Sonntag, 28. August 2011

Erholung in Adelaide

Adelaide

Als das zweite Blech selbstgemachter Kürbisbrötchen aus dem Ofen geholt wurde, fragte Jenny vorsichtig nach:

“Und, wie lange wollt ihr ungefähr hierbleiben?”

Guy aß bereits sein 6. Brötchen und murmelte mit vollem Mund:

“Naja, vielleicht so um die vier Tage, dann sollten wir wohl bereit zur Weiterfahrt sein.”

Niemand sagte etwas. Frederike blickte kurz nach draußen, wo der Wind ums Haus heulte. Sie dachte das gleiche wie alle anderen: Vier Tage, das war doch gar nichts.

Guy’s Schwester Justine kam von Melbourne aus für ein paar Tage zu Besuch, und Paul und Jenny boten netterweise an, dass sie ebenfalls bei ihnen übernachten könnte. Es war fantastisch, sie nach so langer Zeit wiederzusehen.

Paul, Jenny, Justine, Frederike und Guy

Obwohl es mitten im Winter war, hatten wir das Glück, einige schöne sonnige Tage zu haben, perfekt für eine Weinprobe. So besuchten wir einige der Lieblings-Weingüter von Paul und Jenny in den Adelaide Hills, inklusive Hahndorf, einem Dorf das von deutschen Lutheranern besiedelt worden war, die 1838 per Schiff von Hamburg eintrafen. Diese frühen Einwanderer begannen die Tradition der Weinerzeugung in den Adelaide Hills und dem Barossa-Tal.

Weingut   Vier lustige Bauern

Wir machten auch einen Spaziergang an der Küste und besuchten den Strand-Vorort Glenelg. Obwohl es Winter war, war es fast warm genug für kurze Hosen und T-Shirts, und Kinder spielten sogar bereits im Wasser.

Kuestenspaziergang   Kueste in Adelaide 

Adelaide ist nicht nur ein guter Ort für Wein, sondern auch für andere landwirtschaftliche Erzeugnisse. Im Central Market wird Adelaide’s Leidenschaft für gutes Essen offensichtlich. Wir bewunderten handgefertigte Seifen, genossen frisch gerösteten Kaffee und kosteten die besten Datteln seit Iran. Am Sonntag Morgen besuchten wir Gepps Cross Market, von dem wir mit einem Kofferraum voller frischem Obst und Gemüse zurückkamen, die wir in großen Mengen gekauft hatten.   

Koala   Picknick

Paul und Jenny hatten versprochen, uns nach unserer Tour durch das Outback ein wenig zu mästen, und sie enttäuschten uns nicht. Wir wurden mit solchen Leckereien wie selbstgemachter Pizza, gebratenem Hühnchen, riesigen Töpfen voller Suppe, Curries und Knödeln bombardiert. Fast jeden Morgen gab es einen frisch gebackenen Laib Brot.

Wir durften auch ihr Auto benutzen und nahmen die Gelegenheit wahr, nochmal ins Barossa-Tal zu fahren. Justine mag gerne Wein und genoss die Möglichkeit, die Barossa-Weine mit ihren einheimischen Tropfen von den Bellarine- und Mornington-Regionen zu vergleichen.

Guy und Schwester Justine   Marmeladen und Chutneys

Natürlich geht kaum eine Weinprobe ohne einen Kauf zuneige, was für das Budget eines Radfahrers nicht gerade bekömmlich ist. Auch dafür hatte Paul eine Lösung: Er hatte für Guy einen Job arrangiert!

Da Guy bereits seit 15 Monaten kein Büro mehr von innen gesehen hatte, war er etwas besorgt, aber Paul zerstreute bald seine Bedenken und lieh ihm ein paar Klamotten und einen Rasierer. Zur gleichen Zeit meldeten sich ein paar Kunden aus England bei Guy, und Frederike konnte auch an einem Online Marketing Projekt und einer Übersetzung arbeiten. Am Ende unseres Aufenthalts in Adelaide waren unsere Portemonnaies wieder etwas praller gefüllt, was gut war, das wir angefangen hatten, uns etwas Sorgen um unseren Kontostand zu machen.

