Freitag, 17. Juni 2011

Ein Unterhaltsamer Abend

Barrow Creek – Alice Springs

Wir hatten vor, im Barrow Creek Roadhouse unsere Wasserflaschen aufzufüllen und dann wild zu zelten, aber der freundliche Besitzer versprach, uns seine Sammlung von deutschen Fussballstickern in der Bar zu zeigen, wenn wir dablieben. Der Zeltplatz war billig aber sehr einfach. 

1872 wurde eine Telegrafenstelle in Barrow Creek eröffnet. Leider wurden aber zwei Jahre später der Telegrafenmeister und ein Streckenwärter von feindlichen Aboriginals erstochen. Als Rache befahl die Regierung, 50 Aboriginals zu erschießen. Daher kommt auch der Name eines Baches in der Nähe: Skull Creek (Totenschädel-Bach).

In den 1930ern begannen wandernde Schafsscherer die Tradition, einen Geldschein mit ihrem Namen drauf an die Wände des Pubs zu heften, so dass sie dort etwas trinken konnten, wenn sie später wieder vorbeikamen. Manche ließen auch ihre Hüte und sogar Pferdesättel da. Diese sind immer noch im Pub ausgestellt, zusammen mit einer riesigen Sammlung von anderen Memorabilien, die von Touristen dagelassen wurden.

Barrow Creek Telegrafenstelle   Pub voller Memorabilien

Das Wasser aus dem Wasserhahn schmeckte ziemlich eklig, ähnlich wie das Wasser in Wycliffe Wells am Vortag. Andere Radfahrer hatten uns vor dem komischen salzigen Geschmack des Grundwassers in der Gegend gewarnt.

“Ich würde das Grundwasser zwischen Wycliffe Wells und Coober Pedy nicht trinken,” sagte uns ein Bergarbeiter. “Es ist voller Uranium und Salz.”

Wir vertrauten seiner Meinung, da seine Firma in der Gegend Gold und Uranium abbauen wollte. Seine Gruppe von Bergarbeitern übernachtete in Barrow Creek, während sie das Potential für Minen in der Gegend erkundeten. Sie hatten einen Geigerzähler und hatten in Barrow Creek das dreißigfache der normalen Strahlung gemessen. Wir gaben also nach und kauften stattdessen Wasser von der Bar - $10 für 10 Liter. (Später beschlossen wir, nach Geschmack zu gehen und nur Wasser zu kaufen, wenn das Leitungswasser wirklich untrinkbar war.)

Die einzigen anderen Leute auf dem Campingplatz waren zwei Paare von der Murray River Gegend in Victoria, die auf dem Weg zum Roper Fluss waren, um dort Barramundi zu fischen. Einer der Männer stellte sich uns vor, indem er uns vier frische Orangen schenkte, ein sehr geschätztes Geschenk, insbesondere da sie von seinem eigenen Hof kamen.

Die beiden Brüder waren richtig typische traditionelle Australier mit ihren Lederhüten, superkurzen Jeansshorts und Kuhleder Bluntstone-Stiefeln (“mit Stahlkappen, um Sachen zu treten"!”). Sie waren recht interressiert an unserer Fahrt und luden uns an ihr Feuer ein. Wir bekamen auch noch eine Tüte selbstgemachtes Studentenfutter geschenkt, mit getrockneten Aprikosen und Mandeln vom Garten des Nachbarn.

Als wir ums Feuer saßen, gab es viel männliche Angeberei und Guy fühlte sich etwas minderwertig als er gefragt wurde, was sein Handwerk war. Sein Städterjob in Informatik war weit von der Wildschwein-schießenden-Kühe-schlachtenden Arbeit dieser Outback-Männer entfernt. Es half auch nicht, dass sie ganz selbstverständlich annahmen, dass wir eine Waffe dabeihatten (genau wie sie schließlich auch Pistolen under ihren Autositzen hatten) und Guy gefragt wurde: “Und, was für eine Klinge hast Du dabei?” Ähm, ein Schweizer Gemüsemesser…

Obwohl wir aus verschiedenen Welten kamen, hatten wir viel Spaß zusammen und versprachen, uns bei ihnen zu melden, falls wir mal in die Murray River Gegend kämen.

Zurück auf dem Stuart Highway kamen wir an Central Mount Stuart vorbei. John MacDouall Stuart hatte errechnet, dass dies das Zentrum Australiens wäre, da es gleich weit vom nördlichsten, südlichsten, östlichsten und westlichsten Punkt der Landmasse entfernt war. Am Nachmittag fühlten wir uns plötzlich sehr müde und waren froh, als wir nach 90km beim Ti Tree Roadhouse ankamen.

Der Campingplatz war schön und recht günstig, mit weichem Gras und einigen Tieren. Pfaue wanderten frei herum und rosagraue Galahs kreischten, als sie von Baum zu Baum flogen. Diesmal hatten wir genug zu essen dabei, und so beschlossen wir, einen Tag freizunehmen und etwas an unserem Blog zu schreiben.

Waescheleine    Pfauen auf unserem Campingplatz

Viele Leute hatten uns for einer Mäuse- und Rattenplage gewarnt, die Camper südlich von Alice Springs terrorisierte. Angeblich ist der Boden nachts komplett von ihnen bedeckt. Ein Radfahrer hatte uns erzählt, dass eine Maus ein Loch in sein Zelt gefressen hatte. Wir hatten bisher noch keine Mäuse gesehen, aber an diesem Morgen entdeckten wir Mäusekötel im Zelt und eine Maus hatte sich in unsere Satteltasche gequetscht, um an unserem Brot und Mehl zu knabbern.

Erfrischt schafften wir am nächsten Tag über 100km recht einfach. Wir fanden einen schönen wilden Zeltplatz. Normalerweise machen wir jetzt immer ein Feuer, wenn wir wild zelten. Es ist sowieso weit und breit niemand da, und nachts ist es so kalt, dass wir ohne ein wärmendes Feuer schon um 19 Uhr im Bett wären. Wir experimentierten auch damit, Damper zu backen. Damper ist ein traditionelles Outback-Brot, das im Feuer gebacken wird. Wir hatten schon verschiedene Versionen mit Rosinen und Schokolade ausprobiert, und heute machten wir einen richtig leckeren Laib Damper mit Kürbisfleisch und Rosinen.

