Sonntag, 24. April 2011

Malaysien: ein Schmelztiegel der Kulturen und Küchen

Malaysische Grenze – Penang - Kuala Lumpur

Nach ein paar langen Tagen in den Hochwassergebieten von Südthailand waren wir bereit, nach Malaysien weiterzufahren, wo uns hoffentlich besseres Wetter erwartete. Wir hatten einen abgelegenen Grenzübergang in einem hügeligen Dschungel-Gebiet gewählt. Die 30km Fahrt von Chalung bis zur Grenze war sehr ruhig, so dass wir bezweifelten, dass der Grenzübergang überhaupt offiziell war, aber plötzlich waren wir in einem belebten Grenzmarkt, der anscheinend jeden Sonntagmorgen stattfand.

Nachdem wir unsere Fahrräder durch den Markt geschoben und unsere thailändischen Baht für einen letzten gebratenen Reis ausgegeben hatten, bekamen wir die notwendigen Immigrationsstempel und fuhren in unser 17. Land, Malaysien. Ein plötzlicher steiler Anstieg erwartete uns auf der anderen Seite, und wie immer hatten wir unser Timing perfektioniert, so dass wir den Pass auf der Höhe der Mittagshitze in Angriff nahmen. Von oben auf dem Pass konnten wir weit nach Malaysien hineinsehen, um das dschungelige Inland und die flache Küstenregion zu bewundern, auf die wir nun zufuhren.

Als wir an einem Restaurant anhielten, wurde uns auf einmal klar, dass wir kein einziges Wort Malaysisch konnten. Zu unserer Erleichterung sprachen die Frauen im Restaurant aber gut Englisch. Dies haben wir in Malaysien später fast überall erfahren, was die Kommunikation sehr vereinfachte. Dazu kommt die Tatsache, dass in Malaysien die lateinische Schrift verwendet wird, so dass wir endlich wieder Straßenschilder lesen können. Das Essen war auch abwechslungsreicher als in Thailand (dafür allerdings nicht ganz so frisch), und sogar kleine ländliche Restaurants hatten oft ein Mittagsbuffet mit einer guten Auswahl an Gerichten.

Als wir in der Stadt Kangar ankamen, wurde uns klar, dass der Norden von Malaysien auch schwer unter den Fluten gelitten hatte, obwohl es mangels Touristen nicht in den internationalen Nachrichten gewesen war. Der halbe Ort stand immer noch unter Wasser, und wir sahen zu, wie Leute in Gummibooten zu ihren Häusern fuhren, um ihre Wertsachen zu holen. Manche der Hotels waren auch überflutet und daher geschlossen.

Überflutetes Haus   Im Gummiboot

Als wir vor einem Supermarkt anhielten, um unsere Optionen zu besprechen, kamen mehrere Leute und fragten, ob wir Hilfe brauchten. Einer war ein Radfahrer, Sam, der nach Kangar gekommen war, um zu helfen, die Flutschäden zu reparieren. Er war Mitglied in einem Moutain Bike Club und lud uns ein, ihn in seiner Heimatstadt Ipoh zu besuchen, die aber leider nicht auf unserem Weg lag.

Mithilfe der Einheimischen fanden wir ein offenes Hotel. Wir hatten erwartet, dass wir in Malaysien mehr für Hotelzimmer bezahlen müssten als in Thailand, aber zum Glück war dies nicht der Fall. Meist fanden wir chinesische Hotels, die immer sehr sauber und günstig waren, ca €8-11 mit Klimaanlage und heißem Wasser (so einen Luxus hatten wir schon lange nicht mehr!). Ein lustiges Merkmal der vielen chinesischen Gegenden in Malaysien ist, dass überall Vogelzwitschern zu hören ist. Das ist allerdings meist nur vom Band und soll Schwalben anlocken, ihre Nester auf den Gebäuden zu bauen. Diese werden dann geerntet und für einen großen Profit nach China verkauft, wo sie zu Vogelnestsuppe verarbeitet werden.

Chinesischer Tempel in Penang   Räucherstab vor einem Tempel

Obwohl wir erst seit ein paar Stunden im Land waren, fühlte sich Malaysien ziemlich entwickelt an, im Vergleich zu unserem Aufenthalt im ländlichen Thailand. Es gab Einkaufszentren, KFC’s, neue Häuser mit Garagen und sogar Supermärkte. Wogegen wir all unsere Einkäufe in winzigen Lädchen in der Türkei, Iran, Indien und Thailand gemacht hatten, fanden wir uns nun in einem Supermarkt wieder, der groß genug war, um einander darin zwischen den hohen Regalen zu verlieren.

