Montag, 30. Mai 2011

Kakadu Nationalpark

Nachdem wir den Morgen damit verbracht hatten, unseren Mietwagen abzuholen, Essen zu kaufen und Geld zu wechseln, ging es endlich los auf die 250km Fahrt zum Kakadu Nationalpark. Mit dem Auto konnten wir in einem Nachmittag die gleiche Strecke fahren, die mit dem Fahrrad drei Tage gedauert hätte. Andere waren eher bereit, die extra Zeit zu investieren, wie wir herausfanden als wir David, einen englischen Radfahrer, an einem Rastplatz trafen. Er war von Sydney aus mit dem Fahrrad gefahren und konnte uns einige Tipps geben. Im Gegenzug zwangen wir ihm etwas zu Essen auf – endlich konnten wir mal einem Radfahrer etwas geben, und die Tatsache, dass er gerade Mittag gegessen hatte und gar nicht hungrig war, würde uns mit Sicherheit nicht davon abhalten!

Kakadu-Schild   Kakadu-Landschaft

Wir hatten gehofft, nach Ubirr zu fahren, in der nordöstlichen Ecke des Nationalparks. Dies ist ein berühmter Ort, wo man die Sonne über den Flutebenen und den Klippen untergehen sehen kann. Diese Klippen sind die Grenze zu Arnhem Land, eine ziemlich traditionelle Aboriginal Gegend, die man nur mit einer Sondererlaubnis betreten darf. Als wir allerdings an die Abzweigung nach Ubirr kamen, stand dort auf einem Schild, dass die Straße wegen Überflutung geschlossen war. Obwohl es der Anfang der Trockenzeit war, war dies keine große Überraschung, da das Northern Territory während der Regenzeit bis zu dreimal soviel Regen wie normalerweise gehabt hatte, und die Regenzeit hatte erst vor ein paar Wochen geendet.

Wir sahen einige Landrover durch den Fluss fahren und dachten uns, dass es nicht besonders tief aussah, also probierten wir es auch. Ein paar hundert Meter nach dieser erfolgreichen Durchquerung wurden wir allerdings durch einen zweiten Fluss angehalten. Dieser sah tiefer und viel breiter als der erste aus. Natürlich hatten wir das billigste Auto gemietet, keineswegs einen Landrover, und in unserem Mietvertrag stand ganz klar, dass wir nicht durch Wasser fahren sollten. Also gaben wir auf und fuhren zurück zur Hauptstraße. (Später sahen wir in einem Zeitungsbericht, dass eine Gruppe von deutschen Touristen mit ihrem Mietwagen in diesem Fluss voller Krokodile festgesteckt war und dann von den Förstern von ihrem Autodach gerettet werden musste).

Zurück auf der Hauptstraße durch Kakadu fuhren wir weiter durch die schöne bewaldete Gegend bis wir eine Abzweigung zu einem Campingplatz fanden. Dies war ein kleiner Campingplatz mit Plumpsklo, keinem Trinkwasser und einer kleinen Box, in die man die Campinggebühr einwerfen sollte. Uns war etwas mulmig, da überall Krokodil-Warnschilder standen und der Campingplatz halb von einem Fluss umgeben war. Glen’s Abschiedsworte hallten noch in unseren Ohren nach: “Krokodile kommen ziemlich weit an Land. Wenn Ihr Wasser sehen könnt, seid Ihr zu nah dran!”

Allerdings hatten wir nicht die Wahl, denn es wurde schon dunkel und wir fanden später heraus, dass die Situation auf allen Campingplätzen in Kakadu ähnlich war. Also stellten wir unser kleines Zelt auf, stellten sicher dass andere Camper zwischen uns und dem Fluss waren, und hielten immer Aussicht nach dunklen Silhouetten, die durch das Gebüsch auf uns zukamen. Wir kochten unser Essen an einem Picknicktisch und konnten sogar ein Feuer machen. Als wir vor unserem Feuer saßen, waren wir ziemlich froh, dass wir in Hüte und Kopfnetze investiert hatten, denn die Fliegen und Mücken waren unerträglich. 