Nachdem Justine nach Melbourne zurückgekehrt war, zog Paul’s Schwester Melissa vorübergehend ein, da sie einen gebrochenen Fuß hatte und Hilfe mit ihren Mahlzeiten und mit dem Einkaufen brauchte. Paul’s Eltern kamen auch zu Besuch bevor sie in den Urlaub gingen.

Wir trafen auch Jenny’s Eltern Tony und Janet, die in den 1970gern den Hippie Trail nach Europa getourt hatten. Als Paul und Jenny für ein Wochenenden mit Freunden wegfuhren, nahmen sich Tony und Janet unserer an und wir wanderten zusammen auf den Mount Lofty. Dabei sahen wir 17 Koalas (!) und genossen die schöne frühlingshafte Luft.

Knoedel-Wettbewerb   Rod reitet auf Kiwi

Die Fahrräder brauchten auch ein wenig Pflege. Wir machten einen Ölwechsel, den wir alle 5000 km für unsere Rohloff-Nabe machen müssen. Unsere Schwalbe Marathon XR Reifen wurden gewechselt, nachdem wir bereits 13,000km (seit Istanbul) auf ihnen gefahren waren. Panaracer hatten uns mit ihrem Händler Bike Sportz in Verbindung gebracht, und dieser hatte uns großzügigerweise neue Panaracer T-Serve Reifen zur Verfügung gestellt. Diese Reifen waren viel leichter als die Marathon’s und würden gut für die relativ glatten Teerstraßen geeignet sein, die wir für den Rest unserer Tour erwarteten.

Weiterhin mussten wir dringend die Reißverschlüsse an Boris, unserem Zelt, reparieren. Mithilfe von Travelling Two’s Bike Touring Survival Guide hatten wir herausgefunden, dass wir nicht die Reißverschlüsse selbst ersetzen mussten, sondern nur die Schieber. Das klang recht einfach, aber nachdem wir mehrere Tage damit verbracht hatten, die richtigen Schieber zu suchen, gaben wir auf. Wir hatten Bastelläden und Outdoorläden kontaktiert, hatten YKK selber angerufen und deren Großhändler besucht, hatten nach australischen Onlineshops gesucht, aber keine Chance: Niemand hatte die Schieber auf Lager, die wir suchten. Am Ende fanden wir eine kurzfristige Lösung indem wir die Schieber mit einer Zange leicht zusammenbogen. Hoffentlich reicht das, bis wir zu Hause sind.

Mit diesem Hintergrund waren wir überrascht zu lesen, dass unsere Freunde Justin und Emma es geschafft hatten einen ähnlichen Reißverschluss für ihr Hilleberg Zelt in einem Markt in Ulan Bator in der Mongolei zu finden! Wenn einer unserer Leser Kontakte in der Reißverschlusswelt hat, wären wir dankbar über Hinweise, wie wir ein paar doppelseitige YKK Spiral-Metallschieber, Größe 5, finden könnten.

Durch all diese Aufregung, Unternehmungen, Arbeiten und Essen waren plötzlich 17 Tage vergangen, und es war Zeit für uns, entweder weiterzufahren oder uns offiziell als Einwohner Adelaide’s anzumelden.

Sonntag, 14. August 2011

17,000 km Foto

Als wir durch die Barossa Valley Weinregion fuhren, bemerkten wir einen kleinen Bach namens Jacob’s Creek. Das berühmte Weingut war gleich um die Ecke. Das schicke Besucherzentrum war so früh morgens noch nicht offen. Stattdessen nutzten wir die Gelegenheit für ein paar Scherensprünge.

17000km Foto

Donnerstag, 11. August 2011

Ein Guter Tropfen

Port Augusta – Adelaide

Nach einem Ruhetag in Port Augusta waren wir schon wieder auf dem Weg, da wir sobald wie möglich Adelaide erreichen wollten. Dort warteten unsere Freunde Paul und Jenny auf uns, und Guy’s Schwester Justine wollte auch von Melbourne aus eine Stippvisite machen.