Zelten im Outback   Damper

Unerwarteterweise begann es am nächsten Morgen zu regnen. Den ganzen Tag nieselte und regnete es, und uns war ziemlich kalt, da es nur 11°C waren. Als wir die Raststätte am südlichen Wendekreis erreichten, beschlossen wir ein paar Tassen Tee zu kochen und zu warten, bis das Schlimmste vorbei war. Nach zwei Stunden regnete es immer noch. Da wir aber Alice Springs erreichen wollten, mussten wir trotzdem weiterfahren.

Seitdem wir Darwin verlassen hatten, ging es ständig langsam bergauf. Kurz vor Alice Springs erreichten wir aber endlich den höchsten Punkt des Stuart Highways, auf 728m.

Regnerischer Tag   Willkommen in Alice Springs

Wir hatten gehört, dass der Finke Desert Race, ein Gelände-Motorradrennen, in ein paar Tagen stattfinden sollte, hatten aber nicht erwartet, dass daher die Campingplätze ausgebucht waren. Nachdem wir im strömenden Regen bei zwei Campingplätzen in Alice Springs nachgefragt hatten, fanden wir endlich einen, der etwas außerhalb lag. Kalt und durchnässt waren wir trotzdem froh, endlich im Zentrum Australiens angelangt zu sein. 

Donnerstag, 16. Juni 2011

Die Devil’s Marbles, ein UFO-Zentrum und ein freundlicher Dingo

Tennant Creek – Barrow Creek

Tennant Creek hatte eine seltsame Atmosphäre mit seinen vergitterten Fenstern, geschlossenen Läden und einem Cafe, das von einer Art Schutzkäfig umgeben war. Das interessante Nyinkka Nyunyu Kunstzentrum mit seinem ruhigen Garten und Cafe fühlte sich wie ein Sonnenstrahl im Gegensatz zum Rest des Ortes an. Wir hatten eine gute Unterhaltung mit einem Aboriginal Mann, der die Gallerie leitet und der auch jungen Leuten das Reiten beibringt, so dass sie auf Bauernhöfen Arbeit finden können.

Drei Tage lang aßen wir viel, arbeiteten an unserem Blog, ruhten uns aus und unterhielten uns mit anderen Reisenden auf dem Campingplatz. Zu unserer Erleichterung wurde der Wind während unseres Aufenthalts schwächer. Angeblich war die letzte Woche ungewöhnlich stark windig gewesen, so dass wir hofften, dass der Gegenwind für die nächsten 500km nach Alice Springs nicht mehr so schlimm sein würde.

Nach unserer letzten Erfahrung, nicht genug zu essen dabei zu haben, verließen wir den Ort mit allen Nahrungsmitteln, die wir nur tragen konnten, und zelteten nach 90km auf einem kleinen Rastplatz. Man darf auf diesen unbemannten Rastplätzen schlafen, aber leider eignen sich viele nicht so gut für Zelte. Auf diesem Rastplatz fanden wir aber einen guten Platz für unser Zelt, mit einem kleinen Tisch und einem Wassertank. Wir teilten die Gegend mit fünf Gruppen von grauen Nomaden in ihren Wohnwagen und einem Mann, der in einem Swag (australischer Schlafsack aus Schafsfellen) auf der Ladefläche seines Pickups schlief.

Guy an der Raststaette

Am folgenden Morgen fuhren wir zu den Devil’s Marbles. Diese erstaunlichen Granitformationen sind über eine Milliarde von Jahren durch die Wüstenwinde abgerundet worden und balancieren so aufeinander, dass es aussieht als ob sie nur Sekunden davon entfernt sind, herunterzufallen.

Regenbogenschlangen-Eier   Devils Marbles

Die Aboriginals glauben, dass die Steine die Eier der Regenbogenschlange sind, und die Devil’s Marbles sind ein wichtiger Dreaming Ort, der mit der Dreamtime Schöpfungs-Geschichte zusammenhängt.

Gespaltener Stein   Freddie bei den Devils Marbles

Nach einem Spaziergang wollten wir gerade weiterfahren, als wir unseren ersten Dingo sahen. Vielen Australiern sind diese wilden Hunde nicht ganz geheuer, denn manchmal attackieren sie Schafe, und ein oder zweimal sind auch Kinder angefallen worden. Wir hatten die Dingos nachts in der Nähe unserer Zeltplätze heulen hören, hatten aber noch keinen gesehen. Dieser Dingo war gar nicht scheu und schien fast für unsere Fotos zu posieren, als er sich in der Morgensonne wärmte.

Unser erster Dingo   Dingo sonnt sich

Unsere nächste Pause nach dem Mittagessen war beim UFO Zentrum in Wycliffe Wells. Dieses Roadhouse liegt auf einer Kreuzung von Energielinien, so dass anscheinend alle UFOs in der Gegend direkt darüberfliegen. Es gab auch wirklich eine ungewöhnlich hohe Anzahl an UFO-Sichtungen in dieser Gegend. Wir fragten uns, ob es etwas mit dem komischen Geschmack des Trinkwassers zu tun hatte. Die Bar war voller Zeitungsausschnitte über UFO-Sichtungen. Wir blieben allerdings nicht lange. Frederike duschte dort und dann fuhren wir weiter, um einen Zeltplatz zu finden.

Auf dem Weg fand Guy eine Gitarre, die im Gras in der Nähe der Straße lag. Sie war noch recht gut erhalten, nur ein paar Stränge waren kaputt. Guy versuchte, die Gitarre mitzunehmen, aber sie passte nicht auf sein Fahrrad. Daher ließ er sie am Straßenrand liegen. Ein paar 100m weiter sahen wir, wie ein Auto anhielt und ein Passagier ausstieg, um die Gitarre mitzunehmen.

IMG_2470     Beide passen nicht

Wir fanden einen guten Platz für unser Zelt in der Nähe der Abzweigung nach Ali Curung, dem Aboriginal Dorf, in dem Ruth (bei der wir in Darwin gewohnt hatten) aufgewachsen war. Als wir morgens aufwachten, fehlte etwas: Der Wind! Das erste Mal, seit wir in Australien angekommen waren, war es sehr windstill, mit nur ein bisschen Gegenwind am Nachmittag.

