Mittwoch, 20. Juli 2011

16.000 km Foto

Einen Tag vor unserer Ankunft in Coober Pedy erreichten wir den 16.000. Kilometer unserer Reise. Coober Pedy ist dafür bekannt, Australiens heißester Ort zu sein, wo die Temperaturen im Sommer oft 50°C erreichen und der Großteil der Bevölkerung daher unterirdisch lebt. Als wir ankamen, waren es nur 8°C und der Himmel war von Regenwolken bedeckt.

16000km

Die Nasse und Winterliche “Trockenzone”

Uluru – Coober Pedy

An einem regnerischen Morgen ließen wir Yulara hinter uns und fuhren in Richtung Coober Pedy los (740km entfernt). Zu unserer Freude hatte der Wind sich gedreht und wir hatten wieder Rückenwind; diesmal schob er uns in Richtung Osten und immer weiter weg von Uluru.

Schon seit Wochen hatten wir von anderen Campern gehört, dass das Epizentrum der momentanen Mausplage in der Gegend von Erldunda war, durch die wir nun fahren mussten. Mäuse hatten bereits mehrere Löcher in unsere Satteltaschen genagt und wir waren der zusätzlichen Arbeit müde, unser Zelt jede Nacht mäusesicher zu machen. Daher brauchten wir eine neue Strategie, um ohne weitere Mäuseschäden durch diese Gegend zu gelangen: Wir würden jede Nacht wild zelten. Wir fanden, dass die Mäuse auf den Campingplätzen aggressiver waren, da sie daran gewöhnt waren, Essen von Campern zu klauen, während die Mäuse draußen in der Natur zwar immer noch neugierig waren, aber lange nicht so versessen auf unser Essen.

Die Nächte waren sehr kalt und wir fanden morgens oft eine dünne Schicht Eis auf unseren Sachen vor, so dass es ziemlich ungemütlich war, uns aus den feuchten Schlafsäcken zu pellen und drei Lagen Merinowolle und Fleece auszuziehen, um unsere Fahrradkleidung anzuziehen. Beim Frühstück warteten wir darauf, dass die Sonne über dem Horizont erschien, um uns etwas aufzuwärmen und das Eis auf unserer Ausrüstung aufzutauen. Meist ist es dann schon 9 Uhr bis wir unsere Fahrräder aus unserem versteckten Zeltplatz schieben, zum Erstaunen der vorbeikommenden Autofahrer.

Sonnenuntergang

Nach ein paar Tagen wurde das Terrain flacher und erlaubte einen ungehinderten Ausblick auf den riesigen Horizont. An unserem dritten Tag drehte der Wind wieder und wir kämpften wie üblich mit einem stürmischen Gegenwind. Am Nachmittag erreichten wir Erldunda Roadhouse und den Stuart Highway. Dies war das Ende unseres 1.000km Umwegs nach Kings Canyon und Uluru, und wir freuten uns darauf, wieder in Richtung Süden voranzukommen.

In Erldunda zahlten wir für eine Dusche auf dem Campingplatz und unterhielten uns für eine Weile mit ein paar Männern aus New York, die hier einen Dokumentarfilm über Kamele im Outback drehten. Einige Kilometer hinter dem Roadhouse fanden wir einen Platz für unser Zelt. Geduld war erforderlich, bis der Zaun sich etwas von der Straße entfernte und wir hinter einem kleinen Hügel verschwinden konnten, zwar nur 10m von der Straße entfernt, aber gut versteckt. Als wir morgens das Zelt öffneten, fanden wir einen wunderschönen pfirsichfarbenen Sonnenaufgang vor und gleichzeitig einen doppelten Regenbogen, der sich über den westlichen Himmel spannte.

Leider verdunkelte sich der Himmel bald und es regnete den ganzen Tag. Bei nur 8°C machte dies wirklich keinen Spaß und es schien als ob unsere Reifen am Teer festgeklebt waren, so dass eine Riesenanstrengung erforderlich war, um vorwärtszukommen.

Dunkle Wolken

Als wir an der Abzweigung zu einer Rinderfarm vorbeikamen, waren wir erstaunt zu sehen, dass das Bauernhaus ganze 60km hinter der Einfahrt war. Der Briefkasten war natürlich am Stuart Highway, was das Leben für den Postboten einfacher machte. Die Bewohner des Bauernhofs mussten dafür aber 120km fahren, um ihre Post zu holen!

Wir zelteten kurz vor der Grenze nach Südaustralien und erreichten die Grenze am folgenden Morgen. Nachdem wir fast zwei Monate damit verbracht hatten, die Wunder der Natur im Northern Territory zu erkunden, freuten wir uns, endlich den nächsten Staat zu erreichen.

Grenze zu Suedaustralien 

Beim Radfahren sahen wir viele Mäuse am Straßenrand herumhuschen, und dazu auch hunderte von toten Mäusen, die überfahren worden waren. Wie erwartet kamen die Mäuse uns jede Nacht besuchen, kletterten auf unser Zelt, raschelten herum und zogen an unseren Satteltaschen. Sie klauten zwar unseren wertvollen Schlaf, richteten aber keinen echten Schaden an. Das Wort “mäuschenstill” bekommt eine ganz andere Bedeutung wenn man jede Nacht von ihnen wachgehalten wird!

Am sechsten Tag legte sich der Wind endlich und die Sonne kam heraus. Als wir durch die endlose Weite des Outbacks rollten, die Sonne auf unseren Rücken und gute Musik auf unseren Ipods, konnten wir uns kaum einen besseren Tag vorstellen.

Das Roadhouse in Marla hatte einen guten Laden und Campingplatz, so dass wir dort einen Tag freinehmen konnten. Wie üblich verbrachten wir unseren Ruhetag damit, unsere Kleidung zu waschen, ein wenig an den Fahrräder zu werkeln, Nahrungsmittel einzukaufen, viel zu essen und ein wenig zu bloggen.