Ein 500m Anstieg brachte uns in die südlichen Flinders Ranges, die größte Bergkette in Südaustralien. Nachdem wir soviel Zeit im flachen Zentrum Australiens verbracht hatten, fühlte es sich komisch an, von Hügeln umgeben zu sein.

In die Flinders-Ranges

Am Nachmittag kamen wir in einem Tal an, das fast wie eine englische Landschaft anmutete, und erreichten bald unser Ziel für den Tag, den historischen Ort Melrose. Als sie 1848 öffnete, war die Polizeistation hier für das größte Polizeirevier der Welt verantwortlich, das sich ganz bis zur Timorsee erstreckte. Dieses riesige Revier wurde von nur einem Wachmeister, zwei Kavalleristen und einem Aboriginal Fährtensucher betreut.

Anstieg   Schulbus

Da wir nun regelmäßig durch Dörfer und an Läden und Cafes vorbeikamen, genossen wir den einfachen Zugang zu Essen und gutem Trinkwasser. Die meisten Orte hatten einen Campingplatz, und diese waren sehr gut und hatten meist eine Küche.

Unsere tägliche Distanz verringerte sich, je mehr Cafes und Bäckereien es auf dem Weg gab, was uns fast an unsere Fahrt entlang der Donau erinnerte.

Hufschmied

Als wir durch ein kleines Dorf kamen, bemerkten wir ein vollbeladenes Tourenrad, das auf dem Fußweg geparkt war und an dem ein “Zu Verkaufen” Schild hing. Gerade als wir überlegten, was wohl mit dem Besitzer geschehen war, öffnete sich eine Tür und ein freundlicher Mann namens Rick begrüßte uns und erklärte, dass Beinschmerzen ihn vom Radfahren abhielten. Sofort lud er uns auf eine Tasse Tee ein und wir akzeptierten das Angebot und schoben unsere Fahrräder in sein Wohnzimmer.

Nur 7km weiter kamen wir an der Old Stone Hut Bakery vorbei, die recht berühmt für ihre Pies und ihren Kaffee ist. Natürlich konnten wir nicht widerstehen.

Rick  Baeckerei

Wir campten in Gladstone und fuhren weiter nach Clare und in die Weinregionen nördlich von Adelaide. Das Clare Tal ist berühmt für seinen Riesling, der kühlere Temperaturen mag – gut für den Wein, schlecht für’s Zelten.

Wir freuten uns darauf, den Riesling Trail zu fahren, was ein Radweg zwischen Clare und Auburn ist. Die Fahrt war sehr schön, obwohl natürlich mitten im Winter die Weinberge ein wenig kahl aussahen. Die Verlängerung des Riesling Trails, der Rattler Trail, war leider nicht besonders gut erhalten und hatte wohl sehr unter dem Winterregen gelitten.

Überraschenderweise sahen wir auf 40km Radweg keinen einzigen anderen Radfahrer.

Rattler Trail   Bluetongue Lizard

Nach einem langen Anstieg am Nachmittag kamen wir in ein grünes Tal und verbrachten die Nacht in Kapunda, wo es viel wärmer war als in Clare.

Nun kamen wir ins Barossa-Tal, wohl eine der besten Weinregionen der Welt, die 21% des australischen Weins produziert, vor allem fruchtige Rotweine. Mit unserem ungekämmten Aussehen beschlossen wir, uns die Weinproben für später aufzuheben.

Jacobs Creek   Barossa Tal

Tanunda ist der größte Ort im Barossa-Tal. Hier zelteten wir zum 75. Mal in der Reihe, und hoffentlich auch zum letzten Mal bevor wir am nächsten Tag in einem richtigen Haus und einem richtigen Bett schlafen konnten.

Mit dem Gedanken an ein warmes Bett fuhren wir los. Wir hatten eine ruhige Route ausgewählt, abseits der Hauptstraße, hatten aber vergessen, uns das Höhenprofil anzusehen. Die Anstiege waren zwar nicht hoch, dafür aber sehr steil. Frederike schob sogar ihr Fahrrad, was seitdem wir Europa letztes Jahr verlassen hatten nicht mehr passiert war. Wir wollten nicht zu spät ankommen, da unsere Freunde auf uns warteten, und waren ziemlich erleichtert als wir endlich den Torrens-Fluss erreichten, der uns auf einem Radweg direkt ins Herz von Adelaide führte.

