Donnerstag, 14. Juli 2011

Mit dem Fahrrad um den Felsen

Kings Canyon - Uluru

Nach fünf Tagen Fahrt ohne Einkaufsmöglichkeiten waren unsere Essensvorräte ausgeschöpft und wir hofften auf einen Shop im Kings Canyon Resort. Leider fanden wir aber nur einen fast leeren Tankstellenladen vor. Wir hatten noch weitere fünf Tage vor uns bis zum nächsten Laden, so dass wir uns bis dahin mit Dosenessen begügen mussten.

Als wir am späten Nachmittag unser Zelt aufstellten und die George Gill Hügelkette bewunderten, wurde unser Frieden bald gestört als einige Vögel versuchten, unser Brot zu klauen. Überall auf dem Campingplatz standen Warnschilder wegen Dingos und wir sahen zu wie sie durch den Campingplatz spazierten und nach Essensresten suchten. Darüber hinaus kamen auch bald einige Mäuse zu Besuch und huschten über unsere Decke als wir Essen kochten. Wegen all dieser Aktivität beschlossen wir, unser Essen aus dem Zelt zu entfernen. All unsere Nahrungsmittel hängten wir stattdessen in einen Baum, zur Belustigung der anderen Campinggäste (die natürlich alle ein Auto hatten, in dem sie ihr Essen verstauen konnten).

Neugierige Maus   Essenstasche im Baum

Nach einem Ruhetag, in dem wir uns etwas von unseren Abenteuern auf dem Mereenie Loop erholten, packten wir unsere Sachen und fuhren zum Kings Canyon. Der erste Abschnitt des 6km langen Wanderwegs war der anstrengendste und wurde zu Recht Herzanfall-Hügel genannt. Nachdem wir den steilen Anstieg bewältigt hatten, wanderten wir weiter um den Rand des Canyons, wobei wir teils direkt die 100m hohen steilen Klippen hinuntersehen konnten.

Der Wanderweg schlängelt sich durch obskure Felsformationen. Viele sind geformt wie Bienenstöcke, so dass die Gegend fast wie eine alte, verlassene Stadt aussieht. 

Kings Canyon Bienenstock Formen

Kings Canyon hat die größte Pflanzenvielfalt im Zentrum Australiens. Einige wachsen dort bereits seit prähistorischen Zeiten. Am Ende der Schlucht ist eine Gegend die “Garten von Eden” genannt wird, wo eine Quelle eine kleine Oase mit einem Teich bildet.

Kings Canyon   Wilder Zeltplatz

Zurück am Parkplatz wo wir unsere Fahrräder gelassen hatten, hatten wir immer noch 40km Radfahrt vor uns und fragten uns, ob der Spaziergang uns zu sehr ermüdet hatte. Auf den Fahrrädern fanden unsere Beine aber leicht wieder ihren üblichen Rhythmus.

Bei Kings Creek Station füllten wir unsere Wasserflaschen für $1 pro Liter, da das Wasser 5km weit gepumpt werden musste. Ein inspirierendes Paar (die Conways) hatte hier 800.000 Hektar ödes Land gekauft und daraus eine erfolgreiche Rinderfarm aufgebaut, mit einem Campingplatz, Helikopterflügen, Kamelausflügen und einer wohltätigen Organisation für die Bildung von Aboriginal-Kindern.

Nachdem wir in der Nähe wild gezeltet hatten, hielten wir am nächsten Morgen an, um einen Pullover auszuziehen und merkten, dass uns ein edel aussehendes Wildpferd dabei zusah. Unsere Anwesenheit sprach sich wohl schnell herum, denn kurz darauf kamen mehrere Pferde eins nach dem anderen aus dem Gebüsch. Als wir leise weiterfuhren sahen sie uns ruhig zu, aber als wir nur noch 50m entfernt waren, trabten sie davon. Wir versuchten, mit den majestätischen Wildpferden mitzuhalten und dachten erst, dass wir sie verschreckt hätten, aber sie liefen immer parallel zu uns weiter, fast als ob sie uns anspornen wollten.

Wildpferde

Etwas ermüdet nach unserem Rennen mit den Pferden kamen wir um eine Ecke als wir von Trish und Tony angehalten wurden, einem netten Paar, das wir auf dem Kings Canyon Campingplatz getroffen hatten. Sie boten uns Kaffee und selbstgemachte Muffins in ihrem gemütlichen Wohnwagen an. Da sagten wir natürlich nicht Nein. 

Trish und Tony   Frederike

Am Nachmittag sahen wir innerhalb einiger Stunden noch weitere Tiere: einen Dingo, rosaweiße Galahs und drei rote Känguruhs. Wir hatten auch mit unserem Zeltplatz Glück, denn wir fanden einen der schönsten Plätze bisher, der aussah wie ein schön gepflegter Garten, obwohl dort sicher schon lange keine Menschenseele mehr gewesen war.

Am folgenden Morgen bogen wir in Richtung Westen auf die Hauptstraße ab, die nach Uluru führte. Es fühlte sich etwas seltsam an, nach Westen fahren, obwohl unser Ziel im Südosten liegt, aber diesen Umweg wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Als wir später über einen Hügel kamen, erhob sich ein massiver roter Felsen vom umliegenden flachen Land. Mount Connor, der oft mit Uluru verwechselt wird, stahl die Show ein bisschen, da man sich dadurch schon an diese ungewöhnlichen Felsformationen gewöhnt. Wir zelteten beim staubigen Curtin Springs Roadhouse, 80km vor Uluru.

