Samstag, 24. September 2011

Unser letzter Tag als Video

Hier ist unser letzter Tag, komprimiert auf 3 Minuten Video. Genießt die kitschige Musik!

Sonntag, 18. September 2011

Über die Ziellinie

Skenes Creek – Point Lonsdale

Die Great Ocean Road ist ein Radfahrer-Mekka. Die Straße schlängelt sich über sanfte Hügel entlang der dramatischen Küste. Alle paar Kilometer verspricht ein Aussichtspunkt Fotogelegenheiten, und an einem Wochentag im frühen Frühling gab es fast keinen Verkehr. Kein Wunder dass Australiens Radler-Elite diese Gegend gefällt und dass sogar der momentane Tour de France Gewinner Cadel Evans hier wohnt, nur 15 Minuten vom Haus von Guy’s Eltern entfernt.

Strand an der Great Ocean Road

Guy’s Vater hatte einige Familienfreunde über unsere Ankunft informiert, die entlang der Küste leben, und so trafen wir Peter unterwegs in der Nähe von Skenes Creek. Er war uns entgegengekommen, um zusammen ein paar Stunden radzufahren. Peter hatte vor ein paar Jahren angefangen radzufahren, als sein Freund Phil Anderson, der in der Vergangenheit einige Etappen der Tour de France gewonnen hatte, ihm sein Fahrrad lieh. Seitdem ist Peter ständig auf seinem Fahrrad unterwegs – wir sind nicht überrascht, denn er wohnt in einem der schönsten Abschnitte der Great Ocean Road.

Wir hatten eigentlich vor, in Wye River zu zelten, aber da Peter hier wohnt, lud er uns netterweise ein, bei ihm und seiner Frau Corinne zu übernachten. Peter und Corinne haben ein unglaublich schönes Haus und auch ein kleines aber luxuriöses B&B auf einem steilen Abhang direkt über dem Meer. Das Wohnzimmer mit seiner 180° Aussicht fühlte sich wie ein Schiffsdeck an, und gerade als wir ankamen spielte eine Gruppe von Delphinen in den Wellen der Bucht unter uns. Im Winter ziehen auch oft Wale am Haus vorbei.

Peter   Freddie und Corinne

Das Dorf Wye River war wie viele andere in dieser Gegend nur per Schiff oder durch einen dichtbewachsenen Waldpfad erreichbar bevor die Great Ocean Road nach dem ersten Weltkrieg durch zurückgekehrte Soldaten gebaut wurde. Der Grund für den Bau der Great Ocean Road war, Arbeit für die Soldaten zu schaffen, und die Gegend erreichbarer für Holzfäller und Touristen zu machen.

Es war unser Glückstag, denn Peter und Corinne waren sehr nett zu uns und verwöhnten uns richtig am vorletzten Abend unserer Reise. Wir schliefen zum Plätschern der Wellen ein und wachten zu einer wunderschönen Aussicht über die Bucht auf. Da wir nur einen kurzen Tag vor uns hatten, genossen wir ein gemütliches Frühstück mit Corinne bevor wir in Richtung Lorne weiterfuhren.

In Lorne trafen wir Tony, einen weiteren Freund von Guy’s Vater und eine frühe Radsport-Inspiration für Guy. Guy erinnert sich noch an einen Tag, an dem Tony Guy’s Eltern besuchte, als Guy 13 war. Tony hatte gerade mit dem Fahrrad Australien umrundet. 15.000km in 72 Tagen! Guy erinnert sich noch genau daran, wie er dachte, dass Tony verrückt war!

 Great Ocean Road  Tony 

Tony hatte uns eingeladen, bei ihm und seiner Frau Pam in Fairhaven zu übernachten. Sie haben dort ein schönes Haus mit Aussicht über den Leuchtturm und das Meer, mit einer kleinen Cottage, die sie früher als B&B vermietet hatten, und die nun unser Heim für die Nacht sein sollte.