Pferde   Antiquitaeten

Das letzte Mal als wir Paul und Jenny gesehen hatten, arbeiteten wir noch in unseren Bürojobs in London. Sie waren etwas überrascht, wie schmuddelig wir jetzt aussahen und liehen uns sofort ein paar Klamotten, so dass wir während unserer Zeit in der Stadt etwas präsentabel aussehen konnten.

Wir hatten uns auf diesen Moment gefreut, seitdem wir Darwin verlassen hatten, und es war toll, unsere Freunde wiederzusehen (auch wenn sie darüber Witze machten, uns im Garten zelten zu lassen). Unser Timing war perfekt, da sie gerade fertig renoviert hatten. Die Fahrräder wurden in der Garage geparkt, uns wurde ein Schlafzimmer zugewiesen und wir wurden mit selbstgemachten Scones und Calzone sowie einem guten Tropfen Wein versorgt.

Eine Dusche in einem warmen Badezimmer, mit einem weichen Handtuch in Erwachsenengröße war ein Genuss, den wir schon lange vermisst hatten. Und das Bett! Oh das Bett. Ironischerweise konnten wir in der ersten Nacht überhaupt nicht schlafen, da das Bett so weich und gemütlich war. Zum Glück legte sich dies aber bald und wir schliefen wie Babies.

Samstag, 6. August 2011

Opalminen und Raketen

Coober Pedy – Port Augusta

Coober Pedy hatte ein recht surreales Ambiente, denn 80% der Bewohner wohnen wegen der Hitze unterirdisch, und überall liegen Bergbaugeräte herum. Das Opalfieber hat über die letzten 100 Jahre Leute aus 44 Ländern angezogen, so dass Coober Pedy recht multikulturell ist.

Es begann in 1915, als der 14-jährige Willie Hutchison sich den strengen Anweisungen seines Vaters James Hutchison widersetzte. Der Goldgräberexpedition war das Wasser ausgegangen, inmitten der schlimmsten Dürrekatastrophe, die Südaustralien je erfahren hatte. Während die Erwachsenen auf Wassersuche gingen, sollte Willie im Camp bleiben und das Feuer bewachen. Sein Vater vergab ihm seinen Ungehorsam aber bald als Willie ihm bei seiner Rückkehr nicht nur einen Beutel voller Opale zeigte, sondern auch ein Wasserloch in der Nähe gefunden hatte.

Dank Willie kommen seitdem Bergarbeiter nach Coober Pedy, um ihr Anrecht auf ein Grubenfeld anzumelden und dann Minen in den Sandstein zu sprengen, in der Hoffnung ein Vermögen zu entdecken. Und wieviel verdient der durchschnittliche Bergarbeiter? Ein Bewohner Coober Pedy’s erklärte es uns wie folgt:

“Nehmen wir mal meinen Freund als Beispiel: An einem Tag fand er Opal im Wert von $50.000. Die nächsten 2 Jahre rackerte er sich dafür für nur insgesamt $100 ab.”

Coober Pedy    Bergbaumaschine

Da sich der Ort in einer gnadenlosen Umgebung befindet, ist es schwierig, genug Wasser und Elektrizität für seine Bewohner sowie die Touristen zu erzeugen. Das Wasser kommt aus einer artesischen Bohrung und muss erst entsalzen und gefiltert werden, um trinkbar zu werden. Ein Diesel-Generator produziert Strom für den Ort, weshalb Elektrizität ziemlich teuer ist.

In Coober Pedy gab es viel zu entdecken, und uns gefiel vor allem die Old Timer Mine, die wiederentdeckt wurde, als ein unterirdisches Haus gegraben wurde. Die Mine wurde dann zu einer Touristenattraktion entwickelt. Währenddessen wurde Opal im Wert von über $100.000 gefunden, den die ursprünglichen Bergarbeiter nur um ein paar Zentimeter verfehlt hatten. 

