Mittwoch, 1. Juni 2011

Die Aufwärmfahrt

Darwin - Katherine

Als wir von Kakadu zurückkamen, besuchten wir erstmal den Supermarkt, um Essen für die nächsten 4 Tage Radfahrt einzukaufen. Katherine, der nächste Ort auf dem Stuart Highway, ist nur etwas über 300km von Darwin entfernt, und wir wussten, dass wir dort mehr einkaufen konnten. Danach würden die Entfernungen zwischen den Läden sich dramatisch vergrößern. Die Fahrt nach Katherine war gut zum Aufwärmen, so dass wir uns an das australische Outback gewöhnen konnten.

Wir brachten unseren Mietwagen zurück und genossen unseren letzten Abend mit Glen und Ruth. Früh am nächsten Morgen packten wir unsere Fahrräder, verabschiedeten uns von unseren netten Gastgebern und fuhren auf unseren extrem schweren Fahrrädern in Richtung Stuart Highway. In Asien hatten wir uns an viel leichtere Fahrräder gewöhnt, ohne Campingausrüstung oder Essen, da es oft Unterkünfte und Restaurants gab. Nun hatten wir zusätzlich sehr viel Essen dabei, jeder 4l Wasser, Campingausrüstung und mehr Ersatzteile.

Der Stuart Highway folgt der Route von John McDouall Stuart, dem ersten Entdecker, der den Kontinent von Süden nach Norden durchquerte. Dies gelang ihm erst bei seinem dritten Versuch in 1862, nachdem er bei den vorigen Versuchen wegen Krankheit und feindlichen Ureinwohnern umkehren musste. Später wurde eine Telegrafenlinie entlang seiner Route gebaut, die die australische Kolonie mit der Regierung in London verband.

Noch 1464km bis Alice Springs   Auf dem Stuart Highway

Als wir uns etwas an das Gewicht der Fahrräder gewöhnt hatten, kamen wir trotz eines leichten Gegenwinds gut voran. Der “Highway” sah aus wie eine kleine Landstraße, eingebettet in Gebüsch und hohe Eukalypten. Nicht lange, nachdem wir Darwin hinter uns gelassen hatten, fanden wir uns umgeben von Natur und genossen die Schönheit des australischen Outbacks. Kakadus kreischten von den Baumwipfeln und Adler kreisten über uns. Am Nachmittag hüpften Wallabies und Känguruhs durch das lange Savannengras und Salamander schossen über die Straße als wir vorbeifuhren.

Unsere erste Nacht verbrachten wir in Adelaide River, einem schönen grünen Campingplatz, der fast europäisch anmutete. Der Campingplatz gehörte zu einem Roadhouse, in dem es an der Bar einen riesigen ausgestopften Wasserbüffel namens Charlie gab, der im Film Crocodile Dundee berühmt geworden war.

Im 2. Weltkrieg war Darwin die größte Basis der Alliierten im Südwest-Pazifik. Darwin wurde in den frühen 1940gern mehrmals von den Japanern bombardiert, und 487 Soldaten sind in Adelaide River begraben. Der Friedhof war sehr schön und ist der größte australische Kriegsfriedhof.

Im Northern Territory kamen wir noch öfter an Kriegsstätten vorbei, z.B. die Orte, an denen die verschiedenen Regimente lagerten, sowie Militärflughäfen und Landebahnen. Nun da diese Gegenden wieder von Gebüsch bedeckt sind ist es sehr schwer, sich vorzustellen, dass das Northern Territory damals so wichtig in der Verteidigung Australiens war.

Charlie der Wasserbueffel   Kriegsfriedhof

Auf Glen’s Empfehlung hin machten wir einen Umweg, um eine landschaftlich schönere Route zwischen Adelaide River und Hayes Creek zu nehmen. Wie die meisten Fahrradfahrer wissen, sind die schöneren Routen normalerweise auch mit Hügeln verbunden. Es war eine schöne Fahrt, ziemlich hoch und runter und mit nicht viel um uns herum außer der Natur.

Da es unser Hochzeitstag war, waren wir sehr erfreut als wir an einem kleinen Fluss vorbeikamen, der passenderweise Anniversary Creek hieß. Natürlich konnten wir der Fotogelegeheit nicht widerstehen.

Anniversary Creek

Mittags machten wir ein schönes Picknick an einem schattigen Plätzchen am Straßenrand, umgeben von Eukalyptusbäumen und wilden Blumen. Um den Tag zu feiern, holten wir unseren Kocher heraus und kochten einen Tee.

Am Ende des Tages waren wir ziemlich müde, da wir nicht an das hügelige Terrain mit unseren bepackten Fahrrädern gewöhnt waren. Hayes Creek Campingplatz hatte eine schöne Aussicht auf eine Hügelkette. Zu unserer Überraschung kam kurz darauf eine andere Radfahrerin an. Kerry war von Geelong, in der Nähe von Melbourne, in 30 Tagen mit nur einem Ruhetag gefahren. Ihr Ziel war es, am nächsten Tag in Darwin anzukommen, wo sie ihren Universitätsabschluss erhalten würden. Sie war sehr inspirierend, eine alleinerziehende Mutter voller Energie und dem Durchhaltevermögen, das sie brauchte, um ihr ehrgeiziges Ziel zu erreichen.