Am nächsten Tag kamen wir in die Nähe der Stelle, wo der englischer Backpacker Peter Falconio in 2001 tragischerweise ermordet wurde. Er und seine Freunding waren von einem Mann angehalten worden, der so tat als ob er Probleme mit seinem Auto hatte und dann Peter erschoss, während seine Freundin entkam.

Uns war etwas gruselig, als wir in die Nähe des Tatorts kamen. Genau dann bemerkten wir, wie ein Pickup hinter uns seine Fahrt verlangsamte und uns folgte. In unseren Rückspiegeln sahen wir, wie er langsam näherkam und dann neben uns herfuhr. Es war das erste Mal in Australien, dass ein Auto so langsam neben uns herfuhr. Wir hatten zu viel Angst, unsere Köpfe zu drehen und uns den Fahrer anzusehen, bis wir eine freundliche Stimme hörten, die uns antrieb: “Weiter so, ihr seid fast oben!” Wir waren sehr erleichtert, als uns klar wurde, dass dies nur ein weiterer Tourist war und doch kein Mörder :-)

Mittwoch, 15. Juni 2011

Die Blühende Wüste

Dunmara – Tennant Creek

Es war, als ob jemand die Temperatur plötzlich auf “Winter” eingestellt hatte. Die Nächte wurden immer kälter und wir suchten in unseren Pausen eher die Sonne als den Schatten. Die kalten Morgen veranlassten uns dazu, in voller Winterausrüstung radzufahren, mit langer Unterwäsche und dicken Handschuhen. Wir fragten uns ernsthaft, wie wir die noch kälteren Temperaturen um Alice Springs aushalten würden.

Bluehende Akazien

Als wir Dunmara verließen, veränderte sich die Landschaft von tropischen Wäldern zu niedrigem Gebüsch, da wir uns am Beginn der Trockenzone im Zentrum Australiens befanden. Dank der gerade zuende gegangenen ungewöhnlich starken Regenzeit war die Wüste allerdings in voller Blüte. Die Straße war oft von gelben Akazien eingesäumt. Wir bewunderten die stacheligen rosa Blumen am Wegesrand, stiegen über weiß blühende Ranken und staunten über die Eukalypten, die ebenfalls blühten. 

Rosa Blumen   Die bluehende Wueste

Die meisten Flüsse waren noch voll Wasser und manchmal sahen wir einen ruhigen Teich, in dem sich alle möglichen Vögel vergnügten – einmal sogar eine Familie von wilden Enten, die dort herumdümpelten.

An den meisten Tagen sahen wir Anzeichen von Schlangen, leider meistens überfahren am Straßenrand. Wir haben ein paar 1,5m lange Braunschlangen gesehen, und eine Klapperschlange. Eine der Braunschlangen sonnte sich auf der Straße und verschwand schnell im Gebüsch als wir näherkamen. In Glaskästen im Zoo ausgestellt sehen die Schlangen zwar beängstigend aus, aber in der Natur sind sie ruhig und schön. Obwohl australische Schlangen berühmt für ihr tödliches Gift sind, sind sie auch sehr scheu. Solange wir sie nicht im langen Gras überraschen und immer viel Lärm machen, verschwinden sie sofort bei unserer Ankunft. 

Ruhiger Teich   Giftschlangen

Wir fuhren den ganzen Tag langsam bergauf in Richtung des Dorfs Elliott. Viele Leute, die wir getroffen hatten, hatten uns davor gewarnt, in Elliott zu übernachten. “Es hat einfach eine schlechte Atmosphäre,” sagten sie. “Die Ladenfenster an der Tankstelle sind sogar tagsüber vergittert. Ich würde da nicht übernachten.”

Elliott wäre zwar ein praktischer Ort für eine Übernachtung gewesen, aber wir brauchten auch einen Grund, endlich mal wild zu zelten. So hielten wir Ausschau nach einem Ort für unser Zelt ca 10km vor Elliott. Es war recht schwierig, da das Gebüsch sehr dicht war. Man konnte kaum durchkommen, und auf beiden Seiten der Straße waren Zäune. Endlich fanden wir eine Lichtung. Sie war nicht weit von der Straße entfernt, so dass wir nachts die Road Trains hören konnten, aber wir waren gut genug versteckt, so dass wir sogar ein Feuer machen konnten.

Unser Zeltplatz   Stachelige Blumen

Am Morgen fühlten sich die Beine schwer an, aber die schöne Landschaft trieb uns an, weiterzufahren – zusammen mit der Hoffnung, in Elliott etwas zu Essen zu finden. Manche Reisende finden die Landschaft hier monoton, aber durch unsere langsame Geschwindigkeit sehen wir ständig Veränderungen in der Landschaft. Die Schönheit steckt oft im Detail, von den wilden Blumen, Schmetterlingen und Vögeln bis zu den subtilen Veränderungen in der Farbe der Erde. Natürlich haben wir auch Glück, während so einer tollen Wildblumenblüte hier zu sein.

Kontrastreiche Farben   Schmetterlinge

Wir waren fast ein bisschen enttäuscht, als wir in Elliott ankamen. Alles war ruhig an diesem Samstagmorgen. Klar, die Fenster und Türen an der Tankstelle waren vergittern, und ein paar verkaterte Gestalten hingen in der Nähe herum, aber ansonsten sahen wir nicht viel verdächtige Aktivitäten und fühlten uns sicher.

Elliott war das einzige Dorf auf unserem Weg und unsere einzige wirkliche Hoffnung, Nahrungsmittel zu kaufen, aber der Laden war sehr klein. Alles kostete 2-3 mal soviel wie normalerweise. Natürlich muss es viel kosten, Nahrungsmittel in diese entlegenen Dörfer zu transportieren, aber $5 für ein Brot, das bereits seit 3 Tagen abgelaufen war, ist schon viel für einen armen Radfahrer!

Der Campingplatz in Renner Springs lag direkt neben der Straße und hatte eine recht schlechte Ausstattung, so dass wir beschlossen, in Zukunft mehr wild zu zelten. Der Laden an der Tankstelle war fast leer, außer ein paar Dosen mit Pilzen und Erbsen.

Am nächsten Mittag hatte Frederike mal wieder einen Platten. Wir entdeckten bald einen Schnitt im Hinterreifen. Wir haben jetzt viel mehr Platte, da die Reifen langsam am Ende ihres Lebens angelangen (nach über 10.000km), aber das Profil ist noch ziemlich gut, so dass wir hoffen, sie wenigstens bis Adelaide benutzen zu können. Erstmal tauschten wir aber ihren Reifen gegen unseren Ersatzreifen aus und reparierten den alten Reifen mit Klebstoff.