Raumschiff   Fernseher

Im Ort liegen überall ungewöhnliche Artefakte herum und wenn man dort herumspaziert, weiß man nie, was man als nächstes findet – hoffentlich nicht eine versteckte Grube! Neben einem Hotel lag ein Raumschiff, dass anscheinend dort abgestürzt war. Später fanden wir heraus, dass es eine Filmrequisite vom Film “Planet der Finsternis” war. Am Eingang zu einer Mine fanden wir alte Fernseher, die dort so aufgestellt worden waren, als ob sie noch regelmäßig benutzt wurden.

Während der drei Tage, die wir in Coober Pedy verbrachten, hörte es nicht auf zu regnen, was die normalerweise ausgetrockneten, staubigen Straßen in Matsch verwandelte.

Explosives Kino   Bergbau Auto

Es war etwas seltsam, als wir Coober Pedy verließen, denn wir hatten jetzt die längste Strecke von “Nicht” auf unserer ganzen Reise vor uns: 260km ohne eine einzige menschliche Siedlung. Zum Glück hatten wir von anderen Campern herausgefunden, dass es auf dieser Strecke zwei Wassertanks gab, so dass wir nicht allzu viel Wasser mitschleppen mussten.

In der Gegend um Coober Pedy gibt es keine Bäume, und die Landschaft war sehr leer. Als wir näher hinsahen, fanden wir allerdings immer noch schöne Wildblumen.

Schoene Blume   Sturt Desert Pea

Nun fuhren wir durch das Woomera Militär-Sperrgebiet, wo man nicht von der Straße abkommen durfte. Da das Sperrgebiet ungefähr so groß wie England ist, dauerte es ein paar Tage, bis wir es durchquert hatten.

Als wir am ersten Wassertank ankamen, wurde unsere schlimmste Befürchtung wahr: Er war leer. Zum Glück gab es aber noch einen kleinen Tank zum Händewaschen bei der Toilette, und nach einer halben Stunde hatten wir genug Tropfen für ein paar Liter Wasser zusammengeklaubt. Die Wassertanks in Südaustralien werden von Regenwasser gespeist, das vom Dach der Picknicktische kommt. Daher ist der Wasservorrat hier weniger zuverlässig und nicht so sauber wie im Northern Territory, und wir müssen jetzt unser Wasser auch wieder filtern.

Am zweiten Tag nach Coober Pedy, als wir unsere Fahrräder durch’s Gebüsch schoben, um zu zelten, merkten wir, dass wir gerade durch ein Dornenfeld gegangen waren. Unsere Reifen waren voller Dornen, und wir verbrachten die nächste Stunde damit, sie aus den Reifen zu ziehen. Am nächsten Morgen mussten wir die Fahrräder und unser Gepäck dann zur Straße tragen.

Dornen im Reifen   Ein fieser Dorn

Die Anstrengung, immer gegen den Wind zu fahren, forderte seine Opfer, und Guy hatte schlimme Knieschmerzen, so dass er nur sehr langsam fahren konnte. Wir schafften jetzt kaum 70km am Tag, und auch Schmerztabletten halfen nicht viel.

Bei unserem letzten Zeltplatz hatten wir Emu-Fußspuren gesehen. Wir hatten aber noch keine wilden Emus gesehen und dachten gerade darüber nach, wie scheu die Emus sind, als wir eine Gruppe von drei ausgewachsenen Emus mit einem Dutzend Baby-Emus in der Nähe von Glendambo sahen, dem ersten Roadhouse nach Coober Pedy. Der Emu ist der zweitgrößte Vogel der Welt nach dem Strauß, und in den nächsten Tagen sahen wir noch mehrere Emus. Trotz ihrer Größe flohen sie meist sofort, nachdem sie uns sahen. 

Emu Fussspuren   Emu

Nach drei Tagen Natur pur fühlten wir uns, als ob wir wieder in der Zivilisation angekommen waren, als wir am Roadhouse in Glendambo ankamen. Es war ziemlich aufregend, endlich wieder eine menschliche Behausung zu sehen, auch wenn es nur eine bescheidene Tankstelle und Motel war.