Bitte nicht schwimmen   Sehr nuetzlich: Kopfnetz

Es war toll, in unserem Zelt aufzuwachen, von der australischen Landschaft mit all den Vögeln und den Eukalyptusbäumen umringt. Unsere erste Anlaufstelle war das Bowalie Besucherzentrum, wo unsere Geldbörsen um die teure Eintrittsgebühr für den Nationalpark erleichtert wurden. Dort besuchten wir auch eine Ausstellung über die Flora und Fauna der Kakadu Gegend.

Als nächstes fuhren wir nach Nourlangie, einer historischen Stätte mit Felsmalereien. Ein Rundgang führte uns an Felsmalereien der Aboriginals vorbei, die verschiedene Dinge wie Känguruhs, Tänzer und Blitz-Götter zeigten. Eine der Grotten wurde seit 20,000 Jahren als Zuflucht benutzt.

Felsgemaelde von Taenzern   Schoene Aussicht

Weiter ging es nach Cooinda. Da wir Ubirr nicht sehen konnten und auch einige der Wanderwege wegen Überflutungen geschlossen waren, hatten wir entschieden, den Yellow Water Cruise zu machen, um etwas mehr von Kakadu zu sehen. Der Yellow Water Billabong ist ein See, der das ganze Jahr über Wasser hat und mit einem Feuchtgebiet und einem Flusssystem verbunden ist.

Yellow River Feuchtgebiet

Sobald wir im Boot waren, sahen wir unser erstes Krokodil, das im Wasser in der Nähe herumkreiste. 

Wer schwimmt denn da?

Die Krokodile in Kakadu sind hauptsächlich Salzwasserkrokodile, die größer und aggressiver als die Süßwasserkrokodile sind. Obwohl die Salzwasserkrokodile vor einiger Zeit vom Aussterben bedroht waren, sind sie seit den 70ger Jahren geschützt. Seitdem ist ihre Anzahl auf über 100.000 allein im Northern Territory hochgeschossen. Wie Glen und Ruth uns erzählten, sollte man hier nicht im Meer oder in den Flüssen schwimmen, da Krokodil-Attacken häufig vorkommen.

Im Feuchtgebiet gab es unglaublich viele Vögel und wir sahen unter anderem viele Reiher, Adler und australische Vögel wie Corellas und Jabirus.

Wir sahen auch vier weitere Krokodile. Die meisten sonnten sich am Flussufer und grinsten dabei mit ihren Krokodilzähnen zufrieden vor sich hin. Eines der Krokodile (4,5m lang) kreiste seine üblichen Runden und überwachte sein Gebiet.

Voegelchen   Ausruhen vor der Jagd

Abends fanden wir einen weiteren guten Campingplatz. Die Campingplätze hier in Australien sind so anders als die manikürten Rasen und Hecken in Europa. Man hat viel mehr Platz und man kann oft ein Feuer machen, so dass man sein Känguruh-Steak gleich darauf grillen kann.

Feuchtgebiete    Lotus-Blume

Am Morgen wollten wir zurück nach Darwin fahren, um noch einiges zu erledigen, bevor es am nächsten Tag mit dem Fahrrad weiterging. Wir waren voller nervöser Energie, da wir wussten, dass wir eine anstrengende Fahrt vor uns hatten.

Samstag, 21. Mai 2011

Darwin, die nördlichste Stadt in Australien

Bei unserer Ankunft in Darwin um 4:30 morgens riss ein unfreundlicher Zollbeamter unsere mit soviel Liebe gepackten Fahrradkartons auf, um unsere Reifen und Satteltaschen nach Spuren von Dreck zu untersuchen. Unsere harte Arbeit in Singapur hatte sich allerdings gelohnt: Er fand nichts und wir durften weitergehen.

Wir hatten im Voraus arrangiert, bei Glen und Ruth durch den Darwin Cycling Club zu übernachten, und zu unserem Erstaunen hatte Glen sich angeboten, uns vom Flughafen abzuholen – um 4:30 morgens!