Noch ein Platter

Beim Banka Banka Hof baten wir um etwas Wasser, das die freundlichen Besitzer uns gerne gaben. Wir sind jetzt wirklich in einer entlegenen Gegend. Die Bauernhöfe hier sind riesig – Banka Banka ist dagegen recht klein, mit “nur” 2.000km², auf denen sie 2.500 Kühe halten wollen. Um die Anzahl der Wasserstellen auf ihrem Grundstück zu zählen, mussten sie einen Helikopter mieten. Der größte Bauernhof in Australien ist mit 24.000km² größer als Israel und acht mal so groß wie der größte Bauernhof in den USA.

Outback-Windmühle   Einsamer Highway

Nach 15km fanden wir einen tollen Platz für unser Zelt in der Nähe eines alten Steinbruchs. Das Terrain ist jetzt besser zum Zelten, da das Gebüsch nicht mehr so dicht ist. Wir waren von wilden Blumen und Eukalypten umgeben, so dass es fast wie ein kleiner Garten aussah, mit einer ovalen Lichtung zwischen dem hohen Spinifex Gras. Am Morgen wachten wir davon auf, dass ein neugieriges Känguruh um unser Zelt hüpfte.

An unserem letzten Tag vor Tennant Creek leerten wir die letzten Krümel Instantkaffee und aßen das letzte Bisschen Erdnussbutter und Marmelade, und die letzte Scheibe Brot zum Frühstück. Mittags benutzten wir unser Notfallessen und kochten Instant-Risotto. Sehr hungrig kamen wir am Threeways Roadhouse, 25km vor Tennant Creek an. Ein paar Muffins gaben uns die Energie, nach Tennant Creek zu kommen, wo wir unsere Zeit mit Essen und Ausruhen verbringen wollten. 

Erstaunt von der Menge, die wir über die letzten 8 Tage gegessen hatten, gingen wir sofort zum Supermarkt, um etwas zum Abendessen und Frühstück zu kaufen. Zu unserem Erschrecken hatte der Supermarkt aber gerade zugemacht. Stattdessen holten wir uns etwas vom Red Rooster Takeaway zu essen und stellten niedergeschlagen unser Zelt auf dem Campingplatz auf.

Tolle Steinfarben bei Sonnenuntergang   Leckerer Kaenguruhschwanz...

Unser Besuch im Supermarkt am nächsten Tag führte zu zwei Entdeckungen: Erstens war alles im Supermarkt viel teurer als im Rest von Australien – schlechte Nachrichten für zwei hungrige Radfahrer – und zweitens gab es im Tiefkühlschrank haarige Känguruhschwänze, lecker!

Donnerstag, 9. Juni 2011

Road Trains und Outback Pubs

Larrimah – Dunmara

Es war eine unvermeidliche Begegnung, und wir waren uns sicher, was es war, denn kein anderes Fahrzeug ist so laut, dass man es bereits von einem Kilometer Entfernung aus hören kann: ein Road Train. Diese Monster sind 4 mal so lang wie ein normaler Lastwagen (daher der Name) und sind bei Radfahrern im Northern Territory für ihre “Saugkraft” bekannt, die häufig Unfälle verursachen kann. Manche Radfahrer haben sogar ihr Fahrrad verloren, da es unter einen Road Train gesaugt wurde. Kein Wunder, denn die Road Trains donnern mit bis zu 130 km/h an einem vorbei, wobei sie zwei bis drei Anhänger den engen Highway entlang ziehen. 

Wir sahen den riesigen Lastwagen in unserem Rückspiegel näherkommen. Wir wussten, was zu tun war: Wir mussten die Straße verlassen und ihn in sicherer Entfernung passieren lassen. Als er näherkam, sahen wir aber zu unserer Verwunderung, dass er auf die andere Straßenseite auswich – der Road Train machte also Platz für uns winzige Radfahrer! Trotzdem blieben wir am Straßenrand und bereiteten uns auf den starken Luftzug vor. Der Laster fuhr an uns vorbei, dann der erste Anhänger, der zweite, und endlich der dritte. Der Luftzug blieb allerdings aus und nichts passierte. 

Später wurde uns klar, dass der starke Süd-Ost-Gegenwind auch Vorteile hatte, denn es bedeutete, dass der Luftzug der Road Trains für uns kaum zu spüren war. Trotzdem mussten wir vorsichtig sein, denn nicht alle Fahrer können ausweichen, da der Stuart Highway so eng wie eine kleine Landstraße ist. Zum Glück schienen die meisten Road Trains in Richtung Norden zu fahren, so dass uns nur ca fünf pro Tag überholen mussten.

Als wir bei Sonnenuntergang in Daly Waters ankamen, sahen wir einen Road Train, der Benzin transportierte, am Straßenrand stehen. Der Fahrer reparierte ein Kabel und wir nahmen die Gelegenheit wahr, ein bisschen mehr über diese Männer herauszufinden, die für diese riesigen Fahrzeuge verantwortlich sind.

“Wir verstehen gar nicht, wie ihr das schafft, auf dieser kleinen kurvigen Straße mit diesem riesigen Laster zu fahren,” sagten wir zu dem Fahrer.

“Naja, ich verstehe schließlich auch nicht, wie ihre das schafft,” sagte er. “Den ganzen Tag hier im Outback Fahrrad zu fahren, ohne Schatten, Wasser oder Essen!”

Der Fahrer, Footie, erzählte uns, dass es nur in Australien, Namibien und Kanada Road Trains gibt, die die großen Entfernungen zwischen den Städten bewältigen. Die Fahrer sind bis zu 14 Stunden am Tag unterwegs und müssen auch imstande sein, den Road Train zu reparieren, wenn er kaputtgeht. Footie’s Road Train brachte Benzin zu den Tankstellen entlang des Stuart Highways. Ohne die Road Trains können diese entlegenen Outback-Orte gar nicht überleben.