Tony und Pam sind so voller Energie und wir hoffen, dass wir später auch ein bisschen wie sie sein werden. Obwohl Tony bereits 70 ist, läuft er immer noch Halbmarathone und schlägt Männer, die nur halb so alt wie er sind, wenn er auf seinem Fahrrad unterwegs ist. Er ist ein toller Sportler und hatte sogar die Ehre, vor den olympischen Spielen in Sydney die olympische Flamme zu tragen.

Mit Tony und Pam   Strand

Wir konnten kaum schlafen, da wir so aufgeregt waren. Was für eine tolle letzte Nacht auf unserer Reise! Wir hatten wirklich Glück.

An unserem letzten Morgen waren wir extra vorsichtig, uns genug Zeit zu nehmen und es jetzt nicht noch zu vermasseln. Wir wollten nicht, dass nun noch etwas schiefginge, so nahe an unserem Ziel.

Daher war Tony überrascht, uns eine Stunde später nur 10km weiter wiederzusehen, wo wir gerade unseren letzten schuldfreien Bäckerei-Besuch hinter uns hatten und die schöne Sonne genossen. Das Wetter war einfach perfekt, ein richtiger Frühlingstag mit 20°C und wolkenlosem Himmel (genau wie wir auch mit schönem Frühlingswetter gesegnet waren, als wir im Mai 2010 London verließen).

Nun fuhren wir an der Surf Coast mit seinen erstklassigen Surf-Stränden entlang. Bells Beach ist in mehreren Surf-Filmen erschienen und richtet einen jährlichen Surfwettbewerb aus, der bereits 1961 begann. Guy bewunderte die Surfbretter, die es überall zu kaufen gab, und freute sich darauf, endlich sein eigenes Surfboard abzustauben, das bei seinen Eltern in der Garage hing.

Surfbretter   Bells Beach

Als wir Barwon Heads erreichten, waren wir wirklich in bekanntem Gebiet. Ein Kaffee bei At The Heads musste einfach sein und war ein bisschen emotional, da wir hier schon oft gewesen waren und nun nur noch 15km von zu Hause entfernt waren.

At The Heads   Point Lonsdale Strand

Wir kamen durch Ocean Grove und rollten bald den Hügel hinunter in Richtung des Dorfs Point Lonsdale und damit dem Ende unserer Tour. Nervös, aufgeregt und mit Schmetterlingen im Bauch widerstanden wir der Versuchung, direkt zum Haus von Guy’s Eltern zu fahren. Erstmal mussten wir den Strand und den Leuchtturm besuchen.

Die Landspitze in Point Lonsdale bildet gemeinsam mit Point Nepean auf der anderen Seite The Rip, den engen Eingangspunkt zu Port Philip Bay. Alle Schiffe von und nach Melbourne müssen durch The Rip fahren, einem der gefährlichsten Gewässer der Welt. Sogar heutzutage, trotz GPS, werden die meisten Schiffe hier noch durch Lotsenboote begleitet, die genau wissen, wo die gefährlichen Riffe sind.

Wir fuhren um die Wette hoch zum Leuchtturm und fühlten uns überwältigt. Wie oft hatten wir diese Szene in unserem Kopf durchgespielt? Es war immer so weit entfernt gewesen, aber jetzt waren wir wirklich hier. WIR HATTEN ES GESCHAFFT!

IN POINT LONSDALE   Point Lonsdale Leuchtturm

Als wir London verließen, wussten wir wegen Frederike’s Rückenproblemen nicht mal, ob wir es überhaupt nach Frankreich schaffen würden, und nun waren wir hier und waren DIE GANZE STRECKE MIT DEM FAHRRAD GEFAHREN (die Rückenschmerzen waren nie wiedergekommen). Die ganzen 18.168 km. Wir hatten immer an diesen kleinen Leuchtturm als unser Ziel gedacht, aber manchmal schien er so unglaublich weit entfernt zu sein. So viel musste klappen, und so viel könnte möglicherweise schiefgehen. Obwohl wir keinen großen Zeitdruck hatten, konnten wir es uns dennoch nicht leisten, für lange Zeit krank zu sein oder wochenlang auf Ersatzteile zu warten.