Wir hatten von anderen Radfahrern gehört, dass die Ostküste von Malaysien besser zum Radfahren wäre, da sie ruhiger als die Westküste ist, aber wegen unserer Flüge hatten wir nicht genug Zeit, dort hinüberzufahren. So mussten wir auf den verkehrsreichen Straßen der Westküste bleiben, worauf wir uns nicht wirklich freuten. An unserem ersten Tag in Malaysien fuhren wir etwas über 100km in 41°C Hitze – gutes Training für unsere baldige Fahrt durch das australische Outback.

Gerade als wir uns damit abfanden, dass Malaysien uns nicht viele Überraschungen zu bieten hatte, sahen wir eine Bewegung auf der Straße vor uns. Es sah aus wie ein kleiner Drache, ungefähr 1,5m lang. Es war ein Waran! Sobald wir unsere Kamera herausgeholt hatten, schlängelte er sich in einen Kanal am Straßenrand und verschwand.

Nord-Malaysien   1,5m langer Waran

Als der Tag sich dem Ende zuneigte, begannen wir eine Unterkunft zu suchen. Wir spielten mit dem Gedanken, im “Harvard Gold and Country Club” außerhalb der Stadt zu übernachten, aber letztendlich kamen wir ins Stadtzentrum von Sungai Petani und fanden etwas, naja, billigeres. Unter unserem Hotel war ein vegetarisches chinesisches Restaurant mit einer sehr lebendigen Inhaberin. Malaysien ist ein sehr diverses Land mit großen chinesischen und indischen Minderheiten, deren Einfluss man auch am Essen merkt. Anscheinend waren wir die ersten Ausländer, die dieses beliebte kleine Restaurant besuchten, und die Besitzer machen daher gleich ein Foto von uns.

Ein paar Stunden Radfahrt am Morgen brachten uns nach Butterworth, von wo wir eine Fähre nach Georgetown auf der Penang-Insel nahmen. Wir waren schonmal in Georgetown gewesen und hatten daran gute Erinnerungen, so dass wir dort ein paar Tage freinehmen wollten.

Georgetown wird abends erst so richtig lebendig. Wo tagsüber unsere Straße von Schlüsselmachern und Elektrik-Läden dominiert wurde, erschienen nachts die Straßenhändler, die dort ihre kleinen fahrbaren Küchen aufstellten, komplett mit Tischen und Stühlen. Die Luft füllt sich mit gaumen-anregenden Aromen während sie ihr Essen zubereiten, von Curry Laksa mit Meeresfrüchten bis Malay Kofta.

Essen auf dem Nachtmarkt   Leckereien in Penang

Ein älteres Paar vor unserem Hostel bot knusprige Kokosnusspfannkuchen an, die in kleinen bedeckelten Pfännchen zubereitet wurden. Es war fast hypnotisierend, ihnen zuzusehen als ihre Hände von einem Pfännchen zum nächsten flitzten, die goldenen Pfannkuchen herausholten und mit einer Riesengeschwindigkeit wieder neuen Teig eingossen.

Pfannkuchen-Stand

Wir besuchten auch die blaue Cheong Fatt Tze Villa, die 1898 von einem chinesischen Geschäftsmann gebaut wurde. Die Villa wurde nach Feng Shui Prinzipien gebaut und war eine ungewöhnliche Mischung von traditioneller chinesischer Architektur und europäischen Einflüssen, sowie Lampen aus Glasgow und Bodenfliesen aus Staffordshire, England. Der chinesische Geschäftsmann begann als Wasserträger und wurde später zum reichsten Mann in Asien mit dem Spitznamen “Rockefeller des Ostens”. Er verbrachte seine Zeit damit, zwischen seinen 6 Häusern und 7 Frauen hin- und herzureisen, bis zu seinem Tod in den 1920gern. Viele Filme waren in dieser Villa gedreht worden, z.B. der fanzösische Film “Indochine” mit Catherine Deneuve.

Cheong Fatt Tze Mansion, Penang   Richscha der Cheong Fatt Tze Mansion

Nach zwei angenehmen Tagen in Penang ging es wieder los in Richtung Kuala Lumpur. Das Radfahren auf der vielbefahrenen Hauptstraße war nicht besonders ereignisreich. An unserem ersten Tag übernachteten wir in der schönen Stadt Taiping, am Rande einer Hügelgegend. Zwar fühlten wir uns etwas schuldig, den Nachtmarkt zu umgehen, aber wir brauchten mal eine Abwechslung von Reis und Nudeln, so dass wir uns stattdessen eine teure Mahlzeit bei Pizza Hut gönnten.

