Samstag, 8. Oktober 2011

Danke

Nun da wir unsere 18,000km Fahrradtour beendet und einige Wochen lang Bewunderung auf uns gezogen haben, ist es an der Zeit, zuzugeben, dass wir es nie ohne die Hilfe der vielen freundlichen Leute geschafft hätten, die uns unterwegs ausgeholfen haben.

Während wir unsere Tour planten, lasen wir viele inspirierende Blogs und Bücher und baten mehrere erfahrene Tourenradfahrer um Rat. Insbesondere half uns Anne Mustoe’s Buch A Bike Ride, das unsere erste Inspiration war, sowie Alastair Humphrey’s fantastische Bücher über seine Weltumrundung mit dem Fahrrad.

Al Humphreys organisierte auch einen Abend in einem Pub in London, wo wir andere Tourenradfahrer trafen – Friedel und Andrew von TravellingTwo, die uns bereits vor unserem Treffen mit vielen Ratschlägen geholfen hatten, und die seitdem ein Buch voller Tips und Informationen geschrieben haben. Wir trafen dort auch Justin und Emma von Rolling Tales, die selber kurz vor ihrem Aufbruch in Richtung Neuseeland waren und die wir später in der Türkei wiedersahen, und Di, mit der wir letztendlich von Budapest nach Istanbul fuhren. Tara und Tyler von Going Slowly beantworteten unsere vielen Fragen via Skype von ihrem Zelt in Rumänien aus und wir trafen sie später in Bangkok endlich persönlich. Viele andere Blogs halfen uns mit Inspiration und praktischen Ratschlägen und gaben uns Mut, auf unsere eigene Tour aufzubrechen.

An unserem ersten Tag begleiteten unsere Freunde Gerry und Dom uns durch London. Am ersten Abend bot uns Andrea in Dartford durch die Warmshowers Webseite ein Bett an, was ein toller Anfang unserer Reise war. Auf unserer Tour wurden wir von vielen anderen Leuten eingeladen, in ihren Häusern zu übernachten: Catherine & Mathieu in Metz, Charlotte in Strasbourg, Sandra & Alex in Böblingen, Jürgen in Wien, Ulas in der Türkei, Hossein & Sohra in Iran, Mahmud & Mahdie in Iran, Ahmad und seine Familie in Iran, Melanie in Abu Dhabi, Chuen und seine Mutter in Singapur, Ruth & Glen in Darwin, Paul & Jenny in Adelaide, John & Rachel in Timboon, Peter & Corinne in Wye River und Tony & Pam in Fairhaven für die letzte Nacht unserer Tour.

Unzählige Leute halfen uns unterwegs, indem sie mit uns sprachen, uns den Weg zeigten, uns Essen oder Getränke schenkten, winkten, uns den Daumen-hoch gaben, eine Mahlzeit kauften oder uns in ihre Häuser einluden, uns in ihren Gärten zelten ließen, ihre Gegend zeigten oder sogar Wasser für uns im Australischen Outback versteckten. Wir hatten zu viele Helfer, um sie individuell aufzuzählen, aber Ihr wisst, wer Ihr seid, und wir werden Eure guten Taten nie vergessen.

Unterwegs kamen uns einige unserer Freunde und Familienangehörigen besuchen. Es war toll, bekannte Gesichter zu sehen. Gudrun traf uns in Ulm, Frederike’s Eltern, Schwester und Schwager besuchten uns in Wien, Tony zeigte uns Budapest, Janne & Marco und Gerry kamen nach Istanbul, Abhishek & Priya und Amol führten uns in die indische Kultur und Mumbai ein, Nick & Aom trafen uns in Bangkok und Nick fuhr eine Woche mit uns durch Thailand, wir trafen Beng in Malaysien, Tze-Ern und Ben luden uns für ein Abendessen in Singapur ein und Guy’s Schwester Justine besuchte uns in Adelaide. Der Preis für die meisten Besuche geht aber an Frederike’s Vater Gerhard, der uns 3 mal besuchte – in Wien, Istanbul und Dubai. Jedesmal brachte er ein Paket voller Ersatzteile mit und lud uns in ein nettes Hotel ein.