Wir wussten allerdings auch, dass Aufgeben keine Option war. Die Entscheidung könnte zwar für uns gefällt werden und außer unserer Kontrolle sein, aber wir würden mit Sicherheit nicht einfach aufgeben.

Point Lonsdale Karte

Wir waren besonders stolz darauf, unser ultimatives Ziel zu erreichen und die ganze Strecke mit dem Fahrrad zu fahren (ok, ausser das eine Mal, wo ein Polizist in Iran und dazu zwang, 25km in einem Kleinlaster mitzufahren). Die ganze Strecke mit dem Fahrrad zu fahren war uns aus zwei Gründen wichtig: Erstens hatten einige nette Leute etwas an SOS Kinderdörfer gespendet, im Glauben dass wir mit dem Fahrrad nach Australien fahren würden. Zweitens hätte es für uns auch das Gefühl der Leistung und des Erfolgs vermindert, streckenweise mit dem Zug / Bus / per Anhalter zu fahren.

Plötzlich fuhren wir schon unseren letzten Hügel hoch. Auf der anderen Seite war zu Hause und das Ende einer Ära. Wir standen oben auf dem Hügel und schauten hinunter auf die Ziellinie. Etwas hielt uns zurück und wollte nicht das Nomadenleben aufgeben, an dass wir uns so gewöhnt hatten. Ein anderer Teil von uns wusste aber, dass es nicht immer so weitergehen konnte und wir das auch nicht wollten. Die Zeit war reif, unsere Radtour zu beenden.

Zum letzten Mal betätigten wir die Gangschaltung und rollten hinunter zum Haus von Guy’s Eltern. Wir konnten sie schon aus der Ferne sehen, denn sie warteten bereits auf uns. Richard, Di und ihr kleiner Hund Maddie hatten schon so lange auf diesen Moment gewartet und hatten immer geduldig unsere Umwege und Erkundungen akzeptiert. Sie sahen aber ziemlich froh aus, dass wir nun wirklich endlich da waren!

Guy's Eltern  ZU HAUSE

Nun gab es nichts weiter zu tun als einen Tee zu machen und die Füße hochzulegen!

Donnerstag, 15. September 2011

10 Dinge, Die Wir Vermissen Werden

So kurz vor dem Ende unserer Tour haben wir in letzter Zeit darüber nachgedacht, was wir am meisten vermissen werden, wenn unsere 15-monatige Radtour zuende ist. Hier ist unsere Liste:

1. Die Freiheit und das Abenteuer.

2. Die sofortige Freundschaft und Gemeinschaft mit anderen Radtourern.

3. Verschiedene Länder wirklich intensiv kennenzulernen, und uns dabei manchmal fast wie Stars zu fühlen, durch die ganze Aufmerksamkeit, die unsere Fahrräder auf sich zogen.

4. Im australischen Outback wild zu zelten – abends am Feuer zu sitzen und die Sterne anzuschauen, und dann morgens die Känguruhs um unser Zelt herumhüpfen zu hören.

5. Die ersten Momente einer warmen Dusche nachdem wir mehrere Tage wild gezeltet hatten.

6. Nur wenige Besitztümer und Pflichten zu haben.

7. Immer wieder die Freundlichkeit von Fremden zu erfahren, sei es durch ein Angebot für ein Bett für die Nacht, eine Tasse Tee oder auch nur einen hohen Daumen im Vorbeifahren.

8. Uns fitter, stärker und gesünder zu fühlen als je zuvor

9. Die großen Weiten in Gegenden wie dem australischen Outback und der Türkei.

10. Das befriedigende Gefühl, es nach einem anstrengenden Tag zu unserem Ziel geschafft zu haben.

Mittwoch, 14. September 2011

18.000km Foto

Es fühlte sich fast unwirklich an, bei den 12 Aposteln an der Great Ocean Road angelangt zu sein. Nun waren wir endlich ganz nahe an unserem Ziel, nach 15 Monaten und mit 18.000km unter unseren Rädern.