Etwas sehr seltsames passierte am nächsten Morgen als wir losfuhren: RÜCKENWIND! Wir brausten sofort los und konnten unser Glück kaum glauben, als wir über die flache Wüstenlandschaft hinweg sausten. Auf einem kleinen Hügel sahen wir zum ersten Mal Uluru. Wir waren so aufgeregt, dass wir für ein verfrühtes Mittagessen auf der nächsten Sanddüne anhielten, so dass wir einen privaten Moment mit dem berühmtesten Felsen der Welt genießen konnten.  

 Guy geniesst den Ausblick auf Uluru

Diese großen Sehenswürdigkeiten sind nicht immer so gut wie man erwartet, aber für uns war dieser Moment als wir auf der Düne saßen und Uluru ansahen, nachdem wir so weit geradelt waren, wirklich unvergesslich.

Der Tag wurde noch besser als wir hörten, dass unsere neuseeländischen Freunde Andrew und Therese noch in Yulara waren und für uns eine weitere Nacht dableiben würden, obwohl sie sich gerade auf den Weg in Richtung Westen machen wollten.

Unsere Ankunft in Yulara, dem kleinen Ort, der sich so schlau im Gebüsch versteckt, dass man ihn kaum bemerkt, war besonders erfreulich da wir wussten, dass uns dort ein SUPERMARKT mit relativ fairen Preisen erwartete.

Nachdem wir den Supermarkt leergekauft hatten, trafen wir Andrew und Therese auf dem Campingplatz. Am folgenden Tag fuhren wir die 20km zu Uluru, da wir hofften, mit dem Fahrrad um den Felsen zu fahren. Ein Förster war recht erfreut, als er uns sah, da er selber gerne Fahrrad fuhr und uns dann gleich die beste Route erklärte.

Frederike bei Uluru

Uluru aus der Nähe ist wirklich erstaunlich, denn je näher man kommt, desto anders sieht er aus – er ist weit davon entfernt, nur ein Felsbrocken zu sein. Wir waren fasziniert von den kurvigen Flächen des Sandsteins und der geschuppten Oberfläche. Da es ein sehr spiritueller Ort für die Aboriginals ist, gibt es viele Felsmalereien, und Fotografieren ist an einigen Stellen verboten.

Wildblumen vor Uluru   Mit dem Fahrrad um Uluru herum

Viele Pflanzen wachsen in der Gegend um Uluru, und nach einem Regen gibt es viele kleine Wasserfälle auf Uluru, die Wasserstellen speisen.

Guy vor Uluru   Uluru Wasserstelle

Im nahen Kulturzentrum gibt es ein Sorry Book, dass Hunderten von Briefen von Leuten erhält, die etwas von Uluru mitgenommen haben und dann plötzlich viel Pech hatten. Daher schicken sie dann die gestohlenen Sachen (hauptsächlich Steine und kleine Felsbrocken) mit der Post zurück und bitten Uluru um das Vergeben dieser Sünde.

Am folgenden Tag kontaktierten wir Mark und Nadia, Freunde von Greg, dem französischen Radfahrer den wir in Alice Springs getroffen hatten. Sie sind Reiseleiter, die für eine Organisation arbeiten, die Schulgruppen ins Outback führt, um dort Workshops und kulturelle Aktivitäten in Aboriginal-Dörfern zu unternehmen. Sie waren gerade von einer 9-tägigen Tour zurückgekommen und sollten schon am nächsten Tag auf die nächste Tour gehen, nahmen sich aber trotzdem Zeit, uns zum Mittagessen zu treffen. Danach nahmen sie uns mit auf eine Düne, von der aus wir den Sonnenuntergang über Uluru sehen konnten, und kochten uns dann noch etwas zu essen. Sie hatten im vorigen Jahr eine fantastische Radtour in Europa und Australien gemacht und verbringen die Sommer normalerweise nicht weit von unserem neuen Heim in Victoria, so dass wir sie dort hoffentlich wiedersehen werden.

Frederike mit Mark und Nadia

Ein weiteres Highlight der Gegend war ein Besuch zu den Olgas (Kata Tjuta), einer erstaunlichen Gruppe von orangen Felsen, die wie eine Handvoll Marshmallows aussieht. Ohne Auto ist es schwierig, zu den Olgas zu gelangen, denn es ist eine 110km Fahrt und eine 3-stündige Wanderung. Da kamen Rachel und John ins Spiel, die wir auf dem Campingplatz getroffen hatten. Sie boten an, dass wir mit ihnen mitkommen konnten, und so fuhren wir zusammen mit ihrem Auto zu den Olgas, um die schöne Valley of the Winds Wanderung zu machen, die sich durch diese surreale Landschaft schlängelt.

Kata Tjuta

Zurück auf dem Campingplatz besuchten wir ein letztes Mal den Supermarkt, um für unsere 6-tägige Fahrt nach Marla einzukaufen. Bald würden wir mit unserem Freund, dem Stuart Highway, wiedervereint sein, und dazu auch mit unserem Feind, dem Süd-Ost-Gegenwind. 

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