Ein besonderes Dankeschön geht an alle, die eine Spende an SOS Kinderdörfer gemacht haben, um unsere Fahrt to sponsern, und an die Organisation selbst, die uns einlud, eines ihrer Dörfer in Kerala, Indien, zu besuchen.

Als wir unsere Tour planten, stellten wir sicher, dass unsere Ausrüstung von hoher Qualität, haltbar und leicht war. Die Unternehmen, die unsere Ausrüstung herstellten, sind zum Großteil sehr hilfsbereit gewesen, wenn doch etwas schiefging. Icebreaker ersetzte umsonst ein verschlissenes T-Shirt, Ortlieb schickte uns Ersatzklemmen für unsere Satteltaschen, Thermarest schickte uns zwei (!) neue Schlafmatten (die Original-Matte war kaputtgegangen und die erste Ersatzmatte war in der Post verlorengegangen), General Ecology sponserte uns eine neue First Need Wasserfilterkartusche, und Bikesportz sponserte uns neue Panaracer Reifen.

Ein großes Dankeschön an das Team von SJS, das unsere Thorn Raven Fahrräder gebaut hat, die uns treu über 23,000km gedient haben ohne ernsthafte Probleme, nicht mal eine Speiche ist gebrochen! Die Fahrräder waren der wichtigste Teil unserer Ausrüstung und sie haben uns nie im Stich gelassen. Unsere Upgrades auf doppelwandige Felgen, extra starke Speichen und die Rohloff-Nabe haben dabei einen wichtigen Teil gespielt.

Unsere Familien waren extrem geduldig und unterstützend. Obwohl sie sich manchmal Sorgen um uns machten, beklagten sie sich nie über unsere lange Tour und versuchten immer so zu tun, als ob es normal wäre, dass wir sie aus einer Telefonzelle in Iran anriefen, um anzukündigen, dass wir jetzt für die nächsten 8 Tage nicht erreichbar wären, da wir durch eine Wüste durchqueren mussten.

Es hat uns wirklich Spaß gemacht, diesen Blog zu schreiben und durch unsere Webseite, Twitter und in letzter Zeit auch Facebook Kontakte zu netten Leuten zu knüpfen. Wir finden es immer noch ziemlich aufregend, wenn jemand uns eine Nachricht schreibt, und die Ermunterung unserer Leser hat uns durch einige schwere Zeiten geholfen. Insbesondere durch Twitter knüpften wir unterwegs Kontakte zu vielen interessanten Leuten, die selber auf einer großen Radtour waren.

Wir hoffen, dass wir an die Leute, die gerade ihre eigene Reise planen, einige nützliche Informationen weitergeben konnten um den Kreis zu schließen und zurückzugeben, was wir an Ratschlägen und Ermutigung erhielten, als wir unsere Tour begannen.

-- DANKE!

Sonntag, 2. Oktober 2011

Wie Alles Begann

“Das Ziel der Lebensreise ist nicht, sicher und mit einem gut erhaltenen Körper im Grab anzukommen, sondern seitwärts hineinzuschlittern, völlig erschöpft und dabei zu schreien “Heiliger Mist, was für eine Fahrt”” – Mavis Leyrer

Einige Leute haben uns gefragt, wie wir überhaupt auf diese verrückte Idee kamen, mit dem Fahrrad nach Australien zu fahren.

Wir beide sind früher regelmäßig fahrradgefahren, haben aber nie etwas extremeres gemacht. Als wir 2003 in Kambodscha waren, liehen wir uns Fahrräder, um für einige Tage die Ruinen von Angkor Wat zu erkunden. Dabei kamen wir auf den Geschmack, in fremden Ländern radzufahren. Uns gefiel einfach die Unabhängigkeit: Wir konnten überall hinfahren wo es uns gefiel, und wir fanden dass die Kinder diese Fremden auf ihren Fahrrädern ziemlich interessant fanden. Es half, kulturelle Kluften zu überbrücken.