Dies ist unser letztes Kilometer-Foto, was ein bisschen traurig ist, aber alle guten Dinge müssen auch mal zuende gehen. Wir sind einfach nur glücklich, dass wir unseren Traum verwirklichen konnten und es so weit geschafft haben.

18000km Foto

Montag, 12. September 2011

Die Great Ocean Road

Timboon – Skenes Creek

Zurück an der Great Ocean Road hielten wir bei einigen der vielen Felsformationen an, die durch die stürmische See ausgehöhlt worden waren. Sturmwolken bildeten einen bedrohlichen Hintergrund und der Wind trieb die Wellen mit zerstörerischer Macht gegen die Küste. In der heutigen Wettervorhersage für Surfer stand einfach: “Zu hoch”.

Bis 1990 war London Bridge (Bild unten) mit dem Land verbunden, wobei die Felsen eine natürliche Brücke mit zwei Bogen bildeten. Einer der Bogen war eingestürzt, so dass zwei Leute (Gerüchten zufolge hatten sie eine Affäre!) stundenlang auf dem Felsen steckenblieben, bis sie durch einen Hubschrauber gerettet wurden.

 London Bridge

In Port Campbell legten wir einen regnerischen Ruhetag ein – unseren letzten auf dieser Reise. Am folgenden Morgen besuchten wir die beeindruckende Loch Ard Schlucht, so genannt nach dem Englischen Passagierschiff, das hier 1878 in dichtem Nebel an den Klippen zerschellte und zugrunde ging. Nicht umsonst heißt diese zerklüftete Küste die Schiffwracks-Küste, denn hier liegen mehr als 50 Schiffswracks, die meist aus dem 19. Jahrhundert stammen.

12 Apostel

Ein Besuch bei den 12 Aposteln, der berühmtesten Sehenswürdigkeit der Great Ocean Road, verwunderte uns etwas, denn es sind nur noch 8 dieser Kalksteinformationen übrig, wobei der letzte Apostel in 2005 eingestürzt war. Es ist dennoch ein beeindruckender Anblick, vor allem in windigem Wetter wenn die meterhohen Wellen auf die Klippen prallen. 

Schoene Aussicht   Guy und Frederike

Nun ließen wir die Küste erstmal hinter uns und bereiteten uns auf den letzten Berg unserer Reise vor: Den 500m Anstieg in den Otway Nationalpark. Die kurvige Straße war recht ruhig und führte durch dichten Regenwald. Der Anstieg war ziemlich steil aber machbar. Da es den ganzen Tag regnete, waren wir nicht erfreut, als wir in Lavers Hill ankamen und der Campingplatz, den wir dort erwartet hatten, nicht existierte.

Wir hatten genug davon, nass und kalt zu sein, und daher leisteten wir uns ausnahmsweise eine Nacht in einem Motel. Frederike’s Vater, dem wir wohl leid taten, weil wir immer nur zelteten, hatte uns ein “Vergnügensbudget” für unsere letzten paar Tage gegeben, das wir für Essen, Kaffee und diese sehr geschätzte Nacht im Motel ausgaben. Danke Papa!

Als wir zu dichtem Nebel und Nieseln aufwachten, schauten sechs Alpakas in unser Motel-Fenster. Mit Regenjacken und Fahrradlampen an fuhren wir weiter. Wir hatten beschlossen, ein wenig das Hinterland und die Gegend um Beech Forest zu erkunden.