Als wir aus dem Flughafengebäude traten, empfing uns die frische, nach Eukalyptus duftende Morgenluft. Unsere Siebensachen wurden in Glen’s Auto geladen und wir fuhren 20km zu ihrem Haus. Ruth war auch schon wach und begrüßte uns gemeinsam mit ihrem süßen kleinen Hund, Miss Muffett. Sie zeigten uns ihr Haus und auch den Bereich, der für uns gedacht war. Zu unserer Überraschung bestand dieser aus einem luxuriösen Wohnwagen sowie einem Gartentisch und Grill, einem Platz wo wir an den Fahrrädern arbeiten konnten, und einem Kühlschank voll von “ein paar Sachen”, so dass wir nicht “gleich losrennen und einkaufen müssten”. Stellt Euch nur unser Staunen vor, als wir die Kühlschranktür öffneten, und er voll von genau den Dingen war, nach denen wir uns in Asien gesehnt hatten: Brot, Müsli, Kuchen, Kekse, Orangensaft, Milch, Speck, Eier, Obst usw. Wir waren im Himmel.

Glen und Ruth's Haus   Der Kühlschrank

Als wir uns im gemütlichen Bett ausruhten, konnten wir unser Glück gar nicht fassen. Es war der perfekte Start in Australien, und es fühlte sich richtig gut an, wieder zurück zu sein.

Unsere großzügigen Gastgeber boten uns auch an, Ruth’s Auto zu benutzen, um nach Darwin zu fahren (Glen und Ruth wohnen ca 20km von der Stadt entfernt). Also fuhren wir gleich in die Stadt und begannen, unser Leben in Australien wieder zu aktivieren. Wir registrierten uns für Medicare (die staatliche Krankenkasse), holten ein Päckchen von Guy’s Eltern bei der Post ab, kauften eine SIM Karte, informierten uns über Bankkonten und kauften ein paar Sachen von einem Campingladen.

Zufällig waren Bekannte aus Deutschland auch gerade in Darwin, da sie gerade ihre Reise durch West-Australien beendet hatten. Wir riefen Jessica und Hendrik an und schafften es, uns noch auf einen Kaffee und Kuchen zu treffen, bevor sie am nächsten Tag nach Sydney flogen. Es war schön, sie wiederzusehen und uns über unsere Abenteuer auszutauschen.

Mit Jessica und Hendrik

An unserem ersten Abend luden uns Ruth und Glen zum Essen ein und kochten ein leckeres asiatisches Garnelen-Gericht. Im tropischen Norden von Australien findet das Leben hauptsächlich draußen statt, so dass das Wohnzimmer draußen war, komplett mit Sofas und einem Fernseher. Wir hatten Glück, dass wir zu Beginn der Trockenzeit ankamen, die warm aber nicht zu feucht ist, während die Regenzeit sehr heiß und schwül ist, mit viel Regen und starken Stürmen.

Darwin, ganz im Norden von Australien, ist sehr weit von allem anderen entfernt. Die Bevölkerung der Darwin-Gegend ist ca 120,000 und die nächste Stadt ist Denpasar in Indonesien, zwei Stunden Flugzeit entfernt, so dass Darwin eigentlich näher an Asien als am Rest von Australien gelegen ist. Der Stuart Highway, der Darwin mit Adelaide verbindet und auf dem wir entlang fahren werden, wurde erst in den 80ger Jahren komplett geteert, während die meisten anderen Straßen im Northern Territory immer noch ungeteert sind. Oft kann man diese nur mit Allradantrieb befahren, und in der Regenzeit sind sie häufig wegen Überflutung ganz geschlossen.

Glen und Ruth   Miss Muffett

In Darwin leben recht viele Aboriginals, die mit sehr vielen sozialen Problemen zu kämpfen haben, die auch viele andere Gegenden im Northern Territory betreffen. Oft hängen sie in Einkaufszentren herum oder sitzen under den Bäumen an der Straße. Da sie als Psychologin arbeitet und in einem abgelegenen Aboriginal-Dorf aufgewachsen ist, konnte Ruth uns einiges darüber erklären. Die sozialen Probleme unter den Aboriginals sind oft durch Alkoholismus verursacht (später sahen wir mehrere Aboriginal-Gebiete, in denen Alkohol verboten war, um dieses Problem zu bekämpfen). Schwangerschaften unter Teenagern kommen häufig vor und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Dies wird wohl teils auch dadurch verursacht, dass die Aboriginals “Sit-Down-Money” von der Regierung bekommen, so dass sie gar nicht arbeiten müssen.