Als wir Marla verließen, waren wir erstaunt von dem ungewöhnlichen Anblick der überfluteten Wüste, worüber sich nach dem vergangenen Regen insbesondere die Vögel freuten.

Ueberflutete Wueste

Nun kämpften wir wieder mit den Winden und schleppten uns mit nur 10kmh dahin, ein Auge auf die Straße, das andere ungeduldig auf den Tacho gerichtet, wo sich langsam die Kilometer ansammelten. Dieses Schneckentempo machte uns die riesige Landschaft, die wir zu durchqueren versuchten, erst so richtig bewusst. Wir fühlten uns wir kleine Punkte, die durch diesen großen Kontinent krochen. Unser Versuch, die Südküste zu erreichen, schien fast unmöglich.

Als wir an einem Rastplatz unsere Wasservorräte auffüllten, trafen wir ein nettes älteres Paar, John und Gwen, die uns in ihren Wohnwagen einluden, um Minestrone und Pfannkuchen zu essen. Sie hatten gerade einen schönen Strauß Wildblumen gepflückt und bewunderten die üppige Vegetation, da sie von einer vorigen Reise noch Erinnerungen daran hatten, wie diese Gegend komplett lebenslos gewesen war.

Nachdem wir den gemütlichen Wohnwagen hinter uns gelassen hatten, fuhren wir nur noch ein paar Kilometer weiter, bis wir ein Plätzchen für unser Zelt fanden, wo der Boden von einem Teppich von winzigen gelben, rosa und blauen Blümchen bedeckt war. Genau wie wir die blühende Wüste genossen, taten dies auch die Vögel. Kleine Finken nisteten in einem Busch in der Nähe unseres Zeltes, eine weiße Eule und ein majestätischer Adler kam vorbeigeflogen, ein Schwarm kreischender Kakadus kreiste um unser Zelt und mehrere Krähen kommentierten unsere Aktivitäten lautstark von ihren Sitzplätzen in den umliegenden Mulga-Bäumen.

Wir hatten wirklich auf etwas mehr warmes Wetter gehofft bevor wir den ungemütlichen Winter im Süden erreichten, aber am Morgen bedeckten wieder bedrohliche dunkle Wolken den Himmel und es gab einen weiteren kalten Tag. Wir hüllten uns in Fleece, Merinowolle, windfeste Jacken und Überschuhe, Handschuhe und Kapuzen und fuhren los. Kälte und Müdigkeit sind keine guten Voraussetzungen für gute Laune und nach einem grummeligen Austausch beim Mittagessen fuhren wir die nächsten 20km getrennt, bis wir unsere Kräfte wieder vereinigten um unseren gemeinsamen Feind, den Wind, zu bezwingen.

Die Landschaft um Coober Pedy ist dafür bekannt, unwirtlich und öde zu sein, aber momentan gibt es auch hier eine grüne Decke von Pflanzen, so dass sie etwas freundlicher aussieht, eine grün-braune Fläche soweit das Auge reicht.

Unter dieser bescheiden aussehenden Landschaft liegt 90% des Opals in der Welt. Als wir näher an den Opalort Coober Pedy kamen, bemerkten wir hunderte von großen weißen und rosa Ameisenhügeln, wo gebuddelt wurde. Straßenschilder warnten Besucher vor ungekennzeichneten Schächten.

Gefahr Schild   Opalminen

Der Ort, in dem jedes zweite Haus ein rostiges Bergbaurelikt im Vorgarten stehen hatte, erschien uns auf Anhieb etwas surreal, denn sogar im Ort selbst gibt es aktive Minen und viele Häuser, Läden und sogar Kirchen sind unterirdisch, oft indem ungenutzte Minen dazu umgewandelt wurden. Der Name “Coober Pedy” stammt von den Aboriginal Wörtern für “Weißer Mann in einem Loch”. Dies versprach, ein interessanter Aufenthalt zu werden.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Mit dem Fahrrad um den Felsen

Kings Canyon - Uluru

Nach fünf Tagen Fahrt ohne Einkaufsmöglichkeiten waren unsere Essensvorräte ausgeschöpft und wir hofften auf einen Shop im Kings Canyon Resort. Leider fanden wir aber nur einen fast leeren Tankstellenladen vor. Wir hatten noch weitere fünf Tage vor uns bis zum nächsten Laden, so dass wir uns bis dahin mit Dosenessen begügen mussten.

Als wir am späten Nachmittag unser Zelt aufstellten und die George Gill Hügelkette bewunderten, wurde unser Frieden bald gestört als einige Vögel versuchten, unser Brot zu klauen. Überall auf dem Campingplatz standen Warnschilder wegen Dingos und wir sahen zu wie sie durch den Campingplatz spazierten und nach Essensresten suchten. Darüber hinaus kamen auch bald einige Mäuse zu Besuch und huschten über unsere Decke als wir Essen kochten. Wegen all dieser Aktivität beschlossen wir, unser Essen aus dem Zelt zu entfernen. All unsere Nahrungsmittel hängten wir stattdessen in einen Baum, zur Belustigung der anderen Campinggäste (die natürlich alle ein Auto hatten, in dem sie ihr Essen verstauen konnten).

Neugierige Maus   Essenstasche im Baum

Nach einem Ruhetag, in dem wir uns etwas von unseren Abenteuern auf dem Mereenie Loop erholten, packten wir unsere Sachen und fuhren zum Kings Canyon. Der erste Abschnitt des 6km langen Wanderwegs war der anstrengendste und wurde zu Recht Herzanfall-Hügel genannt. Nachdem wir den steilen Anstieg bewältigt hatten, wanderten wir weiter um den Rand des Canyons, wobei wir teils direkt die 100m hohen steilen Klippen hinuntersehen konnten.

Der Wanderweg schlängelt sich durch obskure Felsformationen. Viele sind geformt wie Bienenstöcke, so dass die Gegend fast wie eine alte, verlassene Stadt aussieht. 