Road Train

Das Daly Waters Roadhouse ist einer der berühmtesten Outback-Pubs und die beliebteste Anlaufstelle auf der langen Strecke zwischen Katherine und Tennant Creek. Daly Waters war früher eine Telegraphenstation und in den 1930gern gab es eine wichtige Landebahn in der Nähe des Pubs: Qantas-Flugzeuge auf dem Weg von Sydney nach London hielten in Daly Waters an, um aufzutanken. Die Passagiere stiegen derweil aus und mussten einen kleinen Fluss überqueren (entweder zu Fuß oder per Seilbahn!). Sie warteten dann im Pub, während das Flugzeug aufgetankt wurde. Daran sollten sich die modernen Fluggesellschaften mal ein Beispiel nehmen.

In diesen Tagen begann die Tradition, etwas im Pub zurückzulassen. Daher gibt es an den Wänden viele Memorabilien, die über die Jahre gesammelt wurden, von Fotos und Visitenkarten bis zu T-Shirts, BHs und Ansteckern.

Der Campingplatz war sehr voll. Dort mussten über hundert Wohnwagen sein, und die meisten Leute hatten das Beef ‘n’ Barra Barbeque mit einem lustigen Entertainer gebucht. Obwohl wir hier unser einjähriges Jubiläum seit dem Anfang unserer Reise feiern wollten, reichte unser Budget nicht so weit. Stattdessen leisteten wir uns einen leckeren Barra-Burger.

Barramundi, oder “Barra”, ist der beliebteste Süßwasserfisch im Northern Territory und wird fast überall angeboten. Wir hatten wirklich nicht erwartet, in der Wüste Fisch zu essen, aber er war sehr lecker. Zu der Zeit war es uns zwar nicht klar, aber im Rückblick waren wir einige Tage später sehr froh, dass wir diese Mahlzeit im Pub gegessen hatten, um unsere schwindenden Essensvorräte aufzusparen.

Daly Waters Pub   Barra Burger

Wir hatten uns bei einigen Nahrungmitteln verrechnet und hatten von einigen Dingen wir Milchpulver, Brot und Snacks schon nach 3 Tagen nicht mehr viel übrig. In der Hoffnung, unsere Vorräte wieder aufzufüllen, hielten wir beim Hi-Way Inn in der Nähe an, wo es unserer Landkarte nach einen Laden geben sollte. Stellt Euch nur unsere Enttäuschung vor, als wir sahen, dass der Laden nur Souvenirs, kalte Getränke und ein paar Snacks verkaufte. Wir fanden allerdings ein 3 Monate altes Brot im Tiefkühlschrank, das uns erstmal rettete, da der nächste Laden, der auf unserer Landkarte eingezeichnet war, noch 2 Tage entfernt war.

Endlose Weiten

Zurück auf der Straße trafen wir einen weiteren Radfahrer, diesmal aus Holland. Er hatte sehr viel Glück auf seiner Fahrt gehabt und hatte seit Sydney nur Sonnenschein und Rückenwind. Oft schaffte er über 200km pro Tag. “Es ist wie Segeln,” strahlte er, “man muss fast gar nicht treten.”

“Oh ja, wir wissen genau, was Du meinst…,” sagten wir und kämpften mit den Tränen, als wir uns weiter in den stürmischen Gegenwind kämpften.

Wir hatten vor, den Nachmittag in Dunmarra, 52km entfernt, freizunehmen. Es war ein netter Campingplatz in einer schönen Umgebung. Da unserer Essensvorräte so schnell dahinschwanden, hatten wir keine Chance, einen ganzen Tag Ruhepause einzulegen, es sei denn wir fanden irgendwo noch einen richtigen Laden. Ansonsten mussten wir direkt nach Tennant Creek fahren, und zwar so schnell wie möglich.

Montag, 6. Juni 2011

14000 km Foto

Irgendwo ein paar Tage nördlich von Tennant Creek, und fast genau ein Jahr nach dem Beginn unserer Reise, fuhren wir unseren 14,000. Kilometer. Wir fuhren durch eine Gegend mit duftenden gelben Akazien auf beiden Seiten der Straße. Mit all den Blumen und blühenden Eukalypten ist es so kurz nach der Regenzeit mit Sicherheit nicht die “Wüste”, die wir uns vorgestellt hatten.

14000 km Foto

Heiße Quellen und ein Rosa Panther

Katherine – Larrimah

Zwischen Katherine und der nächsten Kleinstadt, Tennant Creek (2000 Einwohner) liegen fast 700km. Dazwischen gibt es nicht viel, außer ein paar Roadhouses (Raststätten) und ein paar Dörfer.

“Viele Radfahrer drehen um und nehmen den Bus,” sagte Coco, der Hostel-Besitzer in Katherine. “Zu dieser Jahreszeit ist der Gegenwind so stark, dass man manchmal nur 50km pro Tag schafft.”

Wir verließen Katherine um 7 Uhr morgens mit Nahrungsmitteln für eine ganze Woche in unseren Satteltaschen. Wir erwarteten, dass wir 8 Tage fahren würden bis nach Tennant Creek, und vielleicht auch noch einen Ruhetag einlegen würden. Es ist sehr schwer für einen Radfahrer, genügend Nahrungsmittel für 9 Tage mitzunehmen (wir essen sehr viel!), daher hofften wir, in ein paar Tagen in einem Roadhouse noch etwas dazukaufen zu können. 

Die Fahrräder waren schwerer als je zuvor, aber Guy’s war nicht ganz so schwer wie es sein sollte: 5km außerhalb des Ortes merkte er, dass er vergessen hatte, seine Wasserflaschen aufzufüllen. Das Problem wurde zeitweise gelöst indem er seine Flaschen an einem kleinen Fluss auffüllte, und wir wussten, dass es in 50km eine Raststätte mit einem Wassertank geben würde. Diese kleinen Raststätten im Northern Territory sind sehr gut, denn man kann dort über Nacht umsonst campen und es gibt meistens Toiletten und einen Wassertank. Obwohl auf den Tanks steht, dass das Wasser evtl nicht trinkbar ist, schmeckt, riecht und sieht es gut aus, und im Zweifel filtern wir es.

Ein langer Weg   Wassertank

Der nächste Ort war Mataranka (425 Einwohner), 112km von Katherine entfernt, und wir wollten es am Abend bis dahin schaffen. Der direkte Gegenwind war ziemlich stark, aber wir waren noch frisch von unseren Ruhetagen in Katherine.