Ungefähr die Hälfte des Landes im Northern Territory gehört Aboriginal-Clans oder wird von ihnen beansprucht (dafür müssen die “traditionellen Landbesitzer” eine langjährige Verbindung zu der Gegend und die Existenz von heiligen Stätten beweisen). Glen kennt sich damit gut aus, da seine Firma mit den Aboriginal Landbesitzern arbeitet, um ihnen dabei zu helfen, Projekte wie Raststätten, Tankstellen und Helikopter-Landeplätze auf ihrem Land zu realisieren. Während es im Süden von Australien nicht mehr viele Aboriginals gibt, sind die sozialen Probleme und Landrechte, die durch die Entwurzelung der Kultur der Aboriginals verursacht wurden, sehr real im Northern Territory.

Sonnenuntergang   Am Strand in Darwin

Nach zwei weiteren Tagen, in denen wir die Fahrräder wieder zusammenbauten und einige andere Dinge erledigten, nahmen Glen und Ruth uns zum Mindil Nachtmarkt mit, der in Darwin jeden Donnerstag und Sonntag abend stattfindet. Wir stellten unsere Stühle am Strand auf, um den Sonnenuntergang zu sehen. Wir hatten Glück, da gerade die Arafura-Spiele stattfanden, so dass wir einige Laufwettbewerbe direkt am Strand sehen konnten.

Der Mindil Markt ist sehr divers, mit vielen hauptsächlich asiatischen Essensständen und auch einigen Ständen mit Handarbeiten aus der Gegend. Obwohl wir uns aufteilten, um Essen von verschiedenen Ständen zu kaufen, kamen wir alle mit dem Gleichen zurück, und es war nicht mal asiatisch: Souvlaki!

Obwohl es uns juckte, bald weiterzufahren, wollten wir auch nicht die Gelegenheit verpassen, den Kakadu Nationalpark zu besuchen. Es war ein ziemlicher Umweg mit dem Fahrrad, aber mit einem Auto in ein paar Tagen machbar. Wir machten uns also über Autovermietungen schlau und fanden letztendlich eine, die uns nicht auf 100km pro Tag begrenzte – eine lächerlich kleine Entfernung in den Weiten von Nordaustralien. Am Freitag morgen fuhren wir nach Kakadu los und planten, am Sonntag rechtzeitig für eine gegrillte Pizza mit Glen und Ruth zurück zu sein, und dann am Montag mit dem Fahrrad weiterzufahren.

Freitag, 20. Mai 2011

Das Australische Outback: Unsere Zielgerade

Vor fast einem Jahr wobbelten wir aus unserem Londoner Vorort, mit der anscheinend verrückten Idee, durch Europa, den Mittleren Osten und Asien nach Australien zu fahren. 20 Länder und über 13.000km später sind wir in Darwin, Australien, gelandet. Also haben wir es geschafft.

Naja, noch nicht ganz: Unsere Reise ist erst zu 3/4 vollendet. Die letzten 4.000km sind sozusagen unsere Zielgerade (wenn auch eine ziemlich lange) und eine Möglichkeit das Land, in dem wir leben werden, besser kennenzulernen.