Kings Canyon Bienenstock Formen

Kings Canyon hat die größte Pflanzenvielfalt im Zentrum Australiens. Einige wachsen dort bereits seit prähistorischen Zeiten. Am Ende der Schlucht ist eine Gegend die “Garten von Eden” genannt wird, wo eine Quelle eine kleine Oase mit einem Teich bildet.

Kings Canyon   Wilder Zeltplatz

Zurück am Parkplatz wo wir unsere Fahrräder gelassen hatten, hatten wir immer noch 40km Radfahrt vor uns und fragten uns, ob der Spaziergang uns zu sehr ermüdet hatte. Auf den Fahrrädern fanden unsere Beine aber leicht wieder ihren üblichen Rhythmus.

Bei Kings Creek Station füllten wir unsere Wasserflaschen für $1 pro Liter, da das Wasser 5km weit gepumpt werden musste. Ein inspirierendes Paar (die Conways) hatte hier 800.000 Hektar ödes Land gekauft und daraus eine erfolgreiche Rinderfarm aufgebaut, mit einem Campingplatz, Helikopterflügen, Kamelausflügen und einer wohltätigen Organisation für die Bildung von Aboriginal-Kindern.

Nachdem wir in der Nähe wild gezeltet hatten, hielten wir am nächsten Morgen an, um einen Pullover auszuziehen und merkten, dass uns ein edel aussehendes Wildpferd dabei zusah. Unsere Anwesenheit sprach sich wohl schnell herum, denn kurz darauf kamen mehrere Pferde eins nach dem anderen aus dem Gebüsch. Als wir leise weiterfuhren sahen sie uns ruhig zu, aber als wir nur noch 50m entfernt waren, trabten sie davon. Wir versuchten, mit den majestätischen Wildpferden mitzuhalten und dachten erst, dass wir sie verschreckt hätten, aber sie liefen immer parallel zu uns weiter, fast als ob sie uns anspornen wollten.

Wildpferde

Etwas ermüdet nach unserem Rennen mit den Pferden kamen wir um eine Ecke als wir von Trish und Tony angehalten wurden, einem netten Paar, das wir auf dem Kings Canyon Campingplatz getroffen hatten. Sie boten uns Kaffee und selbstgemachte Muffins in ihrem gemütlichen Wohnwagen an. Da sagten wir natürlich nicht Nein. 

Trish und Tony   Frederike

Am Nachmittag sahen wir innerhalb einiger Stunden noch weitere Tiere: einen Dingo, rosaweiße Galahs und drei rote Känguruhs. Wir hatten auch mit unserem Zeltplatz Glück, denn wir fanden einen der schönsten Plätze bisher, der aussah wie ein schön gepflegter Garten, obwohl dort sicher schon lange keine Menschenseele mehr gewesen war.

Am folgenden Morgen bogen wir in Richtung Westen auf die Hauptstraße ab, die nach Uluru führte. Es fühlte sich etwas seltsam an, nach Westen fahren, obwohl unser Ziel im Südosten liegt, aber diesen Umweg wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Als wir später über einen Hügel kamen, erhob sich ein massiver roter Felsen vom umliegenden flachen Land. Mount Connor, der oft mit Uluru verwechselt wird, stahl die Show ein bisschen, da man sich dadurch schon an diese ungewöhnlichen Felsformationen gewöhnt. Wir zelteten beim staubigen Curtin Springs Roadhouse, 80km vor Uluru.

Etwas sehr seltsames passierte am nächsten Morgen als wir losfuhren: RÜCKENWIND! Wir brausten sofort los und konnten unser Glück kaum glauben, als wir über die flache Wüstenlandschaft hinweg sausten. Auf einem kleinen Hügel sahen wir zum ersten Mal Uluru. Wir waren so aufgeregt, dass wir für ein verfrühtes Mittagessen auf der nächsten Sanddüne anhielten, so dass wir einen privaten Moment mit dem berühmtesten Felsen der Welt genießen konnten.  

 Guy geniesst den Ausblick auf Uluru

Diese großen Sehenswürdigkeiten sind nicht immer so gut wie man erwartet, aber für uns war dieser Moment als wir auf der Düne saßen und Uluru ansahen, nachdem wir so weit geradelt waren, wirklich unvergesslich.

Der Tag wurde noch besser als wir hörten, dass unsere neuseeländischen Freunde Andrew und Therese noch in Yulara waren und für uns eine weitere Nacht dableiben würden, obwohl sie sich gerade auf den Weg in Richtung Westen machen wollten.

Unsere Ankunft in Yulara, dem kleinen Ort, der sich so schlau im Gebüsch versteckt, dass man ihn kaum bemerkt, war besonders erfreulich da wir wussten, dass uns dort ein SUPERMARKT mit relativ fairen Preisen erwartete.

Nachdem wir den Supermarkt leergekauft hatten, trafen wir Andrew und Therese auf dem Campingplatz. Am folgenden Tag fuhren wir die 20km zu Uluru, da wir hofften, mit dem Fahrrad um den Felsen zu fahren. Ein Förster war recht erfreut, als er uns sah, da er selber gerne Fahrrad fuhr und uns dann gleich die beste Route erklärte.

Frederike bei Uluru

Uluru aus der Nähe ist wirklich erstaunlich, denn je näher man kommt, desto anders sieht er aus – er ist weit davon entfernt, nur ein Felsbrocken zu sein. Wir waren fasziniert von den kurvigen Flächen des Sandsteins und der geschuppten Oberfläche. Da es ein sehr spiritueller Ort für die Aboriginals ist, gibt es viele Felsmalereien, und Fotografieren ist an einigen Stellen verboten.

Wildblumen vor Uluru   Mit dem Fahrrad um Uluru herum

Viele Pflanzen wachsen in der Gegend um Uluru, und nach einem Regen gibt es viele kleine Wasserfälle auf Uluru, die Wasserstellen speisen.