Das Terrain war hügelig und die Landschaft schön. Wir lieben die starken Farben im Outback mit der klassisch roten eisenhaltigen Erde und dem tiefblauen Himmel. Meterhohes sonnengebleichtes Gras umringt die Eukalyptusbäume mit ihren verdrehten Zweigen, und überall ragen Termitenhügel heraus. Jeder Termitenhügel ist anders, manche sind nur 30cm hoch und andere reichen bis über 2 Meter in die Höhe.

Termitenhuegel

Am späten Nachmittag rollten wir in Mataranka ein, ziemlich müde aber stolz, dass wir es geschafft hatten. Mataranka ist berühmt für seine natürlichen heißen Quellen, genau das, was wir nach einem langen Tag auf den Fahrräder brauchten. Wir fuhren direkt zu den Quellen, durch eine sumpfige Gegend, wo Wasser auf beiden Seiten neben der Straße hochsprudelte und dampfte. Die Quellen waren naturbelassen mit nur einem Pfad und einer hölzernen Plattform, um sie einfach zu erreichen.

Das Wasser war nicht allzu heiß, ein bisschen wärmer als Körpertemperatur. Wir verbrachten hier eine entspannende Stunde, die unseren Muskeln gut tat.

Auf einem Campingplatz in der Nähe gingen wir früh zu Bett. Wir finden die Ausstattung der Campingplätze in Australien sehr gut. Oft gibt es eine Küche, so dass wir nicht mal unseren Kocher herausholen müssen, und manchmal gibt es sogar einen Wasserkocher, Toaster und Kühlschrank. Die Duschen sind immer schön heiß und es gibt Waschmaschinen und Wäscheleinen. Die Campingplätze sind allerdings etwas teurer als die in Europa (ca $10 pro Person).

Manchmal ist es schwierig, früh loszukommen, da die Australier sich so gerne unterhalten. Die anderen Campingplatzbesucher sind meist in ihren 60gern und machen oft eine lange Wohnwagentour durch Australien. Diese “Grauen Nomaden” kommen gerne zu uns und stellen uns alle üblichen Fragen – oft ist das gut, da wir von ihnen einiges über unsere Route erfahren können, aber manchmal werden wir der Aufmerksamkeit ein wenig müde.

Außer den Grauen Nomaden gibt es auch ein paar jüngere Leute hier, die meisten fahren zum Fischen ins Northern Territory. Fast alle Leute fahren in Richtung Darwin. Da wir pro Tag ca 50-100 Wohnwagen sehen, die in Richtung Norden fahren, fragen wir uns wirklich, wo die alle abbleiben, wenn sie Darwin erstmal erreichen. Es gibt nur wenig Verkehr in Richtung des kalten Südens, was gut für uns ist, da es für uns entspannter ist, wenn uns nicht so viele Autos überholen.

Achtung, Kaenguruhs   Die Grauen Nomaden

Am Morgen mussten wir noch einige Dinge erledigen, da wir nun wohl für die nächste Woche keinen Handyempfang haben würden. Als wir endlich losfuhren, war es schon fast mittags und wir hatten noch 80km vor uns. Natürlich hätten wir einfach wild zelten können, aber wir waren noch nicht bereit, die zusätzlichen 4-5l Wasser zu tragen, die wir dafür brauchen würden, da wir uns noch nicht an das Gewicht der Fahrräder gewöhnt hatten.

Unsere Körper fühlten sich allerdings sehr gut an. Die heißen Quellen schienen uns erstmal von unseren Schmerzen befreit zu haben. Dafür bekam Frederike allerdings einen komischen Ausschlag an ihren Armen und Beinen, vielleicht vom Sulphur im Wasser.

Seitdem wir in Darwin gelandet sind, gibt es fast keinen Moment, in dem wir keine Vögel hören. Das Northern Territory ist ein Paradies für Vogelliebhaber, und mit dem Fahrrad haben wir viel mehr Gelegenheit, sie zu sehen, als in einem Auto. Leider wissen wir aber nicht viel über Vögel und können nur wenige identifizieren. Reiher genossen die überfließenden Teiche, Keilschwanzadler kreisten über uns, es gab kreischende Kakadus und weiß-rosa Galahs. Als wir durch den Wald fuhren, bewegte sich plötzlich ein Baumstamm und wir sahen, dass es ein riesiger Aasgeier war, der durch den Wald flog, als wir näherkamen. Seine Flügelweite war fast 2 Meter und er hielt bei einem toten Känguruh am Straßenrand an, bereit zum Futtern.

Leider gibt es am Stuart Highway viele tote Känguruhs. Manche sind gerade erst überfahren worden, andere bestehen nur noch aus einem kleinen Häufchen gebleichter Knochen, von den Aasgeiern penibel gesäubert. Oft hüpfen sie vor Autos oder Laster, vor allem nachts. Daher haben die meisten Autos hier “Roo Bars” – einen Metallvorbau, der das Auto vor Beschädigung bewahrt, wenn es ein Känguruh anfährt. Das schlimmste sind allerdings die toten Kühe die wir manchmal sehen und die von Road Trains überfahren wurden, die nicht anhalten oder ausweichen konnten. 

Heute war unser Jubiläum, da wir genau vor einem Jahr auf unsere Reise aufgebrochen waren. Da wir beide gerne Scones mögen, hatten wir uns darauf gefreut, Fran’s Devonshire Tea House in Larrimah zu besuchen. Durch alle unsere zusätzlichen Aktivitäten am Morgen kamen wir allerdings zu spät an: Das Tea House war bereits geschlossen. Die Feier würde noch ein wenig warten müssen.

Durch den Wald   Rosa Panther

Larrimah (20 Einwohner) war ein wichtiger Stützpunkt im 2. Weltkrieg mit 6500 Soldaten, die im Ort und am nahegelegenen Flugplatz stationiert waren. Heutzutage ist allerdings nicht viel vom Ort übrig, abgesehen von Fran’s und dem Pink Panther Roadhouse und Campingplatz, der von einer Statue eines rosa Panthers geziert wurde. Die Leute, denen das Roadhouse gehörte, waren freundlich, sahen aber aus, als ob sie bereits seit 120 Jahren hinter der Bar standen. Die Hauptattraktion war unserer Meinung nach der kleine Zoo hinter dem Roadhouse, in dem es viele einheimische Vögel und ein freundliches Streichel-Wallaby gab. Dort wohnten auch drei lustige Emus, die sich stundenlang damit unterhielten, ihre Köpfe in ein offenes Motel-Fenster zu stecken und an einer Gardinenschnur zu ziehen.