Es schien als ob unsere Fahrt entlang des Stuart Highways nicht das einsame Abenteuer sein würde, das wir erwartet hatten: Am nächsten Morgen trafen wir ein holländisches Paar, das in die andere Richtung fuhr, und auch einen Mann aus Perth auf einem Liegerad.

Radler aus Perth   Kerry aus Geelong

Zu dieser Jahreszeit kommt der Wind hauptsächlich vom Südosten, daher waren wir etwas neidisch auf die riesigen Entfernungen, die sie an einem Tag bewältigen konnten. Wir schafften an dem Tag nur 56km. Frederike’s Knie tat weh, die Hügel und der Wind taten das Übrige. Wir übernachteten in Pine Creek, einem Dorf mit einem kleinen Laden, der hauptsächlich getrocknetes und gefrorenes Essen, sowie Dosen verkaufte.

Pine Creek ist ein klassischer Goldgräber-Ort, der zwischen 1880 und 1900 boomte. Sogar heute gibt es dort noch Goldminen. Als wir eine Pause in der Nähe des Ortes machten, sahen wir einen Mann mit einem Metalldetektor im Gebüsch herumgehen, wo er wohl nach Edelmetallen suchte. Etwas später trafen wir ein paar pensionierte Saphir-Minenbesitzer aus Queensland. Sie erklärten, dass man heutzutage immer noch einen Bereich abstecken kann, dann Erlaubnis von der Regierung beantragt und dann kann man anfangen zu graben, wie in den guten alten Tagen!

Rauch und Feuer am Horizont sahen wir immer häufiger, da kontrolliertes Abbrennen stattfand, um das Gras und Gebüsch zu vernichten, das später zu Buschfeuern führen könnte. Die Aboriginals haben diese Technik schon seit langer Zeit verwendet, um Buschfeuer später in der Trockenzeit zu vermeiden und die Vegetation zu erneuern.

Pine Creek   Buschfeuer

Wir kamen gut voran am Morgen unseres letzten Tages vor Katherine und schafften 50km vor 11:30, trotz des Windes. Der Nachmittag dagegen war anstrengend. Die Hitze störte uns nicht sehr, da es eine trockene Hitze war, obwohl es dennoch 36°C war. Zum ersten Mal auf unserer Fahrt fanden wir die Motivation, extra früh aufzustehen (5:30), da der Wind morgens nicht so stark war wie am Nachmittag.

Stuart Highway

Auf den ersten Blick schien Katherine etwas rau, denn dort hingen viele Aboriginals herum, die etwas bedrohlich aussahen (später fanden wir heraus, dass wir uns nicht viele Sorgen machen mussten, denn die meisten Auseinandersetzungen blieben innerhalb ihrer eigenen Gruppe). Wir fanden ein Backpacker Hostel in der Stadt, das Radfahrern einen Rabatt gab, um im Garten zu zelten. Coco, der Besitzer, begrüßte uns herzlich. Er war sehr aktiv in der Kunstszene und hatte eine Gallerie mit Aboriginal-Kunst. Da er früher ein Büffelhirte war, kannte er das Northern Territory besser als viele. Er erzählte uns von weit entfernten Gegenden in den Aboriginal-Regionen im Northern Territory, die so unglaublich schön sind, dass man sich wie im Paradies fühlt.

Als wir uns niedergelassen hatten, war unsere erste Aufgabe, einen Supermarkt zu finden und unsere Essensvorräte aufzufüllen. Woolworths war der erste Supermarkt, den wir seit Darwin gesehen hatten, und würde wohl der letzte bis mindestens Tennant Creek, 700km entfernt sein.

Die Hauptattraktion der Katherine-Gegend ist die Katherine Gorge, 13 Sandstein-Schluchten, die durch den Katherine Fluss auf seinem Weg von Arnhem Land zur Timor-See ausgehöhlt worden waren. Die Jawoyn Aboriginals bekamen den Titel über ihr Land in 1989 zurück und leasen das Land jetzt an die Parks und Wildlife Kommission. Traditionen der Aboriginals, z.B. Jagden und spirituelle Zeremonien finden immer noch in der Gegend statt.

Die beste Art, die Schluchten zu sehen, ist in einem Kanu. Leider war dies für uns nicht möglich, denn die ungewöhnlich nasse Regenzeit hatte gerade erst aufgehört. Mehrere Salzwasserkrokodile hatten sich in der Schlucht niedergelassen, was bedeutete, dass man dort nicht schwimmen oder kanufahren durfte, bis sie umgesiedelt worden waren. Da unser Budget nicht für eine Schifffahrt reichte (leider ein häufiges Thema im teuren Australien), entschieden wir stattdessen eine kleine Wanderung über die Hügel neben der Schlucht zu machen

Frederike bei Katherine Gorge   Katherine Gorge

Zurück in Katherine bereiteten wir unsere Essensvorräte für die nächste Strecke vor und hofften, dass unsere Berechnungen korrekt waren, da es 700km bis zum nächsten Ort waren und das Radfahren sicher nicht einfacher werden würde.

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