Guy vor Uluru   Uluru Wasserstelle

Im nahen Kulturzentrum gibt es ein Sorry Book, dass Hunderten von Briefen von Leuten erhält, die etwas von Uluru mitgenommen haben und dann plötzlich viel Pech hatten. Daher schicken sie dann die gestohlenen Sachen (hauptsächlich Steine und kleine Felsbrocken) mit der Post zurück und bitten Uluru um das Vergeben dieser Sünde.

Am folgenden Tag kontaktierten wir Mark und Nadia, Freunde von Greg, dem französischen Radfahrer den wir in Alice Springs getroffen hatten. Sie sind Reiseleiter, die für eine Organisation arbeiten, die Schulgruppen ins Outback führt, um dort Workshops und kulturelle Aktivitäten in Aboriginal-Dörfern zu unternehmen. Sie waren gerade von einer 9-tägigen Tour zurückgekommen und sollten schon am nächsten Tag auf die nächste Tour gehen, nahmen sich aber trotzdem Zeit, uns zum Mittagessen zu treffen. Danach nahmen sie uns mit auf eine Düne, von der aus wir den Sonnenuntergang über Uluru sehen konnten, und kochten uns dann noch etwas zu essen. Sie hatten im vorigen Jahr eine fantastische Radtour in Europa und Australien gemacht und verbringen die Sommer normalerweise nicht weit von unserem neuen Heim in Victoria, so dass wir sie dort hoffentlich wiedersehen werden.

Frederike mit Mark und Nadia

Ein weiteres Highlight der Gegend war ein Besuch zu den Olgas (Kata Tjuta), einer erstaunlichen Gruppe von orangen Felsen, die wie eine Handvoll Marshmallows aussieht. Ohne Auto ist es schwierig, zu den Olgas zu gelangen, denn es ist eine 110km Fahrt und eine 3-stündige Wanderung. Da kamen Rachel und John ins Spiel, die wir auf dem Campingplatz getroffen hatten. Sie boten an, dass wir mit ihnen mitkommen konnten, und so fuhren wir zusammen mit ihrem Auto zu den Olgas, um die schöne Valley of the Winds Wanderung zu machen, die sich durch diese surreale Landschaft schlängelt.

Kata Tjuta

Zurück auf dem Campingplatz besuchten wir ein letztes Mal den Supermarkt, um für unsere 6-tägige Fahrt nach Marla einzukaufen. Bald würden wir mit unserem Freund, dem Stuart Highway, wiedervereint sein, und dazu auch mit unserem Feind, dem Süd-Ost-Gegenwind. 

Montag, 4. Juli 2011

15.000 km Foto

Nachdem wir gerade den Mereenie Loop und eine 140 km lange waschbrett-artige ungeteerte Straße hinter uns gebracht hatten, waren wir froh wieder auf einer glatten Teerstraße zu sein. Unsere Schlussfolgerung war, dass vollbeladene Fahrräder und raue ungeteerte Straßen sich nicht gut vertragen.

15000km Foto ||

Der Mereenie Loop per Fahrrad

Alice Springs – Kings Canyon

Es gibt zwei Möglichkeiten, von Alice Springs nach Uluru (Ayer’s Rock) zu fahren: Die meistgewählte Route ist auf einer Teerstraße, wobei man dann auf der gleichen Straße wieder zurückfahren muss, mit der Option, einen Umweg nach Kings Canyon zu machen. Die andere Möglichkeit ist die Mereenie Loop Straße. Dies ist eine landschaftlich interessantere 700km Route nach Uluru, die auch über Kings Canyon führt, und bei der man nicht die gleiche Straße zweimal fahren muss.

Der Haken ist, dass eine 140km lange Strecke auf der Mereenie Loop Straße ungeteert ist. Sie ist eigentlich nur für Geländewagen geeignet, da sie bekannt für ihre Rillen und sandige Flussbetten ist. Diese Strecke liegt inmitten einer 230km langen Lücke zwischen Wasserstellen, für die wir ca 3 Tage benötigen würden. Da die Mereenie Loop Straße auf Aboriginal Land ist, braucht man eine Erlaubnis, um die Straße zu benutzen, und Zelten ist verboten.

“Die ungeteerte Straße ist oft weich und langwierig mit einigen 200m langen Sandstrecken und […] Kilometern von knochenzerrüttelnden, Zahnfüllungen-lockernden Steinen. Igitt.” - Cycle Trails Australia

“Ihr werdet 10mal so dicke Reifen brauchen. Es ist sandig und ihr werdet wahrscheinlich die meiste Strecke zu Fuß gehen müssen. Ihr werdet sicher nicht mehr als 20km pro Tag schaffen.” – Grauer Nomade, der gerade mit seinem Geländewagen vom Mereenie Loop kam

Nachdem wir das Für und Wieder der beiden Routen erwägt hatten, machten wir die vernünftige Entscheidung, auf der Teerstraße zu bleiben und Kings Canyon zu überspringen. So kauften wir genügend Essen für die 5-tägige Fahrt nach Uluru, tauschten unsere alten Hinterreifen für neue dünnere Reifen aus, die besser für die Teerstraße geeignet waren, und packten unsere Sachen. Wir waren wunschlos glücklich bis wir einen jungen Deutschen trafen, der den Mereenie Loop gerade in einem geborgten Auto gefahren war und meinte, dass es per Fahrrad machbar wäre.

Mit der vollen Absicht, trotzdem auf der Teerstraße zu bleiben, schliefen wir ein.

8 Stunden später wurde Guy davon aufgeweckt, dass Frederike flüsterte: “Guy, schläfst Du noch? Ich glaube, wir machen einen furchtbaren Fehler. Was werden wir denn später denken, sagen wir mal nächstes Jahr, wenn wir darauf zurückblicken, dass wir den einfachen Weg gewählt und Kings Canyon verpasst haben? Sicher, der Mereenie Loop wird viel schwerer sein und vielleicht schaffen wir es nicht, aber es ist doch viel interessanter. Sollten wir es nicht wenigstens versuchen?”