Dennoch dachten wir nie darüber nach, größere Radtouren zu unternehmen; wir nahmen an, dass das eher “richtigen” Abenteurern vorbehalten war. Das änderte sich, als Guy ein Buch von einer älteren englischen Dame namens Anne Mustoe las. Sie konnte keinen Platten reparieren, war nicht sportlich, mochte nicht zelten, aber sie fuhr alleine mit ihrem Fahrrad um die Welt, und zwar zweimal!

Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr gefiel Guy die Idee einer Radtour von England nach Australien. Wir hatten schließlich diese faszinierenden Länder schon öfter von einem Flugzeug aus gesehen, und es musste viel aufregender sein, sie mit dem Fahrrad zu erkunden. Frederike war nicht so sicher, es war ja wirklich sehr weit und wir hatten noch nie eine Radtour von mehr als ein paar Stunden gemacht.

Um zu versuchen, Frederike davon zu überzeugen, dass es eine vernünftige Sache war, mit dem Fahrrad nach Australien zu fahren, probierten wir das Ganze in einer Umgebung aus, die uns mit Sicherheit an unsere Grenzen führen würde, und zwar in der Provence.

Nach einer Woche, in der wir gemütlich durch die sonnigen Weingegenden meanderten und in schnuckeligen Pensionen übernachteten, verkündete Frederike, dass sie bereit für die Weltreise war. So schwer konnte das ja nicht sein.

Wir begannen, Vorbereitungen für die Tour zu treffen, zeichneten Linien auf Landkarten, verbrachten Stunden in Buchläden, um Reiseführer zu wälzen, und kauften Dinge, von denen wir noch nie gehört hatten. Die Sache wurde ernster, als wir in unsere Tourenräder investierten. Vorher hatten wir immer nur ältere Fahrräder gehabt, daher waren wir ziemlich beeindruckt, als wir das erste Mal mit unseren schönen neuen Thorn Raven Tourenrädern fuhren. 

Wir konnten es nicht abwarten, bis sie uns geliefert wurden, und so fuhren wir einen halben Tag mit dem Zug, um sie selber abzuholen. Über die nächsten drei Tage radelten wir die 180km zurück nach Hause, in strömendem Regen und auf matschigen Kanalwegen, und wir hatten viel Spaß dabei. Klar, das Radfahren war miserabel, aber wir fühlten uns glücklich, draußen in der Natur zu sein und in einem Tempo zu reisen, bei dem wir die Details der Welt um uns herum sehen konnten.

Als unsere vielen Bestellungen ankamen und unsere kleine Wohnung in London fast wie ein Outdoor Laden aussah, dachten wir, dass wir uns vielleicht herausfordern sollten, um auszuprobieren, ob wir mehr als eine Woche auf unseren Fahrrädern aushalten könnten.

Da wir in England wohnten, dachten wir, dass eine Fahrt von Lands End im Süden nach John O’Groats im Norden passend wäre. Es tat weh, die Tage waren lang, wir hielten kaum an, die Landschaft war schön aber wir hatten kaum Zeit, sie zu genießen. Wir schafften die Fahrt, die wir uns vorgenommen hatten, aber es brachte uns fast um. Eine Radtour mit einem sehr strengen Zeitplan war nichts für uns. Wir standen lieber etwas später auf und genossen unser Frühstück. Wir wollten mit den Bauern in ihren Feldern reden oder einer Raupe über die Straße helfen. Wir wollten diese Reise nicht nur als Herausforderung sehen, sondern den Lebensstil, die Abenteuer und Entdeckungen auf dem Weg genießen.

Nachdem uns dies klar war, planten wir genügend Zeit für unsere Radtour nach Australien ein, so dass wir tagsüber auch für etwas anderes Zeit hatten, als nur radzufahren. Als der Abreisetag näherkam, konnten wir kaum glauben, was wir vor uns hatten. Mal waren wir optimistisch, und dann hatten wir wieder schwere Zweifel und schlaflose Nächte. Dennoch hatten wir nun bekanntgegeben, was wir vorhatten, und konnten schlecht schon vor der Abreise aufgeben. Also stiegen wir auf unsere Fahrräder und begannen, in Richtung Australien zu strampeln, und unterwegs hatten wir die unglaublichsten Erfahrungen unseres Lebens…