Lustige Emus   Streichel-Wallaby

Auf dem Stuart Highway gibt es viel Mundpropaganda und oft haben Leute schon von uns gehört, bevor wir sie treffen. Einige Graue Nomaden hatten uns von zwei Radfahrern erzählt, die uns entgegenkommen würden. Sie waren aus Argentinien und hatten ein ultra-niedriges Budget. Die beiden waren abenteuerlustig und sehr entspannt. Sie hatten eine Gitarre, ein Didgeridoo und Trommeln dabei, da sie oft in Städten Musik machten, um ihre Reise zu finanzieren. Einer fuhr barfuß Fahrrad und hatte ein paar Rucksäcke vom Fahrrad hängen anstelle der Satteltaschen. Sie hatten kein Zelt, was bei den nächtlichen Minustemperaturen im Süden sehr ungemütlich gewesen sein muss. Es war ziemlich inspirierend, mit ihnen zu reden und zu sehen, wie wenig man für eine Radtour braucht. Dabei wurde uns auch klar, wieviel Luxus wir im Vergleich zu ihnen hatten.

Ein wenig später trafen wir noch einen Radfahrer aus Taiwan. Er war auf einem Klapprad mit kleinen Rädern unterwegs, so dass er nur halb so schnell wie wir fahren konnte und daher doppelt soviel Wasser dabeihaben musste. Aber Stück für Stück war er von Melbourne aus hier hochgefahren; ein weiteres inspirierendes Treffen.

Frank aus Argentinien   Radfahrer aus Taiwan

Jeden Tag fing der Wind nun früher an zu wehen. Am frühen Morgen konnten wir ihn schon am Zelt rütteln hören. Während anfangs vor 9 Uhr nie viel Wind war, find er jetzt schon um 4 Uhr an, so dass wir keine windstillen Kilometer am Morgen mehr hatten. Oft schafften wir nur 10km/h auf einer flachen Straße, wobei wir uns alle 2km abwechselten, so dass einer sich etwas ausruhen konnte, währen der andere direkt in den Gegenwind fuhr.

Es war erst der 3. Tag von unserer 8-tägigen Fahrt nach Tennant Creek und wir waren bereits ziemlich erschöpft. Es würde eine lange Fahrt werden.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Die Aufwärmfahrt

Darwin - Katherine

Als wir von Kakadu zurückkamen, besuchten wir erstmal den Supermarkt, um Essen für die nächsten 4 Tage Radfahrt einzukaufen. Katherine, der nächste Ort auf dem Stuart Highway, ist nur etwas über 300km von Darwin entfernt, und wir wussten, dass wir dort mehr einkaufen konnten. Danach würden die Entfernungen zwischen den Läden sich dramatisch vergrößern. Die Fahrt nach Katherine war gut zum Aufwärmen, so dass wir uns an das australische Outback gewöhnen konnten.

Wir brachten unseren Mietwagen zurück und genossen unseren letzten Abend mit Glen und Ruth. Früh am nächsten Morgen packten wir unsere Fahrräder, verabschiedeten uns von unseren netten Gastgebern und fuhren auf unseren extrem schweren Fahrrädern in Richtung Stuart Highway. In Asien hatten wir uns an viel leichtere Fahrräder gewöhnt, ohne Campingausrüstung oder Essen, da es oft Unterkünfte und Restaurants gab. Nun hatten wir zusätzlich sehr viel Essen dabei, jeder 4l Wasser, Campingausrüstung und mehr Ersatzteile.

Der Stuart Highway folgt der Route von John McDouall Stuart, dem ersten Entdecker, der den Kontinent von Süden nach Norden durchquerte. Dies gelang ihm erst bei seinem dritten Versuch in 1862, nachdem er bei den vorigen Versuchen wegen Krankheit und feindlichen Ureinwohnern umkehren musste. Später wurde eine Telegrafenlinie entlang seiner Route gebaut, die die australische Kolonie mit der Regierung in London verband.

Noch 1464km bis Alice Springs   Auf dem Stuart Highway

Als wir uns etwas an das Gewicht der Fahrräder gewöhnt hatten, kamen wir trotz eines leichten Gegenwinds gut voran. Der “Highway” sah aus wie eine kleine Landstraße, eingebettet in Gebüsch und hohe Eukalypten. Nicht lange, nachdem wir Darwin hinter uns gelassen hatten, fanden wir uns umgeben von Natur und genossen die Schönheit des australischen Outbacks. Kakadus kreischten von den Baumwipfeln und Adler kreisten über uns. Am Nachmittag hüpften Wallabies und Känguruhs durch das lange Savannengras und Salamander schossen über die Straße als wir vorbeifuhren.

Unsere erste Nacht verbrachten wir in Adelaide River, einem schönen grünen Campingplatz, der fast europäisch anmutete. Der Campingplatz gehörte zu einem Roadhouse, in dem es an der Bar einen riesigen ausgestopften Wasserbüffel namens Charlie gab, der im Film Crocodile Dundee berühmt geworden war.

Im 2. Weltkrieg war Darwin die größte Basis der Alliierten im Südwest-Pazifik. Darwin wurde in den frühen 1940gern mehrmals von den Japanern bombardiert, und 487 Soldaten sind in Adelaide River begraben. Der Friedhof war sehr schön und ist der größte australische Kriegsfriedhof.

Im Northern Territory kamen wir noch öfter an Kriegsstätten vorbei, z.B. die Orte, an denen die verschiedenen Regimente lagerten, sowie Militärflughäfen und Landebahnen. Nun da diese Gegenden wieder von Gebüsch bedeckt sind ist es sehr schwer, sich vorzustellen, dass das Northern Territory damals so wichtig in der Verteidigung Australiens war.

Charlie der Wasserbueffel   Kriegsfriedhof

Auf Glen’s Empfehlung hin machten wir einen Umweg, um eine landschaftlich schönere Route zwischen Adelaide River und Hayes Creek zu nehmen. Wie die meisten Fahrradfahrer wissen, sind die schöneren Routen normalerweise auch mit Hügeln verbunden. Es war eine schöne Fahrt, ziemlich hoch und runter und mit nicht viel um uns herum außer der Natur.