“Ok,” murmelte Guy und schlief wieder ein. Damit war unsere Entscheidung getroffen. Wir würden den Mereenie Loop in Angriff nehmen.

Wir rechneten aus, dass wir ungefähr 5 Tage bis Kings Canyon brauchen würden, so dass wir bereits genug Essen eingekauft hatten. Ein paar Stunden später verließen wir Alice Springs, um auf dem Weg die West MacDonnell Ranges zu erkunden. Das Terrain war recht hügelig aber landschaftlich sehr schön, und wir fanden einen guten Platz für unser Zelt in einem ausgetrockneten Flussbett.

Zeltplatz im ausgetrockneten Bach   Ormiston Gorge

Wir hatten nicht viel Zeit für Umwege eingeplant, aber die eine Schlucht in den West MacDonnells, die wir wirklich sehen wollten, war Ormiston Gorge, die uns viele Leute empfohlen hatten. Sie war wirklich sehr hübsch, der Campingplatz dort war allerdings nichts Besonderes.

Vogel in Ormiston Gorge

Da Andrew und Theres am gleichen Tag wie wir losgefahren waren und die gleiche Route gewählt hatten, hatten wir sie schon ein paar Mal auf dem Weg gesehen und trafen sie wieder bei Ormiston Gorge. Um uns eine bessere Chance zu geben, den Mereenie Loop zu schaffen, hatten wir sie gebeten, uns auf dem Weg einen Wasserkanister zu verstecken. Die einzige Orientierungshilfe auf den “wasserlosen” 230km war eine Abzweigung zu einem Aboriginal Dorf in 90km. Wir vereinbarten, dass sie das Wasser dort für uns verstecken würden, wobei sie die Stelle durch etwas Toilettenpapier im Gebüsch markieren würden.

Wasserloch in Ormiston Gorge   Glen Helen Gorge

Unsere Erlaubnisscheine erstanden wir beim Glen Helen Resort für die Summe von $3, obwohl es für alle Anwesenden recht offensichtlich sein musste, dass wir planten, die “kein Zelten-Regel” zu brechen, da wir natürlich nicht die ganze Strecke an einem Tag bewältigen konnten. Glen Helen war der letzte Ort, an dem wir Wasser bekommen konnten. Allerdings würden wir unsere Wasserflaschen noch einmal von Andrew und Therese auffüllen lassen, die bereits ihr Zelt 20km weiter bei Redbank Gorge aufstellten.

Als wir bei Redbank Gorge ankamen, hatten Andrew und Therese bereits ein wärmendes Feuer gemacht und bereiteten eine Eimerdusche mit Wasser vor, das von ihrem Motor geheizt worden war. Zu unserer Freude kochte uns Therese sogar etwas (Nudeln mit Meeresfrüchten!) und machte einen letzten Schokoladenpudding. Es war toll, noch einen Abend mit unseren neuseeländischen Freunden zu verbringen.

Morgens waren unsere Zelte gefroren. Als wir unser Geschirr spülten, gefror das Wasser an unseren Tellern und Tassen sofort, bevor wir die Möglichkeit hatten, es abzutrocknen. Der Mereenie Loop ist auf über 800m Höhe, so dass die Tage zwar warm, die Nächte aber eiskalt sind.

Da wir wussten, dass das Ende der Teerstraße nahe war, hatte Guy unsere Hinterreifen wieder gegen unsere alten Reifen ausgetauscht, die zwar abgewetzter waren, aber dennoch ein besseres Profil als unsere neuen Reifen hatten. Nach einer Stunde bekam Frederike’s Hinterreifen allerdings plötzlich eine große Beule. Vor einiger Zeit hatten wir in einer Gegend gezeltet, in der viel Asche auf dem Boden war. Wir mussten den Reifen wohl auf einer heißen Stelle gelassen haben, denn danach hatte er eine kleine, aber kaum merkliche Beule bekommen. Zum Glück hatten wir die Stelle mit Klebeband verstärkt, denn sonst wäre der Reifen geplatzt. Nun mussten wir ihn wieder gegen einen der neuen dünnen Reifen auswechseln – nicht gerade ideal für die sandige Straße, die vor uns lag.

Radfahren in den West MacDonnells   Geplatzter Reifen

Wir hatten jeder 12l Wasser dabei, die das Gewicht unserer Fahrräder merklich erhöhten. Als die Teerstraße endete, ließen wir den Druck in unseren Reifen herunter. Das Radfahren auf der ungeteerten Straße war schwierig, da das Lenken der schweren Fahrräder auf den quergelegenen Rillen, Sand und Steinen recht heikel war. Meist konnten wir irgendwo auf der Straße eine Spur finden, auf der wir fahren konnten, auch wenn sie auf der falschen Straßenseite war. Es ging allerdings nur langsam voran und wir waren froh als wir Therese und Andrew’s Wasserkanister erreichten, als die Sonne unterging.

Ende der geteerten Straße   Guy auf dem Mereenie Loop

Wir sahen das verräterische Toilettenpapier an einem Busch und waren erleichtert als wir den 10l Wasserkanister fanden. Dort waren sogar auch zwei Schokoladenriegel drin! Ein paar hundert Meter weiter fanden wir einen Platz für unser Zelt. Leider stellte sich später heraus, dass wir den Ruheplatz eines Bullen eingenommen hatten, der davon nicht beeindruckt war. Allerdings waren wir zu müde, noch umzuziehen, und nach einigem Stampfen und Schnauben verzog er sich.