Um von Darwin aus nach Hause zu kommen, drehen wir die Fahrräder einfach in Richtung Süden und fahren 3.000km auf dem Stuart Highway entlang, bis wir nach Adelaide kommen. Von dort aus fahren wir nochmal 1.000km nach Osten, entlang der Great Ocean Road, bis wir beim Haus von Guy’s Eltern ankommen – in Point Lonsdale, einem Dorf am Meer, 1 1/2 Stunden südlich von Melbourne gelegen. Wir werden durch mehrere Klimazonen fahren, von der tropischen Hitze ganz im Norden Australiens, über die nächtlichen Minustemperaturen in der Mitte Australiens, bis zu den windigen Küsten im Süden des Kontinents.

australia

Auf dem Stuart Highway gibt es nur vier kleine Städte: Katherine (5,850 Einwohner), Alice Springs (26,300), Coober Pedy (3,500) und Port Augusta (13,500). Der Stuart Highway ist die einzige geteerte Nord-Süd-Route durch die Mitte von Australien, und sie ist erst seit 25 Jahren geteert. Die meisten Straßen abseits des Stuart Highways sind immer noch ungeteert und können oft nur mit Autos mit Allradantrieb passiert werden. Es wird nur wenig Schatten geben, der Wind wird hauptsächlich von Vorne wehen, und Nahrungsmittel werden nicht oft zu finden sein, und wenn doch, sind sie sehr teuer. Wasser wird oft eklig schmeckendes Wasser aus Pumpen sein, und manchmal werden wir jeder bis zu 20l Wasser tragen müssen, um die teils großen Entfernungen zu überbrücken.

Aber wir werden nicht alleine sein, denn die Nebenrollen werden von Millionen von Fliegen und Mücken, Krokodilen und Känguruhs besetzt sein. Obwohl es weit und leer sein wird, gibt es dennoch einige Attraktionen auf dem Weg zu besichtigen, wie einen singenden Dingo, unterirdische Opalminen, riesige Lastwagen, einen großen roten Stein, einen Canyon der Könige, die “Teufels-Murmeln”, eine Telegrafenlinie und ein Felsgemälde, die tausende von Jahren alt sind…

Nach Alice Springs überlegen wir, uns evtl. vom Stuart Highway zu verabschieden und stattdessen eine abgelegenere parallele Route zu nehmen, den Oodnadatta Track. Diese ungeteerte Straße würde uns durch winzige Dörfer führen, deren Bevölkerung an einer Hand abzuzählen ist, und wo es fast keinen Verkehr gibt. Wir denken, dass wir nach 2.000km auf dem Stuart Highway eine Abwechslung brauchen werden. Die Entscheidung werden wir aber später treffen, denn nach Regen ist der Oodnadatta Track oft nicht passierbar, und vielleicht haben wir auch gar nicht die Energie für dieses extrem abgelegene Terrain. Es würde auch bedeuten, dass wir zwei der vier Städtchen zwischen Darwin und Adelaide umgehen würden (Coober Pedy und Port Augusta).

Da unser Budget in Australien sehr niedrig ist (der australische Dollar ist gerade sehr stark), werden wir hauptsächlich zelten und unser eigenes Essen kochen. Wir hoffen, dass unsere Ausrüstung noch ohne teure Ersatzteile die letzten 4.000km aushält.

Insgesamt wird es sicher eine interessante Herausforderung werden. Das Gewicht auf unseren Fahrrädern wird schwerer als je zuvor sein und die Bedingungen recht anstrengend, so dass wir sicher auch mal an unsere Grenzen kommen werden, aber Schritt für Schritt werden wir es bis nach Hause schaffen.

Sonntag, 15. Mai 2011

Singapur

Für den Grenzübergang nach Singapur folgten wir einfach der Motorradspur, um über die Brücke zu gelangen. Der Grenzbeamte war recht erstaunt über unsere Pläne als wir ihm unsere Adresse in Singapur gaben: “Ihr wollt den ganzen Weg bis zum Sunset Way mit dem Fahrrad fahren? Das ist ziemlich weit!” Es waren gerade mal 15km…

Wir hatten im Voraus arrangiert, bei Chuen und seiner Mutter über Warmshowers zu übernachten. Da Chuen noch bei der Arbeit war, ließ seine Mutter uns ins Haus. Wir konnten unser Glück gar nicht fassen, denn wir hatten unser eigenes Zimmer, Platz um die Fahrräder zu putzen und einzupacken, und sehr nette Gastgeber die uns mit allem halfen, dass wir brauchten.