Papagei   Frederike auf Turtons Track

Nach einem Kaffee und einem leckeren Mittagessen im Ridge Cafe in Beech Forest waren wir erfrischt und fuhren in Richtung Turtons Track weiter. Turtons Track ist eine schmale Holzfäller-Straße, die gerade erst geteert worden war. Sie mäandert durch einen Regenwald mit beeindruckend hohen Buchen und dichten Farnen und Moosen. Es war eine sehr schöne Fahrt und eine gute Alternative zur verkehrsreicheren Great Ocean Road zwischen Lavers Hill und Skenes Creek.

Turtons Track

Nachdem wir Turtons Track verlassen hatten, wurden wir durch eine tolle 10km lange Abfahrt mit dramatischer Aussicht über’s Meer belohnt, als wir nach Skenes Creek fuhren und damit zurück zur Great Ocean Road kehrten. Nach unserem letzten Umweg waren wir nun nur noch ZWEI TAGE von zu Hause entfernt; aufregend, aber auch ein wenig beängstigend.

Donnerstag, 8. September 2011

Schlemmen in Victoria

Robe – Timboon

Als wir Robe verließen, hatten wir immer noch Rückenwind, und der Sonnenschein machte den Tag perfekt zum Radfahren. Mittags legten wir eine Pause in Beachport ein, einem schläfrigen Fischerdorf umgeben von Surf-Stränden.

Beachport   Achtung Wombats

Wir zelteten in Millicent und fühlten uns nicht danach, durch Mount Gambier zu fahren, und so fuhren wir stattdessen im Zickzack durch Dörfer in Richtung der Grenze zu Victoria.

Die Gegend um Mount Gambier ist berühmt für ihre Karstquellen. Daher freuten wir uns, als wir plötzlich an einer vorbeikamen, die recht unerwartet aus dem umgebenden Ackerland entsprang. Diese Karstquellen sind bis zu 77m tief und durch Kalkstein-Korrosion entstanden. Guy tauchte seine Zehen in das eiskalte Wasser, entschied sich aber dagegen, schwimmen zu gehen.

Kurz darauf kamen wir an unserer letzten Grenze an. Nach unzähligen Grenzüberquerungen von einem fremden Land ins nächste waren wir nun endlich in unserem Zielstaat Victoria. Auf einmal fühlte sich unser neues Zuhause sehr nahe an.

Karstquelle   Endlich in Victoria

Als wir im Dorf Nelson ankamen, das kurz hinter der Grenze liegt, trafen wir Dan, einen kanadischen Radfahrer, der von Perth aus durch die Nullarbor-Wüste gefahren war.

Dan war an unserer Ausrüstung interessiert, und so begannen die technischen Diskussionen: Igluzelt oder Tunnelzelt, MSR XGX oder MSR Whisperlite? Guy und Dan machten sogar einen Kochwettbewerb, um zu sehen, welcher Campingkocher am schnellsten zwei Tassen Wasser zum Kochen bringen konnte. Zu Dan’s Freude gewann sein MSR XGX mit 15 Sekunden Vorsprung, verlor aber Punkte durch seine starke Lautstärke, die jegliche Unterhaltung unterband.

Kochwettbewerb  Regenbogen in Nelson

Gemeinsam mit Dan fuhren wir an einem kalten und regnerischen Morgen weiter. Dan komponiert während des Radfahrens gerne Lieder, und wir genossen solche Klassiker wie “Oh Nein Schon Wieder Ein Hügel” und “Laster Im Rückspiegel, Meine Knie Zittern Schon”.

In Portland aßen wir gemeinsam zu Mittag bevor Dan weiterfuhr, während wir einen Campingplatz suchten. Keiner der Campingplätze im Ort hatte eine ordentliche Küche wo wir sitzen und arbeiten konnten, aber am Ende fanden wir einen Campingplatz mit einer außer Betrieb genommenen Schlafbaracke, die wir für einen günstigen Preis mieten konnten.

Nach einem kurzen Tag auf den Fahrrädern kamen wir in Port Fairy an, einem vornehmen Stranddorf, das bei Urlaubern aus Melbourne beliebt ist. An den schicken Cafes und Antiquitätenläden waren wir allerdings nur wenig interessiert, als wir im Regen einen Campingplatz suchten.

