Donnerstag, 9. Juni 2011

Road Trains und Outback Pubs

Larrimah – Dunmara

Es war eine unvermeidliche Begegnung, und wir waren uns sicher, was es war, denn kein anderes Fahrzeug ist so laut, dass man es bereits von einem Kilometer Entfernung aus hören kann: ein Road Train. Diese Monster sind 4 mal so lang wie ein normaler Lastwagen (daher der Name) und sind bei Radfahrern im Northern Territory für ihre “Saugkraft” bekannt, die häufig Unfälle verursachen kann. Manche Radfahrer haben sogar ihr Fahrrad verloren, da es unter einen Road Train gesaugt wurde. Kein Wunder, denn die Road Trains donnern mit bis zu 130 km/h an einem vorbei, wobei sie zwei bis drei Anhänger den engen Highway entlang ziehen. 

Wir sahen den riesigen Lastwagen in unserem Rückspiegel näherkommen. Wir wussten, was zu tun war: Wir mussten die Straße verlassen und ihn in sicherer Entfernung passieren lassen. Als er näherkam, sahen wir aber zu unserer Verwunderung, dass er auf die andere Straßenseite auswich – der Road Train machte also Platz für uns winzige Radfahrer! Trotzdem blieben wir am Straßenrand und bereiteten uns auf den starken Luftzug vor. Der Laster fuhr an uns vorbei, dann der erste Anhänger, der zweite, und endlich der dritte. Der Luftzug blieb allerdings aus und nichts passierte. 

Später wurde uns klar, dass der starke Süd-Ost-Gegenwind auch Vorteile hatte, denn es bedeutete, dass der Luftzug der Road Trains für uns kaum zu spüren war. Trotzdem mussten wir vorsichtig sein, denn nicht alle Fahrer können ausweichen, da der Stuart Highway so eng wie eine kleine Landstraße ist. Zum Glück schienen die meisten Road Trains in Richtung Norden zu fahren, so dass uns nur ca fünf pro Tag überholen mussten.

Als wir bei Sonnenuntergang in Daly Waters ankamen, sahen wir einen Road Train, der Benzin transportierte, am Straßenrand stehen. Der Fahrer reparierte ein Kabel und wir nahmen die Gelegenheit wahr, ein bisschen mehr über diese Männer herauszufinden, die für diese riesigen Fahrzeuge verantwortlich sind.

“Wir verstehen gar nicht, wie ihr das schafft, auf dieser kleinen kurvigen Straße mit diesem riesigen Laster zu fahren,” sagten wir zu dem Fahrer.

“Naja, ich verstehe schließlich auch nicht, wie ihre das schafft,” sagte er. “Den ganzen Tag hier im Outback Fahrrad zu fahren, ohne Schatten, Wasser oder Essen!”

Der Fahrer, Footie, erzählte uns, dass es nur in Australien, Namibien und Kanada Road Trains gibt, die die großen Entfernungen zwischen den Städten bewältigen. Die Fahrer sind bis zu 14 Stunden am Tag unterwegs und müssen auch imstande sein, den Road Train zu reparieren, wenn er kaputtgeht. Footie’s Road Train brachte Benzin zu den Tankstellen entlang des Stuart Highways. Ohne die Road Trains können diese entlegenen Outback-Orte gar nicht überleben.

Road Train

Das Daly Waters Roadhouse ist einer der berühmtesten Outback-Pubs und die beliebteste Anlaufstelle auf der langen Strecke zwischen Katherine und Tennant Creek. Daly Waters war früher eine Telegraphenstation und in den 1930gern gab es eine wichtige Landebahn in der Nähe des Pubs: Qantas-Flugzeuge auf dem Weg von Sydney nach London hielten in Daly Waters an, um aufzutanken. Die Passagiere stiegen derweil aus und mussten einen kleinen Fluss überqueren (entweder zu Fuß oder per Seilbahn!). Sie warteten dann im Pub, während das Flugzeug aufgetankt wurde. Daran sollten sich die modernen Fluggesellschaften mal ein Beispiel nehmen.

In diesen Tagen begann die Tradition, etwas im Pub zurückzulassen. Daher gibt es an den Wänden viele Memorabilien, die über die Jahre gesammelt wurden, von Fotos und Visitenkarten bis zu T-Shirts, BHs und Ansteckern.

Der Campingplatz war sehr voll. Dort mussten über hundert Wohnwagen sein, und die meisten Leute hatten das Beef ‘n’ Barra Barbeque mit einem lustigen Entertainer gebucht. Obwohl wir hier unser einjähriges Jubiläum seit dem Anfang unserer Reise feiern wollten, reichte unser Budget nicht so weit. Stattdessen leisteten wir uns einen leckeren Barra-Burger.

Barramundi, oder “Barra”, ist der beliebteste Süßwasserfisch im Northern Territory und wird fast überall angeboten. Wir hatten wirklich nicht erwartet, in der Wüste Fisch zu essen, aber er war sehr lecker. Zu der Zeit war es uns zwar nicht klar, aber im Rückblick waren wir einige Tage später sehr froh, dass wir diese Mahlzeit im Pub gegessen hatten, um unsere schwindenden Essensvorräte aufzusparen.

Daly Waters Pub   Barra Burger

Wir hatten uns bei einigen Nahrungmitteln verrechnet und hatten von einigen Dingen wir Milchpulver, Brot und Snacks schon nach 3 Tagen nicht mehr viel übrig. In der Hoffnung, unsere Vorräte wieder aufzufüllen, hielten wir beim Hi-Way Inn in der Nähe an, wo es unserer Landkarte nach einen Laden geben sollte. Stellt Euch nur unsere Enttäuschung vor, als wir sahen, dass der Laden nur Souvenirs, kalte Getränke und ein paar Snacks verkaufte. Wir fanden allerdings ein 3 Monate altes Brot im Tiefkühlschrank, das uns erstmal rettete, da der nächste Laden, der auf unserer Landkarte eingezeichnet war, noch 2 Tage entfernt war.

Endlose Weiten

Zurück auf der Straße trafen wir einen weiteren Radfahrer, diesmal aus Holland. Er hatte sehr viel Glück auf seiner Fahrt gehabt und hatte seit Sydney nur Sonnenschein und Rückenwind. Oft schaffte er über 200km pro Tag. “Es ist wie Segeln,” strahlte er, “man muss fast gar nicht treten.”

“Oh ja, wir wissen genau, was Du meinst…,” sagten wir und kämpften mit den Tränen, als wir uns weiter in den stürmischen Gegenwind kämpften.

Wir hatten vor, den Nachmittag in Dunmarra, 52km entfernt, freizunehmen. Es war ein netter Campingplatz in einer schönen Umgebung. Da unserer Essensvorräte so schnell dahinschwanden, hatten wir keine Chance, einen ganzen Tag Ruhepause einzulegen, es sei denn wir fanden irgendwo noch einen richtigen Laden. Ansonsten mussten wir direkt nach Tennant Creek fahren, und zwar so schnell wie möglich.

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