Chuen   Mit Frau Chou

Den folgenden Tag verbrachten wir damit, Fahrradkartons zu besorgen. Leider gab es keine in der großen Größe, die wir für unsere Tourenräder eigentlich brauchen, aber am Ende fanden wir kürzere, breitere Kartons, die gut passten solange wir beide Räder und Gepäckträger abnahmen.

Marina Bay   Frederike packt die Fahrräder ein

Chuen ist ein Ingenieur, der in Kalifornien studiert hat und dann eine Fahrradtour quer durch die USA machte. Er ist sehr nett und großzügig, und wir gingen zusammen gegrillten Stachelrochen essen (lecker aber sehr scharf gewürzt!). Er zeigte uns auch das Stadtzentrum um Marina Bay mit seinen futuristischen Gebäuden. Eines davon bestand aus einem Schiff, das auf drei Hochhäuser gesetzt war, und ein anderes sah aus wie eine riesige Durian-Frucht. An einem Morgen fuhren wir mit Chuen zu den beschaulichen Reservoirs, die in Parks in der Mitte der Stadt lagen. Obwohl es Sonntag morgen war, waren fast keine Leute da. Anscheinend ziehen es die meisten Bewohner Singapurs vor, ihre Zeit in klimatisierten Einkaufszentren zu verbringen.

Strenge Regeln   Ein See in Singapur

An einem Abend trafen wir uns mit Tze-Ern und Ben, einem humorvollen Paar aus Singapur. Sie hatten sich mit Guy’s Eltern angefreundet, als sie in ihrem B&B in Australien übernachteten. Um uns ihr Lieblingsrestaurant zu zeigen, holten sie uns von Chuen’s Haus ab. Das Restaurant spezialisierte sich auf “Chicken Rice”, ein Gericht das in Singapur sehr ernst genommen wird, da es auf eine ganz bestimmte Weise zubereitet werden muss. Es war sehr lecker, mit den Beilagen von Austern-Omelette, seidigem Tofu und gebratenem Gemüse. Als Psychiaterin kommt Tze-Ern manchmal für Konferenzen nach Melbourne, so dass wir sie vielleicht bald wiedersehen werden. Leider ist es für Ben als Arzt nicht immer so einfach, freizunehmen um mitzukommen.

Ben und Tze-Ern   Tofu auf jede Art zubereitet

An unserem vorletzten Tag trafen wir uns mit Thomas, ein dänischer Fahrradfahrer, der seit Bangkok auf einer ähnlichen Route wie wir unterwegs war. In der Nähe von Marina Bay aßen wir gemeinsam etwas und unterhielten uns über unsere Reisen. Wir freuen uns schon darauf, seine Abenteuer in Indonesien und Australien zu verfolgen. 

Zu viel Auswahl   Thomas

Nach unserem Abendessen fuhren wir ans andere Ende der Stadt, um die berühmte Singapur Nachtsafari zu besuchen. Die Safari war ziemlich cool und bestand aus einem Spaziergang und einer Tramfahrt durch den Tierpark. Der Singapurer Zoo hat ein offenes Konzept, das heißt die Tiere werden hauptsächlich durch Gräben und andere natürliche Barrieren in ihren Gehegen gehalten. Die meisten Tiere waren sehr nah an der Trambahn, ca 10m entfernt, so dass es sich anfühlte als ob man sie fast anfassen könnte. Wir sahen Elefanten, Giraffen, Löwen, Tiger, Leoparden, Nilpferde, Rhinozerosse, Büffel, Rehe und viele andere Tiere. Ein Spaziergang im Fledermaus-Gehege war eine Erfahrung für sich, wobei katzengroße Fledermäuse uns um die Ohren sausten und uns mit Exkrementen bombardierten! Die Nachtsafari war ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk für Frederike, da wir an ihrem eigentlichen Geburtstag damit beschäftigt sein würden, zu packen und zum Flughafen zu gelangen.