Wir hatten gehofft, hier einen Tag freizunehmen, aber es gab auf dem Campingplatz keinen guten Ort, wo wir drinnen sitzen konnten, und das Wetter war auch nicht besonders toll. Daher fuhren wir am nächsten Morgen gleich weiter.

Port Fairy   Port Fairy

Nachdem wir durch Warrnambool gekommen waren, hielten wir bei Logans Beach an, um nach Walen Ausschau zu halten. Im Winter kommen Südkaper-Wale von der Antarktis in diese Bucht und werden oft gesehen, da die weiblichen Wale in diesen wärmeren Gewässern ihre Jungen gebähren. Die Südkapern wurden im 19. Jahrhundert sehr viel gejagt, da sie nahe am Ufer schwimmen und an der Wasseroberfläche treiben, wenn sie tot sind. Bevor sie gejagt wurden, gab es ca 60.000 Südkapern. Heutzutage steigt Ihre Anzahl zwar wieder, aber es sind immer noch nur 7.000 übrig.

Wir warteten eine Stunde lang, aber die Wale kamen nicht vorbei, um Hallo zu sagen, und so fuhren wir dann weiter in Richtung Timboon, wo wir John und Rachel besuchen wollten, ein Paar das wir vor ein paar Monaten bei Uluru getroffen hatten.

John und Rachel leben momentan auf dem Grundstück von John’s Mutter, das sie von einem dürren Feld in einen blühenden Garten verwandelt haben. Die Zäune waren mit Beeren bedeckt, es gab unzählige Obstbäume von Pflaumen und Äpfeln bis zu Guaven und Orangen, und der Gemüsegarten floss fast über mit gesundem Grünzeug, Artischocken und Riesen-Karotten.

Gartentour   Kamillenblüten

Es war schön, John und Rachel wiederzusehen und etwas über Ihre Erfahrungen mit biologisch-dynamischer Landwirtschaft und Permakultur zu lernen, a Kamin zu sitzen und Rachel’s herzhaften Eintopf zu genießen. Am nächsten Morgen fuhren wir weiter, mit einem riesigen Büschel Mangold, einer Handvoll Kamillenblüten für Tee, und mehreren Topinambur-Knollen, die wir pflanzen wollten, wenn wir zuhause ankamen.

Artischocken   Mangold Ernte

Ein kleiner Anstieg brachte uns nach Timboon, wo wir bei einer alten Whiskey-Brennerei anhielten, die in ein schickes Restaurant umgewandelt worden war.

Zurück auf den Fahrrädern hielten wir bald schon wieder an, und zwar bei einem Käsehersteller, The Mousetrap, die einem französischen Käse-Experten gehört. Während der Käseprobe unterhielten wir uns mit einem netten französischen Paar, Bruno und Marlene, die in Melbourne leben und uns auf ein Getränk einluden.

Bruno und Marlene   Kaeseprobe

Nach so viel Essen fanden wir es anstrengend, einen kleinen Hügel hochzufahren, bevor wir wieder an die Küste zurückkehrten, wo uns eine dramatische Küstenlandschaft und ein damit ein Highlight der Great Ocean Road erwartete.

Montag, 5. September 2011

Durch den Coorong Nationalpark

Adelaide – Robe

Über Landkarten gebeugt wurde uns langsam klar, dass es einfach keinen Weg aus Adelaide gab, bei dem man die Berge umgehen konnte. Am Ende wählten wir eine ruhige Straße mit einem relativ sanften 500m Anstieg, die uns in Richtung Osten zum Murray River führte.

Am Morgen unserer Abfahrt war das Wetter schlechter als in unserer ganzen Zeit in Adelaide: Regen und Wind. Mit Regenjacken und Fahrradlampen an verabschiedeten wir uns von unseren Freunden und fuhren zum Fluss. Wir folgten dem Radweg am Fluss entlang für 12km und fuhren dann auf Gorge Road weiter, wobei wir einem nebligen Flusstal hoch in die Berge folgten.