Oft scheint unsere Anwesenheit andere Verkehrsteilnehmer zu überraschen und sie drehen sich häufig um, um sich uns genauer anzusehen. Diesmal, am folgenden Morgen, (wie wir schon länger mal erwartet hatten), war ein Motorradfahrer so von uns abgelenkt, dass er von der Straße abkam und direkt in einen Graben fuhr! Sehr zur Belustigung seines Freundes, der neben ihm fuhr.

Die Küstenstraße bot uns leider keinen Ausblick auf die Küste, und wir genossen das Radfahren nicht besonders, vor allem da wir auf einer vierspurigen Straße ohne Seitenstreifen fuhren. Dazu waren unsere Köpfe in den Wolken. Unser baldiger Ausflug nach Deutschland ging uns im Kopf herum, und auch die Herausforderung, durch das australische Outback zu fahren. Wir dachten über alles mögliche nach, außer das Hier und Jetzt. Die uninspirierende Landschaft von endlosen Palmenplantagen half auch nicht. Später wurde uns klar, dass wir die Gelegenheit verpasst hatten, einen malaysischen Radfahrer in der Nähe von Penang zu besuchen, ein Kontakt durch Sam aus Ipoh, den wir in Kangar getroffen hatten. Aus Geistesabwesendheit hatten wir nie nachgesehen, wo genau er wohnte, und jetzt war es zu spät. Wir waren selber schuld. Es war an der Zeit, unsere Apathie zu überwinden und Malaysien eine Chance zu geben.

Die Gelegenheit dazu kam sehr bald. Kuala Selangor, in dem wir übernachteten, ist berühmt für seine Glühwürmchen. Wir baten den Hotelmanager, uns ein Taxi für den Abend zu bestellen. Als wir am Glühwürmchenpark außerhalb der Stadt ankamen, hatten wir keine großen Erwartungen, vor allem da es nach Regen aussah, was normalerweise kein gutes Wetter für Glühwürmchen ist. Als wir zwei weitere Touristen gefunden hatten, kauften wir gemeinsam Karten für ein hölzernes Ruderboot und wurden auf den Fluss hinausgefahren, zum Soundtrack einer nahen Moschee. Als wir am anderen Ufer ankamen, bemerkten wir etwas, das wie Lichterketten in den Mangroven aussah. Auf Armeslänge von uns konnten wir die kleinen Glühwürmchen sehen, die überall auf den Zweigen saßen und dort blinkten und glitzerten, so dass die Mangroven aussahen wie beleuchtete Weihnachtsbäume. Kuala Selangor ist einer von nur zwei Orten in der Welt, wo es so eine große Anzahl von Glühwürmchen gibt. Was für ein fantastischer Anblick!

Nach einem recht kurzen Tag kamen wir in Klang an, einer industriellen Stadt 25km westlich von Kuala Lumpur. Unsere Nachforschungen über eine Radroute nach Kuala Lumpur hatten ergeben, dass es eine der schwierigeren Städte in der Welt zum Radfahren war. Es gab keine kleinen Straßen, die ins Stadtzentrum führten, und manche Strecken mussten auf einer Autobahn gefahren werden. Am Ende befolgten wir den Rat anderer Radfahrer und fuhren stattdessen um die Stadt herum.

Durch Zufall war einer von Guy’s Freunden aus England, Beng, in Klang für ein Geschäftsmeeting. Er war letztes Jahr zurück nach Malaysien gezogen, und wir trafen uns zum Mittagessen. Es war schön, Beng zu sehen und auch einen besseren Einblick in die malaysische Kultur zu bekommen. Nach einem leckeren indischen Mittagessen probierten wir die regionale Spezialität Cendol, eine süße Kokosnusssuppe mit grünen Nudeln, Kidney-Bohnen und Eiswürfeln.

Kein Platz für Radler   Beng und Guy

Da wir von Kuala Lumpur für 10 Tage nach Deutschland fliegen, um Frederike’s Familie und unseren brandneuen kleinen Neffen Felix zu sehen, werden wir unsere Fahrräder und Gepäck in einem Hotel in Klang lassen. Ende April kommen wir zurück, um unsere Fahrt nach Singapur fortzusetzen, dem letzten Land vor Australien, wo uns das gewaltige Outback erwartet.

1 comments:

Anonym hat gesagt…

Hallo Frederike,

das bedeutet ja, daß Ihr Euch z.Zt. (26. April) in Deutschland befindet.
Na dann herzlich willkommen in der Heimat und alles Gute für den Neffen.
Grüße aus Köln an alle.

Helmut

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