Samstag, 21. Mai 2011

Darwin, die nördlichste Stadt in Australien

Bei unserer Ankunft in Darwin um 4:30 morgens riss ein unfreundlicher Zollbeamter unsere mit soviel Liebe gepackten Fahrradkartons auf, um unsere Reifen und Satteltaschen nach Spuren von Dreck zu untersuchen. Unsere harte Arbeit in Singapur hatte sich allerdings gelohnt: Er fand nichts und wir durften weitergehen.

Wir hatten im Voraus arrangiert, bei Glen und Ruth durch den Darwin Cycling Club zu übernachten, und zu unserem Erstaunen hatte Glen sich angeboten, uns vom Flughafen abzuholen – um 4:30 morgens!

Als wir aus dem Flughafengebäude traten, empfing uns die frische, nach Eukalyptus duftende Morgenluft. Unsere Siebensachen wurden in Glen’s Auto geladen und wir fuhren 20km zu ihrem Haus. Ruth war auch schon wach und begrüßte uns gemeinsam mit ihrem süßen kleinen Hund, Miss Muffett. Sie zeigten uns ihr Haus und auch den Bereich, der für uns gedacht war. Zu unserer Überraschung bestand dieser aus einem luxuriösen Wohnwagen sowie einem Gartentisch und Grill, einem Platz wo wir an den Fahrrädern arbeiten konnten, und einem Kühlschank voll von “ein paar Sachen”, so dass wir nicht “gleich losrennen und einkaufen müssten”. Stellt Euch nur unser Staunen vor, als wir die Kühlschranktür öffneten, und er voll von genau den Dingen war, nach denen wir uns in Asien gesehnt hatten: Brot, Müsli, Kuchen, Kekse, Orangensaft, Milch, Speck, Eier, Obst usw. Wir waren im Himmel.

Glen und Ruth's Haus   Der Kühlschrank

Als wir uns im gemütlichen Bett ausruhten, konnten wir unser Glück gar nicht fassen. Es war der perfekte Start in Australien, und es fühlte sich richtig gut an, wieder zurück zu sein.

Unsere großzügigen Gastgeber boten uns auch an, Ruth’s Auto zu benutzen, um nach Darwin zu fahren (Glen und Ruth wohnen ca 20km von der Stadt entfernt). Also fuhren wir gleich in die Stadt und begannen, unser Leben in Australien wieder zu aktivieren. Wir registrierten uns für Medicare (die staatliche Krankenkasse), holten ein Päckchen von Guy’s Eltern bei der Post ab, kauften eine SIM Karte, informierten uns über Bankkonten und kauften ein paar Sachen von einem Campingladen.

Zufällig waren Bekannte aus Deutschland auch gerade in Darwin, da sie gerade ihre Reise durch West-Australien beendet hatten. Wir riefen Jessica und Hendrik an und schafften es, uns noch auf einen Kaffee und Kuchen zu treffen, bevor sie am nächsten Tag nach Sydney flogen. Es war schön, sie wiederzusehen und uns über unsere Abenteuer auszutauschen.

Mit Jessica und Hendrik

An unserem ersten Abend luden uns Ruth und Glen zum Essen ein und kochten ein leckeres asiatisches Garnelen-Gericht. Im tropischen Norden von Australien findet das Leben hauptsächlich draußen statt, so dass das Wohnzimmer draußen war, komplett mit Sofas und einem Fernseher. Wir hatten Glück, dass wir zu Beginn der Trockenzeit ankamen, die warm aber nicht zu feucht ist, während die Regenzeit sehr heiß und schwül ist, mit viel Regen und starken Stürmen.

Darwin, ganz im Norden von Australien, ist sehr weit von allem anderen entfernt. Die Bevölkerung der Darwin-Gegend ist ca 120,000 und die nächste Stadt ist Denpasar in Indonesien, zwei Stunden Flugzeit entfernt, so dass Darwin eigentlich näher an Asien als am Rest von Australien gelegen ist. Der Stuart Highway, der Darwin mit Adelaide verbindet und auf dem wir entlang fahren werden, wurde erst in den 80ger Jahren komplett geteert, während die meisten anderen Straßen im Northern Territory immer noch ungeteert sind. Oft kann man diese nur mit Allradantrieb befahren, und in der Regenzeit sind sie häufig wegen Überflutung ganz geschlossen.

Glen und Ruth   Miss Muffett

In Darwin leben recht viele Aboriginals, die mit sehr vielen sozialen Problemen zu kämpfen haben, die auch viele andere Gegenden im Northern Territory betreffen. Oft hängen sie in Einkaufszentren herum oder sitzen under den Bäumen an der Straße. Da sie als Psychologin arbeitet und in einem abgelegenen Aboriginal-Dorf aufgewachsen ist, konnte Ruth uns einiges darüber erklären. Die sozialen Probleme unter den Aboriginals sind oft durch Alkoholismus verursacht (später sahen wir mehrere Aboriginal-Gebiete, in denen Alkohol verboten war, um dieses Problem zu bekämpfen). Schwangerschaften unter Teenagern kommen häufig vor und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Dies wird wohl teils auch dadurch verursacht, dass die Aboriginals “Sit-Down-Money” von der Regierung bekommen, so dass sie gar nicht arbeiten müssen.

Ungefähr die Hälfte des Landes im Northern Territory gehört Aboriginal-Clans oder wird von ihnen beansprucht (dafür müssen die “traditionellen Landbesitzer” eine langjährige Verbindung zu der Gegend und die Existenz von heiligen Stätten beweisen). Glen kennt sich damit gut aus, da seine Firma mit den Aboriginal Landbesitzern arbeitet, um ihnen dabei zu helfen, Projekte wie Raststätten, Tankstellen und Helikopter-Landeplätze auf ihrem Land zu realisieren. Während es im Süden von Australien nicht mehr viele Aboriginals gibt, sind die sozialen Probleme und Landrechte, die durch die Entwurzelung der Kultur der Aboriginals verursacht wurden, sehr real im Northern Territory.

Sonnenuntergang   Am Strand in Darwin

Nach zwei weiteren Tagen, in denen wir die Fahrräder wieder zusammenbauten und einige andere Dinge erledigten, nahmen Glen und Ruth uns zum Mindil Nachtmarkt mit, der in Darwin jeden Donnerstag und Sonntag abend stattfindet. Wir stellten unsere Stühle am Strand auf, um den Sonnenuntergang zu sehen. Wir hatten Glück, da gerade die Arafura-Spiele stattfanden, so dass wir einige Laufwettbewerbe direkt am Strand sehen konnten.

Der Mindil Markt ist sehr divers, mit vielen hauptsächlich asiatischen Essensständen und auch einigen Ständen mit Handarbeiten aus der Gegend. Obwohl wir uns aufteilten, um Essen von verschiedenen Ständen zu kaufen, kamen wir alle mit dem Gleichen zurück, und es war nicht mal asiatisch: Souvlaki!

Obwohl es uns juckte, bald weiterzufahren, wollten wir auch nicht die Gelegenheit verpassen, den Kakadu Nationalpark zu besuchen. Es war ein ziemlicher Umweg mit dem Fahrrad, aber mit einem Auto in ein paar Tagen machbar. Wir machten uns also über Autovermietungen schlau und fanden letztendlich eine, die uns nicht auf 100km pro Tag begrenzte – eine lächerlich kleine Entfernung in den Weiten von Nordaustralien. Am Freitag morgen fuhren wir nach Kakadu los und planten, am Sonntag rechtzeitig für eine gegrillte Pizza mit Glen und Ruth zurück zu sein, und dann am Montag mit dem Fahrrad weiterzufahren.

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