Dank unserer Wasserlieferung hatten wir nun mehr als genug Wasser für die restlichen zwei Tage Radfahrt. Wir brauchten ca 6l Trinkwasser pro Tag (zusammen) und 4l für jede Nacht, die wir zelteten. Viel Konzentration war notwendig, um die sandige, steinige und gerillte Straße zu bezwingen, und uns wurde es etwas langweilig, die ganze Zeit auf die Straße vor uns zu starren anstatt die Landschaft zu genießen. Unsere Schultern und Knie taten weh vom Gewicht der Fahrräder, und durch die raue Straßenoberfläche fühlten wir uns oft wie in einer Waschmaschine.

Obwohl wir nun in einer entlegenen Gegend waren, sahen wir immer noch ca 20 Autos pro Tag. Meist kündigten sich die Autos durch eine große Staubwolke an, so dass wir sie schon aus weiter Entfernung sehen konnten. Nicht alle Autos hatten aber Staubwolken, dieses hier fuhr nirgends mehr hin. Da die Abschleppkosten hier extrem hoch sind, ist manchmal das Aufgeben des Autos die einzige Option.

Verlassenes Auto

Als wir einen Hügel hochfuhren, verlangsamte ein Geländewagen seine Fahrt und der Fahrer rief:

“Ihr mögt doch wohl keine Schweizer Schokolade, oder?”

Der Fahrer war Patrick, ein Freund von Andrew und Therese, der von ihnen instruiert worden war, sich um unser Wohlergehen zu kümmern, falls er uns unterwegs sah!

Etwas später sahen wir ein weiteres Beispiel dafür, dass die Dinge hier im Northern Territory etwas anders laufen. Hier ist ein Beispiel für die ungewöhnlichen Straßenschilder, die Autofahrer vor einer scharfen Kurve warnen: Erstmal “Fuß hoch”, und dann “Fuß wieder runter”.

Fuß hoch   und wieder runter

Wegen des vielen Regens war die Straße beschädigt worden und nun waren Bauarbeiten im Gange. Wir hatten Glück dass 40km der Straße gerade gewalzt worden waren, so dass die Oberfläche viel glatter war als der Rest der Straße. Ohne diese “Bonus-Kilometer” hätten wir sicher Probleme gehabt, den ganzen Mereenie Loop in den geplanten 3 Tagen zu schaffen.

Überall entlang der Straße hatten wir Fußspuren von Kamelen im Sand gesehen. Manche waren riesig, fast so groß wie ein Teller, während andere daneben viel kleiner waren. Endlich sahen wir eine Familie von drei Kamelen, die parallel zur Straße liefen – ein riesiges männliches Kamel, gefolgt von einem weiblichen und dann einem jungen Kamel. Wir konnten ein paar Fotos machen bevor sie über einen Hügel davonflohen.

Kamele

Kamele waren ursprünglich mit den Afghanen nach Australien gekommen, die die Ghan Zuglinie durch die Wüste bauten. Sie waren dann von vielen Expeditionen benutzt worden, und um Nahrungsmittel zu entlegenen Farmen zu transportieren. Da sie gut an die trockene Umgebung angepasst sind, gibt es inzwischen viele wilde Kamele in Australien, und wir haben letztens gehört, dass Australien nun sogar Kamele nach Saudi Arabien exportiert!

Gerade als es Zeit zum Zelten war, machte Frederike’s Fahrrad auf einmal beunruhigende Geräusche. Eine kurze Untersuchung zeigte, dass eine der Schrauben am Gepäckträger abgebrochen war. Die ruckelige Straße und schwere Beladung des Gepäckträgers hatte sein Opfer gefordert. Zum Glück hatten die Fahrradingenieure diese Situation vorausgesehen und dafür ein zweites Loch gebohrt, so dass wir nur den Gepäckträger etwas verschieben mussten und dann mit einer neuen Schraube befestigen konnten.

Frederike auf dem Mereenie Loop

Nachts waren wir total alleine. Zwischen Einbruch der Dunkelheit um 18 Uhr und 8 Uhr morgens kam kein einziges Auto vorbei. Es gab keine Dörfer oder Farmen in der Nähe und keinen Handyempfang. Wir genossen die Chance, einmal dieses Gefühl zu haben, ganz alleine zu sein, und saßen eine ganze Weile an unserem kleinen Feuer unter den Sternen in dieser riesigen Leere.

Die Straße verschlechterte sich noch mehr und war für die letzten 30km wirklich schrecklich, und es gab keine Möglichkeit, der unebenen Oberfläche zu entkommen. Wir hatten nur die Wahl, entweder mit 3 km/h auf den tiefen Rillen entlangzurattern, die die ganze Breite der Straße bedeckten, oder die sandigen Seiten der Straße zu riskieren, die von teils handbreitem Sand bedeckt waren.

Plötzlich war die Straße wieder geteert – eine echte Überraschung, da wir dies erst später erwartet hatten. Wir fühlten uns ziemlich selbstzufrieden, dass wir es geschafft hatten, pumpten die Reifen auf, rasten einen Hügel hinunter und genossen die schnelle Fahrt auf der guten Teerstraße.

Wir trauten unseren Augen kaum als die Teerstraße nur einen Kilometer weiter schon wieder endete und wir weitere 15km Rillen vor uns hatten, und so ließen wir die Luft wieder aus den Reifen und fuhren entschlossen weiter – nun fühlen wir uns nicht mehr so selbstgefällig.

Wilde Melonen   Das Gruene Zentrum

Diese Gegend in Australien ist normalerweise als das “Rote Zentrum” bekannt, aber wegen des vielen Regens sieht sie dieses Jahr eher wie das “Grüne Zentrum” aus. Überall entlang der Straße wachsen saftige wilde Melonen. Wir waren uns nicht sicher, ob sie essbar waren, aber sie sahen sehr lecker aus.

Bald danach kamen wir wirklich auf der Teerstraße an und sausten die letzten 10km nach Kings Canyon.