Wasserfall   Flusstal

Am Nachmittag klärte sich der Himmel auf und wir rollten hinunter zum Murray River, wo wir wohl so müde aussahen, dass die Besitzer des Campingplatzes in Mannum uns einen Seniorenrabatt gaben – nicht schlecht für zwei 32jährige!

Der nächste Tag begann mit Sonnenschein und blauem Himmel, und wir erwarteten einen leichten 70km Tag. Sobald wir jedoch den Campingplatz verließen, kam ein starker Wind auf und der Himmel bewölkte sich. Sturmböhen bliesen uns seitwärts von der Straße, und Vögel kämpften vergeblich gegen den Wind an.

Ein freundliches Cafe versprach eine Pause vom Regen und Sturm. Als wir es endlich zum Campingplatz in Wellington schafften, war es bereits dunkel und unser “leichter Tag” hatte sich als einer der anstrengendsten unserer Fahrt durch Australien entpuppt.

Mit diesem Hintergrund war es klar, dass wir nicht lange überlegten, als uns die Option, ein Zimmer für nur $25 zu mieten, angeboten wurde – ein Zeltplatz hätte $19 gekostet.

Bauernhof 

Durch den Gegenwind war unser Fortschritt am nächsten Tag langsam und wir schafften es nur bis Meningie, einer kleinen Stadt am Rande des Coorong Nationalparks. Wir zelteten bei einem See und verbrachten einen entspannenden Nachmittag damit, Pelikane zu beobachten.

Pelikane   Wildblume

Die Coorong ist ein 145km langer Nationalpark, der die Younghusband Halbinsel einschließt. Die Lagunen-Landschaft ist ein Brutort für viele Vögel und wir sahen Dutzende von Pelikanen.

Gerade als wir darüber redeten, wie passend die Coorong Wildblumen dafür wären, Honig zu machen, kamen wir an einem kleinen “Honig zu verkaufen” Schild vorbei. Ein Selbstbedienungs-Kühlschrank enthielt eine Auswahl von 1kg schwere Honigtöpfchen.

“Frederike, ich muss diesen Honig einfach kaufen,” bestand Guy auf den Kauf, wobei er sie daran erinnerte, dass er eines Tages selber mal Hobby-Imker werden wollte. “Sonst werde ich mich den Rest meines Lebens fragen, wie er wohl geschmeckt hätte.”

Nach dem Kauf fand Frederike plötzlich ein 1kg Honigtöpfchen von ihrem Lenker baumeln, während Guy bereits unbeschwert weiterfuhr.

Schleckermaul

Der Coorong Nationalpark bot viele Möglichkeiten zum wilden Zelten. Wälder hatten das abgezäunte landwirtschaftliche Gebiet ersetzt und wir wurden an das Outback im Norden erinnert, als wir leicht einen Zeltplatz fanden. Er war allerdings recht matschig – ein Fest für die Moskitos.

Am Morgen wurde ein Radfahrer-Traum wahr: Der Wind hatte sich gedreht und wir waren mit einem starken Rückenwind gesegnet. Wir hatten eigentlich nur vor, 70km nach Kingston zu fahren. Als wir schon mittags dort ankamen, fuhren wir weiter nach Robe und machten daraus einen 120km Tag.

Campingplatz in Robe   Robe Hafen

Robe ist ein schönes kleines Fischerdorf, das bei Touristen von Melbourne und Adelaide beliebt ist. An einem Sonntagnachmittag im Winter war allerdings fast alles im Ort geschlossen, sogar der Supermarkt. Auf dem Campingplatz war auch niemand zu erreichen, und so sahen wir uns um und fanden dort einen schönen Platz für unser Zelt mit 180° Meeresblick.

Am folgenden Tag gingen wir im Dorf spazieren und genossen das schöne Wetter und den Sonnenschein bei 20°C. Nicht schlecht für einen Wintertag!