Als wir am Morgen Glendambo verließen, konnten wir in unseren Rückspiegeln einen Lastwagen sehen. Komischerweise betätigte er die Lichthupe und hielt hinter uns an. Bald erkannten wir unseren Bekannten, Craig, den wir eine Woche zuvor an einem Roadhouse getroffen hatten. Er wollte mehr über unsere Fahrt herausfinden und wohl auch unsere psychische Verfassung überprüfen. Wir lehnten sein Angebot ab, uns sein Mittagessen zu spenden (lecker, Lasagne!), akzeptierten dafür aber etwas Quellwasser, was viel besser als unser salziges Bohrwasser schmeckte.

Guy’s Knieschmerzen wurden nicht besser, und wir waren recht erleichtert, als wir endlich Lake Hart erreichten, gerade bei Sonnenuntergang. Dieser Salzsee ist normalerweise ausgetrocknet, führte nun aber dank des vielen Regens Wasser und war sehr schön.

Guy mit Craig   Zelten an Lake Hart

Am folgenden Morgen kamen wir an einem der größten Salzseen im Staat vorbei, der oft dafür verwendet wird, zu versuchen, Geschwindigkeitsrekorde zu brechen. Ein Großteil von Australien war früher von einem riesigen Binnenmeer bedeckt, und wenn man die riesigen Salzseen sieht, ist dies viel eher vorstellbar.

Salzsee

Fünf Tage nachdem wir Coober Pedy verließen, kamen wir in Woomera an. Dieses Dorf wurde 1947 gegründet, um die Woomera Raketenbasis zu versorgen. Nach dem 2. Weltkrieg hatten die Briten einen Ort gesucht, an dem sie neue Waffen, Raketen und Lenkwaffen testen konnten. Die Woomera Region war gewählt worden und wurde jahrzehntelang von den Briten, Australiern und Amerikanern verwendet, um dort hochgeheime Militärausrüstung zu testen. Das Besucherzentrum enthält viele Informationen über Woomera’s Geschichte. Allerdings war es etwas enttäuschend, dass die zerstörerischen Atomtests der späten 50ger Jahre dort gar nicht erwähnt wurden, die einige Gemeinden von Aboriginals und auch Soldaten verseuchten, die sich ungeschützt in der Gegend aufhielten. 

Das Dorf Woomera selbst war bis 1982 nicht öffentlich zugänglich. Es wird immer noch vom Militär benutzt und ist ein seltsam künstlicher Ort mit einem Campingplatz, einem Supermarkt und ein paar Museen. Wir legten dort einen Ruhetag ein, um Guy’s Knie zu schonen.

Rakete in Woomera   Rakete

Die Straße südlich von Woomera war sehr verkehrsreich, mit vielen Lastwagen und Schulferien-Verkehr. Die Anzahl von überfahrenen Tieren in diesem Gebiet war wirklich schlimm: Alle hundert Meter füllte der Gestank eines verwesenden Känguruhs oder einer Kuh die Luft, was uns veranlasste, darüber nachzudenken, welche überfahrenden Tiere wir bisher gesehen hatten. Hier ist die Liste. In den letzten 14 Monaten haben wir überfahrende Pferde, Schweine, Kühe, Kamele, Känguruhs, Wallabies, Schlangen, Schafe, Füchse, Mäuse, Dingos, Hunde, Frösche, Katzen, Warane, Igel, Ameisenigel und viele Vögel gesehen. Manchmal braucht man zum Radfahren schon starke Nerven!

Wir hatten endlich Rückenwind und Sonnenschein und fanden einen weiteren tollen Platz zum Zelten an unserem letzten Abend im Outback. Wenn man hier zeltet, fühlt man sich richtig verbunden mit der Natur. Unter einer Million Sterne um ein gemütliches Feuer zu sitzen war ein natürlicher Teil des Lebens unserer Vorfahren, aber heutzutage ist es leider eine seltene Erfahrung.

Port Augusta

Nach 3.600km erreichten wir endlich das Meer in Port Augusta, was offiziell unsere Zeit im Outback beendete. In nur einer Woche würden wir schon in Adelaide sein, wo wir unsere Freunde Paul und Jenny besuchen wollten, und wir freuten uns schon sehr darauf, endlich mal wieder in einem Haus zu übernachten.