Die George Gill Bergkette

Als wir beim Kings Canyon Resort ankamen, waren wir glücklich und stolz, dass wir den Mereenie Loop besiegt hatten, und mit nur wenig Schaden an den Fahrrädern und uns selbst. Uns war nun aber auch klar, dass uns ungeteerte, gerillte Straßen auf einem vollbeladenen Tourenfahrrad nicht viel Spaß machten. Es ist zwar ok, um an einen besonderen Ort zu gelangen, aber uns gefällt es besser, das Radfahren und die Landschaft zu genießen. Das ist ziemlich schwierig, wenn man sich so darauf konzentrieren muss, sein Gleichgewicht von einer Rille zur nächsten zu halten.

Samstag, 2. Juli 2011

Alice Springs’ Schluchten per Geländewagen

Alice Springs und die East MacDonnell Ranges

Gleich nach unserer Ankunft in Alice Springs, oder “The Alice”, trafen wir einige nette Leute: Erst Greg und Cyrielle, ein französisches Paar das auf unserem Campingplatz arbeitete, dann Steve, ein Radfahrer aus Canberra, und Andrew und Therese, ein Paar aus Neuseeland das auf einer Geländewagen-Reise ist und neben uns zeltete. Wir hatten auch sehr gehofft, Roger und Catherine wiederzusehen, das kanadische Paar, das wir in der Türkei getroffen hatten, denn sie fuhren auch gerade durch Australien und wollten zur gleichen Zeit in Alice Springs sein. Leider verpassten wir sie aber um einen Tag.

Das Wetter war an den ersten Tagen in Alice Springs wirklich miserabel: Es war eiskalt und regnete. Den ganzen Tag über trugen wir alle unsere Kleidung – ein T-Shirt, zwei langärmlige Merinowoll-Oberteile, einen Fleece und eine Goretex-Jacke, lange Unterhosen, Hose und zwei Paar Socken. Frederike gab sich geschlagen und kaufte eine Wärmflasche, um die kalten Nächte besser zu überstehen. Zum Glück klärte sich das Wetter nach ein paar Tagen auf und obwohl es immer noch kalt war, war es jetzt tagsüber sonnig. Perfekt für einen Spaziergang auf dem Campingplatz, wo wir Vögel beobachteten und die süßen kleinen Rock Wallabies fütterten, die kurz vor Sonnenuntergang den Hügel hinunterkamen.

Rock Wallabies   Vogel auf dem Campingplatz

Therese und Andrew planten eine 4WD Fahrt in die East MacDonnell Ranges, nicht weit von Alice Springs entfernt, und luden uns zu einem “Gelände-Abenteuer” ein. Die Gelegenheit wollten wir nicht missen. Wir planten, für 3 Tage wegzufahren und dann nach Alice Springs zurückzukommen. Unsere Fahrräder wurden sicher in Hausmeister Scotty’s Schuppen geparkt, und unsere Satteltaschen luden wir auf’s Dach von Andrew und Therese’s Landcruiser.

Am Tag unserer Abfahrt fand der Prolog des Finke Desert Race statt. Die Neuseeländer wollten sich das gerne ansehen, und auch ein freundliches deutsches Paar, das wir auf dem Campingplatz getroffen hatten, Christian und Nicole. Gemeinsam fuhren wir zur Rennbahn außerhalb der Stadt und verbrachten dort ein paar Stunden damit, Motorrädern und Quads bei ihrem Rennen zuzusehen. Der Finke Desert Race – ein jährlicher 229km langes Offroad-Rennen durch die Wüste – sollte über die nächsten zwei Tage stattfinden. 

Landrover und Landcruiser   Andrew und Therese

Nachmittags verabschiedeten wir uns von Nicole und Christian, die zur eigentlichen Rennbahn weiterfuhren, um dort zu zelten und sich das Rennen am nächsten Tag anzusehen.

Die MacDonnell Ranges sind von vielen Schluchten durchzogen, von denen einige permanent Wasser führen. Wir fanden einen kleinen Zeltplatz bei John Hayes Rock Hole, der unbemannt war und nur mit einem 4WD zugänglich war, da man durch ein enges, felsiges Flussbett fahren musste. Die Ausstattung war auf ein paar Picknicktische und ein Plumpsklo begrenzt. Wir teilten ein Feuer mit zwei fröhlichen Männern, die uns mit ihrem stundenlangen Kochen unterhielten. Morgens machten wir einen Spaziergang auf einem Berggrat, mit Aussicht auf die Bergketten in der Umgebung, und kamen durch ein Flussbett zurück, das von steilen roten Quarz-Klippen umsäumt war.

Nasse Fuesse   Therese und Andrew bei John Hayes Rock Hole

Nachdem wir unsere Zelte eingepackt hatten, fuhren wir etwas weiter zu Trephina Gorge, um einen weiteren Spaziergang zu machen, bei dem wir durch einen Fluss mit eisigem Wasser waten mussten.

Trephina Gorge

Auf dem Zeltplatz hier waren mehr Leute, da er in einer sehr hübschen Gegend direkt am Fluss lag. Wieder befreundeten wir unsere Nachbarn, die die Voraussicht gehabt hatten, Feuerholz zu sammeln bevor sie in den Nationalpark kamen, in dem das Feuerholzsammeln verboten war. Es war wieder ein lustiger Abend mit vielen Geschichten, und wir backten auch Damper auf ihrem Feuer.

Zeltplatz in Trephina Gorge   Ghost Gum

Unser Plan war, zu den historischen Goldfeldern in Arltunga zu fahren, aber auf dem Weg kamen wir an der Abzweigung nach N’Dhala Gorge vorbei, die offiziell geschlossen war.

“Lass uns mal sehen, wie geschlossen die Straße wirklich ist,” sagte Therese. Wir alle stimmten ihr schnell zu, und damit war unser Schicksal besiegelt.

Der Weg führte durch mehrere Flussbetten, von denen manche noch ziemlich nass waren. Nachdem wir etwas Luft aus den Reifen gelassen und den ersten Fluss erfolgreich durchquert hatten, waren wir zuversichtlich, dass wir es bis zur Schlucht schaffen würden.