An unserem letzten Morgen verabschiedeten wir uns von Chuen, als er zur Arbeit fuhr, packten fertig, aßen ein letztes Eis in der Eisdiele in der Nähe und warteten auf unser Flughafen-Taxi. Es war schwer zu glauben, dass unsere Zeit in Asien zuende war, aber gleichzeitig freuten wir uns sehr darauf, das Land besser kennenzulernen, in dem wir fortan leben würden: Australien. 

Mittwoch, 11. Mai 2011

Asien – die letzten Tage

(Deutschland) - Klang – Melaka - Grenze zu Singapur

Als wir nach Klang zurückkamen, fühlte sich unser 10-tägiger Ausflug nach Deutschland schon surreal an. Wir hatten einen fantastischen Aufenthalt dort, bewunderten unseren kleinen Neffen Felix und verbrachten Zeit mit Frederike’s Familie und einigen Freunden. Wir besuchten ihre Oma und trafen viele der Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen. Frederike’s Vater zeigte uns die weltgrößte Modelleisenbahn und ein russisches U-Boot in Hamburg und nahm uns dann noch mit zu einem Segelausflug auf der Alster. Der Rest der Zeit wurde mit Frederike’s Schwester und ihrer Mutter verbracht, wobei wir gar nicht viel machten, außer uns zu unterhalten und spazierenzugehen. Der Kulturschock, den wir nach all unserer Zeit in Asien erwartet hatten, verlief eigentlich positiv, denn wir genossen unsere ordentliche und ruhige Umgebung und staunten über die ganzen Produkte, die im Supermarkt erhältlich waren.

Frederike mit ElternMaike und Denis mit Baby Felix

Daher waren wir ein wenig traurig, zurück in Malaysien zu sein, denn wir wussten dass wir Frederike’s Familie erstmal eine Weile lang nicht sehen würden. Gleichzeitig waren wir aber auch aufgeregt über unsere baldige Radfahrt durch Australien. Mit der Rückkehr von Boris, unserem Zelt, war das Team endlich wieder vollständig (er hatte den Winter in Deutschland verbracht, da wir ihn in Indien und Südostasien nicht brauchten). Müde vom Jetlag fuhren wir am nächsten Morgen gleich weiter für unsere letzte Woche in Asien – die Strecke zwischen Kuala Lumpur und Singapur.

Als wir um die erste Ecke fuhren, stieß Frederike fast mit einem älteren, etwas heruntergekommen aussehendem Chinesischen Mann zusammen, der auf seinem rostigen Fahrrad in die andere Richtung fuhr. Nachdem wir uns kurz mit dem Mann, Bobby, unterhalten hatten, bestand er darauf, uns auf einen Kaffee einzuladen. Bald saßen wir in einem Cafe, wobei Bobby’s Freund, ein Doktor, sich dazusetzte, und tranken Eistee und aßen Roti-Brot mit Ei-Füllung. “Nächstes Mal, wenn ihr wiederkommt, solltet ihr in meinem Hotel übernachten,” sagte Bobby und zeigte auf das nette Hotel, aus dem wir gerade gekommen waren. Trotz seines Erscheinungsbildes war er der Besitzer des fünfstöckigen Gebäudes. Er besaß auch einen Obstladen und füllte unsere Lenkertaschen mit Orangen bevor wir weiterfahren durften.

Die Straße südlich von Klang war ziemlich viel befahren, mit vielen Lastwagen und wie üblich in Malaysien, keinem Seitenstreifen. Wir mühten uns ziemlich ab, teils wegen des Jetlags, aber auch weil wir jeder zusätzlich 5kg Campingausrüstung auf unseren Rädern hatten. Wir übernachteten in einem Hotel in Port Dickson. Port Dickson sah nach einem netten Strandort aus, war aber komplett überfüllt, da es Malaysien’s Nationaltag war.

Die Landschaft am nächsten Tag war interessanter, mit mehr Hügeln und weniger Palmplantagen. Eine beliebte Unternehmung am Nationaltag schien zu sein, eine Gruppe von 30-50 Freunden zusammenzutrommeln, jeder mit einem kleinen Rucksack und einem Motorrad bewaffnet, und dann die in einer Bande die Küstenstraße herunterzufahren, wobei man alle anderen Verkehrsteilnehmer terrorisierte. Idealerweise sollte man seine Freunde beeindrucken, indem man einen Stunt hinlegte, zum Beispiel indem man sich bäuchlings auf das Motorrad legte, seine Beine in die Luft streckte, und dann an zwei ausländischen Radfahrern so nah wie möglich vorbeisauste, wobei man das Daumen-hoch Zeichen machte. 

