Freitag, 20. Mai 2011

Das Australische Outback: Unsere Zielgerade

Vor fast einem Jahr wobbelten wir aus unserem Londoner Vorort, mit der anscheinend verrückten Idee, durch Europa, den Mittleren Osten und Asien nach Australien zu fahren. 20 Länder und über 13.000km später sind wir in Darwin, Australien, gelandet. Also haben wir es geschafft.

Naja, noch nicht ganz: Unsere Reise ist erst zu 3/4 vollendet. Die letzten 4.000km sind sozusagen unsere Zielgerade (wenn auch eine ziemlich lange) und eine Möglichkeit das Land, in dem wir leben werden, besser kennenzulernen.

Um von Darwin aus nach Hause zu kommen, drehen wir die Fahrräder einfach in Richtung Süden und fahren 3.000km auf dem Stuart Highway entlang, bis wir nach Adelaide kommen. Von dort aus fahren wir nochmal 1.000km nach Osten, entlang der Great Ocean Road, bis wir beim Haus von Guy’s Eltern ankommen – in Point Lonsdale, einem Dorf am Meer, 1 1/2 Stunden südlich von Melbourne gelegen. Wir werden durch mehrere Klimazonen fahren, von der tropischen Hitze ganz im Norden Australiens, über die nächtlichen Minustemperaturen in der Mitte Australiens, bis zu den windigen Küsten im Süden des Kontinents.

australia

Auf dem Stuart Highway gibt es nur vier kleine Städte: Katherine (5,850 Einwohner), Alice Springs (26,300), Coober Pedy (3,500) und Port Augusta (13,500). Der Stuart Highway ist die einzige geteerte Nord-Süd-Route durch die Mitte von Australien, und sie ist erst seit 25 Jahren geteert. Die meisten Straßen abseits des Stuart Highways sind immer noch ungeteert und können oft nur mit Autos mit Allradantrieb passiert werden. Es wird nur wenig Schatten geben, der Wind wird hauptsächlich von Vorne wehen, und Nahrungsmittel werden nicht oft zu finden sein, und wenn doch, sind sie sehr teuer. Wasser wird oft eklig schmeckendes Wasser aus Pumpen sein, und manchmal werden wir jeder bis zu 20l Wasser tragen müssen, um die teils großen Entfernungen zu überbrücken.

Aber wir werden nicht alleine sein, denn die Nebenrollen werden von Millionen von Fliegen und Mücken, Krokodilen und Känguruhs besetzt sein. Obwohl es weit und leer sein wird, gibt es dennoch einige Attraktionen auf dem Weg zu besichtigen, wie einen singenden Dingo, unterirdische Opalminen, riesige Lastwagen, einen großen roten Stein, einen Canyon der Könige, die “Teufels-Murmeln”, eine Telegrafenlinie und ein Felsgemälde, die tausende von Jahren alt sind…

Nach Alice Springs überlegen wir, uns evtl. vom Stuart Highway zu verabschieden und stattdessen eine abgelegenere parallele Route zu nehmen, den Oodnadatta Track. Diese ungeteerte Straße würde uns durch winzige Dörfer führen, deren Bevölkerung an einer Hand abzuzählen ist, und wo es fast keinen Verkehr gibt. Wir denken, dass wir nach 2.000km auf dem Stuart Highway eine Abwechslung brauchen werden. Die Entscheidung werden wir aber später treffen, denn nach Regen ist der Oodnadatta Track oft nicht passierbar, und vielleicht haben wir auch gar nicht die Energie für dieses extrem abgelegene Terrain. Es würde auch bedeuten, dass wir zwei der vier Städtchen zwischen Darwin und Adelaide umgehen würden (Coober Pedy und Port Augusta).

Da unser Budget in Australien sehr niedrig ist (der australische Dollar ist gerade sehr stark), werden wir hauptsächlich zelten und unser eigenes Essen kochen. Wir hoffen, dass unsere Ausrüstung noch ohne teure Ersatzteile die letzten 4.000km aushält.

Insgesamt wird es sicher eine interessante Herausforderung werden. Das Gewicht auf unseren Fahrrädern wird schwerer als je zuvor sein und die Bedingungen recht anstrengend, so dass wir sicher auch mal an unsere Grenzen kommen werden, aber Schritt für Schritt werden wir es bis nach Hause schaffen.

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