Andrew fuhr den Landcruiser in das nächste Flussbett, alles lief super und wir fühlten uns unaufhaltsam. Die Förster waren wohl etwas übervorsichtig gewesen, als sie den Weg geschlossen hatten. Als wir allerdings den weichen Sand in der Mitte des Flussbetts erreichten, verlangsamte sich plötzlich unsere Fahrt und die Räder des Landcruisers drehten durch, als sie in dem matschigen Sand nach Halt suchten. Nun steckten wir auf einmal fest und sanken langsam immer tiefer ein.

Bereit zur Flussueberquerung   Wir stecken fest

Wir sprangen aus dem Auto, um uns das Debakel anzusehen und sanken gleich bis zu den Waden in den Matsch. Da keine anderen Autos in der Gegend waren und wir schon zu tief eingesunken waren, um das Auto auszugraben, war es Zeit, die Seilwinde zu testen. Wir brauchten all unsere Kraft, um das Seil herauszuziehen. Guy und Therese banden das Seil um einen Baumstamm in der Mitte des Flusses, während Andrew das Auto vorbereitete und Frederike mit unserer Kamera die Ereignisse festhielt. Als Andrew die Seilwinde aktivierte, hörten wir den Baumstamm ächzen und langsam auseinanderbrechen. Es war klar, dass der 4 Tonnen schwere Landcruiser zuviel für den Baumstamm war.

Ein stärkerer Baum wurde gefunden und zum Glück war das Seil gerade lang genug. Nun waren die Räder bereits zu 3/4 in den Matsch gesunken. Der Baum hielt, aber diesmal ächzte die Seilwinde unter dem Druck. Ein paar Mal schien sie den Geist aufzugeben, aber letztendlich zog sie den Landcruiser ans sichere Ufer. 

Andrew bereitet die Seilwinde vor   Therese dirigiert die Rettung

Wir waren froh, es zu N’Dhala Gorge geschafft zu haben und machten dort einen Rundweg. Unser Mittagessen stärkte unsere Nerven für die Rückfahrt durch die gleichen Flussbetten. Zu unserer Erleichterung schafften wir es durch die Flussbetten, ohne festzustecken, und waren bald auf dem Weg zu dem Arltunga Goldfeldern. Durch unser kleines Abenteuer war es allerdings schon spät am Nachmittag, so dass wir beschlossen, eine weitere Nacht zu zelten anstatt nach Alice Springs zurückzufahren.

Der Arltunga Campingplatz auf unserer Landkarte existierte nicht mehr, aber wir fanden in der Nähe einen kleinen Weg abseits der Straße und zelteten dort. An unserem letzten Abend machte Therese einen leckeren Schokoladenpudding, der auf dem Feuer gebacken wurde.

Morgens erkundeten wir die historischen Goldminen in Arltunga. In den 1880gern und 1890gern war dort Goldstaub im Quarz entdeckt worden. Da die Gegend so abgelegen war, war das Leben sehr schwer für die Bergarbeiter. Alles Proviant und alle Betriebsstoffe kamen von Adelaide über den Endbahnhof in Oodnadatta. Die letzten 700km der langen Reise mussten mit Kamelen, Pferden oder zu Fuß bewältigt werden. Viele Bergarbeiter schoben all ihre Habseligkeiten, Essen und Wasser mit schweren hölzernen Schubkarren über die Sanddünen und staubigen Wege von Oodnadatta nach Arltunga.

In der Gegend um Arltunga gab es nicht viel Wasser, und das extreme Klima bedeutete, dass die Temperaturen im Sommer oft über 50°C stiegen, während die Winter eisig kalt waren. Den Goldstaub aus dem Quarz zu entziehen war schwer und gefährlich, und nach 20 Jahren wurden die Minen verlassen, da vielversprechendere Goldfelder in anderen Gegenden entdeckt worden waren.

Nachdem wir in einige Minen gekrabbelt waren und ein paar Goldkörnchen im Quarz gefunden hatten, war es an der Zeit, nach Alice Springs zurückzukehren. Wir hatten unsere Landcruiser-Tour genossen und es war fantastisch, die weniger zugänglichen Schluchten zu erkunden, vor allem mit so guten Weggefährten.

Nachdem wir schon eine Woche nicht fahrradgefahren waren, freuten wir uns schon auf die Weiterfahrt und auf die immer wieder intensive Erfahrung, das Outback von unseren Fahrradsitzen aus zu entdecken. Ein paar weitere Tage in Alice Springs verbrachten wir damit, einige Dinge im Ort zu erledigen, die botanischen Gärten zu entdecken und die Cafes zu genießen. Wir statteten auch dem Royal Flying Doctors Service einen Besuch ab, um mehr über die medizinische Versorgung für entlegene Dörfer und Bauernhöfe zu erfahren, wo die Piloten oft auf improvisierten Landebahnen landen müssen, die meist ungeteert und oft auch unbeleuchtet sind.

Der Desert Park war auch einen Besuch wert, denn wir lernten dort einiges über die Flora und Fauna der Flüsse, sandigen Gebiete und Wälder im Zentrum Australiens. Das Nachthaus zeigte viele bedrohte oder in der Wildnis ausgestorbene Säugetiere, und die Raubvogelshow beeindruckte mit frei fliegenden Schwarzmilanen und Falken. 

Raubvogelshow   Kaenguruhs

Erst wollten wir von Alice Springs aus ein Auto mieten, um eine Rundtour nach Uluru (Ayer’s Rock) und Kings Canyon zu machen, aber am Ende fühlte es sich irgendwie falsch an, an diesem tief symbolischen Ort im Herzen unserer neuen Heimat mit dem Auto anzukommen. Wir wollten die Gegend mit dem Fahrrad erkunden, auch wenn dass unsere Reise um zwei Wochen und über 900km verlängerte. Das Schicksal führte allerdings noch etwas anderes im Schilde.