Bei unserer Ankunft in Melaka hatten wir das Glück, das letzte Zimmer in einem günstigen und zentral gelegenen Hotel zu ergattern. Die Stadt war voller Wochenend-Besucher. Wir quetschten uns mit allen anderen durch den Nachtmarkt und genossen die Aromen des leckeren Essens, und das angenehme Licht der chinesischen Laternen.

Straße in Melaka

Am Morgen schliefen wir aus, da wir noch müde von der Zeitverschiebung waren. Der Nachmittag wurde damit verbracht, durch die Stadt zu wandern und die Antiquitäten-Läden, Chinesischen Tempel, blumenüberladenen Plätze, eine portugiesische Kirche und das alte holländische Rathaus zu bewundern. Aber die meiste Zeit verbrachten wir einfach in einem netten Cafe, The Geographer.

Laterne   Chinesischer Tempel

Abends klopfte jemand an unsere Tür. “Wie ich sehe, habt ihr auch eine Rohloff-Nabe,” stellte sich der Radfahrer Marius aus Holland vor. Damit war klar, dass der Abend mit “Fahrrad-Gerede” verbracht werden würde. Marius ist ein pensionierter Lehrer, der jedes Jahr für zwei Monate irgendwo in der Welt eine Radtour macht und daher viel zu erzählen hatte.

Cafe in Melaka   Fahrrad-Taxi

Da wir nun nur 2° nördlich des Equators waren, war die Temperatur sehr heiß. Die 104km am folgenden Tag waren ziemlich anstrengend und wir waren müde, als wir in Batu Pahat ankamen. Wir beschlossen daher, den üblichen Nachtmarkt zu umgehen und stattdessen in einem netten Restaurant namens “Secret Recipe” zu essen.

Während der Nacht fand Guy heraus, was das Geheimnis war. Ihm war ziemlich übel. Nachdem wir ausgeschlafen und etwas überlegt hatten, beschlossen wir trotzdem weiterzufahren, da wir nun nicht mehr allzu viel Zeit vor unserem Flug von Singapur nach Darwin hatten. Natürlich war es ein recht anstrengender Tag, vor allem für Guy, aber nachmittags fühlte er sich besser. Dazu bekamen wir sogar ein Zimmer mit Meeresblick in Pontian.

Am folgenden Morgen waren wir aufgeregt, da es unser letzter Tag der Radfahrt in Asien sein würde, denn Singapur war nur 75km entfernt. Vormittags hielten wir bei einem kleinen Cafe an, um Eistee und Kokosnussmilch zu trinken. Ein Mann aus Singapur, der überall in der Welt herumgereist war, unterhielt sich mit uns. Nachdem er gegangen war, fanden wir heraus, dass er heimlich unsere Getränke bezahlt hatte.

Geschenke   Pause in der Regenrinne

Kurz darauf aßen wir an einem Straßenmarkt etwas, und danach kam ein Mann namens Albert vorbei, um mehr über uns herauszufinden. Er ist Mitglied des Lions Club und war recht interessiert an unserer Reise. Bevor er ging, schenkte er uns eine große Tüte voller Erdnüsse, Kekse und Getränke: Ein sehr nettes Ende unserer Zeit in Malaysien.

Donnerstag, 5. Mai 2011

13.000 km Foto

Um unseren vorletzten Tag Radfahren in Asien zu feiern besuchten wir ein schickes “Secret Recipe” Restaurant. Leider musste Guy daraufhin am eigenen Leib erfahren, warum das Rezept so ein großes Geheimnis war. Wir verbrachten den nächsten Tag damit, uns von einer Bushaltestelle zur nächsten zu schleppen, bis die Übelkeit am nächsten Abend endlich nachließ.

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