Sonntag, 2. Oktober 2011

Wie Alles Begann

“Das Ziel der Lebensreise ist nicht, sicher und mit einem gut erhaltenen Körper im Grab anzukommen, sondern seitwärts hineinzuschlittern, völlig erschöpft und dabei zu schreien “Heiliger Mist, was für eine Fahrt”” – Mavis Leyrer

Einige Leute haben uns gefragt, wie wir überhaupt auf diese verrückte Idee kamen, mit dem Fahrrad nach Australien zu fahren.

Wir beide sind früher regelmäßig fahrradgefahren, haben aber nie etwas extremeres gemacht. Als wir 2003 in Kambodscha waren, liehen wir uns Fahrräder, um für einige Tage die Ruinen von Angkor Wat zu erkunden. Dabei kamen wir auf den Geschmack, in fremden Ländern radzufahren. Uns gefiel einfach die Unabhängigkeit: Wir konnten überall hinfahren wo es uns gefiel, und wir fanden dass die Kinder diese Fremden auf ihren Fahrrädern ziemlich interessant fanden. Es half, kulturelle Kluften zu überbrücken.

Dennoch dachten wir nie darüber nach, größere Radtouren zu unternehmen; wir nahmen an, dass das eher “richtigen” Abenteurern vorbehalten war. Das änderte sich, als Guy ein Buch von einer älteren englischen Dame namens Anne Mustoe las. Sie konnte keinen Platten reparieren, war nicht sportlich, mochte nicht zelten, aber sie fuhr alleine mit ihrem Fahrrad um die Welt, und zwar zweimal!

Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr gefiel Guy die Idee einer Radtour von England nach Australien. Wir hatten schließlich diese faszinierenden Länder schon öfter von einem Flugzeug aus gesehen, und es musste viel aufregender sein, sie mit dem Fahrrad zu erkunden. Frederike war nicht so sicher, es war ja wirklich sehr weit und wir hatten noch nie eine Radtour von mehr als ein paar Stunden gemacht.

Um zu versuchen, Frederike davon zu überzeugen, dass es eine vernünftige Sache war, mit dem Fahrrad nach Australien zu fahren, probierten wir das Ganze in einer Umgebung aus, die uns mit Sicherheit an unsere Grenzen führen würde, und zwar in der Provence.

Nach einer Woche, in der wir gemütlich durch die sonnigen Weingegenden meanderten und in schnuckeligen Pensionen übernachteten, verkündete Frederike, dass sie bereit für die Weltreise war. So schwer konnte das ja nicht sein.

Wir begannen, Vorbereitungen für die Tour zu treffen, zeichneten Linien auf Landkarten, verbrachten Stunden in Buchläden, um Reiseführer zu wälzen, und kauften Dinge, von denen wir noch nie gehört hatten. Die Sache wurde ernster, als wir in unsere Tourenräder investierten. Vorher hatten wir immer nur ältere Fahrräder gehabt, daher waren wir ziemlich beeindruckt, als wir das erste Mal mit unseren schönen neuen Thorn Raven Tourenrädern fuhren. 

Wir konnten es nicht abwarten, bis sie uns geliefert wurden, und so fuhren wir einen halben Tag mit dem Zug, um sie selber abzuholen. Über die nächsten drei Tage radelten wir die 180km zurück nach Hause, in strömendem Regen und auf matschigen Kanalwegen, und wir hatten viel Spaß dabei. Klar, das Radfahren war miserabel, aber wir fühlten uns glücklich, draußen in der Natur zu sein und in einem Tempo zu reisen, bei dem wir die Details der Welt um uns herum sehen konnten.

Als unsere vielen Bestellungen ankamen und unsere kleine Wohnung in London fast wie ein Outdoor Laden aussah, dachten wir, dass wir uns vielleicht herausfordern sollten, um auszuprobieren, ob wir mehr als eine Woche auf unseren Fahrrädern aushalten könnten.

Da wir in England wohnten, dachten wir, dass eine Fahrt von Lands End im Süden nach John O’Groats im Norden passend wäre. Es tat weh, die Tage waren lang, wir hielten kaum an, die Landschaft war schön aber wir hatten kaum Zeit, sie zu genießen. Wir schafften die Fahrt, die wir uns vorgenommen hatten, aber es brachte uns fast um. Eine Radtour mit einem sehr strengen Zeitplan war nichts für uns. Wir standen lieber etwas später auf und genossen unser Frühstück. Wir wollten mit den Bauern in ihren Feldern reden oder einer Raupe über die Straße helfen. Wir wollten diese Reise nicht nur als Herausforderung sehen, sondern den Lebensstil, die Abenteuer und Entdeckungen auf dem Weg genießen.

Nachdem uns dies klar war, planten wir genügend Zeit für unsere Radtour nach Australien ein, so dass wir tagsüber auch für etwas anderes Zeit hatten, als nur radzufahren. Als der Abreisetag näherkam, konnten wir kaum glauben, was wir vor uns hatten. Mal waren wir optimistisch, und dann hatten wir wieder schwere Zweifel und schlaflose Nächte. Dennoch hatten wir nun bekanntgegeben, was wir vorhatten, und konnten schlecht schon vor der Abreise aufgeben. Also stiegen wir auf unsere Fahrräder und begannen, in Richtung Australien zu strampeln, und unterwegs hatten wir die unglaublichsten Erfahrungen unseres Lebens…

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