vier Tage, die wir da waren, regnete es ohne Unterlass. Sogar um etwas um die Ecke von unserem Hotel zu essen, wurden wir total durchnässt (wir hatten uns gegen den Kauf eines Regenschirms entschieden, da es eine “extravagante” Ausgabe wäre!). Die Einheimischen erzählten uns, dass dies in der Trockenzeit total ungewöhlich wäre und nie zuvor passiert war.

Die volle Auswirkung des Regens wurde uns erst später klar, denn der Regen verursachte schwere Überflutungen im Süden von Thailand, wobei 53 Leute ums Leben kamen – einige davon in einem Erdrutsch in Krabi nicht weit von uns entfernt. Als wir nach drei Tagen weiterfahren wollten, schüttelte der Hotelmanager den Kopf und informierte uns, dass die Straße aus Krabi wegen der Fluten nicht befahrbar wäre, so dass wir einen weiteren Tag dableiben mussten.

Aufräumen nach der Flut   Verregneter Strandurlaub

Wir hofften, dass der Regen heute aufhören würde, denn am nächsten Tag würden wir keine Wahl haben. Ob per Fahrrad oder schwimmend, die Uhr tickte, da wir nur noch zwei Wochen Zeit vor unserem Flug aus dem über 1000km entfernten Kuala Lumpur hatten!