Da es unser Hochzeitstag war, waren wir sehr erfreut als wir an einem kleinen Fluss vorbeikamen, der passenderweise Anniversary Creek hieß. Natürlich konnten wir der Fotogelegeheit nicht widerstehen.

Anniversary Creek

Mittags machten wir ein schönes Picknick an einem schattigen Plätzchen am Straßenrand, umgeben von Eukalyptusbäumen und wilden Blumen. Um den Tag zu feiern, holten wir unseren Kocher heraus und kochten einen Tee.

Am Ende des Tages waren wir ziemlich müde, da wir nicht an das hügelige Terrain mit unseren bepackten Fahrrädern gewöhnt waren. Hayes Creek Campingplatz hatte eine schöne Aussicht auf eine Hügelkette. Zu unserer Überraschung kam kurz darauf eine andere Radfahrerin an. Kerry war von Geelong, in der Nähe von Melbourne, in 30 Tagen mit nur einem Ruhetag gefahren. Ihr Ziel war es, am nächsten Tag in Darwin anzukommen, wo sie ihren Universitätsabschluss erhalten würden. Sie war sehr inspirierend, eine alleinerziehende Mutter voller Energie und dem Durchhaltevermögen, das sie brauchte, um ihr ehrgeiziges Ziel zu erreichen.

Es schien als ob unsere Fahrt entlang des Stuart Highways nicht das einsame Abenteuer sein würde, das wir erwartet hatten: Am nächsten Morgen trafen wir ein holländisches Paar, das in die andere Richtung fuhr, und auch einen Mann aus Perth auf einem Liegerad.

Radler aus Perth   Kerry aus Geelong

Zu dieser Jahreszeit kommt der Wind hauptsächlich vom Südosten, daher waren wir etwas neidisch auf die riesigen Entfernungen, die sie an einem Tag bewältigen konnten. Wir schafften an dem Tag nur 56km. Frederike’s Knie tat weh, die Hügel und der Wind taten das Übrige. Wir übernachteten in Pine Creek, einem Dorf mit einem kleinen Laden, der hauptsächlich getrocknetes und gefrorenes Essen, sowie Dosen verkaufte.

Pine Creek ist ein klassischer Goldgräber-Ort, der zwischen 1880 und 1900 boomte. Sogar heute gibt es dort noch Goldminen. Als wir eine Pause in der Nähe des Ortes machten, sahen wir einen Mann mit einem Metalldetektor im Gebüsch herumgehen, wo er wohl nach Edelmetallen suchte. Etwas später trafen wir ein paar pensionierte Saphir-Minenbesitzer aus Queensland. Sie erklärten, dass man heutzutage immer noch einen Bereich abstecken kann, dann Erlaubnis von der Regierung beantragt und dann kann man anfangen zu graben, wie in den guten alten Tagen!

Rauch und Feuer am Horizont sahen wir immer häufiger, da kontrolliertes Abbrennen stattfand, um das Gras und Gebüsch zu vernichten, das später zu Buschfeuern führen könnte. Die Aboriginals haben diese Technik schon seit langer Zeit verwendet, um Buschfeuer später in der Trockenzeit zu vermeiden und die Vegetation zu erneuern.

Pine Creek   Buschfeuer

Wir kamen gut voran am Morgen unseres letzten Tages vor Katherine und schafften 50km vor 11:30, trotz des Windes. Der Nachmittag dagegen war anstrengend. Die Hitze störte uns nicht sehr, da es eine trockene Hitze war, obwohl es dennoch 36°C war. Zum ersten Mal auf unserer Fahrt fanden wir die Motivation, extra früh aufzustehen (5:30), da der Wind morgens nicht so stark war wie am Nachmittag.

Stuart Highway

Auf den ersten Blick schien Katherine etwas rau, denn dort hingen viele Aboriginals herum, die etwas bedrohlich aussahen (später fanden wir heraus, dass wir uns nicht viele Sorgen machen mussten, denn die meisten Auseinandersetzungen blieben innerhalb ihrer eigenen Gruppe). Wir fanden ein Backpacker Hostel in der Stadt, das Radfahrern einen Rabatt gab, um im Garten zu zelten. Coco, der Besitzer, begrüßte uns herzlich. Er war sehr aktiv in der Kunstszene und hatte eine Gallerie mit Aboriginal-Kunst. Da er früher ein Büffelhirte war, kannte er das Northern Territory besser als viele. Er erzählte uns von weit entfernten Gegenden in den Aboriginal-Regionen im Northern Territory, die so unglaublich schön sind, dass man sich wie im Paradies fühlt.

Als wir uns niedergelassen hatten, war unsere erste Aufgabe, einen Supermarkt zu finden und unsere Essensvorräte aufzufüllen. Woolworths war der erste Supermarkt, den wir seit Darwin gesehen hatten, und würde wohl der letzte bis mindestens Tennant Creek, 700km entfernt sein.

Die Hauptattraktion der Katherine-Gegend ist die Katherine Gorge, 13 Sandstein-Schluchten, die durch den Katherine Fluss auf seinem Weg von Arnhem Land zur Timor-See ausgehöhlt worden waren. Die Jawoyn Aboriginals bekamen den Titel über ihr Land in 1989 zurück und leasen das Land jetzt an die Parks und Wildlife Kommission. Traditionen der Aboriginals, z.B. Jagden und spirituelle Zeremonien finden immer noch in der Gegend statt.

Die beste Art, die Schluchten zu sehen, ist in einem Kanu. Leider war dies für uns nicht möglich, denn die ungewöhnlich nasse Regenzeit hatte gerade erst aufgehört. Mehrere Salzwasserkrokodile hatten sich in der Schlucht niedergelassen, was bedeutete, dass man dort nicht schwimmen oder kanufahren durfte, bis sie umgesiedelt worden waren. Da unser Budget nicht für eine Schifffahrt reichte (leider ein häufiges Thema im teuren Australien), entschieden wir stattdessen eine kleine Wanderung über die Hügel neben der Schlucht zu machen

Frederike bei Katherine Gorge   Katherine Gorge

Zurück in Katherine bereiteten wir unsere Essensvorräte für die nächste Strecke vor und hofften, dass unsere Berechnungen korrekt waren, da es 700km bis zum nächsten Ort waren und das Radfahren sicher nicht einfacher werden würde.